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  5. › Open Access: MIT beendet Verträge…

Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

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  1. Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: Thinal 12.06.20 - 12:29

    Wenn meine Steuern verwendet werden, um Forschung zu finanzieren, dann will ich auch Zugang zu der Forschung haben. Was viele Wissenschaftsverlage da machen, grenzt schon an Raubrittertum. Das einzige, was die an Aufgaben haben, ist den Peer-Review zu koordinieren. Die Reviewer bekommen ja auch kein Geld von den Verlagen. Die Kosten sind dann noch der Druck und Logistik, aber das rechtfertigt in keiner Weise diese horrenden Preise und das Pochen auf Exklusivität. Ich hoffe, nun setzt sich Open Access endlich auf breiter Front durch.

  2. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: EWCH 12.06.20 - 12:37

    das MIT ist eine Privateuni

  3. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: Apollo13 12.06.20 - 13:37

    Das MIT bekommt aber auch gewaltige Mittel aus öffentlichen Töpfen! Insofern darf man selbst bei solchen Unis erwarten, dass ein Großteil der Forschungsergebnisse öffentlich gemacht werden.

    Edit: Nur als Beispiel hier ein Zitat:
    "Von der Industrie bekommt das MIT pro Jahr über 100 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung. Noch etwas mehr bringen Spenden in die Kasse. Das macht allerdings nur einen kleinen Teil des Forschungsbudgets am MIT aus – insgesamt weit über einer Milliarde Dollar. Den Löwenanteil finanziert staatliche Einrichtungen wie die National Science Foundation und die Ministerien für Energie, Gesundheit und Verteidigung." (Deutschlandfunk Kultur, 14.06.2016 in "Forschungsfinanzierung in den USA - Umstrittene Allianzen")



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.06.20 13:40 durch Apollo13.

  4. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: bplhkp 12.06.20 - 14:04

    Thinal schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn meine Steuern verwendet werden, um Forschung zu finanzieren, dann will
    > ich auch Zugang zu der Forschung haben.

    Der Fördergeber bekommt die Ergebnisse in einem Projektabschlussbericht übergeben. Wende dich doch an BMBF, DFG und wie sie alle heißen um diese zu bekommen.

  5. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: EWCH 12.06.20 - 14:08

    > Das MIT bekommt aber auch gewaltige Mittel aus öffentlichen Töpfen!
    > Insofern darf man selbst bei solchen Unis erwarten, dass ein Großteil der
    > Forschungsergebnisse öffentlich gemacht werden.

    Derjenige der die Forschung bezahlt darf auch ueber das Ergebnis verfuegen.
    Wenn als z.B. ein Ministerium eine private Firma oder Uni beauftragt dann waere ich auch dafuer dass die Ergebnisse veroeffentlicht werden - aber eben von Auftraggeber/Rechteinhaber.

  6. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: fanreisender 12.06.20 - 16:05

    Thinal schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn meine Steuern verwendet werden, um Forschung zu finanzieren, dann will
    > ich auch Zugang zu der Forschung haben. Was viele Wissenschaftsverlage da
    > machen, grenzt schon an Raubrittertum.

    Ja, hat sich dank der Monopolstrukturen so eingebürgert.

    Allerdings sollte nicht gleich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden.
    Verlage zur Organisation wissenschaftlicher Publikationen haben sich durchaus bewährt. Wäre dem nicht so, hätten sich all die offenen Angebote seit vielen, vielen Jahren längst auf breiter Front durchgesetzt.

    Aber natürlich ist das System "Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen gegen Bezahlung" pervers. Verlagsarbeit kostet Geld, klar. Das muss dann halt von den Autoren kommen. Ein Aufschrei ist hier nicht angesagt, wenn im Gegenzug der Zugang zu den publizierten Ergebnissen frei wird. Im Gegenteil, die Notwendigkeit, die eigenen Ergebnisse der Welt gegen Cash mitzuteilen, könnte sich positiv auf viele verwässerte Publikationen auswirken. Dann zählt nicht mehr Seiten schinden, sondern Seiten reduzieren.

    Eine andere Frage besteht im Review-Prozess. Das gegenwärtige Peer-Review-Verfahren ist zum einen doch recht aufwendig und natürlich sehr korruptionsanfällig. So groß ist die Schar der Wissenschaftler eines Fachgebietes oft nicht, als dass der Autor den Reviewer nicht erkennen würde. Ehrliche Kritiken sind da u.U. schwierig, weil der Reviewer ja auch irgendwann wieder Autor ist ...

