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Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: Force8 20.10.14 - 16:49
Eine der ersten Aufgaben in der Ausbildung Maschinenbau ist die Berechnung: Wie lange darf ein Seil maximal sein, bis es nur durch sein Eigengewicht reißt. Die Länge ist zwar von Material zu Material verschieden, liegt aber auf jeden Fall weit unter den diskutierten Längen. Und jetzt komme bitte keiner mit dem Einwand, dieses Material müsse "nur" noch erfunden werden.
(Das erinnert mich ungut an die Endlagerung von Atommüll.)
Dazu kommt, dass sowohl das Seil als auch eine (weltraumtaugliche!) Kabine samt Antrieb gleich welcher Art durch die Strömungen in der Atmosphäre in Schwingungen versetzt wird. Wie soll das verhindert werden? usw. usw -
Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: gollumm 20.10.14 - 16:55
Hast Du eigentlich den Artikel gelesen?
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Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: kitingChris 20.10.14 - 21:50
gollumm schrieb:
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> Hast Du eigentlich den Artikel gelesen?
Nö er hat nur den Titel gelesen... Inhalt ist ja eh nur optional für viele Leute :P -
Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: Force8 20.10.14 - 23:16
Doch, ich habe den Artikel gelesen.
Nur, wie soll diese Gebilde aus Nanoröhrchen, Diamant oder sonstwas, das es dazu noch bisher gerade mal im Labormaßstab gibt, hochgeschafft werden?
100000km auf einer Kabeltrommel in einer Rakete und dann von oben her abrollen?
Oder zieht die Rakete das Seil vom Start weg hinter sich her?
Oder ist es Stangenware? Einzelteile, die dann ein "fliegender Monteur" im Vorbeiflug verbindet?
Ein Seil mit so einer absurden Länge, das sich für den Transport ganz klein aufwickeln lässt und abgewickelt die Stabilität und die Schwingungsfestigkeit für einen weltraumtauglichen Personentransport über tausende Kilometer gewährleistet. Und dazu zieht auch noch das "Gegengewicht" an dem Seil.
Ist das ein eingefangener Komet?
Und wie wird so ein Seil eigentlich gewartet?
Und wie soll der Antrieb und die Führung erfolgen? Über Rollen? -
Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: gollumm 20.10.14 - 23:20
Force8 schrieb:
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> Doch, ich habe den Artikel gelesen.
> Nur, wie soll diese Gebilde aus Nanoröhrchen, Diamant oder sonstwas, das es
> dazu noch bisher gerade mal im Labormaßstab gibt, hochgeschafft werden?
Dann stell halt diese Frage, dann macht Dir auch keiner den Vorwurf den Artikel nicht gelesen zu haben - aber das worüber Du Dich aufgeregt hast, wurde sehr wohl angesprochen. -
Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: Eheran 20.10.14 - 23:41
>Die Länge ist zwar von Material zu Material verschieden, liegt aber auf jeden Fall weit unter den diskutierten Längen.
Das witzige ist doch, dass die Gravitation immer mehr durch die Zentripetalkraft aufgehoben wird. Womit du nicht einfach so die Reißlänge rechnen kannst. -
Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: plutoniumsulfat 21.10.14 - 06:40
wirken beide nicht in dieselbe Richtung?
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Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: EddiEdward 21.10.14 - 08:22
Force8 schrieb:
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> Doch, ich habe den Artikel gelesen.
> Nur, wie soll diese Gebilde aus Nanoröhrchen, Diamant oder sonstwas, das es
> dazu noch bisher gerade mal im Labormaßstab gibt, hochgeschafft werden?
> 100000km auf einer Kabeltrommel in einer Rakete und dann von oben her
> abrollen?
> Oder zieht die Rakete das Seil vom Start weg hinter sich her?
> Oder ist es Stangenware? Einzelteile, die dann ein "fliegender Monteur" im
> Vorbeiflug verbindet?
> Ein Seil mit so einer absurden Länge, das sich für den Transport ganz klein
> aufwickeln lässt und abgewickelt die Stabilität und die
> Schwingungsfestigkeit für einen weltraumtauglichen Personentransport über
> tausende Kilometer gewährleistet. Und dazu zieht auch noch das
> "Gegengewicht" an dem Seil.
> Ist das ein eingefangener Komet?
> Und wie wird so ein Seil eigentlich gewartet?
> Und wie soll der Antrieb und die Führung erfolgen? Über Rollen?
Okay, geplant ist es folgendermaßen....
