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Dem Herrn fehlen viele Details

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  1. Dem Herrn fehlen viele Details

    Autor: twothe 29.07.19 - 19:52

    Als ebenfalls ehemaliger Nokia-Entwickler, der wesentlich näher an der Entwicklung der Handys dran war kann ich sagen das einerseits die aufgeführten Argumente durchaus korrekt sind, andererseits da noch viele Details fehlen.

    Erst mal um eins klar zu stellen: Nokia hat Android nicht unterschätzt. Das Problem war nur, dass Apple gerade mit Nokia in einem Patentstreit steckte und ihnen just vor der Nase einige interessante Firmen weg gekauft hat, dadurch hat Nokia viel mehr Richtung Apple geguckt als Richtung Google. Android wurde durchaus als der größere Konkurrent gesehen, aber als ein nicht so schlimmer, weil Android schlicht andere Kunden bedient als für WP geplant war.

    Probleme gab es zusätzlich auch noch an vielen anderen Stellen. Der neue CEO kam von Microsoft und wurde von vielen misstrauisch beäugt. Einerseits weil man in ihm ein trojanisches Pferd gesehen hat, andererseits weil viele Angst hatten, dass jetzt Schluss ist mit der Finnischen Relaxed-Arbeitsweise und im guten amerikanischen Stil gleich erst mal Leute raus geworden werden. Zu dem Zeitpunkt wusste man bei Nokia bereits das der Laden nicht mehr rund läuft, denn Apple hatte Nokia durch das iPhone (das völlig unterschätzt wurde) schon massiv zugesetzt. Das hauseigene Symbian produzierte ein Flopp nach dem nächsten, die Kooperation mit Intels Maemo war nach langer Durststrecke endgültig am Ende. Man sah an allen Ecken und Enden dass Nokia schlicht zu eingerostet war um auf die Bedrohung iPhone vernünftig reagieren zu können und die guten Leute haben sich bereits nach anderen Jobs umgesehen.

    Dazu gab es im Halbjahrestakt einen Komplettaustausch der oberen Management-Ebene, weil mal wieder keine Erfolge erzielt wurden, was für alles mögliche aber keine vernünftige Arbeitsweise gesorgt hatten. Die untere Management-Ebene war primär damit beschäftigt sich gegenseitig die Ellenbogen in die Rippen zu rammen um sich möglichst für die guten Posten zu profilieren, und die Anzahl der Leute die noch produktiv gearbeitet haben war erschreckend gering. Dabei sind auch viele Entwickler äußerst negativ aufgefallen, die nur aufgrund der entspannten finnischen Politik überhaupt noch ihren Job hatten, aber an sich nicht wirklich brauchbar waren. Dementsprechend war die Softwarequalität eine Katastrophe nach der nächsten, Outsourcing nach Indien und China noch mal schlimmer, und die Anzahl der Leute die wirklich produktiv entwickelt haben konnte man gefühlt an einer Hand abzählen.

    Ein weiterer Punkt waren die Apps. Jeder wusste, dass man ohne Apps das Telefon nicht verkauft bekommt, aber niemand wollte mit Microsofts .Net arbeiten. Nokia-Mitarbeitern wurde sogar Geld angeboten für jede App die sie schreiben, auch gerne während der Arbeitszeit, aber selbst dadurch lies sich niemand ermutigen für WP Apps zu schreiben, und außerhalb des Hauses sowieso nicht. Auch die Microsoft-Arroganz jeden wie Dreck zu behandeln hat da nicht geholfen.

    Am Ende hatte man eine hervorragende Hardware, ein an sich erstklassiges Betriebssystem, aber keine Apps und kein Killer-Feature, das irgend wen überzeugt hätte zu wechseln. Damit kam das Produkt trotz aller Versuche nicht aus der Nische und Nokia - die dank dem MS CEO alles auf diese eine Karte gesetzt hatten - war am Ende.

  2. Re: Dem Herrn fehlen viele Details

    Autor: Anonymer Nutzer 29.07.19 - 20:15

    Nun, die zitierte Person war auch nur ein angeblicher Nokiamitarbeiter. Vielleicht war diese Person tatsächlich bei Nokia beschäftigt, als was auch immer...

    Danke für Ihren Erfahrungsbericht.

  3. Re: Dem Herrn fehlen viele Details

    Autor: gepa 30.07.19 - 08:22

    Danke, war interessant zu lesen.

  4. Re: Dem Herrn fehlen viele Details

    Autor: IchBIN 30.07.19 - 08:37

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > die Kooperation mit Intels Maemo war nach langer Durststrecke
    > endgültig am Ende.

