1. Foren
  2. Kommentare
  3. Wissenschaft-Forum
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Außerirdisches Leben: Warum…

Autor ist unwissenschaftlich

Neue Foren im Freiraum! Raumfahrt und freie Software haben jetzt einen Platz, die Games tummeln sich jetzt alle in einem Forum.
  1. Thema
  1. 1
  2. 2

Neues Thema


  1. Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: mnementh 23.06.22 - 19:39

    Der Artikel hat so viele Löcher wie ein Schweizer Käse.

    > Die Zahl tatsächlich bewohnbarer Welten dürfte angesichts der vielen optimalen Bedingungen, die es für Leben anscheinend benötigt, verschwindend gering sein.
    In den etwa 5000 bisher bekannten Exoplaneten haben wir 21 gefunden, die nach enger Auslegung grundlegende Bedingungen für Habitabilität erfüllen und 38 weitere, die nach etwas lockereren Kriterien durchgehen. 21 von 5000 sind 0,42%. Da wir bisher nur in einem engen Bereich Exoplaneten erfassen und derzeit davon ausgehen dass etwa jeder zweite Stern Planeten hat, sollte es allein in der Milchstraße Hunderte Millionen grundsätzlich habitabler Planeten geben.

    Wohlgemerkt, die Bedingungen für Habitabilität gehen auch von komplexerem Leben und Photosynthese aus, einfache Lebensformen brauchen weniger.

    Aber merken wir uns im obig zitierten Satz das optimal, hier scheint das Problem zu liegen. Der Autor zeigt wenig Kenntnis von Biologie durch den Artikel, daher scheint er optimal als unglaublich streng zu interpretieren. Aber schon im Bereich der Astronomie finden wir, dass optimal vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich ist.

    Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es sogar Planeten gibt die bessere Bedingungen für unsere Form von Leben haben als die Erde. Das Konzept ist bekannt als superhabitable Planeten:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Superhabitabler_Planet
    Es gibt gute Spekulationen, dass superhabitable Planeten sogar häufiger sind als erdähnliche Planeten, da zum einen die Klasse an Sternen häufiger ist, als auch die etwas höhere Masse superhabitabler Planeten häufiger vorkommt als Planeten mit Erdmasse. Mit anderen Worten: die Erde ist nicht einmal optimal für die Entstehung von Leben - und dennoch ist hier Leben entstanden. Nicht nur das, wir haben sogar komplexes mehrzelliges Leben. Einfach nur die Existenz von Leben, wie der Artikel anspricht, hat also tatsächlich ein recht breites planetares Fenster.

    > Hinzu kommt, dass ein lebensleeres Universum sehr gut zu den Observationen passt, die von Astronomen bislang getätigt wurden und in denen ein zweiter belebter Planet noch nicht gefunden wurde.
    Tatsächlich haben wir bisher bei keinem Planeten die Existenz von Leben widerlegt, noch nicht mal in unserem Sonnensystem. Daher steht es bisher 1:0 für die Existenz von lebendigen Planeten.

    > Multizelluläres Leben trat erst während der sogenannten Explosion des Lebens im Kambrium vor circa 600 Millionen Jahren auf: Dann vereinigten sich Zellen zu vielzelligem Leben.
    Öhm - ich sehe den Punkt hier nicht. Der Autor ist angetreten die Existenz von Leben auf anderen Planeten als unwahrscheinlich zu bezeichnen, und verliert sich in einer komplett unwichtigen Diskussion über mehrzelliges Leben. ich will hier gar nicht auf die Probleme und Fehler in der Darstellung eingehen, weil Leben ist Leben ist Leben. Auch wenn es einzellige Prokaryoten sind. Ja, mehrzelliges Leben hat sich erst in etwa 3 Milliarden Jahren entwickelt und die Bedingungen die die Umwelt haben muss um mehrzelliges oder sogar komplexes Leben mit differenzierten Zellen zu haben sind größer als die für 'nur' Leben. Aber es bleibt halt Leben.

