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Guter Artikel

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  1. Guter Artikel

    Autor: Srobert 04.04.21 - 12:34

    Danke. Gut zu sehen, dass es noch lesenswertes gibt. Leider fast nicht mehr bei Heise und immer seltener auf Golem.

  2. Re: Guter Artikel

    Autor: subjord 04.04.21 - 12:57

    Ja, es hätte noch ein paar Seiten so weitergehen können. Allerdings lohnt es sich wahrscheinlich mehr irgendwann einen Artikel über die 90ger und 00er Jahre von Intel zu schreiben als einen sehr langen Artikel, der eh kaum zuende gelesen wird.

  3. Re: Guter Artikel

    Autor: Morons MORONS 04.04.21 - 13:37

    Yep, habe ich auch mit großem Vergnügen gelesen.

  4. Re: Guter Artikel

    Autor: Sharra 04.04.21 - 15:10

    Der Autor hat ja auch seit 68 daran geschrieben. Gut Ding will Weile haben.

  5. Re: Guter Artikel

    Autor: bike4energy 04.04.21 - 16:25

    Sehr schöner Artikel

  6. Re: Guter Artikel

    Autor: platoxG 04.04.21 - 18:15

    Grundsätzlich ja, nur auf den reißerischen Teaser hätte man verzichten können. Nachfolgend noch ein paar zusätzliche Details:

    Tadashi Sasaki, ein führender Ingenieur und Senior Manager bei der Hayakawa Electric Co., Ltd. (ab 1970 umbenannt in Sharp Corporation(1)), war sehr angetan von den Arbeiten, die bei Fairchild Semiconductor geleistet wurden, unter anderem von Robert Noyce. Dieser entwickelte dort 1960 den ersten monolithisch gefertigten integrierten Schaltkreis unter der Verwendung der Planarfertigungstechnik(2).
    Im Jahr 1968 besuchte Robert Noyce mit einigen Kollegen Japan, kurz nachdem er und Gordon Moore Fairchild verlassen und die Firma NM Electronics gegründet hatten (die wenige Monate später in Integrated Electronics umbenannt wurde, kurz Intel).
    Dort traf er auch auf Tadashi Sasaki, mit dem er über mögliche Aufträge für seine neue Firma sprach. Sharp war vertraglich gebunden und konnte nicht aushelfen, jedoch konnte Sasaki die junge Firma bei der Business Computer Corporation (bis 1967 noch Nippon Calculating Machine Corporation) ins Gespräch bringen, da er mit deren Präsident Yoshio Kojima befreundet war(3). Busicom war zu der Zeit im Geschäft mit mechanischen sowie elektronischen Tischrechnern, verkaufte Mainframe-Computer von Mitsubishi und entwickelte Software für diese. Für eine neue Serie elektronischer Tischrechner evaluierte man dort zu der Zeit die Fertigungsmöglichkeiten.

    Im Frühjahr 1969 wurde Intel von Busicom kontaktiert und man traf eine provisorische Vereinbarung zur Entwicklung einiger LSI-Chips(4). Im Juni trafen drei Busicom-Ingenieure in Kalifornien ein, unter ihnen auch Masatoshi Shima, der das grundlegende Logikdesign bereits vorbereitet hatte und an ersten Designs für einen in der gesamten Busicom-Produktpalette einsetzbaren Chipsatz bereits seit Ende 1968 arbeitete. Mit den fast fertigen Plänen für geplante sieben Chips dachte man Intel das Vorhaben relativ schnell erklären und zu einer vertraglichen Vereinbarung kommen zu können. Dies erwieß sich nachfolgend jedoch als Irrtum.
    Intel hatte dem Busicom-Team eigene Büros zur Verfügung gestellt. Als Ansprechpartner wies man ihnen Ted Hoff zu, dachte jedoch nicht, dass die Gespräche viel von seiner Zeit in Anspruch nehmen würden. Nachfolgend musste Masatoshi Shima jedoch feststellen, das entsprechendes Know-How auf Seiten von Intel fehlte und man das Logikdesign nicht so ohne weiteres verstand, zumal auch grundlegende Kenntnisse über Tischrechner, die Ansteuerung des Zeilendruckers oder der Tastatur fehlten. Hoff wurde von der Komplexität des Projekts überrascht, zumal die Ausrichtung eigentlich entgegen dem Kerngeschäft Speicherbausteine verlief. Er schlug eine Vereinfachung des Designs vor, unter anderem auch, da er die Fertigung der vielen Chips für das anvisierte Budget für nicht realisitisch hielt, konnte jedoch keine ausreichend detaillierten Spezifikationen vorlegen, um das Busicom-Team zu überzeugen(5). Nachdem die ersten Gespräche fehlschlugen, konsultierte Hoff Robert Noyce, der ihn ermutigte, seine Idee weiterzuverfolgen. Nachfolgend arbeitete Hoff neben seiner eigentlichen Tätigkeit als Applications Research Manager an einem Konzept zur Vereinheitlichung und Zusammenfassung der CPU-Funktionalitäten auf nur einen LSI-Chip. Ab Ende August wurde er zusätzlich von Stan Mazor, einem Softwareingenieur, unterstützt, der es zudem hervorragend verstand, zwischen Hoff und Shima zu vermitteln. Es folgten noch etliche Diskussionen und im Oktober 1969 entschied man sich im Beisein einiger Busicom-Manager für das nur aus vier Chips bestehende Intel-Design(6), das eine deutlich günstigere Fertigung versprach. Schlussendlich stand die Spezifikation Ende 1969 und die Detailausarbeitung wurde von Masatoshi Shima durchgeführt(7). Das gesamte Busicom-Team kehrte daraufhin im Dezember nach Japan zurück.

