1. Foren
  2. Kommentare
  3. Wissenschaft-Forum
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Bauen: Ein Hochhaus aus…

Frage (Vergänglichkeit von Holz)

  1. Thema

Neues Thema


  1. Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: TarikVaineTree 13.10.20 - 17:08

    Verrottet/vergeht/zersetzt sich Holz nicht viel schneller als Beton oder Stahl?
    Immerhin ist es doch 100 % organisch und "kompostiert" damit an der Luft von selbst?
    Oder bin ich da total auf dem "Holzweg"?

    Ich meine zumindest, mich erinnern zu können, dass eine Touristenführerin in Japan mal erwähnte, die ganzen Tempel aus Holz müssten alle 100 Jahre erneuert werden, weil es eben nur Holz ist und Holz vergänglich ist.

  2. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: error126 13.10.20 - 19:50

    Jain...
    Ist alles eine Frage der Behandlung. Ältere Strom- oder Telefonmasten auf dem Land stehen auch schon Jahrzehnte in der Witterung, sind zur Haltbarmachung aber in Arsen getränkt. Das will man ja so aus gutem Grund nicht mehr ;)
    Ich wohne selbst in (m)einem Fachwerkhaus, was wir vor 5 Jahren gekauft haben. Mittlerweile musste ich mehrere Balken tauschen, darunter auch tragende. Das steht und fällt mit der Feuchtigkeit und der UV Strahlung, die das Lignin zersetzt, wie es im Artikel schon anklingt. Entscheidend ist aber, dass sich keine Staunässe bildet, denn dann hat man verloren. Daher sind komplett abdichtende diffusionsarme Anstriche absolut zu vermeiden, denn das Wasser dringt irgendwo durch Ritzen ein und kann nicht mehr abfließen, dann gammelt es. So abgedichtet, dass keinerlei Wasser eindringt , bekommt man es schwerlich...
    Am sinnvollsten zur Haltbarmachung bei Fachwerk ist mMn Leinölfirnis, mich würde interessieren, auf welcher Basis das bei den Hochhausprojekten benutzte Mittelchen ist...

  3. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: hschillo 13.10.20 - 20:59

    In Deutschland stehen Fachwerkhäuser aus dem 13. Jahrhundert! So lange hält meiner Meinung nach moderner Beton kaum. Bin aber kein Fachmann und lasse mich gerne eines Besseren belehren.

  4. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: Eheran 13.10.20 - 21:16

    >So lange hält meiner Meinung nach moderner Beton kaum.
    Warum ist deine Meinung denn so?

    Dass es ein paar ganz wenige Häuser gibt, die so alt sind, heißt ja nicht, dass Holz so super ist. Sondern dass hier in ein paar ganz seltenen Fällen alles zusammenkam, dass sie heute noch stehen. Und ALLE ANDEREN eben nicht mehr.

  5. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: Invertiert 13.10.20 - 22:00

    Holz darf nicht wechselnder feuchtigkeit ausgesetzt sein, das ist schlecht. Nur trocken oder immer unter wasser hält holz hingegen ewig gut.
    Bei z. B. holztürmen/hochhäusern ist das wichtigste der bauliche schutz, regen sollte nicht so stark auf das holz treffen, und vorallem nicht auf stirnflächen. Es darf sich nicht stauen und sollte sofort abfließen können. Wenn es feucht wird muss es scgnell und gut wieder trocknen können. Wenn diese regeln eingehalten werden kann holz sehr lange halten.

  6. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: error126 13.10.20 - 22:09

    naja, man kann bei der Fachwerk-Sanierung auch viel falsch mache, daher stehen viele Häuser auch nicht mehr. Nützt dann nichts, wenn sie 500 Jahre überdauert haben und in den letzten 50 Jahren mit falschen Materialien kaputtsaniert wurden...
    Die diffusionsgeschlossene Farbe hatte ich schon erwähnt.
    Der zweite Kardinalsfehler ist, dass man in großem Stil die Felder mit dem vermeintlich wartungsärmeren Material Beton ausgegossen hat, so auch in unserem Haus. Das jahrhundertelang genutzte Lehm-Stroh-Gemisch muss alle paar Jahre mal erneuert werden, da es während längerer Hitzeperioden bröckelig werden kann und bei Abbröckelung dann ausgebessert werden muss. Um sich diese Ausbesserungsarbeiten zu sparen, setzte man in jüngerer Zeit dann auf Beton als Füllung für die Felder.
    Bei großer Wärme und Kälte arbeitet das Holz der Ständerkonstruktion, die Lehmverfüllung würde mitarbeiten und keinerlei Risse entstehen lassen. Die Betonfüllung dagegen arbeitet quasi null mit und lässt rings um das Feld Spalten entstehen, durch die insbesondere in der kalten und nassen Jahreszeit dann das Wasser eindringt und man hat wieder das Staunässeproblem.