    > Er sagt außerdem rein gar nichts über die Wahrscheinlichkeit aus, dass diese Chemikalien genau in der richtigen Art und Weise zusammenfinden und ein sich selbst kopierendes chemisches Netzwerk erschaffen, das zu Darwin'scher Evolution fähig ist.
    Die Gesetze der Natur führen dazu, dass wenn die richtigen Chemikalien unter den richtigen Bedingungen zusammenkommen, dann kommt es immer zur gleichen Reaktion. Also wenn ich eine Base und eine Säure zusammenschütte, dann kommt es immer zu einer exothermen Reaktion in der sich Wasser bildet in dem die Ionen gelöst, die der jeweils andere Bestandteil von der base und Säure waren. Also Salzsäure (HCl) und Natrium-Hydroxid (NaOH) bilden Wasser (H₂O) und Salz (NaCl) welches in dem Wasser gelöst ist. Immer. Da ist kein Zufall dabei.

    Über die richtigen Bedingungen zur Abiogenese wissen wir recht viel und können die Lücken mit plausiblen Theorien schließen. Wir benötigen eine Reihe von organischen Substanzen und diverse andere chemische Substanzen, die wie der Autor bemerkt im Universum recht häufig vorkommen. Jedenfalls in Sternensystemen der zweiten Generation (zusammengesetzt auch aus Elementen die in Supernovae früherer Sterne entstanden). Die richtigen Bedingungen sind im großen Maße genau die, die wir für die habitablen Planeten anlegen.

    Im Detail werden wir eine Kruste auf einem Gesteinsplaneten mit Magma darunter benötigen und flüssiges Wasser. All dies zusammen bringt uns zu hydrothermalen Quellen, dort wo Leben wahrscheinlich entstanden ist. Alles weitere wie kosmische Strahlung, Magnetfeld, Monde, Asteroideneinschläge, Typ des Sterns usw. ist zweitrangig, da es auch für die Entstehung des Lebens auf der Erde irrelevant war. Zwar mögen solche Bedingungen komplexeres Leben (aka mehrzellige Lebewesen mit differenzierten Zellen) unmöglich machen, aber Leben an sich nicht.

    > Doch dürfen wir die Existenz solcher extremophiler Organismen nicht auf anderen Planeten erwarten: Extremophile Lebewesen sind hochgradig ausgeklügelte Organismen mit einer weit fortgeschrittenen inneren Maschinerie, die ihnen dabei hilft, mit harschen Bedingungen fertig zu werden, die wir als extrem bezeichnen würden.
    Komplett falsch. Extremophile sind überwiegend extrem einfach aufgebaute Lebewesen, also zumeist einzellige Prokaryoten. Viele Extremophile sind Archaeen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Archaeen
    Als Prokaryoten haben sie keinen Zellkern und keine Organellen und sind generell sehr einfach aufgebaut. Die Aussage im Artikel ist daher schlicht Stuss.

    > Dass Leben sich an extreme Bedingungen anpasst, bedeutet demnach nicht, dass es aus diesen extremen Bedingungen auch hervorgehen kann.
    Der Autor bringt als Beispiel für die extremen Bedingungen zuvor hydrothermale Quellen, aber genau diese sind nach heutigem Erkenntnisstand die Orte, an denen die Abiogenese stattfand. Der Autor zeigt damit, dass er gar nicht über den aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft zur Lebensentstehung aufgeklärt ist und stattdessen Annahmen trifft - Schwarze Raucher sind schlecht für heutiges multizelluläres Leben, daher muss es schlecht für die Entstehung von Leben gewesen sein. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Um genau zu sein, ist die gesamte Erde auf der das Leben enstand vor mindestens 3,8 Milliarden Jahren nach heutiger Definition extrem lebensfeindlich. Aber das bedeutet nur, dass das Leben sich an die veränderte Erde angepasst hat.