    Moment, hieß es nicht zunächst Maemo (zu Zeiten des N900), und erst, nachdem die Kooperation mit Intel (und ich glaube noch irgend jemandem) eingegangen wurde, dann Meego (zu Zeiten des N8)? Was war das für eine Durststrecke, und warum hat das nicht funktioniert? Das wäre doch eigentlich das exzellentere Betriebssystem gewesen, wenn ich an mein damaliges N900 denke, und an das heutige SailfishOS?

  5. Re: Dem Herrn fehlen viele Details

    Autor: Galath 30.07.19 - 08:53

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Am Ende hatte man eine hervorragende Hardware, ein an sich erstklassiges
    > Betriebssystem, aber keine Apps und kein Killer-Feature, das irgend wen
    > überzeugt hätte zu wechseln.

    Das stimmt so nicht. Mit HERE gab es eine richtig gute Navi-App, die allen verfügbaren Offline-Navis zumindest auf Android zu der Zeit weit überlegen war. Ich kenne drei Leute, die sich genau deswegen für ein Windows-Phone entschieden haben.
    Dass diese App auf Win10 von Nokia kurze Zeit später deaktiviert wurde (d.h. von einem Tag auf den anderen nicht mehr lief) während sie auf Win8 noch lange ihren Dienst tat, war dann aber nicht hilfreich beim Thema Kundenzufriedenheit. Aber zu dem Zeitpunkt war's dann wahrscheinlich auch schon egal.

  6. Re: Dem Herrn fehlen viele Details

    Autor: WalterSobchak 31.07.19 - 01:09

    HERE Maps läuft auf meinen Windows 8.1 Phones immer noch ohne Probleme. Sogar mit "Surfer Dude" als Sprecher.

  7. Re: Dem Herrn fehlen viele Details

    Autor: MistelMistel 02.08.19 - 20:15

    IchBIN schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Moment, hieß es nicht zunächst Maemo (zu Zeiten des N900), und erst,
    > nachdem die Kooperation mit Intel (und ich glaube noch irgend jemandem)
    > eingegangen wurde, dann Meego (zu Zeiten des N8)? Was war das für eine
    > Durststrecke, und warum hat das nicht funktioniert? Das wäre doch
    > eigentlich das exzellentere Betriebssystem gewesen, wenn ich an mein
    > damaliges N900 denke, und an das heutige SailfishOS?

    Ja, Maemo war die Nokia eigene Entwicklung, MeeGo hieß es dann nach der kooperation mit Intel und N9 (bzw. N950 für Entwickler) hießen die Geräte.

    Der Grund weshalb das N9 und MeeGo Nokia nicht retten konnten war das es extrem stiefmütterlich behandelt wurde und in den wichtigen Märkten wie z.B. auch Deutschland gar nicht erst offiziell verkauft wurde. Für diese Märkte war das äußerlich zum N9 baugleiche Lumia vorgesehen, das allerdings nur mit dem wirklich deutlich schlechteren Windows Phone lief.

  8. Re: Dem Herrn fehlen viele Details

    Autor: IchBIN 02.08.19 - 20:43

    MistelMistel schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Grund weshalb das N9 und MeeGo Nokia nicht retten konnten war das es
    > extrem stiefmütterlich behandelt wurde und in den wichtigen Märkten wie
    > z.B. auch Deutschland gar nicht erst offiziell verkauft wurde. Für diese
    > Märkte war das äußerlich zum N9 baugleiche Lumia vorgesehen, das allerdings
    > nur mit dem wirklich deutlich schlechteren Windows Phone lief.

    Ja, das war ja schon, als Microsoft-Manager Stephen Elop der CEO von Nokia war. Ich erinnere mich an eine Pressemeldung mit dem Vergleich "brennender Ölplattformen", damit meinte er aber wohl eher nicht Nokia, sondern Microsoft, bzw. dessen Chance, im zunehmend wichtig werdenden Markt der Smartphone-Plattformen eine Rolle zu spielen.

    Wäre das nicht gewesen, wäre es interessant, wie es weitergegangen wäre mit den Meego-Phones, wenn die auch ordentlich vermarktet worden wären, und vermehrt Geräte mit dieser Plattform auf den Markt gekommen wären. Andererseits, wenn das dann durch irgendwelche Fehler ähnlich abgeschmiert wäre, wie es bei Windows Phone IMHO zurecht geschah, dann hätten wir heute vielleicht nicht mal mehr SailfishOS als Alternative...

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