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Ich habe das noch nicht verstanden...

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  1. Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: intnotnull12 12.11.17 - 10:46

    Ich verstehe nicht ganz, warum die Durchbrechung der Netzneutralität so schlimm sein soll. Meine ich ganz ehrlich, vielleicht kann es mir jemand von Euch erklären.

    Ich kann soweit folgen, dass die Netzneutralität für den amerikanischen Markt wohl wichtig war. Sonst hätten Netflix und Co nie eine Chance gegen das eigene Angebot der Kabelbetreiber gehabt. Aber in Deutschland? Selbst wenn die Telekom irgendwann anfängt, von den Anbietern Geld zu verlangen - deren Hebel ist doch, dass sie das schlicht nicht mitmachen, oder nur ein Taschengeld zahlen. Die Reaktion des Kunden, wenn Netflix, Prime, Youtube nicht mehr ordentlich zu empfangen bzw. gedrosselt ist, wird doch eher sein, den Provider zu wechseln.

    Bliebe die Gefahr eines "nationalen Kartells". Hier setzt aber doch wohl der Markt über die Zahlungsbereitschaft der Kunden Grenzen, zumal es alternativen "europäischen Content", den man gegen die Amerikaner ausspielen könnte, eigentlich nicht wirklich gibt. Also auch keine wirklichen kulturellen oder politischen Player, die ein Interesse an prohibitiven Kosten für die Amerikaner haben. Letztlich bleibt den Providern langfristig also doch wohl gar nix über, als Netflix, Youtube und Prime zu jedenfalls *halbwegs* brauchbaren Konditionen in die Netze einzuspeisen. Oder?

  2. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Ach 12.11.17 - 12:01

    Die Netzneutralität versucht nicht die Zugangsqualitäten verschiedener kommerzieller (Groß-)Anbieter untereinander zu nivellieren, vielmehr gebietet die Netzneutralität absolut jeden Inhalt gleich zu stellen, garantiert, dass keine Information gegen über einer anderen diskriminiert wird, => jedes Bit jedem anderen gleich gestellt ist, egal von wem oder woher es kommt.

    Ziel ist es, den Wert des Internet als nicht kommerzielles Kommunikationswerkzeug, -mittel und -medium für die Allgemeinheit sicher zu stellen, was eben genau durch solche Aktionen wie der der Telekom kaputt gemacht wird. Bietet z.B. jemand seinen Freunden oder der Allgemeinheit ein wichtiges selbstgedrehtes Video zum Download an, ist das für einen echten Flatrat Kunden kein Thema sich das anzuschauen, während es der Videoautor bei Stream On Kunden schon mal veratzt hat.

    War das einiger Maßen verständlich?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.11.17 12:03 durch Ach.

  3. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: intnotnull12 12.11.17 - 12:26

    In der Theorie sehr verständlich, ja.

    Aber in der Praxis? Ich wäre ja sofort bei Dir, wenn die Auflösung der Netzneutralität dazu genutzt würde, politisch unliebsame Inhalte zu bashen. Aber allein durch die Bevorzugung von Inhalten bei der Durchleitung sehe ich das noch nicht.

    So lange im politischen Bereich jeder auf seinem Blog eigene Texte schreiben und Fotos posten kann, und das auch von allen empfangen werden kann, ist im Hinblick auf die Meinungsfreiheit der wichtigste Punkt doch erstmal gesichert. Texte und Fotos fressen doch nicht wirklich Bites, weder beim up- noch beim download.

    Jetzt kannst Du natürlich sagen, dass sich dann jemand vielleicht die zweistündige Doku über politische Unterdrückung in der Türkei in HD nicht mehr reinzieht, weil das zu viel Bandbreite frisst (nur ein Beispiel, kannst jedes andere Land nehmen). Aber wirklich oft dürfte ein solches Szenario doch nicht vorkommen, oder?

    Im Streaming-Markt dagegen, in dem es wirklich auf die Bandbreite ankommt, dürfte es doch tatsächlich mehr um kommerzielle Inhalte gehen (Youtube, Netflix, Prime), so auch bei der Netzneutralität. Soweit hier die Netzinfrastruktur europäisch ist und von uns politisch kontrolliert, die kommerziellen Inhalte-Anbieter aber überwiegend in den USA sitzen, ist der Ansatz einer Kostenbeteiligung über den Traffic vielleicht doch wenigstens im Grundsatz nicht einmal so verkehrt, meine ich (und das sage ich als erklärter Telekom-Hasser ;-) .

