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Hab es selbst erlebt

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  1. Hab es selbst erlebt

    Autor: awdyreit 02.11.18 - 23:57

    Ich hab in einer Behörde in der IT länger gearbeitet als es mir gut tat. Die Leute brennen dort richtig aus. Muss nicht jedem so gehen, aber die Bürokratie macht die Mitarbeiter richtig kaputt. Und auch wir hatten den Auftrag der Innovation. Es ist in diesem Umfeld fast unmöglich. Wir erstellten Formulare, die alles einfacher machen sollten. Die Entwürfe waren allererste Sahne. Nur zur Umsetzung kommt es nie. Das geht nicht, nein so nicht, technisch nicht möglich. Und Schwupps ist das neue moderne Formular plus der Prozess dahinter genau so besch. wie vorher.

    Er treibt sogar noch absurde Blüten wo man als Anwender und als der Ersteller davor sitzt und denkt meine Güte das macht vorne und hinten keinen Sinn. Das hab ich so vorher noch nie irgendwo gesehen. Von Komfort kann da kaum die Rede sein. Meistens schleift man die ganzen absurden Regelungen wieder zum User durch. Plus bescheuerter technischer Fails, die auch der User ausbaden muss.

    Wir hatten Prozesse da musste der Antragsteller trotz aller Mühen Online trotzdem ganz normal antanzen und zum Teil nochmal ausfüllen. Das einzige was das Online-Angebot leisten konnte, war einen Termin zu bekommen. Kann man sich selbst vorstellen, wie gern und lange das Leute nutzen werden. Einmal und nie wieder.

    Beim Implementieren solcher Lösungen bringt einen zum Durchdrehen. Fluktuation bei den Mitarbeitern extrem hoch. In den besten Zeiten kündigen jeden Monat die neuen Mitarbeiter sofort wieder. Und dort wird Geld verheizt, Steuergelder bei denen man einfach nur froh sein kann wenn man selbstständig ist. Die Leute sind nicht doof, die das Umsetzen. Aber die Bürokratie ist so hart, dass der letzte Bullshit dabei rauskommt. So gut wie jeder große Konzern lässt einen bei den Arbeitsweisen einfach nur erschaudern. Aber Behörden sind die absolute Spitze von misslungener Digitalisierung in DL.
    Klingt alles desillusioniert, ist es auch. Erhole mich auch erst seit kurzem davon. Verglichen mit anderen Ländern schämt man sich einfach nur noch in Grund und Boden. Und bisher ist da nicht mehr als ein zarter Keim von Hoffnung, dass es wenigstens in 10 Jahren auf dem heutigen Stand ist.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 03.11.18 00:05 durch awdyreit.

  2. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: Aslo 03.11.18 - 00:28

    Interessante Einsicht in den täglichen Behördenwahnsinn. Bestätigt das Bild, das ein Großteil der Bevölkerung von diesen Flachpfeifen hat.

  3. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: Dietbert 03.11.18 - 09:03

    Das hat mit Flachpfeifen wenig zu tun, sondern mit den Rahmenbedingungen.

    Dietbert I.

  4. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: mackes 03.11.18 - 09:07

    Aslo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Interessante Einsicht in den täglichen Behördenwahnsinn. Bestätigt das
    > Bild, das ein Großteil der Bevölkerung von diesen Flachpfeifen hat.

    Schön, dass Sie Ihre Vorurteile bestätigen konnten, nur leider passt das so überhaupt nicht zum Beitrag des Mitforisten. Er schreibt nämlich, dass es nicht an den "Flachpfeifen" dort liegt, sondern an den bürokratischen Strukturen. Tausend Stellen, die alle nur auf ihren kleinen Ausschnitt schauen und das große Ganze nicht im Blick haben behindern jede Innovation.

  5. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: okidoki 03.11.18 - 09:31

    Aslo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Interessante Einsicht in den täglichen Behördenwahnsinn. Bestätigt das
    > Bild, das ein Großteil der Bevölkerung von diesen Flachpfeifen hat.

    Am Ende gibt es dann die Leute, die die Behörde verklagen, weil im digitalen Prozess ein Button missverständlich beschriftet war und damit der Vorgang rechtlich nicht haltbar oder da gar keine Unterschrift drunter ist.

    Anderer Punkt: Viele Behörden sind froh, wenn sie Mitarbeiter haben. Wo sollen da die Digitalisierer herkommen?



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 03.11.18 09:44 durch okidoki.

  6. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: Eheran 03.11.18 - 09:52

    >Er schreibt nämlich, dass es nicht an den "Flachpfeifen" dort liegt, sondern an [...] die alle nur auf ihren kleinen Ausschnitt schauen
    Also entweder das eine, oder das andere... Durch "verteilte" Unfähigkeit über mehrere Personen hinweg wird es nicht besser.

