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  5. › Sklavenhandel und Kolonialismus…

Schwacher Artikel

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  1. Schwacher Artikel

    Autor: HenryLolsen 07.05.19 - 13:25

    Gleich mehrere im Text geäußerte Prämissen sind falsch oder überinterpretiert:

    "Wenn man einen Anno-Kunden danach fragen würde, würde er sicherlich sagen, dass das damals so war [...]"
    Klassischer Move vom Autor, so eine nicht belegte Aussage, die mE jeglicher Grundlage entbehrt, lediglich als Zitat hinzustellen. Ich würde behaupten, der durchschnittliche Anno-Spieler weiß um die massive Simplifizierung des Szenarios.

    "Dadurch, dass Anno 1800 als historische Simulation daherkommt,[...]"
    Wieder der Zitattrick. Anno ist natürlich keine historische Simulation. Es ist eine Aufbausimulation mit historischem Szenario. Einer historischem Simulation käme am ehesten so etwas wie Europa Universalis nahe (mein Eindruck, ohne es groß gespielt zu haben).

    "Sklavenhandel ist zu heikel, aber Arbeiterproteste in den Städten können auf Knopfdruck blutig niedergeschlagen oder neue Inseln zu Arbeiterkolonien erklären werden, wo Menschen in Überstunden und unterbezahlt malochen müssen."
    Blutig, echt jetzt? Da fährt eine Polizeiwagen rum und eine Prozentanzeige bei den betroffenen Gebäuden nimmt ab. Auch der zweite Satz ist eine massive Überdramatisierung, der mit wertenden Begriffen hantiert ("unterbezahlt"), die keinen direkten Bezug zum Spiel haben.

    "Der einheimischen Bevölkerung wird dabei eine ausformulierte eigene Identität jenseits von Arbeitskraft und produzierten Gütern abgesprochen und sie werden sofort in nur zwei Bevölkerungsgruppen zusammengefasst: Jornaleros und Obreros."
    Das ist lediglich eine bewusst pejorative Beschreibung des gesamten Anno-Spielprinzips! Jede Bevölkerung (nicht nur die der neuen Welt) wird über produzierte (und nachgefragte) Güter definiert, das war's, darum dreht sich das ganze Spiel.

    Insgesamt ein Artikel, der bewusst mit überzeichneten und teils auch falschen Interpretationen arbeitet und somit exemplarisch für die gegenwärtige "outrage culture" steht.
    Naja, auch das geht vorüber. Letztendlich wird Anno 1800 als das in Erinnerung bleiben, was es ist: Ein gelungenes Aufbauspiel mit einem interessanten Szenario.

  2. Re: Schwacher Artikel

    Autor: derJimmy 07.05.19 - 16:32

    Chapeau! In diesen Zeiten ist es toll zu sehen, dass es auch andere gibt, die sich inhaltlich an derartigen Passagen stören. Leider hat der Journalismus heutzutage oft seine Funktion als vierte Gewalt vollkommen aus den Augen verloren und betreibt stattdessen entweder die pure Befriedigung kommerzieller Interessen oder Spaltartikel in der bewusst zwei Gruppen von Lesern aufeinandergejagt werden. Oder pure Propaganda für oder gegen ein Thema. Aber offensichtlich sind das die Art Inhalte, die Erlöse generieren - sonst wäre es nicht so. Und am Ende des Tages muss jeder Essen kaufen.