  4. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Ach 12.11.17 - 12:53

    Doch, genau darum geht es! Dass man die Consumer nicht auf das Anbieten von Text und ein paar Bildern diskriminiert, sondern sicher stellt, dass es allen Nutzern möglich bleibt, all das anzubieten was ihnen in den Sinn kommt. Und wieso sollten Consumer nur Texte und Bilder anbieten wollen? In der Beziehung sollte man mal in einer Firma nachfragen oder bei jemandem, der sich eine VPN zugelegt hat, oder das von mir genannte Beispiel betrachten, und in Zukunft weis man noch überhaupt nicht was sich wie entwickeln wird, ob der Austausch großer Datensätze oder -Ströme von Nutzern zu Nutzern nicht irgendwann mal wieder eine Hauptrolle einnehmen wird, oder wenn ein paar Amateure auf die Idee kommen, selber eine kleine Streaming- oder vergleichbar datenintensive Plattform auf die Beine zu stellen, wie sollten die dann jemals gegen die etablierte Konkurrenz bestehen können? Oder ob es andererseits einem Provider nicht mal irgendwann in den Sinn kommt ein Angebot zu schalten, bei dem dann nur noch über dessen Zugangsportal kommuniziert werden darf, und nur noch dort hin kommuniziert werden darf, wohin er es erlaubt, als Lockangebot etwa, mehr kostet extra, usw, und so fort, der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.

    Ganz allgemein geht es also darum, das Netz als Allgemeingut mit gleichen Rechten für Alle zu festigen und zu schützen, anstatt es an die dominierenden Providern als eine von denen manipulierbare kommerzielle Spielwiese zu verlieren.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 12.11.17 13:00 durch Ach.

  5. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: intnotnull12 12.11.17 - 13:31

    Fair enough!

    Man muss sich nur die jeweilige konkrete politische Interessenlage genau klar machen. Nicht dass man als Netzneutralitätsbefürworter am Ende das Geschäft von Facebook, Google und Apple betreibt, ohne es zu merken.

  6. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Ach 12.11.17 - 14:26

    Und vergesse nicht MS und auch Intel nicht, nachdem man erfahren hat, was Letztere für nette Überraschungen in ihren Chipsätzen verankern. Hmm, diese berechtigte Kritik auf die du aufmerksam machst, die gehört aber irgendwie in eine andere Abteilung. Das eine sind dominante Netze im Netz und das was ich noch hinzugefügte sind Vorteilnahme auf Basis einer Betriebssystemdominanz, bzw. auf Basis einer Hardwaredominanz.

    Und egal wie man es dreht und wendet, kann es kein gangbarer Weg sein, den einen Rabauken Raubaukenfreifahrt zu verleihen, damit der einen anderen Rabauken in seine Schranken rabaukt, denn dieser Schuss droht in einem kapitalistischem System immer, und dann mit doppelter Wucht nach hinten los zu gehen. So etwas funktioniert tatsächlich nur über ein funktionierendes Rechtssystem, über den Staat als Schiedsrichter, sozusagen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.11.17 14:34 durch Ach.

  7. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: intnotnull12 12.11.17 - 15:50

    Die Rabauken fahren halt im Moment auf Autobahnen, die sie nicht bezahlen (und bunkern die damit verdiente Kohle in Irland oder Jersey, aber das ist wieder ein anderes Thema). Übrigens, wieder anders gesehen, gerade die independent-Inhalte im Netz verbrauchen meistens gerade nur sehr wenig Bandbreite (nicht immer, gebe ich Dir natürlich recht, aber eben doch meistens).

    Klar, man müsste schon sehen, wie man das genau politisch mit einem Rahmen versieht. Und ich bin ja wie gesagt auch überhaupt kein Fan der Telekom und ihres Ansatzes. Aber mal grundsätzlich: der Gedanke, dass amerikanische Konzerne, die Millionen von Gigabytes eher seichter Unterhaltung in unsere Netze spülen, dafür auch extra löhnen müssen, ist doch zumindest nicht völlig fernliegend. Natürlich ginge das erstmal in die Kassen unserer europäischen Provider, aber da hätten wir ja auch den regulatorischen Zugriff, der halt ausgeübt werden müsste.

    Es macht einen übrigens stutzig, dass gerade solche Regierungen sich vehement *für* die Netzneutralität aussprechen, die amerikanischem wirtschaftlichen Einfluss, nun ja, sagen wir mal, nicht völlig fernstehen (Osteuropa etwa, oder Chile).

