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Standardfehler von Betrieben:

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  1. Standardfehler von Betrieben:

    Autor: twothe 31.10.18 - 14:08

    1. Sie müssen immer im Büro sein.
    Meine Gegenfrage: warum? Wenn ich nicht ins Büro fahren muss, spare ich 1-2h Lebenszeit pro Tag, ich kann mich voll auf meinen Job konzentrieren, und an Tagen in denen meine Sozialkompetenz Urlaub macht, muss ich auch keine Kollegen ertragen (oder die mich).

    2. Sie können frei arbeiten, solange sie genau das machen was wir sagen.
    Die meisten Firmen haben eine sehr festgefahrene Arbeitsweise und sind da komplett beratungsresistent. Selbst wenn jemand definitiv bessere Vorschläge macht heißt es "das haben wir aber immer so gemacht" Ich verstehe ja das man nicht wegen jedem erst mal alles umkrempelt, aber niemand hat Bock in einer Firma zu arbeiten, wenn einem (sinnbildlich) vorgeschlagen wird, dass man mit den Händen auf dem Rücken gefesselt wirklich besser arbeiten kann.

  2. Re: Standardfehler von Betrieben:

    Autor: dermamuschka 31.10.18 - 14:35

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > 2. Sie können frei arbeiten, solange sie genau das machen was wir sagen.
    > Die meisten Firmen haben eine sehr festgefahrene Arbeitsweise und sind da
    > komplett beratungsresistent. Selbst wenn jemand definitiv bessere
    > Vorschläge macht heißt es "das haben wir aber immer so gemacht" Ich
    > verstehe ja das man nicht wegen jedem erst mal alles umkrempelt, aber
    > niemand hat Bock in einer Firma zu arbeiten, wenn einem (sinnbildlich)
    > vorgeschlagen wird, dass man mit den Händen auf dem Rücken gefesselt
    > wirklich besser arbeiten kann.

    Prozesse kann man, zumindest in großen Unternehmen, nicht einfach so umstellen, weil da oft ein riesiger Rattenschwanz dran hängt, von denen oft nicht mal irgendeiner der Beteiligten was weiß.
    Irgendwann wurde das vielleicht mal genau so eingeführt, weil irgendwelche anderen Arbeiten, Systeme darauf beruhen, aber die Leute die wissen, warum das der Fall ist, sind längt weg oder in Rente oder der Grund liegt auf den Tiefen des shared drives als einsame PDF ab, ohne dass es irgendwer weiß.

    Habe ich schon ziemlich oft beobachten können, dass so eine einfache, harmlos erscheinende "Verbesserung" den Zuständigen mit voller Wucht auf die Füße gefallen ist, deswegen lassen die meisten mit Verantwortung etwas zu ändern die Finger davon.
    "Ich habe Prozess X um 20% effizienter gemacht" kann nämlich niemand nachvollziehen und schlägt sich erstmal nicht in den Zahlen nieder, aber "XY und YZ funktionieren nicht mehr, weil ich einen neuen, vermeindlich besseren Prozess implementiert habe" kann schnell in einer Kündigung enden

  3. Re: Standardfehler von Betrieben:

    Autor: Anonymer Nutzer 31.10.18 - 16:33

    dann hast du auch gleich die beste begründung warum sich entwickler selten für derartige endwickelte unternehmen interessieren, wenn fähnchenschwenken und die produktfarbe wichtiger genommen wird als wirklicher fortschritt wird das spielfeld beräumt.

  4. Re: Standardfehler von Betrieben:

    Autor: twothe 31.10.18 - 17:07

    dermamuschka schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Prozesse kann man, zumindest in großen Unternehmen, nicht einfach so
    > umstellen, weil da oft ein riesiger Rattenschwanz dran hängt, von denen oft
    > nicht mal irgendeiner der Beteiligten was weiß.