    Eine sofortige freie Verfügbarkeit aller Artikel eröffnet einen viel einfacheren Weg direkter Kritik.

    Es dauert leider lange, die heutigen technischen Möglichkeiten in diesem Sinne zu nutzen. Das Gebaren einiger Verlage wie in der Vorinternetzeit erzeugt hoffentlich den nötigen Leidensdruck hier schneller voranzukommen.

  7. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: deisi 12.06.20 - 22:34

    Was ich auch nicht verstehen ist, warum die Kommunikation zwischen Revieren und Autoren meist geheim bleibt. Bisher hat diese Kommunikation auch immer erklärende Elemente enthalten, die einem externen Leser des Artikels verborgen bleiben.

    Auch, warum Revieren Leute überhaupt. Man hat dich überhaupt nix davon.

  8. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: subjord 12.06.20 - 23:20

    deisi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was ich auch nicht verstehen ist, warum die Kommunikation zwischen Revieren
    > und Autoren meist geheim bleibt. Bisher hat diese Kommunikation auch immer
    > erklärende Elemente enthalten, die einem externen Leser des Artikels
    > verborgen bleiben.
    >
    > Auch, warum Revieren Leute überhaupt. Man hat dich überhaupt nix davon.

    Man macht Reviews, weil es die Pflicht eines Wissenschaftlers ist dafür zu sorgen, dass du qualitativ hochwertige Veröffentlichungen gepublisht werden. Jeder der Veröffentlicht bekommt reviews "geschenkt" also muss man auch welche zurück schenken.

  9. Was bitte

    Autor: Shismar 12.06.20 - 23:21

    hat das jetzt mit den wissenschaftlichen Publikationen zu tun, die im Rahmen der geförderten Forschung entstanden sind?

    Richtig, nichts.

  10. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: deisi 13.06.20 - 10:02

    > hat das jetzt mit den wissenschaftlichen Publikationen zu tun, die im Rahmen der geförderten Forschung entstanden sind?

    Das hat super viel damit zu tun. Anstatt etwas in einem Journal zu veröffentlichen, dass dann gereviewt wird, kann man es auch heute schon einfach auf Archive hochladen und fertig. Einer der Haupt Gründe, warum journale Geld verlangen, ist, dass sie Qualität versprechen. Das aktuelle verfahren lagert die Arbeit aber unbezahlt and dritte aus, nämlich die Reviewer. Diese werden aber nicht Mal bezahl, sondern es handelt sich angeblich um ihre "wissenschaftliche Pflicht". Nur das ist doch offensichtlich ein krankes system.

  11. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: interlingueX 13.06.20 - 11:06

    bplhkp schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Thinal schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Wenn meine Steuern verwendet werden, um Forschung zu finanzieren, dann
    > will
    > > ich auch Zugang zu der Forschung haben.
    >
    > Der Fördergeber bekommt die Ergebnisse in einem Projektabschlussbericht
    > übergeben. Wende dich doch an BMBF, DFG und wie sie alle heißen um diese zu
    > bekommen.

    Als Wissenschaftler helfen mir die Berichte aber nur sehr begrenzt weiter. Die wirklich wichtigen Informationen (Hypothese, Methodik, Auswertung etc.) stecken nun mal in den Veröffentlichungen. Der Bericht dampft die ganzen Informationen ein und konsolidiert sie für die Geldgeber. Anders ausgedrückt: So ein Bericht enthält für Wissenschaftler zuwenig relevante und zuviel irrelevante Details.

    ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
    I don't judge people based on race, creed, color or gender. I judge people based on spelling, grammar, punctuation and sentence structure. But not very harshly ;)



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 13.06.20 11:09 durch interlingueX.

  12. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: interlingueX 13.06.20 - 11:42

    deisi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > hat das jetzt mit den wissenschaftlichen Publikationen zu tun, die im
    > Rahmen der geförderten Forschung entstanden sind?
    >
    > Das hat super viel damit zu tun. Anstatt etwas in einem Journal zu
    > veröffentlichen, dass dann gereviewt wird, kann man es auch heute schon
    > einfach auf Archive hochladen und fertig. Einer der Haupt Gründe, warum
    > journale Geld verlangen, ist, dass sie Qualität versprechen. Das aktuelle
    > verfahren lagert die Arbeit aber unbezahlt and dritte aus, nämlich die
    > Reviewer. Diese werden aber nicht Mal bezahl, sondern es handelt sich
    > angeblich um ihre "wissenschaftliche Pflicht". Nur das ist doch
    > offensichtlich ein krankes system.