  8. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Eopia 12.11.17 - 16:44

    >Die Rabauken fahren halt im Moment auf Autobahnen, die sie nicht bezahlen

    Da unterliegst du glaube ich einem Trugschluss, die Contentprovider zahlen ja auch für den Zugang zum Internet nämlich bei ihren Providern oder für das Peering mit anderen Providern. Traffic im Netz der Deutschen Telekom wird ja nur verursacht, wenn deren zahlende Kunden auf diese Inhalte zugreifen wollen, hier bezahlt also der Endkunde die Telekom dafür den Inhalt vom Contentprovider zu seinem Gerät zu transportieren. Müsste der Contentprovider jetzt auch noch die Telekom für den gleichen Transport bezahlen, wäre der Transport ja doppelt bezahlt.

    Wenn dieser Fall eintreten sollte steigen die Kosten für den Contentprovider und der gibt sie wieder an den Kunden weiter im Endeffekt resultiert also eine Kostensteigerung für den Kunden.

  9. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: intnotnull12 12.11.17 - 16:56

    Eopia schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Wenn dieser Fall eintreten sollte steigen die Kosten für den
    > Contentprovider und der gibt sie wieder an den Kunden weiter im Endeffekt
    > resultiert also eine Kostensteigerung für den Kunden.

    Möglicherweise. Wenn die Provider es schaffen, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben, aber ja, hast Du recht.

  10. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Ach 12.11.17 - 17:20

    >Klar, man müsste schon sehen, wie man das genau politisch mit einem Rahmen versieht. Und ich bin ja wie gesagt auch überhaupt kein Fan der Telekom und ihres Ansatzes. Aber mal grundsätzlich: der Gedanke, dass amerikanische Konzerne, die Millionen von Gigabytes eher seichter Unterhaltung in unsere Netze spülen, dafür auch extra löhnen müssen, ist doch zumindest nicht völlig fernliegend. Natürlich ginge das erstmal in die Kassen unserer europäischen Provider, aber da hätten wir ja auch den regulatorischen Zugriff, der halt ausgeübt werden müsste.

    Das Wegelagertum verinstitutionalisieren? Bei dem Spiel verlieren die amerikanischen Anbieter vielleicht ein bisschen, und/oder die Europäischen Provider gewinnen dazu, beide gewinnen wenn sie sich einigen, die Kunden gehen auf jeden Fall leer aus und unser Netzneutralität wäre Geschichte. Ganz schlechter Deal, weil wie gesagt, der Versuch immer nach hinten los geht, die Regulierungsaufgaben in einer freien Marktwirtschaft an einen Markprotagonisten zu verschenken, den Bock also zum Gärtner zu machen. Mit sowas konnte man vor zehn, zwanzig Jahren noch die Leute ködern, als Netzwirtschaft noch relativ jung war, heute sind sich die Meisten Menschen offensichtlicher Bauernfängertricks bewusst, lassen sich also kaum mehr von Aussicht auf reine Phantomsiegen blenden.



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 12.11.17 17:39 durch Ach.

  11. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Trockenobst 12.11.17 - 18:36

    intnotnull12 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > kommerziellen Inhalte-Anbieter aber überwiegend in den USA sitzen, ist der
    > Ansatz einer Kostenbeteiligung über den Traffic vielleicht doch wenigstens

    Das Netz selbst hat eben einen gewaltigen Konstruktionsfehler: Ich kann meinen ISP bezahlen und der Sender bezahlt seinen. So alles gut. Aber wenn dazwischen andere Dienste sind, die haben keinen Vertrag mit mir und keinen mit dem Sender.

    Die Telekom und die Kabelprovider sehen die gigantischen Gewinne von Netflix und Co. und sagen sich: warum muss ich das alles durchschieben? Mit mir haben die keinen Deal.

    Und nun werden die Leitungen eben nicht aufgerüstet, weil sie nicht dazu gezwungen werden können. Ich kann auch nicht sagen: gut, dann Route über Nordirland -> Kanada statt über Frankfurt -> New York, weil das eine bessere Verbindung ist. Diese Wahl gibt es für mich als Endkunden gar nicht.

    Die "Com's" der Welt sehen sich eben als beides Endkunden-Lieferant und Peerer.
    Für den einen Teil wurden sie bezahlt. Für den anderen kann man die Position einnehmen dass sie nicht "bezahlt" wurden.