    Solange das Holz gut wieder abtrocknen kann und vor UV Strahlung geschützt ist, hält das schon ziemlich lange. Im Innenbereich haben wir mehrere hundert Jahre alte abgelagerte Eichenbalken, die sind sowas von steinhart, dass mir am Holz schon ein durchaus scharfer Holzbohrer abgebrochen ist... ich wage zu behaupten, dass die ewig halten.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 13.10.20 22:11 durch error126.

  7. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: davidcl0nel 14.10.20 - 16:24

    hschillo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > So lange hält meiner Meinung nach moderner Beton kaum.

    Moderner nicht, aber antiker.
    Die Römer haben in ihren Ziegelbauten immer 50% Mörtel und 50% Ziegelstein (so flache), und die Gebäude stehen nach 2000 Jahren immer noch. Das Kollosseum ist in einem erbärmlichen Zustand, aber es gibt andere Gebäude, die wesentlich besser aussehen.

    Zwischenzeitlich ist das mal vergessen worden, wie man diesen Zement so hinbekommt, aber jetzt können wir das auch wieder.

    Ob es in der typischen "Fertigbau"-Eigenheim so verwendet wird, bezweifel ich aber auch.

  8. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: gcom 14.10.20 - 20:14

    > Ich wohne selbst in (m)einem Fachwerkhaus, was wir vor 5 Jahren gekauft
    > haben. Mittlerweile musste ich mehrere Balken tauschen, darunter auch
    > tragende.

    Was beim Fachwerk immerhin relativ einfach geht.

  9. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: gcom 14.10.20 - 20:16

    Invertiert schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Holz darf nicht wechselnder feuchtigkeit ausgesetzt sein, das ist schlecht.
    > Nur trocken oder immer unter wasser hält holz hingegen ewig gut.'

    das ist der punkt.

    > Bei z. B. holztürmen/hochhäusern ist das wichtigste der bauliche schutz,
    > regen sollte nicht so stark auf das holz treffen, und vorallem nicht auf
    > stirnflächen. Es darf sich nicht stauen und sollte sofort abfließen können.
    > Wenn es feucht wird muss es scgnell und gut wieder trocknen können. Wenn
    > diese regeln eingehalten werden kann holz sehr lange halten.

    "konstruktiver holzschutz" ;)

  10. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: Invertiert 15.10.20 - 08:55

    "konstruktiver holzschutz" statt baulicher holzschutz natürlich, mea culpa.

  11. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: Lacrimula 15.10.20 - 11:21

    error126 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Jain...
    > Ist alles eine Frage der Behandlung. Ältere Strom- oder Telefonmasten auf
    > dem Land stehen auch schon Jahrzehnte in der Witterung, sind zur
    > Haltbarmachung aber in Arsen getränkt. Das will man ja so aus gutem Grund
    > nicht mehr ;)
    > Ich wohne selbst in (m)einem Fachwerkhaus, was wir vor 5 Jahren gekauft
    > haben. Mittlerweile musste ich mehrere Balken tauschen, darunter auch
    > tragende. Das steht und fällt mit der Feuchtigkeit und der UV Strahlung,
    > die das Lignin zersetzt, wie es im Artikel schon anklingt. Entscheidend ist
    > aber, dass sich keine Staunässe bildet, denn dann hat man verloren. Daher
    > sind komplett abdichtende diffusionsarme Anstriche absolut zu vermeiden,
    > denn das Wasser dringt irgendwo durch Ritzen ein und kann nicht mehr
    > abfließen, dann gammelt es. So abgedichtet, dass keinerlei Wasser eindringt
    > , bekommt man es schwerlich...
    > Am sinnvollsten zur Haltbarmachung bei Fachwerk ist mMn Leinölfirnis, mich
    > würde interessieren, auf welcher Basis das bei den Hochhausprojekten
    > benutzte Mittelchen ist...

    Danke für diese interessante Darstellung. Wieder was dazu gelernt. Hatte mich nämlich dasselbe wie der Fragensteller gefragt.

  12. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: Sharra 15.10.20 - 14:27

    Man kann bei Holz sehr viel falsch machen. Schon alleine langer Leerstand zerstört dir die Balken dermaßen, dass du eher abreisst, als sanierst. Menschen sterben, Erben streiten sich... sofern es Erben gibt.

    Und falls es dir nicht aufgefallen sein sollte, hatten wir vor nicht mal 100 Jahren einen Krieg, bei dem kaum was stehen blieb. Die Städte, die verschont wurden, haben auch heute noch Fachwerkhäuser im Ortskern. Die Dinger sind auch alt.

    Wären alle Bauten gepflegt und ansonsten unangetastet geblieben, und es wären ein paar wenige Prozent noch übrig, hättest du recht. Dem ist aber nicht so.
    Und die Gebäude, die gepflegt und nicht vernichtet wurden, stehen wie eine 1.