  3. Re: Schwacher Artikel

    Autor: Maatze 07.05.19 - 16:37

    +1

  4. Re: Schwacher Artikel

    Autor: Katharina Kalasch Petrovka 07.05.19 - 17:18

    HenryLolsen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Gleich mehrere im Text geäußerte Prämissen sind falsch oder
    > überinterpretiert:
    >
    > "Wenn man einen Anno-Kunden danach fragen würde, würde er sicherlich sagen,
    > dass das damals so war [...]"
    > Klassischer Move vom Autor, so eine nicht belegte Aussage, die mE jeglicher
    > Grundlage entbehrt, lediglich als Zitat hinzustellen. Ich würde behaupten,
    > der durchschnittliche Anno-Spieler weiß um die massive Simplifizierung des
    > Szenarios.
    >
    > "Dadurch, dass Anno 1800 als historische Simulation daherkommt,[...]"
    > Wieder der Zitattrick. Anno ist natürlich keine historische Simulation. Es
    > ist eine Aufbausimulation mit historischem Szenario. Einer historischem
    > Simulation käme am ehesten so etwas wie Europa Universalis nahe (mein
    > Eindruck, ohne es groß gespielt zu haben).
    >
    > "Sklavenhandel ist zu heikel, aber Arbeiterproteste in den Städten können
    > auf Knopfdruck blutig niedergeschlagen oder neue Inseln zu Arbeiterkolonien
    > erklären werden, wo Menschen in Überstunden und unterbezahlt malochen
    > müssen."
    > Blutig, echt jetzt? Da fährt eine Polizeiwagen rum und eine Prozentanzeige
    > bei den betroffenen Gebäuden nimmt ab. Auch der zweite Satz ist eine
    > massive Überdramatisierung, der mit wertenden Begriffen hantiert
    > ("unterbezahlt"), die keinen direkten Bezug zum Spiel haben.
    >
    > "Der einheimischen Bevölkerung wird dabei eine ausformulierte eigene
    > Identität jenseits von Arbeitskraft und produzierten Gütern abgesprochen
    > und sie werden sofort in nur zwei Bevölkerungsgruppen zusammengefasst:
    > Jornaleros und Obreros."
    > Das ist lediglich eine bewusst pejorative Beschreibung des gesamten
    > Anno-Spielprinzips! Jede Bevölkerung (nicht nur die der neuen Welt) wird
    > über produzierte (und nachgefragte) Güter definiert, das war's, darum dreht
    > sich das ganze Spiel.
    >
    > Insgesamt ein Artikel, der bewusst mit überzeichneten und teils auch
    > falschen Interpretationen arbeitet und somit exemplarisch für die
    > gegenwärtige "outrage culture" steht.
    > Naja, auch das geht vorüber. Letztendlich wird Anno 1800 als das in
    > Erinnerung bleiben, was es ist: Ein gelungenes Aufbauspiel mit einem
    > interessanten Szenario.

    +1

    “Was tot ist, kann niemals sterben.”
    — Eisenmänner

    "Der Tod durch Feuer ist der reinste Tod."
    — Melisandre

  5. Re: Schwacher Artikel

    Autor: CSCmdr 07.05.19 - 19:55

    Kann mich meinen Vorpostern nur anschließen. Super Kommentar, danke!

  6. Re: Schwacher Artikel

    Autor: x.adama 07.05.19 - 20:17

    Auch ich kann mich dieser Ansicht anschließen. Im übrigen war die Sklaverei für die Industrialisierung eher eine Bremse, denn eine Grundlage für den Wohlstand. Deutschland hat die nostalgische Sicht auf Kolonien und die Sklaverei nicht mehr Wohlstand gebracht, sondern den 1. Weltkrieg. Tatsächlich hätten Entwickler diesen negativen Effekt aufzeigen können. Auch den Bürgerkrieg in den USA, wo der industrialisierte Norden gegen die heile Welt des Südens, wo die Natur noch in Ordnung, der Klimawandel noch weit entfernt war, Krieg wegen der Sklaverei führte. Auch der Konföderation brachte die Sklaverei den Untergang. Die arabischen Staaten am Mittelmeer, Barbareskenstaaten, verloren mehr und mehr an Einfluss und Unabhängigkeit, wegen der Haltung der führenden Schicht zur Sklaverei und Piraterie. Der letzte widerliche Höhepunkt der Sklaverei im Kongo, hat dem belgischen König schließlich seine Macht gekostet. In diesem Jahrhundert wurde die Sklaverei also besiegt und wer versuchte damit Geld zu verdienen, hatte, wie meine Beispiele zeigen, keinen langfristigen Erfolg. Hätte lehrreich im Spiel sein können, doch leider lernen wir die Geschichte meist aus der falschen! marxistischen Sicht der 68er, und darum muss es die Sklaverei gewesen sein, die uns allen den Wohlstand brachte und die Computerspiele.

