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Frauen wollen gar nicht in der IT arbeiten? Ich möchte das gerne kommentieren!

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  1. Frauen wollen gar nicht in der IT arbeiten? Ich möchte das gerne kommentieren!

    Autor: Martin W 15.03.20 - 15:12

    Im Rahmen eines Fakten- und Argumentationschecks hatte ich mich vor einigen Wochen bereits zum Artikel „Frauen in der Technik“ von Valerie Lux auf Golem geäußert. Ich war damals zum (überprüfbaren) Ergebnis gekommen, dass Frau Lux in ihrem Beitrag die von ihr zitierten Quellen zum Teil irreführend zitierte sowie ein ganze Reihe von formallogisch falschen Schlüssen zog bzw. Aussagen machte, die von den eigenen Argumenten und Quellen nicht gedeckt wurden.

    Deswegen war ich natürlich gespannt, wie die Autorin und Golem – als Plattform für Frau Lux - an den nächsten Beitrag herangehen würden.

    Um es kurz zu sagen: Leider nicht viel besser, als bei „Frauen in der Technik“. Was ich im Folgenden anhand einer Defizitanalyse kurz darlegen möchte.

    1) Die Zielsetzung des Artikels ist (erneut) konfus und irreführend: So lautet die Schlagzeile „Software-Entwicklung ist nicht nur Männersache“. Im Untertitel heißt es dann „Frauen wollen gar nicht in der IT arbeiten? Quatsch, finden diese sieben Entwicklerinnen. Sie erklären, warum sich immer noch so wenige Frauen für Softwareentwicklung entscheiden und was man dagegen tun kann“. Noch ein bisschen weiter unten kommt dann so etwas wie eine Problemstellung: „Eine in diesem Jahr zum Weltfrauentag veröffentlichte Studie des Branchenverbandes Bitkom hat erneut das Geschlechterungleichgewicht in der Techwelt mit Zahlen belegt: Nach wie vor sind nur 17 Prozent der Mitarbeiter in IT-Unternehmen Frauen. Woher kommt diese geringe Anzahl? Und wie fühlen sich diese 17 Prozent?"

    Während die Schlagzeile suggeriert, dass Frauen Software nicht entwickeln können (da Männer dies für sich beanspruchen bzw. ausgemacht ist, dass Software nur von Männern entwickelt werden kann bzw. soll), verweist der Nachspann auf eine ganz andere Thematik: Dass Frauen in der IT nicht arbeiten wollen. Damit wird plötzlich gar nicht mehr der Zugang zur Softwareentwicklung bzw. die Fähigkeit, diese zu entwickeln angesprochen, sondern die Bereitschaft in einer bestimmten Branche (mit welcher Tätigkeit und mit welchem Status auch immer) zu arbeiten. Die „Problemstellung“ schließlich hat weder mit der Schlagzeile noch dem Untertitel etwas zu tun. Hier soll geklärt werden, warum derzeit immer noch so wenig Frauen in der IT-Industrie in Festanstellung arbeiten (und der Anteil weiblicher Informatik-Studenten jüngst sogar noch weiter abnahm).

    Erstaunlicher Weise liefert der Artikel dann aber weder zur Schlagzeile, noch zum Untertitel noch zur „Problemstellung“ eine Antwort. Stattdessen werden -auf unterhaltsame Weise - 7 Frauen proträtiert, die alle auf individuelle Art und Weise dazu gekommen sind, in unterschiedlicher Eigenschaft im IT-Bereich zu arbeiten (festangestellt, selbstständig, derzeit ohne Festanstellung, unternehmerisch tätig etc.). Damit scheint das eigentliche Anliegen des Artikels zu sein aufzuzeigen, was es für unterschiedliche Lebenswege von Frauen zu (irgend) einer Tätigkeit mit IT-Bezug gibt, was durch den Hinweis auf die häufigen Quereinsteiger unter den einzelnen Frauen bestätigt zu werden scheint. Kurz gesagt: Es geht wohl hauptsächlich um Information oder Unterhaltung nicht aber um das Erörtern von gesellschaftlichen Problemen.

    Andererseits wird aber gerade das mehrfach betont: es wird verwiesen auf Vorurteile („häufige Argumente“, die „hinterfragt" werden sollen) und es stehen ja eindeutige Daten im Raum – mehr als 80 % Männer in (Festanstellung) der IT. Außerdem sollen sich die sieben Frauen dazu äußern, warum es diesen Unterscheid gibt und wie sie sich selbst fühlen. Ok, wenigstens etwas, könnte man sagen, also lese ich den Artikel. Aber auch hier sollte man zweimal hinschauen:

    2) Die Datenlage ist weder geeignet noch in der Lage, die Behauptung eines vorhandenen „Wollen“ oder „Können“ zu stützen. Sie gibt keine belastbaren Gründe für das geschlechtsspezifische Ungleichgewicht.

