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Entfernung != Strahlenbelastung

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  1. Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: thm82 05.03.19 - 18:23

    und die Ironie an der Geschichte: der Prominente wird eher mehr, als weniger Strahlenbelastung durch Mobilfunk an seinem Wohnort haben.

    Es ist nämlich mitnichten so dass ein näher stehender Funkmast mehr Strahlung bedeutet.

    Moderne Handynetze (ab UMTS, noch ärger bei LTE) müssen ihre Sendeleistung an einzelne Handy anpassen. Dies ist nötig weil benachbarte Masten auf der gleichen Frequenz funken. Sprich je näher das Handy, je geringer die Sendeleistung am Mast. Das funktioniert da jedem Handy nur ein Teil der Frequenz und kurze Zeitslots zugewiesen werden. Außerdem ergibt sich: Je kleiner die Zellen, je geringer die Sendeleistung am Mast (weil sich die Zellen sonst gegenseitig stören würden, der Pfadverlust des Funksignals über Distanz ist ja immer gleich).

    Noch ärger wird es in die andere Richtung, vom Handy zum Masten. Die Sendeleistung des Handys muss erhöht werden je weiter das Handy vom Mast entfernt ist. Einfach um den Mast noch mit ausreichend Leistung zu erreichen. Daher ist die Empfangsleistung sowieso immer ähnlich hoch, die Sendeleistung des Handys im Haus (und aller umliegenden) aber umso höher wenn der Mast weiter weg ist. Das ist der Effekt der auf Bahnfahrten den Akkustand so herrlich schnell schmelzen lässt (wobei der Zellwechsel da auch noch eine Rolle spielt).
    Dazu kommt das Handys die näher am Mast sind von der Basisstation aktiv in Ihrer Sendeleistung herunter geregelt werden. Denn alle Signale die an der Antenne des Masten eintreffen müssen etwa die gleiche Leistung haben, ansonsten werden manche Signale (der weiter entfernten Handys) überstrahlt.
    Und auch hier gilt, je kleiner die Zelle umso besser, da die Antennen am Mast auf eine gewisse Empfangssensitivität ausgelegt sind, und eine zu große Leistung der Signale die von den Handys kommen nicht gut wäre.

    Sprich der werte Prominente hat sich einen Bärendienst erwiesen. Noch dazu kommt: wahrscheinlich bekommt er nun auch noch nur noch 2G, wo diese aktive Regelung nicht (bzw. in weit geringerem Maß) verwendet wird (benachbarte Zellen haben bei 2G eigene Frequenzen). Damit strahlt sein Handy noch mal mehr, und die Mitbürger in der Nähe des entfernten 2G Masten werden stärker belastet. Wunderbar :-(

    Es ist leider in Sachen Mobilfunk sehr viel Unwissenheit im Spiel.

    Wenn man dann noch bedenkt mit welchen Sendeleistungen die alten DECT Telefone gesendet haben, oh mei. Aber bei denen hat keiner gemeckert, denn man hat ja keinen Sendemast gesehen.

    PS: ich bin in keinster Weise mit einem Mobilfunk-Provider oder -Ausrüster verbandelt, aber hab auf einem Funkthema (u.a. LTE) promoviert.

  2. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: Eheran 05.03.19 - 18:41

    Sehr interessant, danke

    >Denn alle Signale die an der Antenne des Masten eintreffen müssen etwa die gleiche Leistung haben, ansonsten werden manche Signale (der weiter entfernten Handys) überstrahlt.

    Wie ist denn der Fachbegriff dafür? Würde gerne mehr dazu lesen.