  7. Re: Schwacher Artikel

    Autor: harald567 07.05.19 - 20:55

    +1

  8. Re: Schwacher Artikel

    Autor: whity2 07.05.19 - 22:06

    +1

  9. Re: Schwacher Artikel

    Autor: AgentBignose 07.05.19 - 22:33

    +1

  10. Re: Schwacher Artikel

    Autor: SirFartALot 08.05.19 - 00:29

    +1 fuer dich und +1 fuer den TE

    "It's time to throw political correctness in the garbage where it belongs" (Brigitte Gabriel)
    Der Stuhlgang während der Arbeitszeit ist die Rache des Proletariats an der Bourgeoisie.

  11. Ich bin empört!

    Autor: redmord 08.05.19 - 01:05

    Also wenn das die Inhalte sind, die dieses Spiel vermittelt, bleibe ich doch lieber beim geldgeilen Rohrverleger Super Mario mit Magic Mushrooms und einer hilflosen Prinzessin.

    "Zehntausend Jahre haben sich Menschen andere Menschen als Sklaven gehalten. Nun reden wir uns gern ein, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, weil wir so human geworden sind. Aber die Wahrheit ist: Durch die industrielle Revolution ist die Sklaverei überflüssig geworden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es billiger, den Ofen eines Kohleofens zu füllen, als den Mund eines Sklaven." — Jeremy Rifkin

  12. Re: Schwacher Artikel

    Autor: FactCheck 08.05.19 - 06:37

    Zustimmung meiner Vorredner!

  13. Re: Schwacher Artikel

    Autor: BrabbelHans 08.05.19 - 06:44

    +1 guter Kommentar

  14. Re: Schwacher Artikel

    Autor: maerlynausderprim 08.05.19 - 12:27

    + 1

  15. Re: Schwacher Artikel

    Autor: kat1ln 09.05.19 - 09:27

    +1

  16. Re: Schwacher Artikel

    Autor: teenriot* 09.05.19 - 10:45

    > In diesem Jahrhundert wurde die Sklaverei also besiegt

    Fataler Irrtum. Wahrscheinlich gibt es sogar heute mehr Sklaven als jemals zuvor-

  17. Re: Schwacher Artikel

    Autor: Katharina Kalasch Petrovka 09.05.19 - 10:53

    teenriot* schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > In diesem Jahrhundert wurde die Sklaverei also besiegt
    >
    > Fataler Irrtum. Wahrscheinlich gibt es sogar heute mehr Sklaven als jemals
    > zuvor-

    Das fatale dabei ist: sie merken es nicht ein mal.

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    — Eisenmänner

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    — Melisandre

  18. Re: Schwacher Artikel

    Autor: teenriot* 09.05.19 - 13:16

    Sry mit deiner kruden These, das Angestelltenverhältnisse Sklaverei ist brauchst du bei mir nicht andocken. Ich rede von Arbeitsbedingungen in Katar, von ausbeuterischer Kinderarbeit, von Menschenhandel, von Zwangsprostitution usw.

  19. Re: Schwacher Artikel

    Autor: Katharina Kalasch Petrovka 09.05.19 - 13:39

    teenriot* schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Sry mit deiner kruden These, das Angestelltenverhältnisse Sklaverei ist
    > brauchst du bei mir nicht andocken. Ich rede von Arbeitsbedingungen in
    > Katar, von ausbeuterischer Kinderarbeit, von Menschenhandel, von
    > Zwangsprostitution usw.


    Sind keine kruden Thesen sondern Fakten. Gibt auch einige interessante Bücher zu dem Thema.
    Aber gut, dass Hamsterrad sieht von innen wie eine Karriereleiter aus. Von daher: strampel weiter, dass Land braucht solche Leute :-).

    Und Kinderarbeit? Jeder echauffiert sich aber am Ende des Tages nutzt trotzdem jeder dessen Produkte (Kleidung, Elektronik, etc.).

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    — Eisenmänner

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    — Melisandre

  20. Re: Schwacher Artikel

    Autor: teenriot* 09.05.19 - 15:50

    Wahnsinn, wie schafft man es gleichzeitig Kinderarbeit runter zu reden und Erwerbstätigkeit zu Sklaverei hochzureden ohne das es mal Klick macht.

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