    Ich habe lange genug Firmen beraten um zu wissen, dass genau das der Beginn eines Todesmarsches einer Firma ist. Sobald eine Firma nicht mehr agil genug ist um mit den Schwankungen des Marktes mit zu halten hält sie nur noch ein Monopol am Leben. Und wenn irgendwann dann eine neue Firma erscheint die dieses Monopol bricht, ist man verloren, weil man selbst vollständig durch Prozesse paralysiert ist. Nokia ist der beste Beweis, das auch der größte Riese jederzeit fallen kann.

    Daraus folgt unmittelbar, dass komplexe, unveränderbare Prozesse grundsätzlich zerschlagen und vereinfacht werden müssen, denn so etwas zu machen wenn man die Zeit dazu hat ist viel besser als wenn man dazu gezwungen wird wenn die Zeit knapp ist. Man muss ein Arbeitsmodell finden, wo einzelne Komponenten der Firma unabhängig von einander gut arbeiten können, damit man jederzeit einzelne Komponenten modifizieren oder raus nehmen kann.

    Das ist im Prinzip wie bei der Software-Entwicklung, wo kurz vor Release der Chef rein kommt und einem mitteilt, dass es da vom Kunden noch Änderungswünsche gab. Keiner mag das, aber wer das nicht einplant wird den Termin garantiert verreißen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 31.10.18 17:08 durch twothe.

  5. Re: Standardfehler von Betrieben:

    Autor: a user 31.10.18 - 17:32

    Wunderschön gesagt.

  6. Re: Standardfehler von Betrieben:

    Autor: Anonymer Nutzer 31.10.18 - 19:53

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > dermamuschka schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Prozesse kann man, zumindest in großen Unternehmen, nicht einfach so
    > > umstellen, weil da oft ein riesiger Rattenschwanz dran hängt, von denen
    > oft
    > > nicht mal irgendeiner der Beteiligten was weiß.
    >
    > Ich habe lange genug Firmen beraten um zu wissen, dass genau das der Beginn
    > eines Todesmarsches einer Firma ist. Sobald eine Firma nicht mehr agil
    > genug ist um mit den Schwankungen des Marktes mit zu halten hält sie nur
    > noch ein Monopol am Leben. Und wenn irgendwann dann eine neue Firma
    > erscheint die dieses Monopol bricht, ist man verloren, weil man selbst
    > vollständig durch Prozesse paralysiert ist. Nokia ist der beste Beweis, das
    > auch der größte Riese jederzeit fallen kann.
    >
    > Daraus folgt unmittelbar, dass komplexe, unveränderbare Prozesse
    > grundsätzlich zerschlagen und vereinfacht werden müssen, denn so etwas zu
    > machen wenn man die Zeit dazu hat ist viel besser als wenn man dazu
    > gezwungen wird wenn die Zeit knapp ist. Man muss ein Arbeitsmodell finden,
    > wo einzelne Komponenten der Firma unabhängig von einander gut arbeiten
    > können, damit man jederzeit einzelne Komponenten modifizieren oder raus
    > nehmen kann.
    >
    > Das ist im Prinzip wie bei der Software-Entwicklung, wo kurz vor Release
    > der Chef rein kommt und einem mitteilt, dass es da vom Kunden noch
    > Änderungswünsche gab. Keiner mag das, aber wer das nicht einplant wird den
    > Termin garantiert verreißen.