  3. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: 486dx4-160 05.03.19 - 18:41

    thm82 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > und die Ironie an der Geschichte: der Prominente wird eher mehr, als
    > weniger Strahlenbelastung durch Mobilfunk an seinem Wohnort haben.
    >
    > Es ist nämlich mitnichten so dass ein näher stehender Funkmast mehr
    > Strahlung bedeutet.
    >
    > Moderne Handynetze (ab UMTS, noch ärger bei LTE) müssen ihre Sendeleistung
    > an einzelne Handy anpassen. Dies ist nötig weil benachbarte Masten auf der
    > gleichen Frequenz funken. Sprich je näher das Handy, je geringer die
    > Sendeleistung am Mast. Das funktioniert da jedem Handy nur ein Teil der
    > Frequenz und kurze Zeitslots zugewiesen werden. Außerdem ergibt sich: Je
    > kleiner die Zellen, je geringer die Sendeleistung am Mast (weil sich die
    > Zellen sonst gegenseitig stören würden, der Pfadverlust des Funksignals
    > über Distanz ist ja immer gleich).
    >
    > Noch ärger wird es in die andere Richtung, vom Handy zum Masten. Die
    > Sendeleistung des Handys muss erhöht werden je weiter das Handy vom Mast
    > entfernt ist. Einfach um den Mast noch mit ausreichend Leistung zu
    > erreichen. Daher ist die Empfangsleistung sowieso immer ähnlich hoch, die
    > Sendeleistung des Handys im Haus (und aller umliegenden) aber umso höher
    > wenn der Mast weiter weg ist. Das ist der Effekt der auf Bahnfahrten den
    > Akkustand so herrlich schnell schmelzen lässt (wobei der Zellwechsel da
    > auch noch eine Rolle spielt).
    > Dazu kommt das Handys die näher am Mast sind von der Basisstation aktiv in
    > Ihrer Sendeleistung herunter geregelt werden. Denn alle Signale die an der
    > Antenne des Masten eintreffen müssen etwa die gleiche Leistung haben,
    > ansonsten werden manche Signale (der weiter entfernten Handys) überstrahlt.
    >
    > Und auch hier gilt, je kleiner die Zelle umso besser, da die Antennen am
    > Mast auf eine gewisse Empfangssensitivität ausgelegt sind, und eine zu
    > große Leistung der Signale die von den Handys kommen nicht gut wäre.
    >
    > Sprich der werte Prominente hat sich einen Bärendienst erwiesen. Noch dazu
    > kommt: wahrscheinlich bekommt er nun auch noch nur noch 2G, wo diese aktive
    > Regelung nicht (bzw. in weit geringerem Maß) verwendet wird (benachbarte
    > Zellen haben bei 2G eigene Frequenzen). Damit strahlt sein Handy noch mal
    > mehr, und die Mitbürger in der Nähe des entfernten 2G Masten werden stärker
    > belastet. Wunderbar :-(
    >
    > Es ist leider in Sachen Mobilfunk sehr viel Unwissenheit im Spiel.
    >
    > Wenn man dann noch bedenkt mit welchen Sendeleistungen die alten DECT
    > Telefone gesendet haben, oh mei. Aber bei denen hat keiner gemeckert, denn
    > man hat ja keinen Sendemast gesehen.
    >
    > PS: ich bin in keinster Weise mit einem Mobilfunk-Provider oder -Ausrüster
    > verbandelt, aber hab auf einem Funkthema (u.a. LTE) promoviert.

    Absolut korrekt.
    Bevor jetzt aber jemand fordert, Mobilfunkmasten grundsätzlich in Kindergärten aufzustellen um die Strahlenbelastung gering zu halten: Wenn das der einzige Mast in der Umgebung ist, dann muss der ganz schön rausballern um die Handys im Umkreis mehrerer Kilometer zu erreichen... Noch dämlicher wird es, wenn der Mast von allen drei Netzbetreibern genutzt wird, also drei Sendeanlagen drauf sind.

    Ein Vorteil zwangsweiser flächendeckender Mobilfunkabdeckung wäre eben auch, dass in den bisherigen Randgebieten das Strahlungsniveau niedriger wäre.
    Steigerung, mit enormer Kosteneinsparung: Eine einzige Sendeanlage für alle Betreiber.

