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Aufwandsabschätzungen

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  1. Aufwandsabschätzungen

    Autor: Bradolan 09.08.19 - 15:41

    Ich finde es immer wieder seltsam, wenn von einem Softwareentwickler verlangt wird den Aufwand abzuschätzen. In der Produktion mag das ja Sinn machen, wenn jedes Teil x Minuten an Herstellungszeit braucht, aber bei Softwareentwicklung, was teilweise doch ein kreativer Prozess ist?!

    Wenn ich meinem Chef etwas verkaufen muss wäre es am besten ich zeige die Ersparnis auf, aber so einfach ist das halt nicht.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 09.08.19 15:42 durch Bradolan.

  2. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Oktavian 09.08.19 - 16:03

    > Ich finde es immer wieder seltsam, wenn von einem Softwareentwickler
    > verlangt wird den Aufwand abzuschätzen.

    Das ist nicht seltsam sondern absolut notwendig.

    > In der Produktion mag das ja Sinn
    > machen, wenn jedes Teil x Minuten an Herstellungszeit braucht, aber bei
    > Softwareentwicklung, was teilweise doch ein kreativer Prozess ist?!

    Richtig, aber kein ungesteuerter. Mit genug Erfahrung ist es durchaus im Vorfeld möglich, das Problem ist handhabbare Teile zu zerlegen, sich nen Plan zu machen, und abzuschätzen, was welcher Teil an Aufwand bedeutet.

    Natürlich gibt es da Ungewissheit, Risiko, Unbekanntes. Aber es gibt auch weite Teile, die relativ gut beherrschbar sind, um eine realistische Größenordnung anzugeben.

    Wenn die Antwort nach dem Aufwand nur lautet "keine Ahnung", wie soll dann entschieden werden, ob eine Änderung umgesetzt wird, ob ein Produkt entwickelt wird, wie teuer die Anfrage des Endkunden wird?

    > Wenn ich meinem Chef etwas verkaufen muss wäre es am besten ich zeige die
    > Ersparnis auf, aber so einfach ist das halt nicht.

    Natürlich ist das nicth einfach. Es ist Arbeit, diese Zahlen zu ermitteln, bedeutet Aufwand. Aber es ist nicht unmöglich, nichtmal schwierig, nur aufwendig. Und ohne diese Zahlen ist jede Entscheidung genauso sinnvoll wie ein Münzwurf. Es gibt nur eine Art von Projekten, wo man sinnvoll darauf verzichten kann, und das sind die Muss-Projekte. Wenn es neue gesetzliche Regelungen gibt, denen man als Unternehmen nicht ausweichen kann und von denen man sich nicht freikaufen kann, dann muss man halt.

  3. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: AynRandHatteRecht 09.08.19 - 19:10

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Ich finde es immer wieder seltsam, wenn von einem Softwareentwickler
    > > verlangt wird den Aufwand abzuschätzen.
    >
    > Das ist nicht seltsam sondern absolut notwendig.
    >
    > > In der Produktion mag das ja Sinn
    > > machen, wenn jedes Teil x Minuten an Herstellungszeit braucht, aber bei
    > > Softwareentwicklung, was teilweise doch ein kreativer Prozess ist?!
    >
    > Richtig, aber kein ungesteuerter. Mit genug Erfahrung ist es durchaus im
    > Vorfeld möglich, das Problem ist handhabbare Teile zu zerlegen, sich nen
    > Plan zu machen, und abzuschätzen, was welcher Teil an Aufwand bedeutet.
    >
    > Natürlich gibt es da Ungewissheit, Risiko, Unbekanntes. Aber es gibt auch
    > weite Teile, die relativ gut beherrschbar sind, um eine realistische
    > Größenordnung anzugeben.
    >
    > Wenn die Antwort nach dem Aufwand nur lautet "keine Ahnung", wie soll dann
    > entschieden werden, ob eine Änderung umgesetzt wird, ob ein Produkt
    > entwickelt wird, wie teuer die Anfrage des Endkunden wird?