  7. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: Pitstain 03.11.18 - 09:59

    Finde ich aber richtig so, erstens ist bis heute das alles super unsicher, die Datenskandale zeigen es, dann wie hier gesagt rechtlich, wer haftet wenn was nicht stimmt oder passiert, dann ist es zuletzt wieder der einfache dumme Bürger. Wenn sowas optional ist hab ich kein Problem damit, wenn es zur Pflicht wird schon. Denn es geht keiner Behörde mein digitaler (PC) Fingerabdruck an,wenn ich bei denen was online machen oder hinterlassen würde bzw. eben meine reale Verknüpfung zu meiner IT Bewegung im Netz.
    Normal müsste man sich extra einen abgesicherten Laptop oder PC oder VM machen, mit der man dann nur solche Dinge erledigt und nichts anderes. Außerdem sind jetzt und später durch solche Dinge auch die Möglichkeiten extrem gestiegen dem Bürger irgendwelche Staatstrojaner unterzujubeln und wer noch so dumm ist solche Dienste per eigenen Smartphone und diversen Apps zu nutzen, der brauch sich später nicht wundern!



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.11.18 10:00 durch Pitstain.

  8. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: awdyreit 03.11.18 - 11:31

    Hier muss ich Recht geben. Die Qualität in puncto Sicherheit muss extrem hoch sein. Da ist es klar, dass nicht jede neue Technologie Einzug finden kann.

    Aber: es macht sich eine Unternehmenskultur von "das geht nicht" . Oft bin ich dagegen vorgegangen um rauszufinden, dass es nicht stimmt. So eine Art Selbstzensur. Oberflächlich wirkte das lange wie Faulheit auf mich. Nach gewisser Zeit stellt man aber fest, es ist Selbstschutz. Denn das ankämpfen gegen die kafkaeske Macht kostet unglaublich viel Energie. So dass man ohne Übertreibung eine Woche für etwas benötigt was in einem Tag erledigt wäre. Die Lösung ist, man schmeißt noch mehr Leute drauf. Hat dann was von sozialistischer Überbeschäftigung. Und jeder in der IT weiß: "was ein Entwickler in einem Monat löst, lösen zwei Entwickler in 2 Monaten. Oder Conways Law: Die Software bildet die Kommunikation des Unternehmens ab. Und die ist katastrophal. Es gibt so viele Regeln, dass die einen locker 60 Prozent auslasten bevor man überhaupt einen Finger rühren konnte.

    Und ja sie finden keine Leute. Die Jobs sind aber für externe sehr gut bezahlt. Nach einer Zeit stellt man aber fest, für kein Geld der Welt will man das ertragen.

    Dabei entsteht der typische Behördenmitarbeiter: lethargischer Ist-mir-Egal-Zombie. Das Ganze wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Man entwickelt sich selbst zum Zombie sonst zerbricht man am Zombietum der Kollegen.

    Mein Fazit: kein normaler Mensch hält sowas aus.

    Das Ergebnis ist klar. Ich wüsste auch nicht wie das zu lösen wäre. Denn wie angesprochen, Sicherheit muss auch sein. Vor allem die Tatsache mit dem Verklagt werden. Aber jedes private Unternehmen wäre pleite nach Monaten. Und auch da gibt es welche die hohe Sicherheit bieten müssen. In der Behörde gilt aber, es gibt unendlich Geld.

    Da gibt's dann so schöne Sachen wie: wir müssen bis ende des Jahres alles verbrauchen, sonst bekommt die Abteilung nächstes Jahr weniger genehmigt. Den Rest kann man sich ausmalen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.11.18 11:34 durch awdyreit.

  9. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: knabba 03.11.18 - 12:40

    Es liegt an der Politik und den Leuten die die Politik in die hohen Ämter bringt. In den unteren Ebenen sind Top-Leute nach meiner Erfahrung aber in die wichtigen Entscheidungsposten kommt man leider nicht. Dafür braucht es politische Bande. Dann geht es auch mal ganz schnell:
    https://www.focus.de/politik/deutschland/schleswig-holstein-spiegel-bruder-von-daniel-guenther-steigt-ueberraschend-schnell-im-landtag-auf_id_9804709.html
    Das kommt vllt wie hier 1 mal raus und 100 mal nicht. So ist es leider. Wieviele "unserer" Politiker haben denn etwas mit Naturwissenschaften oder Informatik studiert?
    http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/politiker-quiz-was-haben-diese-minister-studiert-a-1236126.html
    Von den Ministern? Machen sie mal das Quiz.

  10. Re: Hab es selbst erlebt

    Autor: Cok3.Zer0 04.11.18 - 01:36

    Wenn ein Provinzjurist meint, er könne Gesetze ohne Hilfestellung schreiben, ist das ein ernstes Problem. Ein Studienabschluss sagt rein gar nichts über die Fähigkeiten und Erfahrungen aus.

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