  4. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: emdotjay 05.03.19 - 21:54

    thm82 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > und die Ironie an der Geschichte: der Prominente wird eher mehr, als
    > weniger Strahlenbelastung durch Mobilfunk an seinem Wohnort haben.
    >
    > Es ist nämlich mitnichten so dass ein näher stehender Funkmast mehr
    > Strahlung bedeutet.
    >
    > Moderne Handynetze (ab UMTS, noch ärger bei LTE) müssen ihre Sendeleistung
    > an einzelne Handy anpassen. Dies ist nötig weil benachbarte Masten auf der
    > gleichen Frequenz funken. Sprich je näher das Handy, je geringer die
    > Sendeleistung am Mast. Das funktioniert da jedem Handy nur ein Teil der
    > Frequenz und kurze Zeitslots zugewiesen werden. Außerdem ergibt sich: Je
    > kleiner die Zellen, je geringer die Sendeleistung am Mast (weil sich die
    > Zellen sonst gegenseitig stören würden, der Pfadverlust des Funksignals
    > über Distanz ist ja immer gleich).
    >
    > Noch ärger wird es in die andere Richtung, vom Handy zum Masten. Die
    > Sendeleistung des Handys muss erhöht werden je weiter das Handy vom Mast
    > entfernt ist. Einfach um den Mast noch mit ausreichend Leistung zu
    > erreichen. Daher ist die Empfangsleistung sowieso immer ähnlich hoch, die
    > Sendeleistung des Handys im Haus (und aller umliegenden) aber umso höher
    > wenn der Mast weiter weg ist. Das ist der Effekt der auf Bahnfahrten den
    > Akkustand so herrlich schnell schmelzen lässt (wobei der Zellwechsel da
    > auch noch eine Rolle spielt).
    > Dazu kommt das Handys die näher am Mast sind von der Basisstation aktiv in
    > Ihrer Sendeleistung herunter geregelt werden. Denn alle Signale die an der
    > Antenne des Masten eintreffen müssen etwa die gleiche Leistung haben,
    > ansonsten werden manche Signale (der weiter entfernten Handys) überstrahlt.
    >
    > Und auch hier gilt, je kleiner die Zelle umso besser, da die Antennen am
    > Mast auf eine gewisse Empfangssensitivität ausgelegt sind, und eine zu
    > große Leistung der Signale die von den Handys kommen nicht gut wäre.
    >
    > Sprich der werte Prominente hat sich einen Bärendienst erwiesen. Noch dazu
    > kommt: wahrscheinlich bekommt er nun auch noch nur noch 2G, wo diese aktive
    > Regelung nicht (bzw. in weit geringerem Maß) verwendet wird (benachbarte
    > Zellen haben bei 2G eigene Frequenzen). Damit strahlt sein Handy noch mal
    > mehr, und die Mitbürger in der Nähe des entfernten 2G Masten werden stärker
    > belastet. Wunderbar :-(
    >
    > Es ist leider in Sachen Mobilfunk sehr viel Unwissenheit im Spiel.
    >
    > Wenn man dann noch bedenkt mit welchen Sendeleistungen die alten DECT
    > Telefone gesendet haben, oh mei. Aber bei denen hat keiner gemeckert, denn
    > man hat ja keinen Sendemast gesehen.
    >
    > PS: ich bin in keinster Weise mit einem Mobilfunk-Provider oder -Ausrüster
    > verbandelt, aber hab auf einem Funkthema (u.a. LTE) promoviert.


    +1

    Korrekt soweit mein Wissen gereicht hat

  5. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: hhoeck 05.03.19 - 22:56

    Eheran schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Sehr interessant, danke
    >
    > >Denn alle Signale die an der Antenne des Masten eintreffen müssen etwa die
    > gleiche Leistung haben, ansonsten werden manche Signale (der weiter
    > entfernten Handys) überstrahlt.
    >
    > Wie ist denn der Fachbegriff dafür? Würde gerne mehr dazu lesen.

    Der Begriff dafür ist TDMA und CDMA. Damit bei TDMA die Signale bei der Antenne zum richtigen Zeitpunkt eingehen, gibt es bei GSM den TimingAdvance (TA). Einfach googlen oder bei Wiki mal eingeben.

    Auf einer Antenne sprechen/funken immer mehrere. Bei TDMA bekommt jeder einen ZeitSlot. Bei CDMA bekommt jeder einen Code und man kann aus dem Rauschen jeden heraus rechnen. Ab UMTS/3G ist eigentlich CDMA angesagt, da man hier flexibel die Anzahl an parallelen Verbindungen handhaben kann. Bei TDMA ist es eben fix mit der Anzahl der Slots (bei GSM 2G). Der TA bei TDMA gibt dem Handy mit, wieviel er "zu früh" senden muss damit unter der gegebenen Signal Laufzeit (=Entfernung) das Signal im richtigen Zeitschlitz bei der Antenne ankommt.