    > Nehmen wir 10 Millionen Personen...
    Dieses ganze Argument fusst auf der Annahme, dass selbst wenn wir die gleichen Bedingungen replizieren, das Leben ein großer Zufall ist. Das ist aber gelinde gesagt Esoterik. Denn die Naturgesetze sind konstant. Das heißt: stellen wir die Bedingungen her unter denen sich auf der Erde Leben entwickelt hat, dann wird sich Leben entwickeln. Wenn sich kein Leben entwickelt, dann bestehen nicht die richtigen Bedingungen.

    Wie ich bereits oben schrieb, ist der genaue Ablauf der Abiogenese nicht im Detail nachvollzogen, wir haben aber recht klare Vorstellungen von den Rahmenbedingungen, können gute Teile des Prozesses im Labor nachvollziehen und haben für den Rest gute Theorien - sogar mehrere verschiedene von denen nur eine oder auch mehrere der Realität entsprechen können. Wir können daher klare Aussagen über die Randbedingungen machen. Flüssiges Wasser, Gesteinskruste, Magma, diverse organische und anorganische Moleküle. Wir wissen sogar, dass die Erde keineswegs optimal ist, aber es hier dennoch geklappt hat. Konkret gilt sogar Folgendes: wir haben noch keinen Planeten gefunden, der diese Bedingungen erfüllt aber nachweislich kein Leben hat.

    OK, wir können das bisher nur für einen Planeten nachweisen. Aber die Annahme dass auf anderen Planeten plötzlich andere Naturgesetze gelten sollten erscheint mir doch beweiswürdig. Denn darauf basiert das ganze Argument, dass irgendwie das was hier klappt dort nicht klappt - weil...??? Alles wovon wir bisher so ausgehen im Universum, setzt doch eine Konstanz der Naturgesetze voraus. Wenn das nicht der Fall ist, dann sind Aliens unser kleinstes Problem.

  2. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: dendron 23.06.22 - 20:29

    So viel Mühe und keine Antwort? Danke für den Kommentar, sehr interessant!

  3. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: DrWer 23.06.22 - 21:33

    Ich fand deine Ausführungen auch sehr interessant und schlüssiger als die Argumente des Artikels.
    Der Autor behauptet zwar, dass wir zur Zeit weder das eine noch das andere beweisen können, tendiert dann aber in seinen Ausführungen eindeutig zu der „Wir sind alleine“ Annahme. Bis gegenteiliges bewiesen sei, müsse man davon ausgehen, dass wir die einzige Lebensform seien.
    Diese Annahme widerspreche aber jeder wissenschaftlichen Grundlage. Das hast du besser ausgeführt als ich es je könnte. Dafür möchte ich danke sagen. Mein Dank richtet sich auch an den Autor.

  4. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: Orim 23.06.22 - 22:03

    +1

  5. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: narsah 24.06.22 - 06:46

    Vielen Dank für die ausführliche Einschätzung.

  6. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: Vash 24.06.22 - 07:32

    Wenn das Forum informativer ist, als der Hauptartikel, bin ich mal wieder bei Golem gelandet. Bin zwar kein Astronom, aber die Behauptungen im Artikel als Firlefanz zu erkennen, dafür reichte glücklicherweise auch mein Laienhafter Kenntnisstand. Schön das nochmal untermaiert zu sehen.

  7. Re: Autor ist nicht unwissenschaftlich

    Autor: GwhE 24.06.22 - 07:45

    Naja, ich finde das ist der beste, bzw einer der ersten richtigen wissenschaftlichen Artikel auf Golem. Man darf hier nicht in richtig oder falsch denken, weil soweit sind wir noch sehr lange nicht. Das heißt am Ende bleibt es eine Meinung, ob man dran glaubt oder nicht (Das schreibt der Autor am Ende auch). Aber die Argumente die der Autor aufführt finde ich in sich schon schlüssig und nachvollziehbar und interessante Denkansätze sind auch dabei. Genauso sind viele deiner Ausführung sehr gut, bin auch eher davon über zeugt das es noch anderswo leben geben muss.

