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Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

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  1. Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: tritratrulala 15.06.20 - 09:43

    Der Ansatz ist zum Scheitern verurteilt, weil das einfach technisch nicht funktioniert. Es wird ja lediglich einfaches Beaconing über Bluetooth LE eingesetzt. Konkrete bedeutet das:

    - Sehr hohe Rate an False Positives: durch Wände hindurch werden teilweise Kontakte registriert und je nach Empfangsleistung auch auf größere Distanzen.

    - Sehr hohe Rate an False Negatives: bei schlechtem Empfang (schlechte Antenne im Handy, Verdeckung durch den Körper, Störung durch Reflektionen, Kollisionen bei stark belegtem 2.4Ghz-Netz) werden nahe Kontakte nicht also solche erkannt oder es werden lange Kontakte ggf. als mehrere, ungefährliche kurze Kontakte erkannt.

    Zusammengefasst: die Aussagekraft der Daten geht gegen Null.

    Und das gilt nur für den Idealfall, dass jeder immer sein Handy am Körper trägt, was natürlich nicht der Fall sein wird. Wenn die Leute ihre Handys bei der Arbeit, im Restaurant etc. auf den Tisch legen oder in die Handtasche, werden die Daten noch mehr verzerrt. Dazu kommen Leute, die ihre Handys zu Hause oder im Auto vergessen.

  2. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: soulflare 15.06.20 - 09:57

    Ich glaube nicht, dass man jetzt schon sagen kann, dass die App nutzlos ist. Ich würde die App eher als Experiment sehen. Es muss sich erst noch zeigen, ob das bei der Pandemieeindämmung helfen kann.

    Unplausibel ist es jedenfalls nicht, dass es helfen kann. Deine Kritikpunkte sind zwar berechtigt, schließen einen Nutzen aber nicht aus. Die App wird ja nicht das einzige verwendete Werkzeug zur Pandemiebekämpung, sondern ein unterstützendes Werkzeug sein. Es soll das erleichtern, was ohnehin schon die ganze Zeit gemacht wird: Das Nachverfolgen von Infektionsketten. Auch wenn nicht alle Kontakte erfasst wurden, werden wenigstens einige erfasst, die dann gewarnt sind. Um die Pandemie erfolgreich zu bekämpfen, müssen ja nicht zwangsläufig alle Ketten restlos abgeschnitten werden, sondern es reicht, weitere Übertragungen statistisch unwahrscheinlicher zu machen. Schwerwiegender würde ich das Problem mit den Falsch-Positiv-Kontakten einschätzen, weil die das Vertrauen in die App beeinträchstigen würden, wenn sie in großer Zahl auftreten. Aber ich glaube da muss man erstmal abwarten und schauen, wie häufig das in der Praxis überhaupt auftritt.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.06.20 09:58 durch soulflare.

  3. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: smonkey 15.06.20 - 10:02

    tritratrulala schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Ansatz ist zum Scheitern verurteilt, weil das einfach technisch nicht
    > funktioniert. Es wird ja lediglich einfaches Beaconing über Bluetooth LE
    > eingesetzt. Konkrete bedeutet das:
    >
    > - Sehr hohe Rate an False Positives: durch Wände hindurch werden teilweise
    > Kontakte registriert und je nach Empfangsleistung auch auf größere
    > Distanzen.
    >
    > - Sehr hohe Rate an False Negatives: bei schlechtem Empfang (schlechte
    > Antenne im Handy, Verdeckung durch den Körper, Störung durch Reflektionen,
    > Kollisionen bei stark belegtem 2.4Ghz-Netz) werden nahe Kontakte nicht also
    > solche erkannt oder es werden lange Kontakte ggf. als mehrere,
    > ungefährliche kurze Kontakte erkannt.
    >
    > Zusammengefasst: die Aussagekraft der Daten geht gegen Null.
    >
    > Und das gilt nur für den Idealfall, dass jeder immer sein Handy am Körper
    > trägt, was natürlich nicht der Fall sein wird. Wenn die Leute ihre Handys
    > bei der Arbeit, im Restaurant etc. auf den Tisch legen oder in die
    > Handtasche, werden die Daten noch mehr verzerrt. Dazu kommen Leute, die
    > ihre Handys zu Hause oder im Auto vergessen.

    Schön und gut. Aber was ist die Alternative?

