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Richtig lesen, bitte! Wo sind Widersprüche?

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  1. Richtig lesen, bitte! Wo sind Widersprüche?

    Autor: folxmusikant 02.08.06 - 13:34

    Studien können nicht im Duktus der Bild-Zeitung geschrieben werden, weil viele Phänomene, Dinge, Prozesse des menschlichen Lebens eben nicht entweder eindeutig gut oder eindeutig schlecht sind. Und wenn Studien diese Ambivalenz in ihrer Auswertung berücksichtigen, dann ist das sinnvoll und notwendig. Deshalb spricht es nicht von hoher Lesekompetenz derjenigen, die nach der Lektüre der Studie (wenn sie sie überhaupt gelesen und nicht nur die Zusammenfassung überflogen haben) behaupten, die Studie "verwickelt sich in Widersprüche".

    Es ist eben überhaupt kein Widerspruch in der Behauptung, ein bestimmtes Instrument (z. B. das Handy) könne ein bestimmtes Merkmal (z. B. die Unabhängigkeit von Kindern) fördern oder hemmen. Sondern dies ist nur die Aufzählung von Chancen und Risiken einer menschlichen Erfindung. (Nebenbei: das leuchtet auch ein. Kinder dürfen heutzutage möglicherweise im Durchschnitt länger draußen spielen, länger allein verreisen u. a. als früher, weil Eltern sie jederzeit erreichen können, sich weniger Sorgen machen müssen. Somit fördert das Handy die Unabhängigkeit des Nachwuchses. Bei anderen Familien hat der Handybesitz aber möglicherweise eher nachteilige Folgen: Kinder werden von übermäßig sorgsamen Eltern ständig angerufen; übervorsichtige Kinder wiederum fragen vor jeder noch so kleinen Entscheidung per Telefon ihre Eltern usw. [im Supermarkt: das blaue oder das grüne Katzenfutter, Mutti?] Demnach kann die ständige Erreichbarkeit auch Nachteile haben, z. B. die Unabhängigkeit hemmen.)

    Wenn also eine Studie diese beiden Seiten einer Medaille benennt, spricht das einfach für sauberes wissenschaftliches Arbeiten. Stutzig werden sollten wir vielmehr dann (und danach fragen, wer der Auftraggeber ist), wenn uns irgendwelche Studien eine technische Neuerung als den heiligen Gral anpreisen.

    Auch das zweite Beispiel für die angebliche Widersprüchlichkeit der Studie ist - pardon für die Deutlichkeit - sehr unsinnig. Wenn festgestellt wird, dass das SMS-Schreiben die Sprachentwicklung behindern, aber gleichzeitig ein gutes Instrument der Emanzipation vor Erwachsenen sein kann, dann ist auch das nicht mehr als die Auflistung einer +/- Liste einer technischen Errungenschaft. Keinesfalls aber ist das Nebeneinanderstellen dieser Fakten ein Widerspruch. (Anderes Beispiel: Wenn ich feststelle, dass ein Auto tödlich sein kann [weil Leute bei Unfällen damit sterben] und gleichzeitig erkenne, dass es nützlich sein, um Leben zu retten [Krankenwagen, Feuerwehr, ...], so ist das doch auch nicht widersprüchlich.)

    So weit, so kurz. Musste ich nur mal loswerden. Nicht, dass golem von Bild-Zeitungs-Denken infiltriert wird ;)

    Sommerliche Grüße

  2. Re: Richtig lesen, bitte! Wo sind Widersprüche?

    Autor: acker 02.08.06 - 14:08

    Hurra, wenigstens einer, der mitdenkt. Danke dafür, full ACK.

  3. Re: Richtig lesen, bitte! Wo sind Widersprüche?

    Autor: Rainer Tsuphal 02.08.06 - 14:08

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Er ist sowohl inhaltlich als auch sprachlich gut, treffend und verständlich.
    Weil das in diesem Forum nicht all zu oft so ist, finde ich es schon erwähnenswert.
    Das meine ich ausnahmsweise einmal nicht ironisch.