    Ich stimmte halbwegs zu. Meiner Beobachtung nach sind das weitaus größte Problem unqualifizierte oder falsch qualifizierte Mitarbeiter und Manager (auf jeder Ebene). Oftmals haben die Mitarbeiter keinen fachlichen Hintergrund zu ihrem tatsächlich Job mehr, vom Manager gar nicht zu reden. Ich habe schon die wildesten Kombinationen gesehen: einen Theologen als R&D-Leiter im Maschinenbau, eine Ärztin als Finanzchefin, einen Lageristen im Einkauf, etc.
    Das ist problematisch, da sich diese Menschen einfach am falschen Platz befinden. Oftmals haben die es sehr schwer zu verstehen, worin ihre Arbeit besteht, wo ihre eigentliche Arbeit anfängt und aufhört, und was eine andere Abteilung machen muss. Oder was eine Software zu leisten vermag.
    Ein komplexer Prozess verliert seinen Schrecken, wenn alle Beteiligten wissen und verstehen, Was sie Warum machen müssen, und wann eine Abweichung oder Variante aus fachlicher Sicht geboten ist.
    Man kann nicht jeden Prozess "vereinfachen". Er kann aus mehreren Sub-Prozessen bestehen. Jeder (Sub-) Prozessschritt muss einen sachlichen/fachlichen Hintergrund haben. Ist dieser gegeben, kann man den nur schwer abschaffen.
    Lautet die Begründung aber "ist halt so, haben wir schon immer so gemacht", dann sollte man vorsichtig nachfragen. Eventuell findet sich ja irgendwo in einer Ecke ein Urgestein, welches zumindest über den historischen Grund aufklären kann. Dann kann man immer noch entscheiden. Wenns natürlich offensichtlicher Blödsinn ist, dann spart man sich die Zeit besser.

  7. Re: Standardfehler von Betrieben:

    Autor: mambokurt 05.11.18 - 08:59

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >
    > Das ist im Prinzip wie bei der Software-Entwicklung, wo kurz vor Release
    > der Chef rein kommt und einem mitteilt, dass es da vom Kunden noch
    > Änderungswünsche gab. Keiner mag das, aber wer das nicht einplant wird den
    > Termin garantiert verreißen.

    Wenn der Kunde 5 Minuten vor Release Änderungen will ist es völlig normal den Termin zu verreißen, allein weil das niemand in 5 Minuten dranfrickeln kann.

    Nix gegen agile Entwicklung und so aber selbst da muss jedem klar sein dass man nicht Feature X in 0 Zeit dranschrauben kann, von daher muss man da zwangsläufig 'Verzug' haben (wobei das für mich auch kein 'Verzug' wäre, zu meinem Klempner geh ich auch nicht zwei Stunden vor der Abnahme und verlange noch einen Wasserhahn _und_ dass das in 2h fertig ist).

  8. Re: Standardfehler von Betrieben:

    Autor: Michael H. 07.11.18 - 14:55

    FalschesEnde schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > einen Lageristen im Einkauf, etc.

    Mal von den anderen Beispielen abgesehen, kommt es zwar ganz auf die Firma an, aber einen Lageristen im Einkauf sehe ich nicht als besonders schlechte Wahl. Eher im Gegenteil.

    Er weiss bestens über die Ware bescheid, wie verpackt, wie kommt sie an, welche Einheiten... der typische Einkäufer hat oftmals die Artikel die er bestellt noch nie gesehen... bestellt dann evtl. in Mengen die gar nicht eingelagert werden können weil die Form des Artikels oder das Gewicht eine besondere Rolle spielt...

    Er weiss bestens bescheid welche Waren wie oft rein und rausgehen, wo immer Not am Mann ist usw... also je nachdem was die Firma macht, wissen gerade die Mitarbeiter im Lager eigentlich am besten bescheid...

    Bei meiner alten Firma habe ich einige Prozesse optimiert und mit dem Einkauf abgestimmt, wodurch es innerhalb eines halben Jahres Gelang den Umsatz um 16% nachweislich nur durch diese eine Maßnahme zu steigern. Den Input dazu habe ich beim Rauchen mit den Mitarbeitern aus unserem Lager bekommen... nach dem Motto sie würden ja gerne dies und das und dies sollte anders bestellt werden oder dies und das hält besser, kostet aber mehr dafür bringt es den Kunden die und die Vorteile, aber da oben hört ja keiner auf die "dummen Lageristen"... hab ich dann mit meinem Chef durchgesprochen, haben uns das OK vom Vorstand geholt und zack haben sich auch die Aktionäre gefreut über die höheren Gewinne..

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