  4. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: tritratrulala 15.06.20 - 10:11

    smonkey schrieb:
    >
    > Schön und gut. Aber was ist die Alternative?

    Verstehe den Einwand nicht. Es gibt genug Maßnahmen, die die Verbreitung von COVID-19 eindämmen sollen. Wenn der Ansatz über Tracking per Handy nicht funktioniert, brauchen wir keine besondere Alternative.

  5. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: tritratrulala 15.06.20 - 10:17

    soulflare schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich glaube nicht, dass man jetzt schon sagen kann, dass die App nutzlos
    > ist. Ich würde die App eher als Experiment sehen. Es muss sich erst noch
    > zeigen, ob das bei der Pandemieeindämmung helfen kann.
    >

    Stimmt, aber die Erfolgsaussichten sind sehr gering und stehen in keinem Verhältnis zu den Hoffnungen, die mit der App verknüpft sind. Das ist schon eine sehr merkwürdige Art der Technikgläubigkeit.

    >
    > Unplausibel ist es jedenfalls nicht, dass es helfen kann. Deine
    > Kritikpunkte sind zwar berechtigt, schließen einen Nutzen aber nicht aus.
    > Die App wird ja nicht das einzige verwendete Werkzeug zur
    > Pandemiebekämpung, sondern ein unterstützendes Werkzeug sein. Es soll das
    > erleichtern, was ohnehin schon die ganze Zeit gemacht wird: Das
    > Nachverfolgen von Infektionsketten.

    Nun, wenn man aber damit nur wenige Infektionsketten richtig erkennt, aber andererseits auch viele falsch-positive Infektionsketten erkennt, dann ist der Nutzen in Summe vielleicht sogar negativ. Es werden Ressourcen gebunden für die Verfolgung von falschen Infektionsketten.

    Das ist vergleichbar zu den Mammographien bei Brustkrebs, da wird ja auch schon länger darüber diskutiert, ob der ganze Aufwand in der Summe sinnvoll ist.

  6. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: smonkey 15.06.20 - 10:25

    tritratrulala schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > smonkey schrieb:
    > >
    > > Schön und gut. Aber was ist die Alternative?
    >
    > Verstehe den Einwand nicht. Es gibt genug Maßnahmen, die die Verbreitung
    > von COVID-19 eindämmen sollen. Wenn der Ansatz über Tracking per Handy
    > nicht funktioniert, brauchen wir keine besondere Alternative.

    Und schon geht`s los. Wir haben kein Tracking. Wir haben eine Tracing-App.

    Die nicht technischen Alternativen sind z.B. datenschutztechnisch katastrophale offen rumliegende Gästelisten im Restaurants. Ich meine aber, welche alternative Techniken haben wir?

  7. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: tritratrulala 15.06.20 - 10:31

    smonkey schrieb:
    > Und schon geht`s los. Wir haben kein Tracking. Wir haben eine Tracing-App.
    >

    Das ist Wortklauberei. Kann man so oder so bezeichnen, was die App macht. Entschuldige, dass ich deiner Meinung nach den falschen Begriff benutzt habe.

    > Die nicht technischen Alternativen sind z.B. datenschutztechnisch
    > katastrophale offen rumliegende Gästelisten im Restaurants. Ich meine aber,
    > welche alternative Techniken haben wir?

    Ich sehe keine. Der Mangel an Alternativen macht die App aber nicht besser, wenn sie unbrauchbar ist.

  8. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: smonkey 15.06.20 - 10:34

    tritratrulala schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > smonkey schrieb:
    > > Und schon geht`s los. Wir haben kein Tracking. Wir haben eine
    > Tracing-App.
    > >
    >
    > Das ist Wortklauberei. Kann man so oder so bezeichnen, was die App macht.
    > Entschuldige, dass ich deiner Meinung nach den falschen Begriff benutzt
    > habe.

    Ich finde, das ist ein ganz erheblicher Unterschied.

    > > Die nicht technischen Alternativen sind z.B. datenschutztechnisch
    > > katastrophale offen rumliegende Gästelisten im Restaurants. Ich meine
    > aber,
    > > welche alternative Techniken haben wir?
    >
    > Ich sehe keine. Der Mangel an Alternativen macht die App aber nicht besser,
    > wenn sie unbrauchbar ist.