    Man kann da viel diskutieren, während andere schon Fakten auf dieser Basis schaffen. Google, Facebook, Microsoft, Apple etc. haben schon ihre eigenen Netze, die sehr nah am Kunden sind. Eigene Glasfaser die um die ganze Welt gehen.

    In ein paar Jahren wirst du ein Video/Stream auf Youtube sehen können wenn alle es sehen wollen, während dein kleines Video bei Hetzner eben nicht mehr lädt, ist weil dein ISP beschlossen hat nicht 20 Millionen in das Update des Peerings zu stecken.

    Und die Com's werden mit Verträgen von Zero Peering die durchlassen, die dafür bezahlt haben.

    Ich will da gar nicht erst dahin gehen, dass es vielleicht einen Business-Case in den USA gibt, dass man genau zur Zeit des Livestreams im Präsidentenwahlkampf zufälligerweise bei den großen Netzfirmen Bandbreite für einen "Downloadtest" reserviert hat und das Video einfach nicht laden will.

    Das mag nun legal sein, aber ist das was die Gesellschaft haben will?

  12. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Ach 13.11.17 - 09:14

    >Das Netz selbst hat eben einen gewaltigen Konstruktionsfehler:

    Ob sich das Problem wirklich nur aus der Konstruktion des Netzes erklärt? Die TK ist gesetzlich ja recht stabil eingebettet, in Institutionen wie der Regulierungsbehörde und nicht zuletzt ins Grundgesetz, welche zusammen ziemlich klar festhalten, was für die TK erlaubt ist und was nicht. Und wo bitte begleiten solcher Art Instanzen die unternehmerischen Bewegungen von Google, FB, MS oder Apple? Die sind schlicht weg nicht existent! Ein bisschen müht sich vielleicht die Verbraucherschutzbehörde an jenen Unternehmen ab, mit eigentlich überhaupt keinem Erfolg.

    Wenn man sich mal die Gewinne von FB vor Augen führt, und dann deren Aussagen, dass es ihnen nicht möglich sei, etwa ihre Forendiskussionen auf Verstöße gegen Persönlichkeitsrechte zu überprüfen, da fängt FB ein bisschen an zu weinen und zu jammern und unweigerlich verlieren sich all die rechtlichen Ansprüche und Forderungen im Sand. Da sehe ich das tatsächliche das Problem. Nicht im Aufbau des Netzes, sondern im gewähren lassen von Unrecht und Versäumnissen. Dem gegenüber ist die Verstimmung der gut begleiteten TK durchaus nachvollziehbar. Die Lösung kann es selbstredend keinesfalls sein, im Ausgleich auch die TK von den Zügeln zu lassen, also unsere Grundrechte quasi an den Nagel zu hängen,statt dessen müssen sich der(die) Staat(en) endlich und sehr konkret an die großen sozialen Netzwerke und an die BS Hersteller heran trauen, weltweit, verbraucherrechtlich, kontrollrechtlich und gerne auch steuerrechtlich, denn in den Bereichen hängt so gut wie Alles im Argen.

    Würde man dort endlich mal aufräumen, würde sich auch die TK gleich viel wohler fühlen. Gehört für mich zum Kapitel : unverzeihliche Versäumnisse unserer Regierung.

  13. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Bigfoo29 13.11.17 - 09:58

    Stell Dir vor, dein bevorzugter Streaming-Anbieter wäre in Deutschland ein Underdog, weil er grade erst gestartet ist, aber dank neuem Konzept ein fantastisches Angebot bietet. Allerdings gibt es jetzt keine Netz-Neutralität. Die alten Platzhirsche zahlen an die großen Netz-Provider jeweils Geld, um allein für Streaming des "alten Zeugs" 80% der Kapazität zu reservieren, welches die anderen Menschen haben wollen. Die restlichen 20% gehen dann für das "restliche Internet" drauf, welches dann Dank QoS mit 1-2MBit und 500ms Latenzzeiten bei den Konsumenten eintröpfelt.

    Dein neuer Super-Provider kann sich das jetzt aber gar nicht leisten, die Preise für die Datenbevorzugung bezahlen und wird draufgehen, weil niemand Video-Streaming mit 1-2Mbit und - bei ein paar fehlerhaften Paketen - immer mal wieder einer halben Sekunde Pause dazwischen antun will. Da kann das Angebot so gut sein, wie es will. Mit Netz-Neutralität würden alle Dienste gleich stark ruckeln. (Und die Konsumenten könnten dank breiterer Leidensbasis den Internet-Anbieter viel stärker unter Druck setzen, seine Infrastruktur an die erforderlichen Bedürfnisse anzupassen. Die Telekom z.B. baut ihr Backbone schon seit 10 Jahren nicht mehr gemäß der zu erwartenden Kapazitäten aus sondern bleibt dem weit hinterher.)