  6. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: Usernäme 06.03.19 - 06:21

    Beim Thema 3g wichtig.
    Pseudo othogonale codes, carrier to interference ratio (cir) und Zellatmung sind Begriffe die du da Mal googeln könntest

  7. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: thomas.pi 06.03.19 - 07:53

    Ich hab nicht zu diesem Thema promoviert und nehme nur Deine Ausführungen als Grundlage. Wenn der Turm ein großes Gebiet versorgt, dann bedeutet es dennoch eine höhere Strahlenleiatung in der nähe des Turmes, da man sämliche Verbindungen der gesamten Umgebung abbekommt. Vor allem die erhöhten Stahlen für den Versorgungsrand. Wohnt man weiter Weg, dann wird das Gebiet der Strahlung kleiner. Am wenigsten Strahlung müsste es irgenswo in der Mitte zwischen Sendemast und Versorgnungsrand sein. Zudem man auch das Handy nicht auf voller Leistung sendet.
    Ich denke trotzdem, dass die Gefahr eher in den Telefonen liegt.

  8. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: aceton 06.03.19 - 08:03

    ich mag dieses thema absolut nicht, da man bei dem thema "handystrahlen" so viele spinner bzgl. verschwörungstheorien usw hat...es nervt so unfassbar

    mich interessiert das...hast du da quellen, um das nachvollziehen zu können? :)

  9. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: voidyvoid 06.03.19 - 08:15

    Doch, denn es gibt ja auch Wohnhäuser mit einem Mast obendrauf. Unter dem Mast ist aber die Strahlung am geringsten, da die Antennen über einen selbst "wegstrahlen".
    Ich bin oft auf Sites unterwegs und unter Antennen hast du meistens schlechteren Empfang.

    Durch Beamforming kann die Sendeleistung und Belastung in der Umgebung übrigens nochmals reduziert werden.

  10. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: Dr.Zoidberg 06.03.19 - 08:27

    TDMA, CDMA und vorallem FDMA beschreibt den Medienzugriff und hat nichts mit dem Linkbudget zu tun. Bei LTE In D vorallem FDMA (wiki)
    Mitnichten müssen alle Teilnehmer mit dem gleichen Empfangspegel "ankommen". Lediglich das Linkbudget in beide Richtungen sollte ausgewogen sein, das wird durch höhere Empfängerempflindlichkeit und Sendeleistung an der Basis gemacht.

  11. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: mrmccrash 06.03.19 - 08:34

    Zum Thema Sende und Empfangsleistung gab es zum 35C3 auch einen sehr ausführlichen Vortrag:

    https://youtu.be/CSZWTaTu9As

    Herr Schmidt erklärt hier recht verständlich die Zusammenhänge...

  12. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: DerUhu 06.03.19 - 08:46