    Die App ist aber in keinster Weise "unbrauchbar". Sie ist gewiss nicht perfekt und unfehlbar. Daraus abzuleiten die App sei "nutzlos" ist völlig falsch.

  9. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: soulflare 15.06.20 - 10:38

    tritratrulala schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Nun, wenn man aber damit nur wenige Infektionsketten richtig erkennt, aber
    > andererseits auch viele falsch-positive Infektionsketten erkennt, dann ist
    > der Nutzen in Summe vielleicht sogar negativ. Es werden Ressourcen gebunden
    > für die Verfolgung von falschen Infektionsketten.

    Grundsätzlich stimme ich dir bei deinen Punkten ja zu, ich glaube nur nicht, dass man den Nutzen der App jetzt schon bewerten kann, da bisher noch niemand weiß, wie groß die Falsch-Positiv und die Falsch-Negativ-Raten in der Praxis sein werden.

  10. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: tritratrulala 15.06.20 - 10:41

    soulflare schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > tritratrulala schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Nun, wenn man aber damit nur wenige Infektionsketten richtig erkennt,
    > aber
    > > andererseits auch viele falsch-positive Infektionsketten erkennt, dann
    > ist
    > > der Nutzen in Summe vielleicht sogar negativ. Es werden Ressourcen
    > gebunden
    > > für die Verfolgung von falschen Infektionsketten.
    >
    > Grundsätzlich stimme ich dir bei deinen Punkten ja zu, ich glaube nur
    > nicht, dass man den Nutzen der App jetzt schon bewerten kann, da bisher
    > noch niemand weiß, wie groß die Falsch-Positiv und die Falsch-Negativ-Raten
    > in der Praxis sein werden.

    Das stimmt natürlich, aber ich bin davon überzeugt, dass die Genauigkeit der App katastrophal sein wird. Ich habe mit Bluetooth LE für Indoor-Lokalisierung gearbeitet und kenne die Tücken der Technik. Und dann kommen noch die zahlreichen anderen Probleme dazu, die ich teilweise genannt habe.

  11. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: sphere 15.06.20 - 10:51

    Bruce Sneier hat das Thema sehr schön zusammengefasst:

    > It has nothing to do with privacy concerns. The idea that contact tracing can
    > be done with an app, and not human health professionals, is just plain dumb.

    https://www.schneier.com/blog/archives/2020/05/me_on_covad-19_.html

    Ich werde das Ding installieren, aber aus reiner Neugier, nicht weil ich erwarte, dass die App irgendwie nützlich sein könnte.

    Wenn wir mal die designbedingten Probleme beiseite lassen und so tun, als wäre BLE perfekt zur Abstandsmessung geeignet, bleibt immer noch das Thema Verbreitung.

    Im autoriären Singapur haben ~20 Prozent der Einwohner die dortige App (TraceTogether) installiert, in Island (Rakning C-19) sind es wohl ~ 38 Prozent, was der weltweit höchste Wert sein dürfte. Somit ergeben sich 4 Prozent (0,2×0,2 = 0,04) bzw. 14 Prozent (0,38×0,38 = 0,14) Wahrscheinlichkeit pro Kontakt, dass beide Personen die App installiert haben. Eine Studie aus UK (ich glaube Oxford) kam zum Ergebnis, dass man ca. 60 Prozent Abdeckung in der Bevölkerung braucht, damit das Ganze halbwegs wirksam ist (wiederum die technischen Themen komplett ignorierend).

    Wer glaubt im ernst, dass wir in DE auch nur annähernd diese Werte erreichen? Nebenbei: ca. 30 Prozent haben gar kein Smartphone. Demnach müssten knapp 90 Prozent aller Smartphone-Besitzer die App installieren, um auf 60 Prozent zu kommen. Völlig absurd.

    PS: Ja, man kann argumentieren, dass die 30 Prozent, die kein Smartphone haben, älter sind und damit weniger mobil etc. Ist mir alles klar, ändert aber an den grundsätzlichen Erwägungen nichts.