    Ein Vertrag zwischen Intel und Busicom wurde erst im Februar 1970 unterzeichnet(8). Seit der Abreise des Busicom-Teams widmete sich jedoch Ted Hoff seinen regulären Tätigkeiten und das Projekt wurde an Les Vadasz übergeben, den Leiter der MOS-Fertigung, der jedoch in außreichendem Maße von der Speicherfertigung eingenommen wurde, sodass sich bei Intel kaum etwas im Projekt tat. Erst eine schriftliche Anfrage zum Projektstatus im März 1970 lenkte bei Intel wieder einen gewissen Fokus auf das Projekt und Vadasz heuerte daraufhin den Fertigungsspezialisten Federico Faggin an. Masatoshi Shima hatte derweil in Japan an etlichen Testprogrammen und der Spezifikation gearbeitet und reiste im April erneut nach Kalifornien. Dort angekommen musste er überaschend festellen, dass Intel in der Zwischenzeit nicht an dem Projekt weitergearbeitet hatte. Ihm wurde Federico Faggin als neuer Kollege vorgestellt, den man nur wenige Tage zuvor von Fairchild rekrutiert hatte. Bei Fairchild hatte der italienische Physiker als Projektleiter ab 1968 die MOS Silicon Gate technology with self-aligned gates entwickelt (die die Basis aller modernen NMOS und CMOS ICs bilden sollte). Das Busicom-Projekt war ihm weitestgehend unbekannt, da Stan Mazor ihm gerade erst mal ein oder zwei Tage zuvor alle vorläufigen Unterlagen auf den Tisch gelegt hatte, sodass Shima mit Faggin von vorne beginnen musste. Aus den Abteilungen von Les Vadasz und Ted Hoff konnte Faggin keine nennenswerte Unterstützung bekommen, sodass das Projekt nun weitestgehend in seinen Händen lag. In den folgenden Monaten arbeiteten er und Shima eng zusammen und enwickelten die notwendigen Techniken und übertrugen das finale Design auf die Schaltkreise. Stan Mazor entwickelte zusammen mit Shima die Software für den 4004, während er parallel mit Ted Hoff bereits am 8008 arbeitete.
    Erstes Silizium konnte man bereits im Dezember fertigen und erste funktionsfähige Testchips standen Mitte Januar 1971 zur Verfügung, die nachfolgend im Labor analysiert und gedebuggt werden konnten. Im März lieferte man erste Samples nach Japan, die dort von Masatoshi Shima in Empfang genommen wurden, der bereits im Oktober des vorherigen Jahres zurückgereist war.

    Im Februar 1971 war Robert Noyce auf Geschäftsreise in Japan um den 1103-DRAM-Speicherchip zu vermarkten und traf sich auch mit Busicom-Präsident Yoshio Kojima. Faggin konnte zusammen mit Shima innerhalb bemerkenswert kurzer Zeit erste Testsamples des Chipsatzes erstellen, jedoch hat sich zwischenzeitlich auf dem Tischrechner-Markt für Kojima mehr Konkurrenz eingestellt, als erwartet, sodass er eine Preisanpassung forderte. Zurück in Kalifornien, fragte Noyce Hoff und Faggin nach den Prioritäten, falls es zu einer Vertragsneuverhandlung kommen würde und beide schlugen unabhängig voneinander vor, sich die Vertiebsrechte für das Design zu sichern. Intern gab es bei Intel jedoch auch gegenläufige Ansichten zu dem Projekt, so bspw. von Andy Grove, der Intel weiterhin als reinen Speicherchiphersteller sah und Bob Graham als Marketing-Manager, der keinen nennenswerten Markt für den Chipsatz erkannte. Weiterhin hatte Intel zu der Zeit durchaus ernstere Probleme bzgl. der eigenen Finanzen und dem anfänglich problematischen 1103-DRAM-Chip, sodass Noyce nicht unmittelbar auf die Aufforderung zur Vertragsneuverhandlung reagierte.
    Im Juli 1971 wurde Bob Graham durch Ed Gelbach ersetzt, der von Texas Instruments kam. TI war ebenfalls dabei einen general-purpose Mikrochip zu entwickeln und dementsprechend hatte Gelbach andere Ansichten zu dem Thema und war ebenfalls, wie Hoff und Faggin, der Ansicht, dass man sich die Rechte an dem Chipdesign sichern sollte. Nach ersten Vorgesprächen finanlisierte Noyce den neuen Vertrag mit Busicom im September 1971 und sicherte sich die Vertriebsrechte an dem Design mit der Ausnahme für eine Verwendung in Tischrechnern. Nach dem Vertragsabschluss war sich Noyce jedoch nicht wirklich sicher, ob man mit diesem Produkt auf den Markt gehen sollte, ob es ausgereift genug war und den angedachten Anwendungen genügen würde und ob man sich eine Konkurrenzsituation mit einigen seiner eigenen Kunden erlauben konnte. Erst im Oktober 1971 entschied man sich dann bei Intel für eine Vermarktung des Mikroprozessors und dem zugehörigen "MCS-4"-Chipsatz. In der darauffolgenden November-Ausgabe der Electronic News kündigte Intel den Prozessor bzw. Chipsatz als "Announcing A New Era In Integrated Electronics" an.