    Im Großen und Ganzen hast Du also selber die Antwort schon gegeben. Und nur weil Netz-Neutralität in den USA "sinnvoll gewesen sein kann"... warum sollte es das nicht auch in Deutschland sein? Vielleicht kommt der nächste "Super-Dienst" ja von hier?

    Regards.

  14. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: dl01 13.11.17 - 11:34

    > Dein neuer Super-Provider kann sich das jetzt aber gar nicht leisten, die Preise für die Datenbevorzugung bezahlen und wird draufgehen [...]
    Paradoxerweise führt die Telekom exakt dieses Szenario als Argument für "Spezialdienste" ins Feld. Keine Ahnung, welches Kraut die geraucht haben.

    > Die Telekom z.B. baut ihr Backbone schon seit 10 Jahren nicht mehr gemäß der zu erwartenden Kapazitäten aus sondern bleibt dem weit hinterher.)
    Sie bauen durchaus kontinuierlich aus. Allerdings nicht an öffentlichen Peering Points wie dem DE-CIX (von der Schlandnet-Initiative mal abgesehen), sondern an privaten Knoten - die sie sich dann vom Bittsteller (vulgo: Dienstanbieter) fürstlich bezahlen lassen.

  15. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: tomatentee 13.11.17 - 13:39

    https://www.meo.pt/internet/internet-movel/telemovel/pacotes-com-telemovel

    Ich weiß ja auch nicht, wozu man diese Netzneutralität brauchen sollte...

  16. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: intnotnull12 13.11.17 - 13:54

    dl01 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Dein neuer Super-Provider kann sich das jetzt aber gar nicht leisten, die
    > Preise für die Datenbevorzugung bezahlen und wird draufgehen [...]
    > Paradoxerweise führt die Telekom exakt dieses Szenario als Argument für
    > "Spezialdienste" ins Feld. Keine Ahnung, welches Kraut die geraucht haben.
    >

    Wie gesagt, keine Rechtfertigung der Telekom, aber es wird vielleicht so gemeint sein...

    Du bevorzugst eben immer irgendjemand, auch bei Neutralität. Mit Netzneutralität vor allem die großen Contentprovider, die volumenmäßig viel mehr ins Netz kippen können, ohne dafür mehr zahlen zu müssen. Schöpfst Du das dagegen ab, prüfst Du sozusagen, ob der Contentprovider dies an seine Kunden weitergeben kann, also wie attraktiv er wirklich im Vergleich zu etwa Deinem Newcomer ist.

  17. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: dl01 13.11.17 - 18:03

    > Du bevorzugst eben immer irgendjemand, auch bei Neutralität. Mit Netzneutralität vor allem die großen Contentprovider, die volumenmäßig viel mehr ins Netz kippen können, ohne dafür mehr zahlen zu müssen.
    Das ist bereits der erste Irrtum: Die Inhalteanbieter "kippen" nichts in Netz. Sie liefern Inhalte, die der Kunde bestellt und - Obacht! - für deren Transport er nach dem klassischen Modell bereits bezahlt hat.

    > Schöpfst Du das dagegen ab, prüfst Du sozusagen, ob der Contentprovider dies an seine Kunden weitergeben kann, also wie attraktiv er wirklich im Vergleich zu etwa Deinem Newcomer ist.
    Interessanter Gedanke. Aber warum in aller Welt sollte sich mein ISP um die Attraktivität der einzelnen Dienste kümmern? Seine Aufgabe ist es, Bits von A nach B zu schubsen. Dafür wird er bezahlt. Ob das Bit nun Teil eines Dokuments, Fotos, Videos oder dieses Forenposts ist, hat ihn genau 0.00 zu interessieren.

    Spinnen wir diesen Gedankengang aber mal weiter: Warum sollten kostenpflichtige "Spezialdienste" gerade einem (tendenziell unterfinanzierten) Newcomer dabei helfen, sich gegen die etablierte Konkurrenz zu behaupten? Welchen Vorteil erlangt der Newcomer gegenüber dem bisherigen Modell, das keine Zahlbarkeit durch Inhalteanbieter vorsieht?

