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Der Wunsch ist Vater des Gedanken

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  1. Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: zacha 11.02.19 - 13:01

    Das Problem wurde im Artikel schon deutlich. Absolventen der Hochschule haben hier in der Regel keine Perspektive. Nach spätestens ein paar Monaten sind die weg und kommen nie wieder zurück. Ein paar Startups, die eine App entwickeln, werden die Stadt nicht zum IT-Standort machen, denn die bringen meist allenfalls einen Arbeitsplatz für ihren Gründer.
    Die im Artikel zitierten DiDo Studenten, die aus Berlin hierher pendeln sind zudem Teil des Problems. Die kommen nämlich nur her, weil es sich so billig studieren lässt. Ein Interesse, in der Region irendwann mal etwas zu bewegen haben die idR nicht. Die bleiben nicht mal übers Wochenende, weil sie es so öde finden. Verdenken kann man es ihnen vielleicht nicht, aber letztlich sind das alles auch strukturelle Probleme, die erstmal gelöst werden müssen, um eine gewisse Attraktivität herzustellen.

    Das Problem ist nicht auf die IT-beschränkt, auch für andere gut ausgebildete Ingenieure und Naturwissenschaftler gibt es kaum Perspektiven. Ein paar Unternehmen im Bereich regenerativer Energien vielleicht, aber auch die haben allenfalls zweistellige Angestelltenzahlen.

    Wer also mit seinem Informatikstudium hier fertig wird, für den bieten sich im Wesentlichen nur ein paar wenige Alternativen. Die genannten Philotech oder Arvato, welche von Berichten dort Angestellter allenfalls "okay" sind, für Leute, die eben gern hier bleiben wollen, z.B. aus familiären Gründen. Als echte Berufsperspektive empfindet die kaum jemand. Dann gibt es noch ein paar kleine Softwarefirmen, im Wesentlichen sind das aber alles Frickelbuden, nicht wirklich etwas, wo man echte Weiterentwicklungschancen hätte, sondern nur geeignet, um die Miete zu bezahlen- die zugegebener Maßen meist preisgünstig ist. Einigermaßen Geld verdient man am ehesten noch beim Technischen Finanzamt, dem IT-Dienstleister der Finanzverwaltung Brandenburg. Ja, das ist öffentlicher Dienst!

    Große Industriebetriebe, welche eine eigene IT-Abteilung haben gibt es (bis auf den Kohleverstromer LEAG) quasi nicht. Somit haben die wenigen IT-Firmen das gleiche Problem wie die Fachkräfte, sie finden keinen Decke zum Topf. Dann gibt es noch die Bechtle und ein paar anderen kleine Systemhäuser und Beratungsfirmen. Für gut qualifizierte Leute haben die hier in der Regel auch keine Perspektive, allenfalls in Form einer (bundesweiten) Reisetätigkeit. Klar, PCs zusammenschrauben und Switche einbauen kann man sicherlich in der ein oder anderen Firma auch, wenn einem das reicht.

    Das beworbene Gründerzentrum wird vielerorts kritisch gesehen, da bleibt eher zu erwarten, dass außer heißer Luft da nicht viel rauskommt.

    Die Kohlekommission schlägt dann vor, die Bahnverbindung nach Berlin oder in andere Großstädte zu verbessern und merkt gar nicht, dass damit die Region am Ende nur noch mehr ausbluten würde. Stattdessen müssten entsprechende Projekte gefördert werden, welche wirklich kurz- und mittelfristig mal ein paar relevante Jobs schaffen.

    Das Potential wäre da, aber es bräuchte mindestens einen großen Arbeitgeber, welcher den Anschub leistet, ein großer Industriebetrieb, welcher eine IT-Abteilung ansiedelt oder ein großer Dienstleister, der ein Rechenzentrum errichtet oder ähnliches. Ansonsten ist das ein netter Artikel, bleibt aber leider romantischer Quatsch.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 11.02.19 13:15 durch zacha.

  2. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: Lukla 11.02.19 - 13:31

    Der Trend geht eindeutig weg von "Jobs" und "Arbeitgebern" hin zu einer Gesellschaft aus Selbstständigen. Dazu führt eine bessere Kommunikation und Berufe die am PC stattfinden. Wenn jemand ein großes Projekt in Angriff nehmen möchte, dann schließen sich genau dafür Viele zusammen um sich danach wieder aufzutrennen und sich neuen Projekten anzuschließen. Ich bin der Meinung die Zukunft braucht keine großen Unternehmen und Konzerne mehr. Was es braucht ist eine gute Infrastruktur in der es Spaß macht von überall aus zu arbeiten. Dazu muss nicht nur das Internet schnell sein, sondern auch der ganze staatliche Apparat. Momentan gibt es überall jede Menge Reibung und Verschleiß was letztendlich irgendwer bezahlen muss. Die Stadt der Zukunft operiert schlank mit jeder Menge Technik und mit minimalem Einsatz von B.S.-Jobs.