    Sehe ich genau so, aber mit einer Ausnahme: Man kann nur das Beschätzen, was man weiss oder eben schätzen kann (zzgl. Puffer).

    Man kennt das evtl im Bereich Outsourcing/Dienstleiter: Es gibt Kunden, denen dann im Laufe der Umsetzung Dinge einfallen, die das ganze Projektziel sabotieren oder zumindest die Aufwände explodieren lassen. Eine Möglichkeit dagegen ist Bürokratie, man geht vor wir bei einem Hausbau mit Gewerken und Lastenheften. Das ruiniert aber IMHO die Performance.

    Dann gibt es auch inkompetente "BWLer", die sich den Fragen der ITler nicht stellen wollen und die Ziele nicht klar definieren wollen. Auch hier ist die Abschätzung dann Blödsinn und es entsteht Misstrauen/Feindseligkeit.

    "Können Sie ausschliessen, dass das System später mal dazu dienen soll?" usw. - da in den Teams meist auch nur mittleres Management sitzt und keiner die Verantwortung übernehmen möchte, lautet die Antwort dann "nein". Und die Planungsphase dauert nun doppelt so lange weil der Scope impliziert gewachsen ist. Die verkauften Personentage sind lukrativ. Man hat Papier als Legitimation für beide Seiten.

    ZL,DR: Schätzungen sind eine Vertrauenssache und eine Kompetenzsache. Sie spiegeln die Untenrehmenskultur wieder und sind leider "einfach" zu sabotieren um gewünschte Ziele bzw. Niederlagen für beteiligte Parteien zu erreichen. Wird man Zeuge solcher toxischen Verhältnisse, gibt es eigentlich nur eines: Job wechseln.

  4. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Bradolan 09.08.19 - 21:33

    Erfahrungsgemäß kann ich in aller Regel auch sehr gut schätzen, aber dabei habe ich immer ein mulmiges Gefühl, weil man mich auf die Aussage festnageln könnte. Es ist nie garantiert, dass diese Aussagen zutreffen. Hierzu müsste man alle Requirements von vornherein kennen und bei dem ganzen Agile Hype hat man das halt nicht.

  5. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Oktavian 09.08.19 - 22:15

    > Erfahrungsgemäß kann ich in aller Regel auch sehr gut schätzen, aber dabei
    > habe ich immer ein mulmiges Gefühl, weil man mich auf die Aussage
    > festnageln könnte. Es ist nie garantiert, dass diese Aussagen zutreffen.

    Natürlich nicht, deshalb nennt man es schätzen. Sonst wäre es wissen.

  6. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: PerilOS 09.08.19 - 23:00

    Im Best Case 3 Monate. Im Worst Case 6 Monate.
    Am Ende peilt man 4 1/2 Monate an.

    Ist nicht so schwer. Man kann solche Sachen in jedem Beruf irgendwann halbwegs einschätzen.

  7. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Faksimile 09.08.19 - 23:04

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Ich finde es immer wieder seltsam, wenn von einem Softwareentwickler
    > > verlangt wird den Aufwand abzuschätzen.
    >
    > Das ist nicht seltsam sondern absolut notwendig.
    >
    > > In der Produktion mag das ja Sinn
    > > machen, wenn jedes Teil x Minuten an Herstellungszeit braucht, aber bei
    > > Softwareentwicklung, was teilweise doch ein kreativer Prozess ist?!
    >
    > Richtig, aber kein ungesteuerter. Mit genug Erfahrung ist es durchaus im
    > Vorfeld möglich, das Problem ist handhabbare Teile zu zerlegen, sich nen
    > Plan zu machen, und abzuschätzen, was welcher Teil an Aufwand bedeutet.
    >
    > Natürlich gibt es da Ungewissheit, Risiko, Unbekanntes. Aber es gibt auch
    > weite Teile, die relativ gut beherrschbar sind, um eine realistische
    > Größenordnung anzugeben.
    >
    > Wenn die Antwort nach dem Aufwand nur lautet "keine Ahnung", wie soll dann
    > entschieden werden, ob eine Änderung umgesetzt wird, ob ein Produkt
    > entwickelt wird, wie teuer die Anfrage des Endkunden wird?
    >
    > > Wenn ich meinem Chef etwas verkaufen muss wäre es am besten ich zeige
    > die
    > > Ersparnis auf, aber so einfach ist das halt nicht.
    >
    > Natürlich ist das nicth einfach. Es ist Arbeit, diese Zahlen zu ermitteln,
    > bedeutet Aufwand. Aber es ist nicht unmöglich, nichtmal schwierig, nur
    > aufwendig. Und ohne diese Zahlen ist jede Entscheidung genauso sinnvoll wie
    > ein Münzwurf. Es gibt nur eine Art von Projekten, wo man sinnvoll darauf
    > verzichten kann, und das sind die Muss-Projekte. Wenn es neue gesetzliche
    > Regelungen gibt, denen man als Unternehmen nicht ausweichen kann und von
    > denen man sich nicht freikaufen kann, dann muss man halt.