    thm82 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > und die Ironie an der Geschichte: der Prominente wird eher mehr, als
    > weniger Strahlenbelastung durch Mobilfunk an seinem Wohnort haben.
    >
    > Es ist nämlich mitnichten so dass ein näher stehender Funkmast mehr
    > Strahlung bedeutet.
    >
    > Moderne Handynetze (ab UMTS, noch ärger bei LTE) müssen ihre Sendeleistung
    > an einzelne Handy anpassen. Dies ist nötig weil benachbarte Masten auf der
    > gleichen Frequenz funken. Sprich je näher das Handy, je geringer die
    > Sendeleistung am Mast. Das funktioniert da jedem Handy nur ein Teil der
    > Frequenz und kurze Zeitslots zugewiesen werden. Außerdem ergibt sich: Je
    > kleiner die Zellen, je geringer die Sendeleistung am Mast (weil sich die
    > Zellen sonst gegenseitig stören würden, der Pfadverlust des Funksignals
    > über Distanz ist ja immer gleich.
    >
    > Noch ärger wird es in die andere Richtung, vom Handy zum Masten. Die
    > Sendeleistung des Handys muss erhöht werden je weiter das Handy vom Mast
    > entfernt ist. Einfach um den Mast noch mit ausreichend Leistung zu
    > erreichen. Daher ist die Empfangsleistung sowieso immer ähnlich hoch, die
    > Sendeleistung des Handys im Haus (und aller umliegenden) aber umso höher
    > wenn der Mast weiter weg ist. Das ist der Effekt der auf Bahnfahrten den
    > Akkustand so herrlich schnell schmelzen lässt (wobei der Zellwechsel da
    > auch noch eine Rolle spielt).
    > Dazu kommt das Handys die näher am Mast sind von der Basisstation aktiv in
    > Ihrer Sendeleistung herunter geregelt werden. Denn alle Signale die an der
    > Antenne des Masten eintreffen müssen etwa die gleiche Leistung haben,
    > ansonsten werden manche Signale (der weiter entfernten Handys) überstrahlt.
    >
    > Und auch hier gilt, je kleiner die Zelle umso besser, da die Antennen am
    > Mast auf eine gewisse Empfangssensitivität ausgelegt sind, und eine zu
    > große Leistung der Signale die von den Handys kommen nicht gut wäre.
    >
    > Sprich der werte Prominente hat sich einen Bärendienst erwiesen. Noch dazu
    > kommt: wahrscheinlich bekommt er nun auch noch nur noch 2G, wo diese aktive
    > Regelung nicht (bzw. in weit geringerem Maß) verwendet wird (benachbarte
    > Zellen haben bei 2G eigene Frequenzen). Damit strahlt sein Handy noch mal
    > mehr, und die Mitbürger in der Nähe des entfernten 2G Masten werden stärker
    > belastet. Wunderbar :-(
    >
    > Es ist leider in Sachen Mobilfunk sehr viel Unwissenheit im Spiel.
    >
    > Wenn man dann noch bedenkt mit welchen Sendeleistungen die alten DECT
    > Telefone gesendet haben, oh mei. Aber bei denen hat keiner gemeckert, denn
    > man hat ja keinen Sendemast gesehen.
    >
    > PS: ich bin in keinster Weise mit einem Mobilfunk-Provider oder -Ausrüster
    > verbandelt, aber hab auf einem Funkthema (u.a. LTE) promoviert.

    UMTS nutzt doch Codespreizverfahren, die Sendeleistung für jeden Teilnehmer wird damit auf das Band verteilt und der Promi bekommt sehr wohl mehr Strahlung ab, auch wenn sein eigenes Handy näher ist.
    Base-seitiges Adaptive Power Control kenne ich bei 4G nur aus Arbeiten, ist doch aber nicht im Einsatz? AFAIK werden nur die für die jeweiligen Teilnehmer passendsten Subträger ausgewählt, eine adaptive Anpassung der Sendeleistung auf diesen habe ich aber grad nicht im Gedächtnis.
    Ferner wird nicht nur die Sendeleistung für sein Gerät in seine Richtung abgestrahlt, denn MIMO kommt doch erst mit 5G, oder?
    Von Sendemasten wird er also sehr wohl weniger Strahlungseintrag durch die Abschaltung erwarten können, beim Mobilteil bin ich voll bei dir.
    Auf die fragwürdige Schädlichkeit der Strahlung mit Wellenlängen >10cm gehe ich mal nicht ein, WLan wird der gute Promi wahrscheinlich ohnehin selbst betreiben.

    Mein Studium der Nachrichtentechnik ist zwar schon ein paar Tage her, aber die Aussagen zur höheren Belastung nach Wegfall des Sendemasten sind für einen angeblich im Fach promovierten zumindest interessant.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 06.03.19 08:51 durch DerUhu.

  13. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: thm82 14.04.19 - 23:01

    Sorry, ich hab es leider nicht geschafft zu antworten, zu viel zu tun die letzten Wochen.
    Aber ich hab mal kurz in meiner Diss nachgeschaut (auch schon wieder 7 Jahre her), und für wen es interessiert hier ein ganz gutes Paper zu wichtigsten Verfahren in LTE:
    https://core.ac.uk/download/pdf/61402037.pdf

    Dort wird unteranderem auch erklärt wie Frequency Re-Use Factor 1 bei LTE über die Frequenzvergabe in den Cell-Randbereichen erreicht wird. Und auch zu Power Control gibt es ein Chapter.

