1. Foren
  2. Kommentare
  3. Internet
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Hasskommentare: "Wie würde es im Netz…

Rudelbildung unter Blockwarten

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Rudelbildung unter Blockwarten

    Autor: Kupferfuchs 18.07.18 - 09:18

    Ich stehe dieser ‚Aktion‘ kritisch gegenüber und lehne sie aus folgenden Gründen ab:

    1. Da maßen sich Menschen an, dass öffentliche Forum nach, ihnen unliebsamen, Äußerungen abzusuchen und diese dann entweder im Rahmen einer Trollaktion unsichtbar zu machen, indem neue Toplevel-Kommentare geschrieben und gezielt hochgevotet werden:

    Zitat:

    „ (...) Kommentare dagegen zu schreiben, und diese zu liken, damit sie in der Kommentarspalte nach oben rutschen.„

    Oder aber die wahrgenommene öffentliche Meinung gezielt in einer ihnen gefälligen Art und Weise zu manipulieren:

    Zitat:

    „ (...) Es geht auch gar nicht darum, Leute zu überzeugen, sondern darum, stille Mitleser zu erreichen und ausgleichend auf das Gesamtmeinungsbild zu wirken.„

    Damit unterscheiden sie sich in ihren Methoden nicht von anderen Trollaktionen. Das hat m.M.n nichts mit einem zivilisierten Diskurs unter Individuen zu tun. Im Gegenteil, es behindert ihn und führt zu unnötiger Gruppenbildung.


    2. #ichbinhier hat eine starke Ideologische Färbung.

    Da wird von Zitat: ‚geistigen Brandstiftern‘ gesprochen, Meinungen werden gezielt in ‚gut‘ und ‚böse‘, ‚richtig‘ und falsch‘, ‚Hass‘ und ‚kein Hass‘ unterteilt, die eigene Arbeit absolut unkritisch, als moralisch geboten propagiert und die eigene Tätigkeit als zivilgeselschaftlich erwachsen dargestellt, obwohl die gruppeninterne Kommunikation in geschlossenen und eben keinen öffentlichen Foren stattfindet.

    Hannes Ley selbst, spricht nach geleakten Screenshots von ‚Maulwürfen‘ innerhalb der Bewegung.

    Die gruppeninterne Abstimmung über Aktionen, soll also anscheinend bewusst der Öffentlichkeit verschwiegen werden, was, wie den Screenshots und letztendlich den Aktionen selbst zu entnehmen ist, wohl daran liegt, dass man gezielt gegen eine politische Richtung, in diesem fall die vermeintlichen ‚Rechtspopulisten‘ vorgeht und den gegenüberliegenden politischen Flügel komplett unangetastet lässt.


    3. Die Gruppe verschweigt die Kriterien, nach denen sie ‚Hasskomentare‘ identifiziert.

    Die Gruppe verschweigt nach welchen Motiven sie über Kommentare urteilt.

    Was ist ein Hasskomentar ? Nach welchen Kriterien werden Leute als ‚geistige Brandstifter‘, wie es Herr Ley formuliert, gebrandmarkt ?

    Es gibt kein öffentliches Statement dazu.


    4. Ich sehe keine Notwendigkeit für diese Gruppe

    Zunächst einmal ist ‚Hass‘ ja ein legitimes, menschliches Gefühl.

    Die Äußerung eines menschlichen Gefühles sollte erlaubt und möglich sein m.M.n auch, ohne das sich ein Mob moralisierender Internetuser, im Rahmen einer groß angelegten, künstlichen, Meinungskampagne auf einen stürzt und so gezielt eine andere öffentliche Reaktion suggeriert, als tatsächlich vorhanden.

    Kurzum, es ist in Ordnung und nicht moralisch verwerflich, für Menschen ihren Hass im Internet zu äußern. Die Meinungsfreiheit deckt dieses Recht ebenfalls ab.

    Eine Gruppe, die versucht solche Äußerungen in einer gezielten Flut aus Kommentaren und likes ‚wegzuspülen‘, zensiert de facto von der Meinungsfreiheit gedeckte Beiträge und kontakariert somit im Zweifelsfall sogar die Meinungsfreiheit.

    Äußerungen von Hass die hingegen strafrechtlich relevant sind, wie etwa Holocaustleugnung oder Mordaufrufe, unterscheiden sich davon, eben durch ihre strafrechtliche Relevanz.

    Die Zuständigkeit dafür, liegt allerdings nicht bei einer geschlossenen Facebook-Gruppe, sondern bei den Behörden.

    Fazit:

    Letzen Endes, kann ich diese Aktion nicht gut heißen. Sie kommt mir mehr wie die Vereinigung der Internetblockwarte, denn wie eine aus der Zivilgesellschaft gewachsene Gruppe vor.

    Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

    Wer ‚4Chan‘, die ‚Identitäre Bewegung‘ und ‚Rechte Trollfabriken‘ kritisiert, sich zu deren Bekämpfung aber derselben Mittel bedient und dabei ganz offensichtlich noch eine eigene politische Agenda verfolgt, die der Öffentlichkeit weitestgehend vorenthalten werden soll, Stichwort geschlossene Gruppe, gelenkte Screenshots u.s.w, kann keinen moralischen Imperativ für sich beanspruchen.

    ——————

    Fall hier jemand meine Argumente entkräften und mir erklären möchte, warum diese Gruppe doch eine gute Sache ist, kann er mir gerne Antworten, bin gespannt. :)

  2. Re: Rudelbildung unter Blockwarten

    Autor: freddypad 23.07.18 - 18:12

    Ich antworte nicht um Argumente zu entkräften, sondern um mitzuteilen, wie gut mir Ihr Beitrag gefällt! Ausführlich, sachlich, regt zum Nachdenken an. Danke.

  3. Re: Rudelbildung unter Blockwarten

    Autor: ichbinsmalwieder 30.07.18 - 09:53

    Absolute Zustimmung!

  4. Re: Rudelbildung unter Blockwarten

    Autor: divStar 04.08.18 - 12:14

    In der Tat ein schöner Beitrag und relativ ruhig geschrieben, obwohl die Thematik ja eher für angeheizte Diskussionen taugt.

    Ich denke, dass die Leute eben sowohl die Meinungsfreiheit respektieren sollten - als auch den Umstand, dass - obwohl es gerne viele anders sehen - bei weitem nicht jede Meinung rechts, geschweige denn rechtsradikal und erst recht nicht rechtsradikal und strafrechtlich relevant ist.

    Ich bin aber insgesamt Tiefenentspannt, denn solche "Rächergruppen" enttarnen ihr Gesicht ja schnell genug - was zur Aussage es gäbe einen Maulwurf passt. Solche Trollgruppen habe ich im IRC Zuhauf gesehen - das sind meist intolerante A-Geigen, die neben ihrer Meinung keine andere tolerieren - was lustig ist, denn die Leute, die sie ja bekämpfen, verhalten sich manchmal besser, manchmal genau so schlecht in Sachen Toleranz.

    Am Ende spielt sich die Gruppe nur auf. Sie ist unnötig - genau so wie manchmal Antworten auf Fragen nicht nötig sind. Wenn eine Diskussion möglich ist, dann verhindern sie diese durch ihre Maßnahmen (wobei das nur noch mehr Hass schürt und deswegen die AfD bei 17% ist).
    Hasskommentare mit strafrechtlichem Hintergrund sind Sache der Behörden. Hasskommentare, die nur von dieser oder ähnlichen Gruppen so genannt werden, sind Meinungen - auch wenn sie diesen Menschen nicht passen. Leider lernen diese Leute es auch nie - weshalb sie dann hart getroffen sein werden wenn die AfD an die Macht kommt (nicht, dass ich das unbedingt brauche - aber Deutschland braucht einen Kurswechsel - mehr Seehofer, weniger Merkel.. wobei Seehofer leider auch nur eine Verbalheißluftpumpe ist).

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. AZTEKA Consulting GmbH, Freiburg, Mannheim
  2. VISUS Health IT GmbH, Bochum
  3. meinemarkenmode.de GmbH, Münster
  4. ITM Medical Isotopes GmbH, Garching Raum München

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (u. a. Star Wars: Knights of the Old Republic II - The Sith Lords für 1,99€, Star Wars Empire at...
  2. 22,99€
  3. (u. a. Overcooked! 2 für 11,50€, The Survivalists für 18,74€, Worms Armageddon für 7,50€)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Moodle: Was den Lernraum Berlin in die Knie zwang
Moodle
Was den Lernraum Berlin in die Knie zwang

Eine übermäßig große Datenbank und schlecht optimierte Abfragen in Moodle führten zu Ausfällen in der Online-Lernsoftware.
Eine Recherche von Hanno Böck


    Quereinsteiger: Mit dem Master in die IT
    Quereinsteiger
    Mit dem Master in die IT

    Bachelorabsolventen von Fachhochschulen gehen überwiegend sofort in den Job. Einen Master machen sie später und dann gerne in IT. Studienangebote für Quereinsteiger gibt es immer mehr.
    Ein Bericht von Peter Ilg

    1. IT-Arbeit Es geht auch ohne Chefs
    2. 42 Wolfsburg Programmieren lernen ohne Abi, Lehrer und Gebühren
    3. Betriebsräte in der Tech-Branche Freunde sein reicht manchmal nicht

    20 Jahre Wikipedia: Verlässliches Wissen rettet noch nicht die Welt
    20 Jahre Wikipedia
    Verlässliches Wissen rettet noch nicht die Welt

    Noch nie war es so einfach, per Wikipedia an enzyklopädisches Wissen zu gelangen. Doch scheint es viele Menschen gar nicht mehr zu interessieren.
    Ein IMHO von Friedhelm Greis

    1. Desktop-Version Wikipedia überarbeitet "klobiges" Design