  12. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: wurstfett 15.06.20 - 10:55

    Die app tritt an gegen das Erinnerungsvermögen der infizierten. Contact tracing besteht momentan größtenteils daraus dass die Infizierten vom Gesundheitsamt gefragt werden mit wem sie denn in letzter Zeit Kontakt hatten. Keine ahnung was mir so im Kopf rum kinge wenn es mir kacke geht und ich dann die diagnose bekomme. ich denke eine sorgfältige liste meiner letzten Kontakte zu erstellen würe mir in der Situation jedenfall maximal schwer fallen. Wenn das jetzt ergänzt werden kann um eine Liste von Leuten die in Bluetoothreichweite waren kann das eigentlich nur ein Gewinn sein. Wenn mein Handy in Bluetothreichweite eines Infizierten war und ich dadurch ein Freiticket für einen Test gewonnen habe wäre mir das jedenfalls sehr recht. Auch wenn ich nach der Benachrichtigung mein Verhalten nur minimal ändere und zum beispiel mal ein paar tage homeoffice einlege kann das im zweifel ja schon helfen. Zusätzlich können die von dir beschreibenen Effekte sehr einfach durch feintuning minimiert werden. "benachrichtige alle die mehr als x mal Kontakt zum infizierten aufbauen konnten" wäre technisch sehr einfach umsetzbar und könnte mit der Zeit so angepasst werden dass nicht zu viele aber auch nicht zu weinige benachrichtigt werden.

  13. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: smonkey 15.06.20 - 11:04

    Natürlich gibt es auch mit der App false-positive und auch false-negative Resultate. Das bestreitet ja niemand. Allerdings werden die Raten weitaus niedriger sein, als z.B. die einer manuellen Kontaktverfolgung der Gesundheitsämter über öffentlich ausliegende Gästelisten.

  14. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: kellemann 15.06.20 - 11:26

    tritratrulala schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Ansatz ist zum Scheitern verurteilt, weil das einfach technisch nicht
    > funktioniert. Es wird ja lediglich einfaches Beaconing über Bluetooth LE
    > eingesetzt. Konkrete bedeutet das:
    >
    > - Sehr hohe Rate an False Positives: durch Wände hindurch werden teilweise
    > Kontakte registriert und je nach Empfangsleistung auch auf größere
    > Distanzen.

    Lieber einen Zuviel in Quarantäne geschickt als einen zu wenig, ich denke mit der Prämisse kann man durchaus leben. Außerdem, wie hoch ist die Chance, dass dein beschriebener Fall Eintritt? Die Nachbarn im Mehrfamilienhaus trifft man so ja auch mal auf dem Flur, dann ist der Kontakt ja da gewesen.

    > - Sehr hohe Rate an False Negatives: bei schlechtem Empfang (schlechte
    > Antenne im Handy, Verdeckung durch den Körper, Störung durch Reflektionen,
    > Kollisionen bei stark belegtem 2.4Ghz-Netz) werden nahe Kontakte nicht also
    > solche erkannt oder es werden lange Kontakte ggf. als mehrere,
    > ungefährliche kurze Kontakte erkannt.

    Ist der gleich Effekt wie jemand der die App gar nicht hat. Würde ich nicht derart überbewerten, es geht ja bei der App nicht darum, dass nun ein Allheilmittel geschaffen wurde.
    Es ist eines von vielen Instrumenten zur Eindämmung.

    > Zusammengefasst: die Aussagekraft der Daten geht gegen Null.
    >
    > Und das gilt nur für den Idealfall, dass jeder immer sein Handy am Körper
    > trägt, was natürlich nicht der Fall sein wird. Wenn die Leute ihre Handys
    > bei der Arbeit, im Restaurant etc. auf den Tisch legen oder in die
    > Handtasche, werden die Daten noch mehr verzerrt. Dazu kommen Leute, die
    > ihre Handys zu Hause oder im Auto vergessen.

    S.o. Wenn man am Ende genug Bausteine hat (Abstand, Masken, keine Massenveranstaltungen, diese App, usw.) dann machen alles Bausteine in Summe Sinn und helfen auch.

  15. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: tritratrulala 15.06.20 - 12:13

    kellemann schrieb:
    > Lieber einen Zuviel in Quarantäne geschickt als einen zu wenig, ich denke
    > mit der Prämisse kann man durchaus leben. Außerdem, wie hoch ist die
    > Chance, dass dein beschriebener Fall Eintritt? Die Nachbarn im
    > Mehrfamilienhaus trifft man so ja auch mal auf dem Flur, dann ist der
    > Kontakt ja da gewesen.
    >

    Nein. Es ist ja nicht "kostenlos", Leute in Quarantäne zu stecken. Das ist eine erhebliche psychische Belastung, man kann nicht zur Arbeit gehen, nichts in der Freizeit machen und so weiter. Zudem werden ggf. Ressourcen für Tests & co gebunden. Die Argumentation, dass die False Positives ja nicht so schlimm wären, ist extrem naiv. Sie können in der Realität deutlich gravierendere Folgen als False Negatives haben, je nachdem.

