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Leicht offtopic - Wie stehts eigentlich um die Wirtschaftlichkeit von Fusionsenergie
Autor: Bob_Youser 11.03.24 - 17:13
Dass Fusionsreaktoren ihre Anwendungsbereiche haben steht sicher außer Frage. Insbesondere wenn es dann irgendwann an die Verkleinerung und so geht.
Aber was ich mich in Bezug auf den Nutzen im ganz normalen Stromnetz z.B. in Deutschland frage: Ist das überhaupt noch wettbewerbsfähig, wenn es dann in optimistischen 15 Jahren mal kommerziell in größerem Stil an den Start geht?
Aktuell sehen wir, wie die Preise für EE-Anlagen, insbesondere im Solarbereich in den Keller gehen. Die Preise für Speicher werden in den nächsten Jahren folgen und man kann wohl davon ausgehen, dass in 15 Jahren Speicher recht günstig sein werden und vor allem auch schon viel installierte Kapazität da sein wird.
Bis die Fusionsenergie da ist, sollte die Energiewende größtenteils gelaufen sein. Das Thema Grundlast weitestgehend erledigt. Gibts zu wenig EE, dann braucht es kurzfristig zuschaltbare Kraftwerke. Wohl erstmal Gaskraftwerke. Egal womit in Zukunft befeuert.
Taugen Fusionskraftwerke hier überhaupt außerhalb der Grundlast? Sind die schnell regelbar und dann noch einigermaßen wirtschaftlich?
Und sind sie bei den Preisen in 15 Jahren überhaupt noch wirtschaftlich? Die Investitionskosten dürften ja heftig sein. Dazu das ganze Theater um Genehmigungsprozesse, Sicherheit, Nimbys und Grünheider... Wie viel Personal brauchen sie dann im Betrieb. Wie viel Wartung? Wie lange halten teure Komponenten?
Das wird ja vermutlich mal jemand durchgerechnet haben.
Aber gut, wenn nicht in Deutschland, dann gibts ja noch lauter andere Länder, die Fusionsenergie gut gebrauchen können. -
Re: Leicht offtopic - Wie stehts eigentlich um die Wirtschaftlichkeit von Fusionsenergie
Autor: M.P. 11.03.24 - 17:20
Viel Energie wird ja nicht nur stationär gebraucht ... Spätestens, wenn man in der Raumfahrt nicht nur Hopser zum Mond oder zum Mars machen will, müss man sich etwas anderes überlegen, und von da her ist Fusionsforschung ggfs kein totes Pferd ...
Die Konkurrenzfähigkeit wird sich nicht darin äußern, ob Ökostrom billiger ist, als Fusionsstrom, sondern ob er billiger ist, als der Strom, den man braucht, wenn der Ökostrom nachts und bei Flaute nicht ausreichend verfügbar ist...
Ist der gespeicherte Ökostrom incl Speicherkosten dann billiger, als der Fusionsstrom?
Lässt sich ein Fusionsreaktor einfacher in der Leistung dem Bedarf anpassen, als ein Fissionsreaktor?
Da es noch keinen einzigen Fusionsreaktor gibt, mit dem man das alles ausprobieren könnte, ist das Kaffeesatzleserei... -
Re: Leicht offtopic - Wie stehts eigentlich um die Wirtschaftlichkeit von Fusionsenergie
Autor: docwho 11.03.24 - 17:54
Die Fusionsreaktoren werden voraussichtlich zu spät verfügbar sein um bei der Umstellung des Energiesystems auf CO2 freie Erzeugung eine massgebliche Rolle zu spielen.
Eine Wirtschaftlichkeit gegenüber den EEG, inkl. Speicher wird wohl kaum erreichbar sein, wenn man sieht wie günstig die schon sind (<1Cent je kWh PV + <10 Cent je kWh für Akkus), mit erheblichem weiterem Preissenkungspotential durch verbesserte Technologien und Skalierung.
D.h. es bleiben für Fusion (bis auf weiteres) wohl eher nur Nischenanwendungen, wie "kleine" autarke Systeme z.B. in arktischen Regionen, Raumfahrt, Militär.
Da kommt es nicht ganz so auf den Preis an... -
Re: Leicht offtopic - Wie stehts eigentlich um die Wirtschaftlichkeit von Fusionsenergie
Autor: snoxx 11.03.24 - 20:17
Evtl. solltest Du bei EE nicht nur die Erzeugung sehen sondern auch die Netze - deutlich aufwendiger und damit teurer - sowie das notwendige Backup - auch teuer - mit einbeziehen.
Wenn Fusionskraft verfügbar wird, dann wird das in etwa so für kommerzielle EE Erzeuger weiter gehen:
1. Der Erzeuger zahlt die zusätzlichen Netzkosten.
2. Der Erzeuger muss die Lieferung GARANTIEREN und bei ausbleibender Lieferung den Strom am Markt kaufen.
3. Neue Windkraftanlagen werden aufgrund des Eingriffs in die Landschaft nicht mehr erlaubt.
Bleiben noch die Solarpannels für den privat Gebrauch. -
Re: Leicht offtopic - Wie stehts eigentlich um die Wirtschaftlichkeit von Fusionsenergie
Autor: ChrisMS 12.03.24 - 11:48
Bob_Youser schrieb:
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> Aktuell sehen wir, wie die Preise für EE-Anlagen, insbesondere im
> Solarbereich in den Keller gehen. Die Preise für Speicher werden in den
> nächsten Jahren folgen und man kann wohl davon ausgehen, dass in 15 Jahren
> Speicher recht günstig sein werden und vor allem auch schon viel
> installierte Kapazität da sein wird.
Ohne das ich mich jetzt mit den Zahlen der Fusionskosten oder Speichermenge bei Solar auskennen würde, möchte ich dennoch ein Gedankenspiel dazu abgeben.
Du rechnest damit das der aktuelle Speicherbedarf in ca. 15 Jahre mit EE-Anlagen und zugehörige Speicher gedeckt sein wird. Wenn wir das hinbekommen wäre das eine enorme Leistung und ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Aber (ja, das gibt es immer) man sollte bedenken das jetzt schon absehbar ist das der zukünftige Stromverbrauch stark steigen wird. E-Autos, Wärmepumpen, Internet/KI, usw.. Der Hunger nach Energie wird uns ganz sicher nicht ausgehen.
Und jetzt kommt Jevons-Paradoxon, das besagt:
"Ein technischer Fortschritt, der die effizientere Nutzung eines Rohstoffes erlaubt, führt letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieses Rohstoffes, anstatt sie zu senken."
Was würde es bedeuten wenn wir wirklich irgendwann mal Fusions-Strom in sauberen und unendlichen Mengen zur Verfügung haben würden? Alle fahren e-Autos, klar, aber würden dann KI-gesteuerte Straßenbahnen in 10 Minuten-Takt fahren und das nicht nur in großen Innenstädten? Elektrische Busse auf dem Land? Heizen wir die Häuser dann ggf. elektrisch? Beleuchten wir alle Straßen und Autobahnen (wie damals Belgien)?
Oder größer gedacht? Gegen den Klimawandel kühlen wir Nord- und Südpol elektrisch ab? Fangen wir CO2 elektrisch mit Filteranlagen ein?
Ich glaube wir können uns heute nicht vorstellen wie sich bei nahezu unendlich vorhandener Energie die Welt verändern könnte.



