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*augenverdreh*

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  1. *augenverdreh*

    Autor: madkiss 13.01.20 - 18:13

    Ich frage mich ja, wieso Boeing nicht einfach Golem darum gebeten hat, die Poster hier im Forum die 737 MAX korrigieren zu lassen. Lauter ausgewiesene Luftfahrtingenieure unterwegs, offenbar.

    Und jetzt mal im Ernst: Jedes Flugzeug hat einen Punkt, an dem der Anstellwinkel kritisch wird und es zum Strömungsabriss kommt. Die Fokker 70/100 etwa ist wegen ihres Flügeldesigns sehr anfällig für Abstürze, wenn sich Eis an den Tragflächen bildet und der Flieger nicht ordentlich enteist wird. Das ist der Grund dafür, dass erst kürzlich wieder eine Fokker unmittelbar nach VLOF abgestürzt ist.

    Bei der Boeing 737 MAX ist der Punkt, an dem es zum Strömungsabriss kommt, wegen der nach vorne verlagerten Triebwerke anders als etwa bei einer 737-800. Banal formuliert fühlt sich eine 737 MAX anders an als eine 737-800. Das würde nach geltendem Recht automatisch dazu führen, dass Boeing für die 737 ein eigenes Type Rating hätte auflegen müssen, inklusive eigenen Trainings der Piloten für dieses eine Muster. Kommerziell betrachtet wäre das ein erheblicher Nachteil ggü. der A320neo gewesen, denn die kann ein Pilot mit A320-Type-Rating einfach so fliegen.

    Der Konzern hat deshalb (ausgesprochen dilettantisch) versucht, das durch MCAS zu korrigieren, das auch bei der KC-46A zum Einsatz kommt, dort allerdings auf Basis von Technik aus der 767 und u.A. mit redundanten Sensoren. Per MCAS wollte man erreichen, dass sich eine 737 MAX exakt so fliegt wie eine 737-800. Hätte man die Piloten stattdessen auf die 737 MAX trainiert und hätte ihnen gesagt, woran sie einen kritischen Anstellwinkel erkennen und wie man sich in einer entsprechenden Situation verhält bzw. wie man sie von vornherein verhindert, wären die beiden 737 MAX nicht vom Himmel gefallen.

    Nota bene: Es liegt mir fern, Boeing zu verteidigen. Aber die ganzen Endzeitpropheten hier, die "nie wieder in eine 737 einsteigen" und "nie wieder Ryanair fliegen" -- sorry, macht euch nicht lächerlich. Eine 737 MAX ist nicht per se ein unsicheres Flugzeug. Die Leute, die sie fliegen, müssen einfach eine konkrete Vorstellung davon haben, was sie tun und wie sie das Flugzeug bedienen müssen.

  2. Re: *augenverdreh*

    Autor: lear 13.01.20 - 19:32

    Ich denke, Du hast sehr schön und zutreffend dargelegt, warum Boeing ein massives Mißtrauen entgegen gebracht wird - auch vor dem Hintergrund weiterer Konstruktions- und Softwareprobleme die jetzt bei den echten Zulassungsprüfungen hervorgetreten sind.
    Es geht hier nicht mehr nur um die beiden Abstürze oder das (mEn. kriminell motiviert) lausig implementierte MCAS, sondern um das systematische Versagen aller Verantwortlichen, das zu diesen Tragödien geführt hat. Und die Frage, wie tief es hier noch abwärts geht.

    Die emotionale (Über)reaktion der Gesellschaft ist dann nur noch das normale "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste"-Prinzip - nicht unbedingt ungesund…

    (Randnotiz: niemand wird je wieder in einer 737 Max fliegen, Boeing wird die ganz sicher nicht nach Neuzulassung unter dem Label betreiben…)
    (Noch eine Randnotiz: Das Problem bei der Fokker sind nicht die Flügel, sondern die *dahinter* liegenden Triebwerke, weil das gelöste Eis da gerne mal reindonnert - Grundsätzlich ist Eis aber wg. der Leitwerke und dem Einfluß auf den Stall ein Problem. Für alle Flieger. Das ist dann kein Design- sondern ein Wartungsproblem)

  3. Vertrauen

    Autor: Emulex 14.01.20 - 07:45

    Das Problem ist doch das Vertrauen in Boeing.
    Hast du noch welches?

    Es geht ja nicht nur um die Max, sondern auch um die vielen Berichte zum Thema QS in der Fertigung.

    Und entsprechend meide ich Boeing momentan insgesamt.
    Das ist mein gutes Recht als Kunde.

  4. Re: *augenverdreh*

    Autor: Kommentator2019 14.01.20 - 07:53

    lear schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    >
    > Die emotionale (Über)reaktion der Gesellschaft ist dann nur noch das
    > normale "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste"-Prinzip - nicht
    > unbedingt ungesund…

    Wenn es die 1¤-Carrier und deren PAXE trifft ... sehr gerne. Der Markt muss sich unbedingt bereinigen

    >
    > (Randnotiz: niemand wird je wieder in einer 737 Max fliegen, Boeing wird
    > die ganz sicher nicht nach Neuzulassung unter dem Label betreiben…)

    Ryan Air hat die max schon umbenannt in 737-8200

  5. Re: *augenverdreh*

    Autor: madkiss 14.01.20 - 10:57

    lear schrieb:

    > (Noch eine Randnotiz: Das Problem bei der Fokker sind nicht die Flügel,
    > sondern die *dahinter* liegenden Triebwerke, weil das gelöste Eis da gerne
    > mal reindonnert - Grundsätzlich ist Eis aber wg. der Leitwerke und dem
    > Einfluß auf den Stall ein Problem. Für alle Flieger. Das ist dann kein
    > Design- sondern ein Wartungsproblem)

    Sorry, das stimmt so nicht. Die F70/F100 sind von der F28 abgeleitet, und die hat schon eine lange Geschichte von Abstürzen wegen vereister Tragflächen (meistens gewinnen die Flieger nach VLOF nicht genug Höhe und stürzen dann in der Nähe des Runway in die Umgebung). Und das hat vorrangig etwas mit dem Design der Tragflächen zu tun, nicht damit, dass Eis in die Triebwerke geraten wäre.

    Also, ja, kein Design- sondern ein Wartungsproblem, aber mit exakt derselben Begründung lassen sich die beiden 737-MAX-Abstürze als "Bedienungsproblem" statt als "Designproblem" bezeichnen (was ich im Übrigen auch tue). Ich glaube, wir haben hier letztlich eh beinahe dieselbe Meinung. :-)

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