    Sie wirklich vollständig und korrekt und "erweiterbar" , weil neue oder zusätzliche Regelungen drohen, umzusetzen oder "quick and dirty" gerade so abzudecken?

  8. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Faksimile 09.08.19 - 23:10

    AynRandHatteRecht schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Oktavian schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > > Ich finde es immer wieder seltsam, wenn von einem Softwareentwickler
    > > > verlangt wird den Aufwand abzuschätzen.
    > >
    > > Das ist nicht seltsam sondern absolut notwendig.
    > >
    > > > In der Produktion mag das ja Sinn
    > > > machen, wenn jedes Teil x Minuten an Herstellungszeit braucht, aber
    > bei
    > > > Softwareentwicklung, was teilweise doch ein kreativer Prozess ist?!
    > >
    > > Richtig, aber kein ungesteuerter. Mit genug Erfahrung ist es durchaus im
    > > Vorfeld möglich, das Problem ist handhabbare Teile zu zerlegen, sich nen
    > > Plan zu machen, und abzuschätzen, was welcher Teil an Aufwand bedeutet.
    > >
    > > Natürlich gibt es da Ungewissheit, Risiko, Unbekanntes. Aber es gibt
    > auch
    > > weite Teile, die relativ gut beherrschbar sind, um eine realistische
    > > Größenordnung anzugeben.
    > >
    > > Wenn die Antwort nach dem Aufwand nur lautet "keine Ahnung", wie soll
    > dann
    > > entschieden werden, ob eine Änderung umgesetzt wird, ob ein Produkt
    > > entwickelt wird, wie teuer die Anfrage des Endkunden wird?
    >
    > Sehe ich genau so, aber mit einer Ausnahme: Man kann nur das Beschätzen,
    > was man weiss oder eben schätzen kann (zzgl. Puffer).
    >
    > Man kennt das evtl im Bereich Outsourcing/Dienstleiter: Es gibt Kunden,
    > denen dann im Laufe der Umsetzung Dinge einfallen, die das ganze
    > Projektziel sabotieren oder zumindest die Aufwände explodieren lassen. Eine
    > Möglichkeit dagegen ist Bürokratie, man geht vor wir bei einem Hausbau mit
    > Gewerken und Lastenheften. Das ruiniert aber IMHO die Performance.
    >
    > Dann gibt es auch inkompetente "BWLer", die sich den Fragen der ITler nicht
    > stellen wollen und die Ziele nicht klar definieren wollen. Auch hier ist
    > die Abschätzung dann Blödsinn und es entsteht Misstrauen/Feindseligkeit.
    >
    > "Können Sie ausschliessen, dass das System später mal dazu dienen soll?"
    > usw. - da in den Teams meist auch nur mittleres Management sitzt und keiner
    > die Verantwortung übernehmen möchte, lautet die Antwort dann "nein".

    Sollen sich die Leute mit einem "ja" so weit aus dem Fenster lehnen, das die Zehennägel in der Fensterbank den Halt sicherstellen?
    Die Verantwortung für einen ggf. Mißbrauch, "der hat damals gesagt, das ist unmöglich", wird niemand übernehmen wollen.

