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Malen nach Zahlen

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  1. Malen nach Zahlen

    Autor: park3r 29.08.18 - 15:43

    Die Idee ist schön und gut auch ganz nett umgesetzt. Das eingentliche Problem bei diesen Ansätzen ist, wie auch bei Gitarrentabulaturen mit Zahlen, das man hier nur das eine oder andere Stück auswendig lernt. Das große ganze und zwar die "Melodielehre" die dem zugrunde liegt mit diesen Ansätzen nicht beigebracht bekommt. In keiner Weise. Man bekommt beigebracht wo man Greifen muss und wie. Aber was im Hintergrund passiert, z.B. hier ist der Wechsel von der Sudominante auf die Dominate. Mixolydisch zu Dorisch. Hier ist eine Pentatonik, Hier wird transponiert und zwar um 2 Halbtöne usw.

    Ich vergleiche das mit dem "Malen nach Zahlen". Es wird einem vorgegaukelt wenn man die Kästchen ausfüllt dass man malen kann. Genauso ist hier der Ansatz.

    Nicht falsch verstehen, ich möchte das keinem madig machen. Das ist gut wenn Jemand ein Instrument spielen kann.

  2. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: Eheran 29.08.18 - 15:57

    Gitarrespielen ist doch aber genau das: Die richtigen Bewegungen der Finger.
    Ein Anfänger kann es aus dem selben Grund nicht, wie er auch sonstige ungeübte Tätigkeiten mit den Finger nicht kann: Weil die Übung fehlt. Die Bewegungen und das Timing müssen erst "ins Blut übergehen", bevor man es richtig kann. So wie man auch beim Autofahren anfangs mit den "vielen Schaltern" überfordert ist und später macht man es "automatisch" und schläft noch halb ein dabei.
    Es mangelt dem Anfänger dabei nicht an irgendwelchem Hintergrundwissen. So wie ich beim Auto nicht wissen muss, was der Motor überhaupt macht oder wie Grip frunktioniert.

    Und genau so lernt man beim Malen nach Zahlen auch etwas: Nämlich zu malen. Ordentliche Linien zu verfolgen usw. usf. halt die ganzen Bewegungen. Das Kreative fällt weg, nicht das Malen an sich.

  3. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: park3r 29.08.18 - 16:09

    Für motorische Übungen kann der Ansatz gut seit, aber das macht nur 20% des Musizierens aus.
    Das ist nur die Fassade. Letztens folgendes bei der Probe erlebt. Eine Sängerin war zur Probe bei uns. Sie konnte super Singen, Stimmumfang fast 4 Oktaven und sehr sehr sauber. Bis zu dem Punkt wo gesagt wurde, "jetzt Jamen wir, sing mal was". Fehlanzeige, improvisieren konnte sie nicht. So kann man nicht musizieren.

    Das ist so Ähnlich wie mit der wunderschönen Frau, bis sie den Mund aufmacht und anfängt zu sprechen, geht nicht um die Stimme der Klang ihrer Stimme ist super, sondern um das was sie sagt und wie sie es sagt.

    > Gitarrespielen ist doch aber genau das: Die richtigen Bewegungen der Finger.

  4. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: TarikVaineTree 29.08.18 - 16:38

    park3r schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Idee ist schön und gut auch ganz nett umgesetzt. Das eingentliche
    > Problem bei diesen Ansätzen ist, wie auch bei Gitarrentabulaturen mit
    > Zahlen, das man hier nur das eine oder andere Stück auswendig lernt. Das
    > große ganze und zwar die "Melodielehre" die dem zugrunde liegt mit diesen
    > Ansätzen nicht beigebracht bekommt. In keiner Weise. Man bekommt
    > beigebracht wo man Greifen muss und wie. Aber was im Hintergrund passiert,
    > z.B. hier ist der Wechsel von der Sudominante auf die Dominate. Mixolydisch
    > zu Dorisch. Hier ist eine Pentatonik, Hier wird transponiert und zwar um 2
    > Halbtöne usw.
    >
    > Ich vergleiche das mit dem "Malen nach Zahlen". Es wird einem vorgegaukelt
    > wenn man die Kästchen ausfüllt dass man malen kann. Genauso ist hier der
    > Ansatz.
    >
    > Nicht falsch verstehen, ich möchte das keinem madig machen. Das ist gut
    > wenn Jemand ein Instrument spielen kann.


    Ich glaube du überschätzt die Notwendigkeit von theoretischem Wissen fürs Gitarrespielen etwas. Ich kann zwar nur von mir reden und weiß daher nicht, in wie weit das sogenannte "angeborene Talent" da mit rein spielt, aber ich habe Gitarrespielen ausschließlich dadurch gelernt, dass ich Oasis und Beatles Songs nach gespielt habe. Es wurden immer mehr und somit waren meinem Gehirn irgendwann immer mehr Akkordfolgen bekannt.
    Dieses Gespür für Akkordfolgen ist enorm wichtig.
    Wenn ich nun ein Lied im Radio höre, wo zwei Akkorde aufeinander folgen, weiß ich zwar (ohne parallel an der Gitarre zu spielen) nicht, ob das erste ein E-Moll, D-Moll, A-Moll oder was auch immer war, aber ich weiß schon mal, ob es Moll oder Dur war und weiß, "wie der zweite Akkord zum ersten ist".
    D. h. davon ausgehend, es wäre ein E-Moll, wüsste ich dann, dass der zweite z. B. ein A-Dur ist, einfach weil ich schon genug Lieder nachgespielt habe, wo die Folge vorkam und ich sie im Gespür habe.
    Wenn man diesen Level erreicht hat, kann man nicht nur quasi alle Lieder, die man hört, mit kurzem Probieren mit-/nachspielen, sondern auch selbst zu Melodien, die einem einfallen, passende Akkorde finden.
    Also jedem, der Gitarrespielen (und vielleicht sogar Songs schreiben) will, kann ich nur empfehlen, so viele Lieder wie möglich nach zu spielen.
    Nicht wegen des Übens schneller Akkordwechsel (denn dafür könnte man auch nur 5 - 6 Lieder Monate lang spielen), sondern für dieses Gespür der Akkordfolgen (oder sagen wir allgemeiner: Harmoniefolgen).
    Klar, bei Liedern mit Jazz-Akkorden wird das gleich sehr viel komplexer, aber für alles andere sollte das langen.