    >
    > Ist der gleich Effekt wie jemand der die App gar nicht hat. Würde ich nicht
    > derart überbewerten, es geht ja bei der App nicht darum, dass nun ein
    > Allheilmittel geschaffen wurde.
    > Es ist eines von vielen Instrumenten zur Eindämmung.
    >

    Nun, der zweifelhafte Nutzen der App wird dadurch allerdings weiter verwässert. Wir müssen davon ausgehen, dass die meisten Leute (> 60%) die App nicht installieren werden. Das zeigen Statistiken aus anderen Ländern. Wenn dann noch False Negatives aber auch False Positives dazukommen, plus ein falsches Gefühl der Sicherheit, was die Leute zu unsicherem Verhalten motiviert, ist die Bilanz wahrscheinlich negativ. Das heißt wir wären ohne App besser dran. Das ist zumindest meine Einschätzung.

    > S.o. Wenn man am Ende genug Bausteine hat (Abstand, Masken, keine
    > Massenveranstaltungen, diese App, usw.) dann machen alles Bausteine in
    > Summe Sinn und helfen auch.

    Bei bestimmten Maßnahmen ist die Wirksamkeit gut nachgewiesen, dazu gehört beispielsweise das Verbot von Massenveranstaltungen, das Abstandsgebot und Mund-Nase-Schutz. Die Tracing-Apps gehören aber nicht dazu. Die Sachlage und die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass es alles andere als eine sinnvolle Maßnahme ist.

  16. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: sphere 15.06.20 - 14:22

    tritratrulala schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > kellemann schrieb:
    > > Lieber einen Zuviel in Quarantäne geschickt als einen zu wenig, ich
    > denke
    > > mit der Prämisse kann man durchaus leben. Außerdem, wie hoch ist die
    > > Chance, dass dein beschriebener Fall Eintritt? Die Nachbarn im
    > > Mehrfamilienhaus trifft man so ja auch mal auf dem Flur, dann ist der
    > > Kontakt ja da gewesen.
    > >
    >
    > Nein. Es ist ja nicht "kostenlos", Leute in Quarantäne zu stecken. Das ist
    > eine erhebliche psychische Belastung, man kann nicht zur Arbeit gehen,
    > nichts in der Freizeit machen und so weiter. Zudem werden ggf. Ressourcen
    > für Tests & co gebunden. Die Argumentation, dass die False Positives ja
    > nicht so schlimm wären, ist extrem naiv. Sie können in der Realität
    > deutlich gravierendere Folgen als False Negatives haben, je nachdem.

    Die Diskussion läuft aufgrund falscher Annahmen. Die Unsicherheit bei den App-basierten Matches ist so groß, dass die Konsequenz natürlich nicht sein wird, dass man sich einfach für zwei Wochen in Quarantäne begibt, sondern dass ein Test folgt. Wie die Gesundheitsämter mit der Zeit bis zum Vorliegen des Ergebnisses umgehen, ist wohl relativ heterogen. Hier kommt es logischerweise darauf an, dass der Test schnell durchgefüht, ausgewertet und das Ergebnis mitgeteilt wird. Wenn die Erfahrung natürlich so aussieht, dass es nach einem Match via App zwei Wochen dauert, bis das Testergebnis da ist und man so lange zuhause warten soll, dann werden die User das genau einmal mitmachen.

  17. Die Frage ist, mit was man vergleicht...

    Autor: M.P. 15.06.20 - 16:06

    die Genauigkeit könnte größer sein, als die eines vom Gesundheitsamts-Mitarbeiter interviewten Infinzierten, der aus dem Gedächtnis Namen und Kontaktdaten seiner Kontaktpersonen der letzten 14 Tage aufsagen soll...

    Wenn im Schnitt nur eine potentliell infizierte Person weniger "durch die Lappen" geht, als mit Interviews alleine, hat die App einen Nutzen...