    > Und die Planungsphase dauert nun doppelt so lange weil der Scope impliziert
    > gewachsen ist. Die verkauften Personentage sind lukrativ. Man hat Papier
    > als Legitimation für beide Seiten.
    >

    > ZL,DR: Schätzungen sind eine Vertrauenssache und eine Kompetenzsache. Sie
    > spiegeln die Untenrehmenskultur wieder und sind leider "einfach" zu
    > sabotieren um gewünschte Ziele bzw. Niederlagen für beteiligte Parteien zu
    > erreichen. Wird man Zeuge solcher toxischen Verhältnisse, gibt es
    > eigentlich nur eines: Job wechseln.

  9. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: superdachs 09.08.19 - 23:15

    PerilOS schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Im Best Case 3 Monate. Im Worst Case 6 Monate.
    > Am Ende peilt man 4 1/2 Monate an.
    >
    > Ist nicht so schwer. Man kann solche Sachen in jedem Beruf irgendwann
    > halbwegs einschätzen.

    Nein. Aufwand lässt sich in kreativen Prozessen nicht in Zeiteinheiten schätzen. Nein eigentlich lässt sich _Aufwand_ NIE in Zeiteinheiten schätzen. Aufwand wird in Komplexitäten eingeteilt und NUR das. Alles andere ist BWL-Gewäsch und sollte längst überwunden sein. Das muss das fachfremde Management genauso wie die Kunden lernen. Und hier schließt sich der Kreis zum Artikel. Softwareentwicklung ist nicht durch Arbeitsschritte wie beim Graben von Löchern ausdrückbar. Schätzt Komplexitäten, messt die Zeiten und dann könnt ihr eventuell irgendwann eine _Prognose_ geben (vorausgesetzt es ist das selbe Produkt/Projekt). Wenn ihr das nicht wollt dann verkauft Schrauben oder Eiswaffeln oder irgendwas dessen Produktionsprozess festgeschrieben ist.

  10. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: PerilOS 09.08.19 - 23:25

    Eventuell verstehst du "BWL Gewäsch" und Projektmanagement auch schlichtweg nicht.
    Wenn du deine eigene Arbeit nicht abschätzen kannst, dann kannst du nicht strukturiert arbeiten.
    Für kreative Prozesse und Arbeitspakete baut man ausreichend Puffer ein bzw. man priorisiert Anhand von Abhängigkeiten. Schön das du dir 3 Monate den Kopf über ein Feature zerbrichst, das nicht relevant für die Kernfunktionalitäten ist. Sinn macht es trotzdem keinen.

    Deswegen bist du ja auch der Entwickler. Und für die Themen die du nicht verstehst, gibt es den Projektleiter und das Controlling. Diese "BWL Honks" die dich sich deinen artistischen Künsten in den Weg stellen. Und die du anmaulst, wenn sie zu dir kommen und Informationen von dir erfragen um ein schärferes Projekt umzusetzen.

    Das nennt man "Teamarbeit".



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 09.08.19 23:27 durch PerilOS.

  11. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: azeu 09.08.19 - 23:29

    > Wenn du deine eigene Arbeit nicht abschätzen kannst, dann kannst du nicht strukturiert arbeiten.

    Also da muss ich Dir wieder dazwischen grätschen. Es gibt Arbeiten die einfach nicht strukturiert ablaufen, schon allein deswegen nicht, weil der Kunde nicht strukturiert vorgeht.

    Ob man gut schätzen kann, hängt nämlich nicht selten vom Kunden ab. Wenn der Kunde nicht weiß was er will und ständig mit neuen Ideen kommt, wie willst Du da im Voraus richtig schätzen?

    DU bist ...