    Dann zu dem Punkt den du als Esoterik ab tust. Da geht es eigentlich nur darum, das du nur Gedanken machen kannst, weil die Erde "besonders" ist und Lebewesen hervorgebracht hat die sich Gedanken machen können. D.h du bist kein unabhängiger Beobachter sondern Teil des Experiments.


    Deswegen, Interstates Thema, interessante These und vor allem noch interessante Diskussionen hier im Forum. Und das sollte ein guter Wissenschaftlicher Artikel ausmachen ;)

  8. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: Koalaonspeed 24.06.22 - 08:45

    Keine Ahnung was du hier palaverst. Der Punkt des Autors ist doch, dass wir die Bedingungen für eine Abiogenese nicht kennen, sofern es sich bei der Entstehung von Leben überhaupt darum handeln muss. Bemüht man Google findet man folgendes:
    (Nicht-Leben) entstanden sei. Dieses Konzept hat sich mit dem wachsenden wissenschaftlichen Verständnis der Menschheit stark erweitert, aber alle Formen der Abiogenese haben eines gemeinsam: Sie sind alle wissenschaftlich nicht haltbar. Es gibt keine Experimente, welche die Abiogenese in Aktion zeigen. Sie wurde nie in einer natürlichen oder künstlichen Umgebung beobachtet. Die Bedingungen, von denen man annimmt, dass sie auf der Erde existiert haben, sind entweder nicht in der Lage, die benötigten Bausteine zu produzieren, oder sie sind in sich widersprüchlich. Es wurden keine Hinweise darauf gefunden, wo oder wann solches Leben entstanden sein könnte. Tatsächlich scheint alles, was wir heute von der Wissenschaft kennen, darauf hinzudeuten, dass die Abiogenese unter keinen natürlich möglichen Bedingungen stattgefunden haben kann.

    Ich weiß also nicht woher du die Annahme hast, dass Abiogenese eigentlich klar sei und es schon diverse haltbare Theorien gibt. Ich bin absoluter Laie aber wenn du eine Quelle hast, immer her damit.

  9. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: mnementh 24.06.22 - 10:01

    Koalaonspeed schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Keine Ahnung was du hier palaverst. Der Punkt des Autors ist doch, dass wir
    > die Bedingungen für eine Abiogenese nicht kennen, sofern es sich bei der
    > Entstehung von Leben überhaupt darum handeln muss. Bemüht man Google findet
    > man folgendes:
    > (Nicht-Leben) entstanden sei. Dieses Konzept hat sich mit dem wachsenden
    > wissenschaftlichen Verständnis der Menschheit stark erweitert, aber alle
    > Formen der Abiogenese haben eines gemeinsam: Sie sind alle wissenschaftlich
    > nicht haltbar. Es gibt keine Experimente, welche die Abiogenese in Aktion
    > zeigen. Sie wurde nie in einer natürlichen oder künstlichen Umgebung
    > beobachtet. Die Bedingungen, von denen man annimmt, dass sie auf der Erde
    > existiert haben, sind entweder nicht in der Lage, die benötigten Bausteine
    > zu produzieren, oder sie sind in sich widersprüchlich. Es wurden keine
    > Hinweise darauf gefunden, wo oder wann solches Leben entstanden sein
    > könnte. Tatsächlich scheint alles, was wir heute von der Wissenschaft
    > kennen, darauf hinzudeuten, dass die Abiogenese unter keinen natürlich
    > möglichen Bedingungen stattgefunden haben kann.
    >
    So ein Schmarrn, sorry. Alle realen Daten die wir haben - nämlich unser Planet - besagen dass Abiogenese unter natürlich vorkommenden Bedingungen die auf der frühen Erde vorhanden waren stattfindet.