  5. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: lala1 29.08.18 - 18:34

    Ich weiß nicht ob man Malen mit "Malen nach Zahlen" lernt oder nur Farbe auf bestimmte Bereiche aufbringen.
    Keiner lernt bei "Malen nach Zahlen" Schraffuren, Farblehre, Perspektive, Schattenfall etc - also die Fähigkeit selbst was zu erstellen.

  6. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: Eheran 29.08.18 - 18:36

    Improvisieren ist ja auch etwas ganz anderes...?

  7. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: eidolon 29.08.18 - 19:39

    Eheran schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und genau so lernt man beim Malen nach Zahlen auch etwas: Nämlich zu malen.
    > Ordentliche Linien zu verfolgen usw. usf. halt die ganzen Bewegungen. Das
    > Kreative fällt weg, nicht das Malen an sich.

    Ja aber ohne Linien sind die dann eben aufgeschmissen, das meint er wohl. Und mit der Gitarre hier können die meisten dann Sachen nachspielen, aber nix eigenes machen, da sie eben keine Ahnung haben warum man was wie macht.

  8. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: Eheran 29.08.18 - 21:08

    Eigene Musik machen ist ja auch etwas ganz anderes...?
    Wieso vergleicht ihr "selbst Musik machen" mit "Gitarre spielen", noch dazu auf absolutem Anfänger-Niveau?

  9. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: Allesschonvergeben 29.08.18 - 22:19

    park3r schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Idee ist schön und gut auch ganz nett umgesetzt. Das eingentliche
    > Problem bei diesen Ansätzen ist, wie auch bei Gitarrentabulaturen mit
    > Zahlen, das man hier nur das eine oder andere Stück auswendig lernt. Das
    > große ganze und zwar die "Melodielehre" die dem zugrunde liegt mit diesen
    > Ansätzen nicht beigebracht bekommt. In keiner Weise. Man bekommt
    > beigebracht wo man Greifen muss und wie. Aber was im Hintergrund passiert,
    > z.B. hier ist der Wechsel von der Sudominante auf die Dominate. Mixolydisch
    > zu Dorisch. Hier ist eine Pentatonik, Hier wird transponiert und zwar um 2
    > Halbtöne usw.
    >
    > Ich vergleiche das mit dem "Malen nach Zahlen". Es wird einem vorgegaukelt
    > wenn man die Kästchen ausfüllt dass man malen kann. Genauso ist hier der
    > Ansatz.
    >
    > Nicht falsch verstehen, ich möchte das keinem madig machen. Das ist gut
    > wenn Jemand ein Instrument spielen kann.

    Ich hatte 8 Jahre Gitarrenunterricht, imho kann ich auch dementsprechend gut spielen.
    Trotzdem sagen mir die von dir genannten Begriffe (Pentatonik, Mixolydisch, etc) nichts und ich habe sie bis jetzt noch nie gehört.

    Kann es daher evntl. sein das du vom „proffessionellen“ Spielen und komponieren sprichst und nicht vom Gitarre spielen aus Spaß, Lust oder als Leidenschaft?

    Kenne auch einen in meinem Bekanntenkreis, der keine Noten lesen kann, aber unglaublich gut aus dem Gefühl heraus improvisiert.

    Das Hilfsmittel hier ist aufjedenfall für den „das Lied klingt toll, dass will ich auf der Gitarre spielen können Typ“.

  10. Re: Malen nach Zahlen

    Autor: Targi 30.08.18 - 14:36

    Hier wird leider vieles durcheinander geworfen. Komponieren, Improvisieren, Spielfertigkeit, Theoriewissen. Alles sind unterschiedliche Teilgebiete der Musik.

    Klassische Musiker sind Experten im Spielen und Interpretieren von kompliziertesten Werken, was Jassmusikern häufig schwer fällt, die aber dafür besser improvisieren können. Fundierte Theoriekenntnisse haben und brauchen üblicherweise beide. Ein guter Studiogitarrist muss schnell Dinge nachspielen können, auch nach Gehör, Improvisation ist dabei nicht so gefragt.

    Zu sagen, das eine wäre Musizieren, das andere nicht, ist Unfug. Um das Beispiel von oben aufzugreifen: Eine ausgebildete, klassische Sängerin mit 4 Oktaven Stimmumfang (wenn es denn wirklich so war) hat keine Zeit, Improvisation zu lernen, sie hat Jahrzehnte in ihre stimmlichen Fähigkeiten investiert. Dafür kann sie aber Stücke singen, die andere, die ihre Schwerpunkte anders gesetzt haben, nicht bewältigen können.

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