    @thomas.pi und 486dx4-160: Klar, direkt am Turm ist die Leistung am höchsten. Aber je kleiner die Funkzellen, je kleiner auch die Leistung direkt am Turm, da alle Türme nicht mehr so weit senden müssen. Dabei aber auch immer Bedenken: Die Leistung der Funkwelle verliert quadratisch mit Distanz an Energie (Power über Distanz gezeichnet ergibt eine Logarithmische Kurve)- Daher geht auf den ersten 10-50 Metern schon eine Menge Energie verloren. Und klar, direkt unter der Basisstation ist der Empfang schlecht. Liegt am Abstrahlwinkel der Antennen.

    @hhoeck: Yein, CDMA wird nur bei UMTS verwendet. Jedes Signal entspricht dabei einem Teil des Spektrums, und wird über einen Code auf das volle Spektrum aufgespreizt (quasi mehrmals gleich gesendet). Damit Überlagern sich alle Signale am Turm wenn sie ankommen. Über die Codes werden dann die einzelnen Signale extrahiert. Bei UMTS ist es daher essentiell wichtig dass die Signale mit gleicher Leistung ankommen. Bei LTE ist das nicht mehr ganz so wichtig, da die Handys eben kein CDMA verwenden und nur auf einem Teil des Frequenzspektrums senden. Dennoch sollten zwei direkt nebeneinander liegende Signale nicht mit allzuviel Signalstärkenunterschied eintreffen, da sonst die Frequenzflanke des Signals das Nachbarsignal stört. Leider ist halt kein Signal was seine Leistung angeht 100% auf den Ihn zugewiesenen Frquenzträger beschränkt. Es ist eher ein Gaußkurve, die Leistung fällt über die Frequenz zu den Seiten hin ab.
    Übrigens Anekdote am Rande: CDMA hat sich bei UMTS als so unpraktikabel herausgestellt dass man bei HSDPA (letzte UMTS Ausbaustufe) fast nur noch auf Time Multiplexing gesetzt hat. Das Problem ist nämlich dass die Spreizcodes bei verspätetem Eintreffen von einem Signal (durch Multipath Effekte gerade in Städten ein Problem) ihre Orthogonalität verlieren, und damit die Signale nicht mehr trennbar sind an der Basisstation.

    @DerUhu: LTE nutzt auch schon MiMo. 5G ist funktechnisch sowieso nur LTE mit noch mehr (unsinniger) Carrier Aggregation und noch extremerem MiMo (schwer in Handys unterzubekommen). Dazu kommt halt ne Menge neues Spektrum in den neuen hohen Frequenzbereichen (die leider schlechte Ausbreitungseigenschaften haben) und Edge Processing für IoT Anwendungen.

    @mrmccrash: Hab den Vortrag nur kurz überflogen, aber scheint ganz gut zu sein.

  14. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: bombinho 15.04.19 - 01:19

    Ich fand deinen Beitrag hoch interessant. Danke.
    Das Nachfolgende soll als generelle Anmerkung dienen und nicht zur Korrektur,
    aber bitte korrigiere mich, wo noetig.

    Die uebliche Auslegung von Mobilfunksendern sind 3 Segmente. Damit hat man zwar auch eine quadratische Abhaengigkeit aber eben keinen rein quadratischen Verlust.
    Also ein Rundstrahler haette in der Kugelsphaere nach einer Verdoppelung der Entfernung nur noch ein Viertel der Energiedichte.
    Ein Segmentstrahler, welcher eine rotationssymmetrische Keule mit 120 Grad erzeugt, hat aber da noch ~3/4 seiner Strahlungsdichte (im Nahbereich).

    Ebenso die Annahme, dass eine kleinere Entfernung zu kleinerer notwendiger Sendeleistung fuehrt, ist nur bei gleichbleibender Frequenz gueltig. Wenn ich mit 40W bei 700Mhz 20km Senderadius erziele und bei 60GHz bei gleicher Sendeleistung 2km Senderadius erziele, dann heisst das eben nicht, dass ich die Sendeleistung fuer 60GHz senken kann fuer die 2km, denn die Daempfung ist deutlich hoeher, eine Reduzierung der Sendeleistung wuerde zu einem vermutlich unbrauchbar kleinen Segment fuehren.