    Beste Grüße
    Rainer Tsuphal


    folxmusikant schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Studien können nicht im Duktus der Bild-Zeitung
    > geschrieben werden, weil viele Phänomene, Dinge,
    > Prozesse des menschlichen Lebens eben nicht
    > entweder eindeutig gut oder eindeutig schlecht
    > sind. Und wenn Studien diese Ambivalenz in ihrer
    > Auswertung berücksichtigen, dann ist das sinnvoll
    > und notwendig. Deshalb spricht es nicht von hoher
    > Lesekompetenz derjenigen, die nach der Lektüre der
    > Studie (wenn sie sie überhaupt gelesen und nicht
    > nur die Zusammenfassung überflogen haben)
    > behaupten, die Studie "verwickelt sich in
    > Widersprüche".
    >
    > Es ist eben überhaupt kein Widerspruch in der
    > Behauptung, ein bestimmtes Instrument (z. B. das
    > Handy) könne ein bestimmtes Merkmal (z. B. die
    > Unabhängigkeit von Kindern) fördern oder hemmen.
    > Sondern dies ist nur die Aufzählung von Chancen
    > und Risiken einer menschlichen Erfindung.
    > (Nebenbei: das leuchtet auch ein. Kinder dürfen
    > heutzutage möglicherweise im Durchschnitt länger
    > draußen spielen, länger allein verreisen u. a. als
    > früher, weil Eltern sie jederzeit erreichen
    > können, sich weniger Sorgen machen müssen. Somit
    > fördert das Handy die Unabhängigkeit des
    > Nachwuchses. Bei anderen Familien hat der
    > Handybesitz aber möglicherweise eher nachteilige
    > Folgen: Kinder werden von übermäßig sorgsamen
    > Eltern ständig angerufen; übervorsichtige Kinder
    > wiederum fragen vor jeder noch so kleinen
    > Entscheidung per Telefon ihre Eltern usw. Demnach
    > kann die ständige Erreichbarkeit auch Nachteile
    > haben, z. B. die Unabhängigkeit hemmen.)
    >
    > Wenn also eine Studie diese beiden Seiten einer
    > Medaille benennt, spricht das einfach für sauberes
    > wissenschaftliches Arbeiten. Stutzig werden
    > sollten wir vielmehr dann (und danach fragen, wer
    > der Auftraggeber ist), wenn uns irgendwelche
    > Studien eine technische Neuerung als den heiligen
    > Gral anpreisen.
    >
    > Auch das zweite Beispiel für die angebliche
    > Widersprüchlichkeit der Studie ist - pardon für
    > die Deutlichkeit - sehr unsinnig. Wenn
    > festgestellt wird, dass das SMS-Schreiben die
    > Sprachentwicklung behindern, aber gleichzeitig ein
    > gutes Instrument der Emanzipation vor Erwachsenen
    > sein kann, dann ist auch das nicht mehr als die
    > Auflistung einer +/- Liste einer technischen
    > Errungenschaft. Keinesfalls aber ist das
    > Nebeneinanderstellen dieser Fakten ein
    > Widerspruch. (Anderes Beispiel: Wenn ich
    > feststelle, dass ein Auto tödlich sein kann und
    > gleichzeitig erkenne, dass es nützlich sein, um
    > Leben zu retten , so ist das doch auch nicht
    > widersprüchlich.)
    >
    > So weit, so kurz. Musste ich nur mal loswerden.
    > Nicht, dass golem von Bild-Zeitungs-Denken
    > infiltriert wird ;)
    >
    > Sommerliche Grüße
    >


  4. Re: Richtig lesen, bitte! Wo sind Widersprüche?

    Autor: Hmmpf 02.08.06 - 14:56

    Golem reagiert auf diese studie vollkommen richtig. Ohne das testverfahren zu kennen sind solche aussagen immer mit vorsicht zu betrachten.

    Die meisten studien dieser art sind zu kurzsichtig und einseitig um einen wirklichen informationsgehalt zu haben. Wenn man sich die reihe der dinge ansieht, die in der vergangenheit als für unsere kinder schädlich entlarvt wurden (durchaus auch in wissenschaftlichen studien), aber die tatsächliche entwicklung dagegenhält verpuffen diese fast alle.

    Kugelschreiber
    Rock'n Roll
    Telefon
    Walkman
    Computer

  5. Re: Richtig lesen, bitte! Wo sind Widersprüche?

    Autor: blubb 02.08.06 - 16:38

    Nicht die Gegenüberstellung dieser Behauptungen ist ein Widerspruch, sondern eher das Erwähnen dieser Thesen in einem Atemzug. Letzte Woche Beispielsweise hieß es, dass 2.5 Millionen Kinder in Deutschland am Rande der Armutsgrenze leben. Ein oder zwei Tage hieß es, dass deutsche Kinder die Reichsten weltweit seien. Für mich ist sowas ein Widerspruch - aber nicht im eigentlichen Sinne eines "richtigen" Widerspruchs.

    Gruß
    Daniel

  6. Keine Widersprüche !

    Autor: Gayer 02.08.06 - 17:18

    sondern das Spiegelbild des Wohlstandsgefälles in unserem Land.
    Die immer wieder beliebte statistische Umrechnung auf einen Kopf der Gruppe Bürger insgesamt bzw. Kinder insgesamt sagt nichts über den Wohlstand der Menschen in der Gruppe aus.

    Für die Welt insgesamt gibt die 500 Regel ein Schlaglicht. Die 500 reichsten Menschen der Erde besitzen zusammen soviel wie die 500 Millionen ärmsten Menschen der Erde.

    blubb schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Nicht die Gegenüberstellung dieser Behauptungen
    > ist ein Widerspruch, sondern eher das Erwähnen
    > dieser Thesen in einem Atemzug. Letzte Woche
    > Beispielsweise hieß es, dass 2.5 Millionen Kinder
    > in Deutschland am Rande der Armutsgrenze leben.
    > Ein oder zwei Tage hieß es, dass deutsche Kinder
    > die Reichsten weltweit seien. Für mich ist sowas
    > ein Widerspruch - aber nicht im eigentlichen Sinne
    > eines "richtigen" Widerspruchs.
    >
    > Gruß
    > Daniel


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