    > Ich weiß also nicht woher du die Annahme hast, dass Abiogenese eigentlich
    > klar sei und es schon diverse haltbare Theorien gibt. Ich bin absoluter
    > Laie aber wenn du eine Quelle hast, immer her damit.
    Ich habe nicht gesagt, dass alles klar ist. Was ich geschrieben habe war:
    > Wie ich bereits oben schrieb, ist der genaue Ablauf der Abiogenese nicht im Detail nachvollzogen, wir haben aber recht klare Vorstellungen von den Rahmenbedingungen, können gute Teile des Prozesses im Labor nachvollziehen und haben für den Rest gute Theorien - sogar mehrere verschiedene von denen nur eine oder auch mehrere der Realität entsprechen können.
    Nachdem wir Deinen Strohmann abgehandelt haben, können wir uns nochmal meiner Kritik zuwenden. Der Autor stellte es im Artikel so dar, als ob wir die Abiogenese nicht einschätzen können, als ob alles unbekannt. Aber das stimmt so nicht, wir können mit unserem Wissen bereits gute Einschätzungen bringen, ob und unter welchen Bedingungen sie auf anderen Planeten stattfinden kann. Natürlich kennen wir alle Details nicht, aber wir wissen halt genug um diese Bedingungen formulieren zu können. Nur deshalb können wir sagen, dass es sogar Planeten gibt die *besser* als die Erde geeignet sind für Leben, superhabitable Planeten. Würden wir völlig im Dunkeln tappen wie der Autor das darstellt, dann könnten wir eine solche Aussage nicht treffen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Superhabitabler_Planet

    Und ja, mit weiterer Forschung könnte eventuell herauskommen, dass ein Unsichtbares Rosa Einhorn zur Entstehung des Lebens notwendig ist (mal als Stand-In für unerwartete und schwierig zu erfüllende zusätzliche Bedingungen). Aber nach bisherigem Stand haben wir keinen Hinweis darauf.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Unsichtbares_rosafarbenes_Einhorn

  10. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: Dakkaron 24.06.22 - 10:04

    Das Problem, welches der Autor des Artikels anspricht, und in welches du genauso rein fällst, ist, dass wir nicht wissen, was die Voraussetzungen für eine Abiogenese sind.

    Wir wissen halbwegs, welche Voraussetzungen wir aktuell zum Leben brauchen, aber wir haben es bislang nicht mal experimentell geschafft, die vermeintlich einfache Abiogenese zu replizieren.

    Die Situation unserer Wissenschaft ist vergleichbar damit, was passiert, wenn Jeff Bezos ein Selbsthilfebuch darüber schreiben würde, wie man so reich wird, wie er.

    Bezos weiß, dass es prinzipiell möglich ist, reich zu werden, denn er ist reich.

    Jetzt denkt Bezos, der Grund, warum er so reich geworden ist, ist weil er lesen kann. Könnte er nicht lesen, wäre er wahrscheinlich nicht reich geworden.

    Also schreibt er ein Buch, in dem steht, wenn ihr armen Leute alle so gut lesen lernt, wie ich es kann, dann würdet ihr alle auch so reich sein wie ich.

    Das nennt sich Selection Bias. Man geht zu Beginn von der Gruppe derer aus, die es geschafft haben (Bezos mit dem Reichwerden und die Erde mit der Abiogenese). Da einem die Vergleichsgruppe fehlt, geht man davon aus, dass irgendwas, was diese Gruppe tut, wohl zu Leben geführt haben muss, und denkt, man hätte die Kriterien erraten.

  11. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: mnementh 24.06.22 - 10:49

    Dakkaron schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Problem, welches der Autor des Artikels anspricht, und in welches du
    > genauso rein fällst, ist, dass wir nicht wissen, was die Voraussetzungen
    > für eine Abiogenese sind.
    >
    > Wir wissen halbwegs, welche Voraussetzungen wir aktuell zum Leben brauchen,
    > aber wir haben es bislang nicht mal experimentell geschafft, die
    > vermeintlich einfache Abiogenese zu replizieren.
    >
    Nein, ich hatte das schon geschrieben, dass wir weit mehr über Abiogenese wissen, als der Autor oder Du suggerieren. Wir können beispielsweise gut annehmen, dass die Abiogenese ohne Einwirkung radioaktiver Elemente funktionierte, oder dass kein Sauerstoff dafür nötig war.