Nanoröhrchen sind das einzige Material, das dazu derzeit in Frage kommt. Die Tubes werden üblicherweise 3-5cm lang, der Weltrekord liegt bei ungefähr 18cm in irgendeinem japanischen Labor. Klar - 0,18m < 140.000.000,00m, aber man benötigt gar nicht so lange Tubes. Tubes sind Faktor 50 reißfester als Kohlefaser, für das Weltraumfahrstuhl-Seil wird aber nur Faktor 20 notwendig sein. Es würde also genügen ~10-15cm Nanoröhrchen zu einem endlosen !Seil! zu verspinnen. Die Reißfestigkeit eines solchen Seils wäre immer noch > Faktor 20 dessen von Kohlefaser und würde dahin gehend passen. Das Seil muss außerdem nach oben hin dicker werden, damit die Kräfte aufgenommen werden können, jedoch lt. Berechnungen 'nur' Faktor 4.
Wie kommt das da hoch?
Das erste 140.000km-Seil aus Nanoröhrchen-Schnipseln würde tatsächlich lediglich nur 30 Tonnen wiegen. Eine Trägerrakete, die dieses Gewicht auf einmal transportieren könnte gibt es tatsächlich noch nicht, Ariane 5ME soll lt. wikipedia erst 11,5t in eine geostationäre Umlaufbahn bringen können. Aber warum nicht drei Raketen und dann oben assemblen? Ist das Seil einmal oben, rollt es sich von selbst in beide Richtungen aus, zur Erde hin aufgrund der Erdanziehungskraft und von der Erde weg aufgrund der Fliehkraft. Versuche zum Abrollen von Seilen wurden schon in den 80ern erfolgreich im Weltraum durchgeführt, sollte also ein kleines Problem sein. ;-)
An diesem ersten Trampel-Pfad-Seil lässt sich eine Nutzlast von 1t hochtransportieren. Mithilfe dessen wird der Trampelpfad dann nach und nach zu einer "Autobahn" ausgebaut usw......
Mich begeistert das Thema, wie man vielleicht merkt. Woher habe ich diese Infos? Quelle ist der Podcast: http://raumzeit-podcast.de/2013/07/05/rz054-space-elevator/.
Kann den jedem nur wärmstens ans Herz legen.
Viele Grüße -
Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: Force8 22.10.14 - 11:52
>Es würde also genügen ~10-15cm Nanoröhrchen zu einem endlosen !Seil! zu >verspinnen.
Können die überhaupt versponnen werden? Ich vermute, die haben eine überaus glatte Oberfläche. Um Fasern zu einem Seil zu verspinnen, müssen sie sich die Einzelfasern ineinander verhaken.
>Ist das Seil einmal oben, rollt es sich von selbst in beide Richtungen aus.
Und wie lange würde es dauern, bei der geringen Erdanziehungskraft bzw. Zentrifugalkraft da oben?
Wie soll gesteuert werden, wo das Seil ankommt? Warum sollte ein derart leicher Faden überhaupt die Erdoberfläche erreichen? >Jet-Stream
Vergleiche mal, wie lange sich sogar Hagel da oben halten kann ohne runterzufallen.
Außerdem: Durch welche Kraft sollte sich das Seil überhaupt abrollen?
>An diesem ersten Trampel-Pfad-Seil lässt sich eine Nutzlast von 1t >hochtransportieren. Mithilfe dessen wird der Trampelpfad dann nach und >nach zu einer "Autobahn" ausgebaut.
Diese Einzelfasern müssen dazu wieder miteinander verflochten werden.
Siehe oben.
Wie soll diese Seilkatze angetrieben werden?
An was soll sie sich fortbewegen? An einem (überaus glatten!) Seil mit einem Durchmesser im 1/10 bzw. 1/100mm - Bereich?
Welches Transportvolumen haben diese 30 Tonnen?
140000km benötigen bei einer Seiltrommel mit einem mittleren Durchmesser von 3m etwa 20 Millionen Windungen. Wehe, da verheddert sich was...
PS: Ich finde die Idee an sich nicht schlecht.
Aber ein Konstrukteur Sondermaschinenbau macht sich halt so seine Gedanken...... -
Nein
Autor: Force8 04.11.14 - 18:44
Die maßgebende Gravitation zeigt zum Erdmittelpunkt.
Die andere Kraft in die entgegengesetzte Richtung.
Sonst würde das "Gegengewicht" ja runterfallen.... -
Re: Probleme: Reissfestigkeit, Schwingungen usw
Autor: Marple 06.11.14 - 19:28
plutoniumsulfat schrieb:
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> wirken beide nicht in dieselbe Richtung?
Ja das ist richtig, er meinte wohl die Zentrifugalkraft.