  12. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: superdachs 10.08.19 - 00:06

    PerilOS schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Eventuell verstehst du "BWL Gewäsch" und Projektmanagement auch schlichtweg
    > nicht.
    > Wenn du deine eigene Arbeit nicht abschätzen kannst, dann kannst du nicht
    > strukturiert arbeiten.
    > Für kreative Prozesse und Arbeitspakete baut man ausreichend Puffer ein
    > bzw. man priorisiert Anhand von Abhängigkeiten. Schön das du dir 3 Monate
    > den Kopf über ein Feature zerbrichst, das nicht relevant für die
    > Kernfunktionalitäten ist. Sinn macht es trotzdem keinen.
    >
    > Deswegen bist du ja auch der Entwickler. Und für die Themen die du nicht
    > verstehst, gibt es den Projektleiter und das Controlling. Diese "BWL Honks"
    > die dich sich deinen artistischen Künsten in den Weg stellen. Und die du
    > anmaulst, wenn sie zu dir kommen und Informationen von dir erfragen um ein
    > schärferes Projekt umzusetzen.
    >
    > Das nennt man "Teamarbeit".

    Und das ist schon wieder Bullshit. Ein Projekt/Produktmanagement hat nicht zu mir (oder zu einem Entwickler, ich bin nämlich keiner) zu latschen und in alter Sklaventreibermanier zu "erfragen" wie lange das dauert sondern kann gefälligst Userstories schreiben. Diese werden dann durch das Team in Komplexitätspunkten geschätzt und abgearbeitet. Meistens werden sie aber zurück gegeben weil die "BWL-Honks" nicht in der Lage sind eine Anforderung zu formulieren und dann auch noch die Frechheit besitzen nach der Zeit zu fragen. Die grobe Zeitprognose kannst du, unter zuhilfenahme verschiedener messmethoden, selbst in dein Projektmanagemant übernehmen. Aber dazu müsste man halt was können ;)

  13. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Oktavian 10.08.19 - 00:07

    > Sie wirklich vollständig und korrekt und "erweiterbar" , weil neue oder
    > zusätzliche Regelungen drohen, umzusetzen oder "quick and dirty" gerade so
    > abzudecken?

    In aller Regel wohl letzteres. Ein Vorstandsvorsitzende einer deutschen Versicherung meinte zu mir zu dem Thema: Zielnote bei einer Prüfung ist eine 4-. Wir wollen eine Prüfung überleben, aber ordentlich Prügel ist okay. Wenn der Prüfer unsere Lösung vorbildlich findet, dann werd ich sie fragen, warum sie dann so teuer war.

    Das ist ne klare Ansage, damit kann ich planen.

    Bei einer anderes Versicherung war die Ansage ganz klar, dass sie in regulatorischen Themen immer Klassenprimus sind, und dass ihr Aufsichtsrat ganz klar darauf besteht. Auch damit kann ich planen.

    Welches Qualitätslevel es gibt, bestimmt das Business. Es muss nur ganz klar sein, was damit gemeint ist, was das Risiko ist.

  14. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: richtchri 10.08.19 - 08:59

    Hatte das gleiche Problem immer mit einem meiner Chefs bis wir uns auf folgende Methode geeinigt haben.

    1) Identifizierung der Arbeitspakete —> einfach alles runterschrauben was Dir in den Sinn kommt
    2) Schätzen der jeweiligen Aufwände (Min,Max) —> dafür hast du Berufserfahrung
    3) Priorisierung der Pakete (A,B,C) —> da kann der Chef dann spielen
    4) Risiko Szenarien überlegen mit möglichen Ausweichstrategien
    5) was ist im score und was nicht (Ja,Nein)
    6) Annahmen treffen —> ganz wichtig
    7) Roadmap beschreiben

    Habe mit ursprünglich dafür ein excel Template geschrieben, welches mittlerweile mit mehr Inhalten in entsprechend formatierter PowerPoint direkt ausgewertet wird. Zeitlich brauchst du dafür maximal 4h.

  15. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Oktavian 10.08.19 - 10:31

    > Hatte das gleiche Problem immer mit einem meiner Chefs bis wir uns auf
    > folgende Methode geeinigt haben.

    Also ganz normale methodische Aufwandsschätzung. So oder so ähnlich sollte es immer funktionieren, und dann hat man auch eine Grundlage.