    Hier (>5GHz) waere meiner Ansicht nach eine physikalische Richtantenne mit sehr kleinem Abstrahlwinkel das Rezept zur Verringerung der Sendeleistung. Beamforming ist meiner Meinung nach nicht sonderlich zielfuehrend, da ich da sogar mehr Energie aufwenden muss um die Interferenzmaxima (Mehrere!) erzeugen zu koennen und dann auch noch das Hauptmaximum am richtigen Ort trotz potentieller Bewegung zu erzeugen.

    <5GHz duerfte die Aufloesung von Beamforming ziemlich ungeeignet sein, samt der dazugehoerigen Entfernungen, um dort wirklich sinnvoll massive MIMO nutzen zu koennen. Dazu kommt noch die benotigte Groesse der Antennenarrays. Kann ich mir nicht vorstellen, aber lasse mich da gerne vom Gegenteil ueberzeugen.
    Da hielte ich eine feinere Segmentierung fuer sinnvoller, zumal der Handover bei 5G ja wirklich sauber laufen soll und auch zwei ueberlappende Segmente gleichzeitig genutzt werden koennen sollen?

    Ich wuerde vermuten, dass es gerade in Staedten zu ernsthaften Problemen mit Interferenzen kommen wuerde, wenn dort diverse Stationen dicht auf dicht unter Einsatz von Beamforming quasi nahezu unendlich komplexe Bedingungen kreieren.
    Wobei dort wohl die Variante einer Basisstation mit multiplen ausgelagerten Antennen die Verwaltung dahingehend deutlich erleichtern sollte.

    Mein letzter Stand ist, dass das Bewegungsproblem (Beamforming) ohnehin nach wie vor noch nicht geloest ist, habe aber lange nichts mehr davon gehoert.
    Soweit soll wohl 5G erst einmal als 4G mit leicht veraendertem Management und zusaetzlichen Frequenzen errichtet werden?

  15. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: Eheran 15.04.19 - 11:06

    >Damit hat man zwar auch eine quadratische Abhaengigkeit aber eben keinen rein quadratischen Verlust.
    Bei Richtantennen kann man so nicht rechnen, sonst hätten sie ja gar keine größere Reichweite :D
    Das gilt nur für omnidirektionale Strahler, also näherungsweise etwa ein Handy.

  16. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: bombinho 15.04.19 - 13:39

    Eheran schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei Richtantennen kann man so nicht rechnen, sonst hätten sie ja gar keine
    > größere Reichweite :D
    > Das gilt nur für omnidirektionale Strahler, also näherungsweise etwa ein
    > Handy.

    Jupp. Hier (Richtstrahler) kann man entweder naehern, indem man die Kreisflaeche annimmt oder eben die Flaeche der Kugelkappe. Allerdings ist die Energieverteilung ohnehin nicht gleichmaessig und reisst dann ploetzlich ab sondern wird zum Rand hin schwaecher. Daraus und aus der Daempfung resultiert dann ein verlängertes Rotationsellipsoid bzw. die Zigarrenform.

    Da wirfst du eine interessante Frage auf. Das Handy ist auf keinen Fall ein Kugelstrahler. Vermutlich eher eine Niere.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.04.19 13:40 durch bombinho.

  17. Re: Entfernung != Strahlenbelastung

    Autor: Eheran 15.04.19 - 14:41

    >Das Handy ist auf keinen Fall ein Kugelstrahler. Vermutlich eher eine Niere.
    Das ergibt sich ja alleine aus den Dimensionen, es hat "keine" Dicke, also kann auch keine Antenne in der "Dickenrichtung" effizient arbeiten bzw. in der Ebene der Dicke viel abstrahlen...
    Aber im Vergleich zum Funkturm wird es näherungsweise passen... ;)

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    Softbank
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    In einer neuen Vereinbarung erlangt die japanische Softbank die Kontrolle über das Co-Working-Startup Wework. Es fällt dabei erheblich im Wert und entgeht dem drohenden Bankrott.


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