    Die Frage ist aber, ob man die Interviews mit gleicher Sorgfalt führt wie bisher - man hat ja jetzt die App - und nicht versucht, da zu rationalisieren und den lokalen Gesundheitamtssstab wieder auf "Friedensstärke" herunterfahren möchte, weil die anderen Ämter ihre Mitarbeiter wieder zurück wollen ...

    Daneben könnte es sein, dass man durch das Vorhandensein der App auf seinem Smartphone andere Maßnahmen weniger ernst nimmt ...



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.06.20 16:07 durch M.P..

  18. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: treysis 15.06.20 - 16:23

    tritratrulala schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Ansatz ist zum Scheitern verurteilt, weil das einfach technisch nicht
    > funktioniert. Es wird ja lediglich einfaches Beaconing über Bluetooth LE
    > eingesetzt. Konkrete bedeutet das:
    >
    > - Sehr hohe Rate an False Positives: durch Wände hindurch werden teilweise
    > Kontakte registriert und je nach Empfangsleistung auch auf größere
    > Distanzen.

    Um das zu minimieren wird ja auch die Sendestärke mitgesendet. Dann soll das empfangende Gerät daraus in etwas ermitteln, wie weit es vom Sender weg ist. Keine Ahnung, wie gut das funktioniert, und ist natürlich auch fehlerbehaftet.

    Aber wie andere sagten: es ist nur ein Baustein. Genauso, wie die Reisesperren ja auch nicht 100% galten, weil Warenverkehr ja noch weiter bestand.

  19. Re: Die Frage ist, mit was man vergleicht...

    Autor: scrumdideldu 16.06.20 - 14:11

    Aber das ist doch genau der Knackpunkt! Das Gesundheitsamt wird diese Arbeit weiter machen und das ist auch gut so! Sie sollten nur zeitnaher dran sein.

    Zusätzlich bekommen aber in den nächsten Wochen zig Leute eine Warnung auf dem Handy. Und was machen die Leute dann?

    Manche übernehmen eventuell ihre Verantwortung und begeben sich selbst - freiwillig und ohne rechtliche Grundlage - in Quarantäne. Das kann aber auch nicht jeder. Es mag noch Arbeitgeber geben die dann 2 Wochen Homeoffice durchwinken (sofern das möglich ist) aber Arbeitgeber die das nicht wollen oder wenn es auf Grund der Tätigkeit nicht geht?

    Ich weiß im Bekanntenkreis von 14 Personen die (theoretisch) in Quarantäne waren.

    "Theoretisch" weil ein Teil weiter zur Arbeit musste da die Anordnung erst kam als die Quarantäne schon um war oder am letzten oder vorletzten Tag und deren Arbeitgeber gesagt hat "Ohne Anordnung gibt es Urlaub oder unbezahlten Urlaub"! Und da man natürlich nicht weiß ob diese Anordnung überhaupt kommt (und ob die dann auch rückwirkend gilt?) sind die eben weiter zur Arbeit da kein HO möglich war.

    Zwei Leute haben "aus Notwehr" beim Arzt angerufen und sich mit erfundenen Symptomen telefonisch krank schreiben lassen. Aber das kann ja auch nicht die Lösung sein.

    Die Anordnungen sind da viel zu langsam. Ich kenne mehrere die das Schreiben im Briefkasten hatten als die Quarantäne bereits um war!

    Diese Warnung der App braucht eine Schnittstelle zum Gesundheitsamt! "Jetzt Quarantäneanordnung anfordern"!

  20. Re: Gut gemeint, aber leider prinzipbedingt nutzlos

    Autor: smonkey 16.06.20 - 19:43

    Was sind denn das für Arbeitgeber? Jeder halbwegs vernünftige AG wird doch keinen potentiell Infizierten in die Firma zwingen. Schon alleine aus eigenem Interesse, damit nicht Teile der übrigen Belegschaft ausfallen.
    Ich kenne mehrere Fälle im Bekanntenkreis wo Kontaktpersonen 2. Grade und selbst noch deren Angehörige nach Hause geschickt wurden.

    So oder so, ist das kein Problem der App. Im Gegenteil, die App erleichtert so die Arbeit der Gesundheitsämter was diese entlastet womit Anordnungen schneller umgesetzt werden können.

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