    Eines der ersten kommerziellen Produkte war der Tischrechner Busicom 141-PF. Insgesamt handelte es sich um einen recht einfachen Chip, der vergleichsweise wenig Performance und nur 4-Bit-Registerbreite bieten konnte, sich jedoch für alles weniger komplexe eignete, das nur ein wenig Intelligenz benötigte, wie Tischrechner, Registrierkassen, Münzwechsler, Waagen und Buchhaltungsmaschinen.

    Im Jahr 1974 folgte der 4040 als etwas verbesserter, unmittelbarer Nachfolger dieses Designs, während bereits 1972 mit dem 8008 Intels erster 8-Bit-Mikroprozessor veröffentlicht wurde.


    Ergänzend zum ersten Mikroprozessor:
    Texas Instruments hat den Anspruch mit seinem TMS1000 nur um Haaresbreite verpasst (und den vertrieb man gar erst ab 1974). In seiner eigentlichen Form dürfte der Titel jedoch dem MP944 von Garrett AiResearch zuzuschreiben sein. Hierbei handelt es sich um einen Chip(satz) für den Central Air Data Computer der Grumman F-14 Tomcat (siehe "Topgun" ;-)), der bereits 1970 fertiggestellt wurde. Das Design verwendete 20 Bit-Wortbreite mit Festkommazahlen für die Berechnung/Aufbereitung diverser sensorischer Daten wie statischem und dynmaischen Druck, Temperatur, die Steuerung der Klappen und Vorflügel, etc. Aufgrund des militärischen Ursprungs war die Entwicklung jedoch weitestgehend geheim und ein 1971 geschriebener Aufsatz eines der Hauptentwickler wurde von der US Navy unter Verschluss gehalten und erst 1998 freigegeben (bspw. aufgrund der Geheimhaltung durften die beteiligten Ingenieure auch damals darauf basierend keine Patente anmelden).

    Geschichte wiederholt sich (manchmal):
    In 1972 veröffentlicht Intel den 8008, eine 8-Bit-CPU, bestehend aus 3500 Transistoren und anfänglich mit bis zu 500 kHz getaktet. Der Prozessor hat einen 8-Bit-breiten Akkumulator und zusätzliche sechs 8-Bit-Register, einen 14-Bit-Program Counter und einen sieben Ebenen tiefen push down address call stack, von dem der Program Counter die Spitze darstellt. Der Adressbus ist 14 Bit breit und kann bis zu 16 KB adressieren. Im Vergleich zum Vorgänge 4004/4040 hat er bei gleichem Takt einen etwas geringeren Durchsatz (IPC), kann durch die 8-Bit-Verarbeitung und mehr adressierbarem RAM jedoch in den meisten Applikationen Geschwindigkeitsvorteile für sich verzeichnen.
    Bei der CPU handelte es sich ursprünglich um eine Auftragsfertigung für die Computer Terminal Corporation, jedoch verzögerte die CPU sich und entsprach schlussendlich nicht den Performance-Zielen des Auftraggebers. Da Intel auch andere Interessenten für den Chip hatte, verhandelte man die Recht für eine Vermarktung durch Intel selbst. Die CPU war die erste, die in kommerziellen Personal Computern verwendet wurde, die nicht als reine Rechenmaschinen ("große Taschenrechner") dienten, wie bspw. dem kanadischen MCM/70 oder der französischen Micral N. Beispielsweise im Juli 1974 erschien die Radio-Electronics Ausgabe mit dem Leitartikel "BUILD THE MARK-8 - Your Personal Minicomputer", einem Selbstbauprojekt des Studenten Jonathan Titus auf Basis des 8008.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 04.04.21 18:31 durch platoxG.

  7. Re: Guter Artikel

    Autor: ChristophAugenAuf 04.04.21 - 19:37

    Schöner Artikel, danke. Er hat mir auch Spaß gemacht beim Lesen.

  8. Re: Guter Artikel

    Autor: menno 04.04.21 - 19:58

    Wow! Danke, ein Artikel zu einem Artikel.

  9. Re: Guter Artikel

    Autor: mwo (Golem.de) 06.04.21 - 06:58

    Vielen Dank für das Lob!

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