    Wenn ich jemanden bitte, mal aus dem Bauch ne Aufwandsschätzung zu machen, Photoshop nachzuprogrammieren, dann kann das nur schief gehen. Aber wenn er Erfahrung in dem Umfeld hat, ich ihn mit notwendigen Informationen versorgen und dann angemessen Zeit gebe und noch ein oder zwei Kollegen als Sparringspartner, dann kann da schon ein recht realistischer Korridor herauskommen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 10.08.19 10:33 durch Oktavian.

  16. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Bradolan 10.08.19 - 12:26

    richtchri schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hatte das gleiche Problem immer mit einem meiner Chefs bis wir uns auf
    > folgende Methode geeinigt haben.
    >
    > 1) Identifizierung der Arbeitspakete —> einfach alles runterschrauben
    > was Dir in den Sinn kommt

    Genau das ist das Problem. Bei mir auf der Arbeit gibt es einen sehr erfahrenen Entwickler, der ein Projekt abschätzen sollte. Dabei sollte er 2-3 Bibliotheken, deren Quältexte vorliegen mit einbinden. Nun hat er das abgeschätzt für 2 Monate weil es recht simpel aussah. Die Bibliotheken funktionierten nur nicht wie dokumentiert und der Quältext war wirklich das, Quältext. Kurzum, aus 2 Monaten wurden 3 Jahre. Wie hätte er diese Arbeitspakete der einzelnen Probleme erahnen können?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 10.08.19 12:27 durch Bradolan.

  17. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: ibsi 10.08.19 - 12:34

    Ganz einfach.

    Bei der ersten Schätzung sagt man in wie weit man sich sicher ist (Schätzung halt). Kommt eine Änderung vom Kunden, muss man dem Kunden klar machen das dadurch die Schätzung nicht mehr stimmt und das Projekt gefährdet ist.
    Nur DAS bekommen viele nicht hin. Niemand will etwas negatives sagen. Dabei ist das besonders wichtig.
    Sagt klar wenn etwas das Projekt verzögert und begründet es!

  18. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Bradolan 10.08.19 - 12:55

    ibsi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ganz einfach.
    >
    > Bei der ersten Schätzung sagt man in wie weit man sich sicher ist
    > (Schätzung halt). Kommt eine Änderung vom Kunden, muss man dem Kunden klar
    > machen das dadurch die Schätzung nicht mehr stimmt und das Projekt
    > gefährdet ist.
    > Nur DAS bekommen viele nicht hin. Niemand will etwas negatives sagen. Dabei
    > ist das besonders wichtig.
    > Sagt klar wenn etwas das Projekt verzögert und begründet es!

    Genau das macht man, aber was wenn es immer wieder zu solchen unvorhersehbaren Problemen kommt? Dann wird der "Chef" verständlicherweise wütend.

  19. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: Oktavian 10.08.19 - 14:45

    > Wie hätte er diese
    > Arbeitspakete der einzelnen Probleme erahnen können?

    Manchmal hat man einfach Pech, klar. Pech darf man aber nur manchmal anführen. Oft neigen auch erfahrene Entwickler dazu, sich nur an die guten Fälle zu erinnern und aus den schlecht gelaufenen Projekte nicht zu lernen.

    Unser Entwickler machen hier auf Funktionsebene oder auf Ebene der Arbeitspakete eine 3-Punkte-Schätzung. Best-Case, wahscheinlichster Fall, Worst-Case. Das alleine hilft schon, sich auch an die schlechten Projekte zu erinnern.

    Hieraus wird ein gewichteter Mittelwert ermittelt und gleichzeitig eine Messgröße für das Risiko im Projekt. Auch das ist keine Patent-Lösung, hilft aber das Risiko im Projektportfolio in Grenzen zu halten.

    Am Ende ist es eben immer eine Schätzung. Nur weil eine Schätzung aufwendig ist und nicht in allen Fällen eine Punktlandung möglich ist, heißt das aber nicht, dass eine sinnvolle Schätzung nicht möglich ist.

  20. Re: Aufwandsabschätzungen

    Autor: ibsi 10.08.19 - 14:58

    Unvorhersehbare Probleme? Wenn man diese von vorneherein klar kommuniziert, dann ist nicht der Entwickler schuld.

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