    Der Umstand, dass sieben Frauen erfolgreich in der IT-Branche arbeiten belegt nicht, dass eine Mehrheit von Frauen dies auch möchte (oder kann). Die Daten belegen lediglich, dass es diese Frauen gibt. Hier schließt Frau Lux wieder vom Besonderen auf das Allgemeine, was formallogisch nicht geht – ein Denkfehler der bereits in „Frauen in der Technik“ auftauchte.

    Die Frage nach dem allgemeingültigen „Frauen wollen in die IT“ (oder eben nicht) kann nur mit einer genauen Fragestellung über statistisch repräsentative Erhebungen beantwortet werden. Dazu sollten die Begrifflichkeiten klar sein ( „IT“, „in der IT arbeiten“ und „wollen“). Und es sollten klar definierte Gruppen befragt werden: Z. B. Abiturientinnen, erwerbsfähige Frauen in einer bestimmten Altersklasse bzw. mit einer bestimmten Qualifikation - sprich Gruppen, die in der Lage wären, „in der IT“ erwerbstätig zu sein, nicht aber solche, die dies bereits erfolgreich tun.

    Aber es gibt noch einen weiteren Kritikpunkt im Artikel von Frau Lux:

    3) Die Aussagen der einzelnen Frauen geben keine belastbare tendenzielle Antwort auf die Frage nach den Ursachen für den Geschlechterunterschied. Die von Frau Lux zitierten Argumente und Quellen belegen noch nicht einmal, dass es sich bei allen Frauen um tatsächlich qualifizierte Informatikerinnen handelt:

    Schaut man sich an, was auf die zentrale Frage nach dem Grund für das Ungleichgewicht geantwortet wird, ist das Ergebnis genauso bunt wie der Artikel: Frau 1 bemängelt fehlende Vorbilder; Frau 2 gibt keine Antwort; Frau 3 verweist auf die Schule; Frau 4 kritisiert Vorurteile, Frau 5 gibt ebenfalls keine Antwort; Frau 6 gibt keine frauenspezifische Antwort (Raketentechnik kann auch Männer abhalten) und Frau 7 fehlende Belastbarkeit.

    Last but not least ist für mich auffallend, dass vier von sieben Frauen gar keinen Abschluss in Informatik oder einem vergleichbaren Studiengang aufzuweisen scheinen. Selbstverständlich muss man nicht alles an einer Universität lernen, aber es werden Äpfel und Birnen miteinander verglichen, wenn das Beherrschen bestimmter Qualifikationen (z. B. Webseiten erstellen oder Apps für Mobiltelephone zu schreiben) gleichgesetzt wird mit einem vollständigen, zertifizierten Informatikstudium. Aus meiner Sicht belegt Frau Lux durch ihre seltsame Datenauswahl genau das Vorurteil, das sie angeblich widerlegen will – mal kurz im Café einen Drink mixen oder trendige Fotos machen (hübsch geschminkt und adrett lächelnd) , oder Tipps für das Leben in Deutschland geben (was den Hauptinhalt des Youtube-Kanals der ebenso gestylten Italienischen „IOS-Entwicklerin“ ausmacht, ich habe dort keinen Eintrag zu berühmten Entwicklerinnen gefunden und ich KANN Italienisch): Das wären für mich als Kunde von IT-Dienstleistungen sicherlich keine Qualifikationskriterien sondern würden eher möglicher Weise vorhandene Vorurteile bestätigen. Wegen Haftungsfragen (und der Nachvollziehbarkeit von Qualifikationen – anhand eines wissenschaftlich vorgegebenen Curriculums) hätte ich lieber jemand mit einem Universitätsabschluss. Sonst kann es nur heißen wie bei diesem Artikel: WYSIWYG.

    Fazit: Ich begrüße es, wenn interessant und unterhaltend geschrieben wird. Das kann Frau Lux zweifelsohne. Ich finde es auch bemerkenswert, dass in einem sehr technologielastigen Medium auch übergreifende gesellschaftliche Themen angesprochen werden. Sehr gut! Ich finde allerdings auch, dass Frau Lux mit der Art und Weise, wie sie schreibt, weder sich selbst noch dem Gleichstellungsthema einen Gefallen tut. Und Golem auch nicht. Wenn das das Anliegen ist.

    Ich warte auf den nächsten Artikel.

  2. Re: Frauen wollen gar nicht in der IT arbeiten? Ich möchte das gerne kommentieren!

    Autor: Handle 15.03.20 - 21:19

    +1, danke für deinen Beitrag.

  3. +1

    Autor: Clown 16.03.20 - 08:50

    +1

    If they have to advertise it, you either don't need it or it's crap.

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