    4 mal bearbeitet, zuletzt am 11.02.19 13:43 durch Lukla.

  3. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: aPollO2k 11.02.19 - 13:41

    Danke du sprichst mir aus der Seele. Genau so ist es. Obwohl ich denke, dass die bessere Bahnverbindung defintiv insgesamt von Vorteil für die Region wäre, man stelle sich nur einen IC oder ICE vor der einen in unter 45 Minuten nach Berlin bringt, das würde sicherlich einie Menschen in Cottbus halten oder Cottbus tatsächlich näher an den Spreckgürtel in Berlin rücken, denn im Gegensatz zum echten Speckgürtel kann man hier auch als "normaler" Verdiener noch etwas kaufen/bauen bzw. eine große Wohnung beziehen ohne dafür Unsummen zu bezahlen.

    Aber am Ort Jobs schaffen wird nur ein Arbeitgeber. Die Idee das hier Jemand "was großes" Gründet halte ich für utopisch.

  4. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: zacha 11.02.19 - 13:42

    Dann brauchen Sie aber auch Arbeitgeber oder Auftraggeber, welche es ermöglichen, von überall aus zu arbeiten. Die gibt es leider entgegen des vielfach zitierten Bildes des "digital Natives" kaum. Auch Leute, welche früher laut rumgetönt haben, sie könnten problemlos von überall arbeiten, sind heute in Berlin, München oder Stuttgart. Selbständig eine App zu entwickeln, da brauchen man auch kein Gründerzentrum, sondern nur den Mut, das einfach zu machen. Da wird es immer den ein oder anderen geben, der das so betreibt. Das bringt aber nicht die große Neuausrichtung als IT-Standort. Im Silicon Valley sind eben auch die großen Firmen die Treiber. Die Startups siedeln sich eben in deren Fahrwasser an, weil sie da die besten Möglichkeiten haben und die besten Chancen, mal übernommen zu werden. 1-Mann Unternehmen, die immer 1-Mann Unternehmen bleiben, sind halt nie erfolgreich geworden.

  5. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: aPollO2k 11.02.19 - 13:42

    Lukla schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Trend geht eindeutig weg von "Jobs" und "Arbeitgebern" hin zu einer
    > Gesellschaft aus Selbstständigen. Dazu führt eine bessere Kommunikation und
    > Berufe die am PC stattfinden. Wenn jemand ein großes Projekt in Angriff
    > nehmen möchte, dann schließen sich genau dafür Viele zusammen um sich
    > danach wieder aufzutrennen und sich neuen Projekten anzuschließen. Ich bin
    > der Meinung die Zukunft braucht keine großen Unternehmen und Konzerne mehr.
    > Was es braucht ist eine gute Infrastruktur in der es Spaß macht von überall
    > aus zu arbeiten. Dazu muss nicht nur das Internet muss schnell sein,
    > sondern auch der ganze staatliche Apparat. Momentan gibt es überall jede
    > Menge Reibung und Verschleiß was letztendlich irgendwer bezahlen muss. Die
    > Stadt der Zukunft operiert schlank mit jeder Menge Technik und mit
    > minimalem Einsatz von B.S.-Jobs.


    In welcher Branche? In meiner Branche habe ich davon nicht absolut nichts bemerkt. Hier spielen eigentlich nur die "großen" eine Rolle.

  6. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: zacha 11.02.19 - 13:51

    Das mit der besseren Bahnverbindung kann man machen. Aber es ist bringt eben nicht die Lösung der Probleme. Die bessere Bahnverbindung kommt zudem von alleine, sobald hier ein paar relevante Wirtschaftsfaktoren sind, dann lohnt es sich eben für die DB auch, sowas umzusetzen.