    Wir wissen welche Moleküle notwendig sind:
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5f/Relationship_Chart_Biomolecules_German.svg
    Wir wissen über die Bedeutung flüssigen Wassers.
    Wir können einen Gutteil der Bildung von Molekülen experimentell nachvollziehen und wir konnten die Existenz solcher Moleküle im Weltraum auf anderen Himmelskörpern nachweisen.

    Dann gibt es Dinge die wir sinnvoll vermuten können. Beispielsweise die Entstehung eines Energiekreislaufs an unterseeischen hydrothermalen Quellen (schwarze oder weiße Raucher), beispielsweise mit einer Eisen-Schwefel-basierten Reaktionskette:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Chemische_Evolution#Eisen-Schwefel-Welt
    Oder alternativ wasserführende Risse in der Erdkruste:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Chemische_Evolution#Chemische_Evolution_in_der_kontinentalen_Kruste
    Diese führten zur Bildung selbstreplizierender Moleküle mit Energieaustausch und der Bildung von abgeschlossenen Reaktionsräumen (aka frühe Zellen). Membrane bilden sich aus Lipidmolekülen bei Vorhandensein von Wasser und experimentell wurde gezeigt das solche Protozellen viele als notwendig angesehene Funktionen erfüllen könne.
    Dies mündete wahrscheinlich in eine RNA-Welt:
    https://de.wikipedia.org/wiki/RNA-Welt-Hypothese
    Das ist die derzeit präferierte Theorie. RNA hat den Vorteil dass es die Funktionen von DNA, Enzymen (in Form von Ribozymen) in einem Molekül übernehmen kann. Die spezialisierteren Moleküle sind dafür besser geeignet und dürften daher im Laufe der Evolution die RNA verdrängt haben, die heute aber immer noch in Lebewesen verwendet wird.

    All das ist viel, viel, viel mehr als "wir haben keinerlei Ahnung" oder "es könnte alles passiert sein". Ist es Sicherheit, dass alles so ablief? Nein, aber es ist eben schon ein guter Rahmen unter dem wir schon sehr gute Aussagen zu den Abläufen und damit zu den notwendigen Bedingungen treffen können.

    Und wir sollten eines nicht vergessen: Wir wissen viel über die Bedingungen die notwendig sind schlicht daher, dass es unter diesen Bedingungen offensichtlich passiert ist.

  12. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: schueppi 24.06.22 - 10:59

    Auch von mir ein Danke für deinen Artikel...

  13. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: Yggdrasill 24.06.22 - 12:00

    mnementh schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Artikel hat so viele Löcher wie ein Schweizer Käse.
    >

    Hier schreibt der Autor des Artikels (Andreas).

    Ich habe deinen Kommentar zur Kenntnis genommen, hatte aber noch viel zu tun seit Veröffentlichung des Artikels und bin deshalb noch nicht zur Beantwortung gekommen. Werde auch noch ausführlich darauf antworten, aber vermutlich erst am Wochenende. Danke, dass du zu diesem sehr interessanten Thema so viel schreibst :-)

    bis denne,
    Andreas

    Yggis Kosmos: Dokus zur Astronomie, zum Sonnensystem und zur Kosmologie!

  14. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: Harald44 25.06.22 - 08:41

    mnementh schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Da wir bisher nur in einem engen Bereich Exoplaneten erfassen
    > und derzeit davon ausgehen dass etwa jeder zweite Stern Planeten hat,
    > sollte es allein in der Milchstraße Hunderte Millionen grundsätzlich
    > habitabler Planeten geben.

    Von den aktuell 21 oder 38 gefundenen habitablen extrasolaren Planeten hat man auf wievielen Spuren von Leben entdeckt? Nun, es sind genau "0" Planeten. Bleibt es bei dieser "Erfolgsrate", dann wird es im ganzen Unviersum auch nur "0" Planeten geben können, die Lebensspuren aufweisen.

