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Produktwerbung in der nCoV-Infodemie

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  1. Produktwerbung in der nCoV-Infodemie

    Autor: altuser 27.03.20 - 10:55

    In den Zeiten von Ängsten, Ungewissheiten und Hoffnungen rund um die Coronavirus-Pandemie wird aktuell viel Werbung betrieben. Softwareanbieter wittern neue Geschäfte, Geschäftsinhaber retten sich irgendwie über die Flaute, Onlinedienste wanzen sich an das untervögelte Volk heran, Kinowerbevermarkter geben sich einen zarten sozialen Anstrich etc. Auch das Gesundheitswesen bleibt nicht außen vor, Medizinprodukte- oder Laboranalysehersteller bspw. erleben einzigartige Umsätze und versuchen nun, auch neue Produkte auf dem Markt zu platzieren. Artikel wie dieser sind aktuell nicht selten, sie wecken Hoffnungen bei der Bevölkerung, verbessern den Ruf und lassen bestenfalls die Kasse klingeln. Es ist billige Werbung.
    Bitte nicht falsch verstehen, ich unterstelle dem Autor jetzt nicht, Schleichwerbung zu betreiben o.ä. Ich unterstelle aber eine mangelnde Expertise, das liegt in der Natur der Sache, Journalisten sind idR nicht "fit" in Epidemiologie, Virologie oder Laboratoriumsmedizin. Daher wäre bisweilen in der aktuellen Infodemie etwas Zurückhaltung wünschenswert, um eben nicht werblichen Meldungen der Hersteller zu erliegen oder falsche Hoffnungen in der Bevölkerung zu wecken.
    Der Vivalytic-Analyzer, der hier die Basis bildet, ist nicht neu. Das Gerät (Kostenpunkt etwa 15.000¤) ist im Markt eingeführt, dient der Point-Of-Care-Testung auf Vorhandensein von Viren, Bakterien und Pilzen - erfreut sich bislang aber wohl eher geringer Beliebtheit. Für Labors mit hohem Probenaufkommen ist er nicht geeignet, also auch nicht für derzeitige Massentests. Die Testung auf SARS-CoV-2 ist inzwischen kein Voodoo mehr, seitdem der inzwischen weithin bekannte Herr Drosten und sein Team den entsprechenden Test bereits vor Monaten entwickelt und weltweit kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Eher ist es schon ein Armutszeugnis, dass die Integration in die bestehende Plattform viele Wochen benötigt hat. Die Treffergenauigkeit liegt dabei deutlich unter den gängigen Tests, diese dauern auch nicht deutlich länger. Im großen Labor werden bspw. 100 Tests zugleich vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet, dies dauert alles zusammen etwa 4-5h (die Labors sind teils nur sehr überlastet, daher dauert es bis zum individuellen Ergebnis teils deutlich länger). Vivalytic verbessert hier nichts, wenn an 100 nebeneinander stehenden Geräten Tests eingescannt, in die Kartusche (ca. 100¤) eingebracht und ins Gerät eingeführt werden müssen (aber Bosch macht ordentlich Kasse). Die gleichzeitige Testung mit Influenza mag sinnvoll erscheinen, jedoch gleichzeitig auf andere Viren zu testen, die rein anamnestisch schon ausgeschlossen und für die recht preiswerte Schnelltests vorhanden sind, das ist dann nur noch schöner Schein und Augenwischerei. Übrig bleibt am Ende eine Menge Elektrotechnik-Müll. Soviel auf die Schnelle...
    Kurzum: Nicht einfach aus jeder wohlklingenden Pressemitteilung gleich einen Artikel verfassen. Die Menschen werden aktuell mit einer Flut aus Informationen erschlagen, die weder sinnvoll sind noch Lösungen bringen, aber u.U. falsche Erwartungen und Hoffnungen wecken. Ggf. unterfüttert die Artikel mit notwendigen Hintergrundinformationen und/oder Vergleichen mit anderen Plattformen!

  2. Nachtrag, nicht zuletzt an die Redaktion selbst

    Autor: altuser 27.03.20 - 21:29

    Ich habe nur schnell vor dem Dienst mal erste Gedanken zum Bosch-Test ins Forum geblasen. Eure Kollegen anderer Medien waren aber noch genauer und ausführlicher, sie haben nicht nur die PM abgetippt - bitte lest es einmal, überdenkt es und versucht daraus zu lernen bzw. Euch ein Beispiel zu nehmen:
    https://uebermedien.de/47814/auch-anscheinend-gute-nachrichten-muessen-hinterfragt-werden/
    https://www.stern.de/gesundheit/covid-19-test-von-bosch--ein-tropfen-auf-den-heissen-stein-9199440.html

  3. Re: Produktwerbung in der nCoV-Infodemie

    Autor: masel99 27.03.20 - 21:53

    Sicher hat das Gerät nur eine begrenzte Zielgruppe (eben Point-Of-Care-Testung ohne spezielles Personal), wie die großen Geräte für Hochdurchsatzlabore eben auch. Die Plattform gibts jetzt seit 2 Jahren oder so? Das nicht sofort die Kliniken/Praxen damit vollstehen, kann man wohl nachvollziehen. Die eher geringe Beliebtheit kannst du bestimmt quantifizieren? Oder ist das Hörensagen?

    Eher ein Armutszeugnis das es Wochen dauert bis der "manuelle" PCR-Test nun automatisiert durchgeführt werden kann? Anscheinend kannst du es schneller umsetzen? Bewirb dich mal bei den großen Pharmakonzernen, ich glaub solchen Leuten zahlen die eine Menge Geld.

    Treffergenauigkeit soll deutlich unter den gängigen Tests liegen? Bei einem automatischen PCR Test vs "manuellen"? Was ist denn bei dir deutlich? Da hast du doch sicher auch mal belastbare Quellen? Wahrscheinlich aber nicht, weil Bosch dazu nichts genaues sagt. Vielleicht wiessen die das auch selbst noch nicht genau. Die Sensitivität gängiger SARS-CoV-2 Labor PCR-Tests war anfangs auch schlecht, ist aber inzwischen bei 97+%, die Spezifität wohl auch in der Gegend. Korrekte Durchführung (auch bei überarbeitetem Laborpersonal) natürlich vorausgesetzt.

    Mag ja vielleicht sein, dass die Labors den Test auch in 4-5h schaffen, das Probenmatterial muss da aber erstmal hinkommen.

    Das da die großen Labors für Massentests keine 100 solcher Geräte sich dahinstellen sondern eher ein Cobas 6800 o.ä. ist eigentlich klar, die haben dann auch das passende Personal dafür. Solche Aussagen sind in der Tat wohl eher dem Marketing geschuldet.



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 27.03.20 22:12 durch masel99.

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