    Der ICE in 45 Minuten nach Berlin ist zudem eine Utopie. Der wird niemals kommen. Dazu müsste fast die ganze Strecke neu gebaut werden, denn die ist durchgehend nur mit 160 befahrbar, was daran liegt, dass sie überall von Bahnübergängen gekreuzt wird. Man sieht leicht, was das für ein Aufwand wäre. Der IC nach Berlin fährt- genau wie der RE- fast durchgehend 160. Wenn man noch die Halte in Lübbenau und Lübben einspart, dann kann der IC 58 Minuten schaffen (jetzt sind es 64). Einen IC oder ICE, der nur in Cottbus und Berlin hält, den setzt die DB aber niemals ein, da das komplett unwirtschaftlich wäre. Das einzige, was also zu verbessern wäre, wäre der Takt, wenn die Bahn es mal schafft, den restlichen Teil der Strecke noch zweigleisig auszubauen. Aber auch das wird schon eine Herausforderung, da auch noch andere Verkehr auf der Strecke ist.

  7. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: Lukla 11.02.19 - 13:58

    > In welcher Branche? In meiner Branche habe ich davon nicht absolut nichts bemerkt. Hier spielen eigentlich nur die "großen" eine Rolle.

    Hierzulande Unterhaltung zB. Den großen Medienhäusern geht es an den Kragen da mehr und mehr Werbegelder zu Einzelunternehmern und kleinen Gruppen fließen. Mit der Kunst fängt es an weil es wie ich denke am einfachsten ist. Die Kunst war aber schon immer ein Vorreiter was Trends angeht. Man denke mal an den Buchdruck und die darauf folgende Industrialisierung von allem.

    In der Kunst schließen sich viele Selbstständige zu Gruppen zusammen um an großen Projekten zu arbeiten. Das geht flüssig in sowas wie Computerspiele über die auch mehr und mehr von kleinen zusammengewürfelten Indi-Entwickler stammen, die per Crowdfunding finanziert werden. Von da aus ist es ein relativ kleiner Schritt bis in andere IT Branchen.

    Wer sowas einmal miterlebt hat will nichts anderes mehr. Ich vermute der "Fachkräfte-Mangel" ist genau die Art und Weise wie es für große Konzerne spürbar wird.



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 11.02.19 14:06 durch Lukla.

  8. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: Anonymer Nutzer 11.02.19 - 15:12

    die anhebung der bahntrasse, so dass kreuzende straßen durch ausreichend hohe (4,5m) unterführungen verlaufen können wurde schon zu ostzeiten gefordert, passiert ist bis heute nichts, weil ist uns zu teuer, lieber schauen wir zu wie mehrmals wöchentlich die züge sich verspäten oder ausfallen, wegen unfällen aufbahnübergängen und reihenweise suizid, letzte woche erst wieder zwischen eichwalde und zeuthen ... es ist scheiße aus allen allen blickwinkeln, aber uns zu teuer um was dagegen zu machen.

    ich bin ja fürn neubau des bbi in sperenberg(ohne politische seilschaften!), das liegt fast genau in der mitte zwischen wittenberg, chosebus und der anderen stelle im sumpf (berlin), dann kann man gleich die ice strecke über jüterborg mit zur anbindung nutzen, und der spreewald währe auch näher am flugplatz gelegen ... und schönefeld kann von mir aus ein mahnmal werden, wie man es nicht macht.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 11.02.19 15:20 durch ML82.

  9. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: ikhaya 11.02.19 - 15:16

    Also ich denke das "Recht auf HomeOffice" und der Kampf um Arbeitskräfte werden es ermöglichen dass man nicht direkt da wohnt wo man arbeitet und auch nicht pendelt.

    Abgesehend davon: Es gibt auch Leute die nicht auf überlaufene quirlige Metropolen stehen :)

    Da fehlt mir ein wenig die politische Einsicht dass man auch außerhalb Berlins,Münchens und Frankfurts leben können muss.

  10. Re: Der Wunsch ist Vater des Gedanken

    Autor: Deff-Zero 14.02.19 - 18:35

    Lukla schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Trend geht eindeutig weg von "Jobs" und "Arbeitgebern" hin zu einer
    > Gesellschaft aus Selbstständigen.

    Schön, aber das braucht Zeit, und die hat Cottbus wie im Artikel beschrieben nicht. Ich habe das Gefühl, die Stadt hat viel zu spät gehandelt.

    > Ich bin
    > der Meinung die Zukunft braucht keine großen Unternehmen und Konzerne mehr.

    Gewisse Dinge lassen sich nur entwickeln, wenn viel Geld dahinter steckt um eine lange Phase ohne Umsätze zu finanzieren. Mit lauter kleinen Selbständigen geht das nicht. Konzerne werden also nach wie vor gebraucht, vor allem in Deutschland.

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