  18. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: vinylger 13.11.17 - 19:37

    Ich seh das analog zum Berufsverkehr, jeden früh gammelt irgend ein Herbert von LKW Fahrer 20km lang mit ~60-70km/h (außerorts, erlaubte 100) auf einer Staatsstraße vor einer 3km Pkw-Kolonne her - MUSS das sein? Ist der Schaden durch die vielen MA die unproduktiv im Auto herumdösen nicht größer, als wenn der Spediteur außerhalb der Stoßzeiten seine Waren liefert? Der Netzneutralität entsprechend spielt das keine Rolle, also dürfen tausende LKW jeden früh und jeden Abend von Mo-Fr für tausende KM stockenden und zähfließenden Verkehr sorgen, in dem niemand (außer dem Brummi) nennenswert vorwärts kommt - Bravo! Hier geht m.E. das Gemeinwohl vor, dementsprechend werden Züge der DB heute schon priorisiert. Wieso sollte das auf anderen Verkehrswegen nicht so sein?

    Genau wie unsere Straßen haben wir, vor allem in Deutschland, offensichtlich GRENZEN (Bandbreite/Ausbau) und wenn die erreicht werden (oder absehbar erreicht werden), dann muss man über mögliche Lösungen nachdenken, BEVOR der Verkehr zusammenbricht.

    Und da hier offensichtlich niemand Milliarden in die Infrastruktur investiert, wieso soll den investierenden kein Gewinn durch Priorisierung entstehen? Entstünde dadurch nicht letztlich auch der nötige Wettbewerb im Ausbau? Brächte uns das am Ende nicht alle weiter? Fragen über Fragen.

    Karl Gustav's E-Shop (und den 3 Nerd-Shirts) wird daran sicher nicht schneller eingehen, als die ganzen Kleinhändler heute schon gegen Größen wie Amazon, das hat zwar entfernt auch mit dem Internet zu tun, aber nichts mit der Netzneutralität.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 13.11.17 19:39 durch vinylger.

  19. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: Ach 13.11.17 - 20:10

    Der Netzneutralität, die mit der damaligen Einführung des Internet ja automatisch einher ging, hat man überhaupt erst die massiven Bandbreiten zu verdanken, die uns heute zur Verfügung stehen. Konkret durch den Wettbewerb der Anbieter um die höchste Bandbreite zum günstigsten Preis. Auch die Flatrates selber sind ein Produkt des netzneutralen Wettbewerbs, und es gibt keinen Grund, wessen dem sich das plötzlich ändern sollte. Der einzige Anlass, der diesen Fortschritt stoppen, sogar rückgängig machen könnte, bedingt ja eben gerade die Abschaffung der Netzneutralität. Dann nämlich entwachsen der künstliche Bandbreitenverknappung verschiedene Geschäftsmodelle, Gott bewahre! Ergo ist Netzneutralität der beste Garant für stetig wachsende Bandbreiten, und Autovergleiche sind dabei vollkommen abwegig, weil die physikalischen Größen- und Geschwindigkeitsgrenzen echter Straßen in der digitalen Datenübertragung überhaupt nie existierten und auch nie existieren werden.

  20. Re: Ich habe das noch nicht verstanden...

    Autor: vinylger 13.11.17 - 20:17

    Ich mag mich irren, aber ich sehe nach wie vor parallelen zwischen o2 Nutzern und Berufspendlern in den Großstädten. Und zum Ausbau von Straßen hat das selten geführt.

    Den Verkehr priorisieren (Ampeln) löst das Problem, zumindest teilweise. Beim Ausbau des Internet wird auch klar priorisiert (und Menschen auf dem Land sind das schonmal nicht). Wo bleibt da dein Gerechtigkeitssinn?

    Bist da sicher auch ganz schnell dabei, mehr Steuern zu bezahlen, damit tatsächlich alle gleiches Tempo für die gleichen Inhalte haben? Oder alternativ höhere Grundgebühren oder nochmal 10 Jahre 3GB/Monat für 35 Euro? Ach, du hast schon einen Breitbandanschluss, wie egoistisch von mir..

    Ich würd mich mit meinen "bis zu 10.000 kbit/s" tatsächlich über eine Priorisierung freuen, damit das nützliche zuerst bei mir ankommt!

    Edit: damit der Aufruf einer aufwendigeren Internetseite nicht meine Skype-Konferenz sterben lässt (oder dem Teilnehmer den Eindruck vermittelt, ich säße iwo im Kongo mit Buschfunk). Wo man das im 21. Jahrhundert noch haben kann? Deutschland, Oberbayern!



    4 mal bearbeitet, zuletzt am 13.11.17 20:30 durch vinylger.

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