    Andererseits wird die Anzahl der "Kanditaten" immer größer, je mehr Sterne untersucht werden. Ob sich dadurch aber der Prozentsatz der Lebensspuren tragenden Planeten von bisher "0" erhöhen wird, ist reine Spekulation. Die Zahlen geben das nicht her.

    Das ist - bis jetzt- ein bisserl mager um abschließende Urteile zu fällen, die über reine Spekulationen hinausgehen...



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 25.06.22 08:55 durch Harald44.

  15. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: mnementh 25.06.22 - 11:30

    Harald44 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > mnementh schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Da wir bisher nur in einem engen Bereich Exoplaneten erfassen
    > > und derzeit davon ausgehen dass etwa jeder zweite Stern Planeten hat,
    > > sollte es allein in der Milchstraße Hunderte Millionen grundsätzlich
    > > habitabler Planeten geben.
    >
    > Von den aktuell 21 oder 38 gefundenen habitablen extrasolaren Planeten hat
    > man auf wievielen Spuren von Leben entdeckt? Nun, es sind genau "0"
    > Planeten. Bleibt es bei dieser "Erfolgsrate", dann wird es im ganzen
    > Unviersum auch nur "0" Planeten geben können, die Lebensspuren aufweisen.
    >
    > Andererseits wird die Anzahl der "Kanditaten" immer größer, je mehr Sterne
    > untersucht werden. Ob sich dadurch aber der Prozentsatz der Lebensspuren
    > tragenden Planeten von bisher "0" erhöhen wird, ist reine Spekulation. Die
    > Zahlen geben das nicht her.
    >
    > Das ist - bis jetzt- ein bisserl mager um abschließende Urteile zu fällen,
    > die über reine Spekulationen hinausgehen...
    Auf Planeten die wir sicher auf die An- oder Abwesenheit von Leben untersucht haben, haben wir zu 100% Leben gefunden. Bei allen anderen - inklusive denen in unserem Sonnensystem - haben wir noch nicht ausreichende Technik das nachzuweisen.

  16. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: PrinzessinArabella 25.06.22 - 12:00

    Harald44 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > mnementh schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Da wir bisher nur in einem engen Bereich Exoplaneten erfassen
    > > und derzeit davon ausgehen dass etwa jeder zweite Stern Planeten hat,
    > > sollte es allein in der Milchstraße Hunderte Millionen grundsätzlich
    > > habitabler Planeten geben.
    >
    > Von den aktuell 21 oder 38 gefundenen habitablen extrasolaren Planeten hat
    > man auf wievielen Spuren von Leben entdeckt? Nun, es sind genau "0"
    > Planeten. Bleibt es bei dieser "Erfolgsrate", dann wird es im ganzen
    > Unviersum auch nur "0" Planeten geben können, die Lebensspuren aufweisen.
    >
    >
    Steile These :
    „Wenn wir 20 mal keine sechs Würfeln mit einem ordinären Würfel, und es bei dieser misserfolgsrate bleibt, werden wir NIE eine sechs würfeln.“

    Oder habe ich da irgendwas philosophisches in deiner Aussage übersehen?


    > Andererseits wird die Anzahl der "Kanditaten" immer größer, je mehr Sterne
    > untersucht werden. Ob sich dadurch aber der Prozentsatz der Lebensspuren
    > tragenden Planeten von bisher "0" erhöhen wird, ist reine Spekulation. Die
    > Zahlen geben das nicht her.
    >
    > Das ist - bis jetzt- ein bisserl mager um abschließende Urteile zu fällen,
    > die über reine Spekulationen hinausgehen...