  13. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: Sharra 15.10.20 - 14:29

    Das Kolosseum ist zwar in einem miesen Allgemeinzustand, aber der Teil, der nach ~2000 Jahren immer noch steht, steht.
    Heutige Wolkenkratzer sind auf ca 50 Jahre ausgelegt. Und auch das nur, wenn man sich entsprechend um sie kümmert. Aber nach 50 Jahren fängt man an mit Kernsanierungen, und tauscht ganze Segmente aus, weil marode. Sofern man nicht gleich abreisst.

  14. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: Krulle 18.10.20 - 08:48

    TarikVaineTree schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Verrottet/vergeht/zersetzt sich Holz nicht viel schneller als Beton oder
    > Stahl?
    > Immerhin ist es doch 100 % organisch und "kompostiert" damit an der Luft
    > von selbst?
    > Oder bin ich da total auf dem "Holzweg"?
    >
    > Ich meine zumindest, mich erinnern zu können, dass eine Touristenführerin
    > in Japan mal erwähnte, die ganzen Tempel aus Holz müssten alle 100 Jahre
    > erneuert werden, weil es eben nur Holz ist und Holz vergänglich ist.

    Es kommt auf die Feuchtigkeit an. Holz braucht zum vermodern Feuchtigkeit, damit Pilze und anderen Organismen tätig werden können.
    Mein Haus ist Bj 1899 und besteht im Kern aus Holz (Fachwerk). Die Balken sind alle noch original aus der Bauzeit und Top in Schuss. Ich bin mir sicher das dieses Haus noch 200 weitere Jahre stehen wird.
    Die meisten Schadensfälle bei Fachwerk gehen auf eine verkorkste Renovierung ( meist aus den 60ern) zurück. Dabei werden falsche Materialien oder ein falscher Aufbau verwendet.

  15. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: Sharra 18.10.20 - 09:06

    Meistens werden die Dinger komplett versiegelt, und dann entsteht irgendwo ein Riss in der Versiegelung, durch den dann Feuchtigkeit eindringt. Aber diese kann dann auf die ganze Länge nicht mehr raus. Da wo die Versiegelung also noch intakt ist, verrottet der Balken dann darunter.

  16. Re: Frage (Vergänglichkeit von Holz)

    Autor: brainslayer 19.10.20 - 23:15

    hschillo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > In Deutschland stehen Fachwerkhäuser aus dem 13. Jahrhundert! So lange hält
    > meiner Meinung nach moderner Beton kaum. Bin aber kein Fachmann und lasse
    > mich gerne eines Besseren belehren.

    ahso. fahr mal nach rom und schau dir das panteon an. das ist aus beton und es gibt noch andere 2000 jahre alte sachen im orient die aus beton hergestellt wurden und heute noch einwandfrei sind. ich würde mal behaupten, das beton wohl so ziemlich das langlebigste material ist wenn kein chinese am werk war. das gebäude in dem ich teilweise arbeite ist auch schon 120 jahre halt und hat stahlbetondecken

  1. Thema

Neues Thema


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. IT-Revisor (m/w/d)
    Ifina Beteiligungsgesellschaft mbH, Porta Westfalica
  2. DevOps - Engineer BMC Helix ITSM - Remedy (m/w/div)
    Deutsche Rentenversicherung Bund, Berlin
  3. Sachgebietsleiter (m/w/d) Business Development & Evaluation
    Mainova AG, Frankfurt am Main
  4. (Senior) Solution Architect - Dynamics 365 / Power Platform (*)
    ista SE, Essen

Detailsuche


Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Digitale-Dienste-Gesetz: Regierung bessert bei der Störerhaftung nach
Digitale-Dienste-Gesetz
Regierung bessert bei der Störerhaftung nach

Bei der Umsetzung des DSA in deutsches Recht soll der Schutz vor kostenpflichtigen Abmahnungen nun doch beibehalten bleiben.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Störerhaftung Verbraucherschützer befürchten neue Abmahnwelle bei WLANs

Teil 2 unseres Tutorials: Objekte und Variablen in Powershell
Teil 2 unseres Tutorials
Objekte und Variablen in Powershell

Powershell-Tutorial
In unserer Powershell-Einführung mit Übungsblöcken und Lösungsvideos beschäftigen wir uns dieses Mal mit Objekten und Variablen.
Eine Anleitung von Holger Voges

  1. Mit praktischen Übungen und Videos Powershell für Einsteiger - Teil 1

Stopp der Umweltprämie: Eine schöne Bescherung
Stopp der Umweltprämie
Eine schöne Bescherung

Über Sinn und Unsinn der Umweltprämie für Elektroautos lässt sich streiten. Doch wie wirkt sich der abrupte Stopp auf den Hochlauf der E-Mobilität aus?
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Bis auf 6.500 Meter Schweizer Team stellt Höhenrekord für Elektroautos auf
  2. Elektroautos Audi-Chef Döllner will sich mit Verbrennern durchwursteln
  3. Wechselakku Nio schafft mehr als 1.000 km mit 150-kWh-Batterie