    Arxiv.org ist kostenlos, das stimmt. Aber da gibt's keine systematische fachliche Beurteilung seitens Spezialisten, und nur durch diese kann sichergestellt werden, dass Themengebiete unter Einhaltung wissenschaftlicher Standards untersucht werden.

    Gäbe es das nicht und alle lüden alles nur auf arxiv hoch, würde zunächst die Anzahl der dortgelagerten pdfs richtiggehend explodieren. Darunter wäre dann auch eine unglaubliche Anzahl von Luftnummern, d. h. von Leuten, die ganz tolle Forschungsergebnisse erfinden, um sich einen Namen zu machen (siehen Jan-Hendrik Schön). Ohne Kontrolle steht sowas mitunter wirklich lange im Netz. Dabei geht's gar nicht mal nur um das Vertrauen von Professor A an der Uni B in das Paper C des Postdocs D im Forschungszentrum E, sondern auch um das Vertrauen der Politik (Stichwort: Geldgeber) und letztlich der breiten Öffentlichkeit. Man kann einem Wissenschaftler, der permanent unbekannte Sachverhalte erforscht, nur vertrauen, wenn man weiß, dass er die hohen Standards seines Berufs kontinuierlich einhält.

    Das System ist auch nicht krank, nur weil die Reviewer kein Geld bekommen. Im Zweifelsfall sehen sie nämlich als erste die Ergebnisse, die ein Mitbewerber konkret publizieren möchte (u. U. besser als das, was er auf der letzten Konferenz vorgestellt hat). Das ist ein gewisser Informationsvorsprung. Außerdem kann der Reviewer so auch regulierend eingreifen (siehe meine Argumente zu arXiv), es ist ja letztlich in seinem eigenen Interesse, potentiellen Wildwuchs einzudämmen und die Standards zu halten.

    Hast du denn mal ein paar Reviewer gefragt, ob sie finden, dass sie bezahlt werden müssten?

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    I don't judge people based on race, creed, color or gender. I judge people based on spelling, grammar, punctuation and sentence structure. But not very harshly ;)

  13. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: Apollo13 13.06.20 - 12:37

    Und dazu kommt: Geld schafft ggf. auch die falschen Anreize.
    Das war schon bei den Beall'schen "Predatory Journals" so, und würde - jedenfalls ist das meine feste Überzeugung - auch bei den Reviews passieren. Zuviele Reviewer würden möglichst viele Paper durchschleusen wollen, und die, die es nicht machen, würden den Ruf der Wissenschaft nicht hochhalten können.

  14. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: deisi 13.06.20 - 13:17

    > Hast du denn mal ein paar Reviewer gefragt, ob sie finden, dass sie bezahlt werden müssten?

    Die die ich kenne machen es aus Idealismus. Aus systemischer Sicht halte ich das für ausbeuterei.

    > Das System ist auch nicht krank, nur weil die Reviewer kein Geld bekommen

    Nein nur deshalb nicht. Auch weil der Kreis der Wissenschaftler meist nur sehr klein ist und irgendwie kennt man doch alle. Außerdem ist es für mich unverständlich, warum die Kommunikation zwischen Reviewer und Author gemeim ist. Meiner Meinung nach gehört das zum Paper dazunund sollte mit veröffentlicht werden.

    Zusammengefasst bedeutet das für mich, der reviewprozess ist geheim und getrieben von Idealismus. IMO eine sehr sehr schlechte Kombination.

  15. Re: Öffentlich gefördert -> öffentlicher Zugang

    Autor: muhzilla 13.06.20 - 20:52

    Als Promovierter kann ich diesen Wunsch absolut nachvollziehen. Ich fand es immer sehr unbefriedigend, dass meine Forschungsergebnisse nicht frei zugängig waren, sondern hinter den paywalls der üblichen Verlage verschwunden waren. 2/3 meiner Stelle waren öD, also wurde der Großteil durch Steuern finanziert. Eine echte Möglichkeit etwas zurück zu geben war effektiv nicht vorhanden.

    Parallel bekam man natürlich immer wieder Aufforderungen andere Papers zu reviewen. Wer in der Wissenschaft etwas werden will, tut das auch besser, da dies neben Konferenzen natürlich eine super Gelegenheit zum Netzwerken ist. Von Wissenschaftlern, für Wissenschaftler. Ziemliches Einbahnstraßenprinzip, das mit dazu beigetragen hat, dass ich nach der Promotion die Wissenschaft schnellstmöglich verlassen habe ;)

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