  17. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: mnementh 25.06.22 - 12:49

    PrinzessinArabella schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Harald44 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > mnementh schrieb:
    > >
    > ---------------------------------------------------------------------------
    >
    > > -----
    > > > Da wir bisher nur in einem engen Bereich Exoplaneten erfassen
    > > > und derzeit davon ausgehen dass etwa jeder zweite Stern Planeten hat,
    > > > sollte es allein in der Milchstraße Hunderte Millionen grundsätzlich
    > > > habitabler Planeten geben.
    > >
    > > Von den aktuell 21 oder 38 gefundenen habitablen extrasolaren Planeten
    > hat
    > > man auf wievielen Spuren von Leben entdeckt? Nun, es sind genau "0"
    > > Planeten. Bleibt es bei dieser "Erfolgsrate", dann wird es im ganzen
    > > Unviersum auch nur "0" Planeten geben können, die Lebensspuren
    > aufweisen.
    > >
    > >
    > Steile These :
    > „Wenn wir 20 mal keine sechs Würfeln mit einem ordinären Würfel, und
    > es bei dieser misserfolgsrate bleibt, werden wir NIE eine sechs
    > würfeln.“
    >
    > Oder habe ich da irgendwas philosophisches in deiner Aussage übersehen?
    >
    Es ist sogar noch schlimmer: für erdähnliche Gesteinsplaneten sind wir bisher noch nicht in der Lage eine Spektralanalyse der Atmosphäre vorzunehmen, unser bisher bester Ansatz nach Biosignaturen zu suchen. Die Wissenschaft arbeitet daran, aber derzeit ist es nicht möglich.

    Das heißt wir haben 20mal gewürfelt, können aber noch nicht sehen ob es eine 6 oder eine 1 oder was auch immer ist. Es ist sehr gut möglich, dass einer oder mehrere dieser Planeten tatsächlich Leben tragen, wir wissen es bisher nicht.

  18. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: viethansel 26.06.22 - 07:16

    > >
    > Es ist sogar noch schlimmer: für erdähnliche Gesteinsplaneten sind wir
    > bisher noch nicht in der Lage eine Spektralanalyse der Atmosphäre
    > vorzunehmen, unser bisher bester Ansatz nach Biosignaturen zu suchen. Die
    > Wissenschaft arbeitet daran, aber derzeit ist es nicht möglich.
    >
    > Das heißt wir haben 20mal gewürfelt, können aber noch nicht sehen ob es
    > eine 6 oder eine 1 oder was auch immer ist. Es ist sehr gut möglich, dass
    > einer oder mehrere dieser Planeten tatsächlich Leben tragen, wir wissen es
    > bisher nicht.


    Genaus so ist es, aber es stört viele trotzdem nicht dieses Ergebnis statistisch auszuwerten.
    Also für mich ist die Handlung ganz klar emotional begründet und definitiv nicht rational.
    Sprich es ist unwissenschaftlich!

  19. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: sue181 26.06.22 - 07:25

    richtig!

  20. Re: Autor ist unwissenschaftlich

    Autor: Carsten Manstetter 26.06.22 - 09:45

    PrinzessinArabella schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn wir 20 mal keine sechs Würfeln mit einem ordinären Würfel, und
    > es bei dieser misserfolgsrate bleibt, werden wir NIE eine sechs
    > würfeln.“

    Woher wissen wir denn, dass es sich bei Leben so verhält wie bei einem Würfelspiel?

    > "philosophisches ..."

    Vielleicht kann der golem-Autor dazu noch was sagen. Schließlich gibt es aus den Geisteswissenschaften Einwände und Fragen, dioe sich nicht so ohne weiteres beiseite wischen lassen.

  1. Thema
  1. 1
  2. 2

Neues Thema


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Bioinformatician / Data Steward (m/f/d)
    Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  2. IT Specialist (m/w / divers)
    Continental AG, Waltershausen
  3. Senior Projektleiter - IT Betrieb (m/w/d)
    Radeberger Gruppe KG, Frankfurt am Main
  4. Informatiker/in (FH) (m/w/d)
    Ruhrverband, Essen

Detailsuche


Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 14,99€ (UVP 24€)
  2. (stündlich aktualisiert)
  3. 8,49€ (UVP 89€)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de