1. Foren
  2. Kommentare
  3. Wissenschaft
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Raumfahrt: Schimmelpilze als…

Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: n0x30n 27.07.20 - 12:29

    Da hat man sich immer gefagt, wie man tonnenweise Blei zur Abschirmung der Strahlung zum Mars transportieren soll und jetzt stellt sich raus, dass man das Habitat einfach nur zuschimmeln lassen muss.

  2. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: Eheran 27.07.20 - 14:47

    Das funktioniert nicht so, wie sich das manch einer hier vielleicht vorstellt.
    Der Wirkungsquerschnitt (die Wahrscheinlichkeit für die Interaktion des Photons mit dem Atom) interessiert sich nicht dafür, ob es Melamin, Wasser, Schimmel, Mensch oder Holz ist. Für Melamin bzw. Schimmel dürfte der ziemlich genau auf dem Niveau von Holz/Pflanzen/Mensch/Wasser sein, da es dabei um die Ordnungszahl des wechselwirkenden Elementes geht. Blei hat daher einen viel höheren Wirkungsquerschnitt und man brauch nicht 2m Wand, sondern halt z.B. 10cm Blei.
    Wenn ich also irgendwie den Schimmel da halten muss, dann kann ich auch gleich Holz hinpacken. Das ist wartungsärmer.

  3. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: countzero 27.07.20 - 15:06

    Eheran schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Blei hat
    > daher einen viel höheren Wirkungsquerschnitt und man brauch nicht 2m Wand,
    > sondern halt z.B. 10cm Blei.
    > Wenn ich also irgendwie den Schimmel da halten muss, dann kann ich auch
    > gleich Holz hinpacken. Das ist wartungsärmer.

    Der Vorteil von Schimmel wurde doch schon im Artikel genannt. Blei muss ich von der Erde mitbringen und Bäume wachsen auf dem Mars auch eher schlecht. Von den Schimmelpilzen nehmen ich nur ein paar Gramm mit, "befruchte" damit meine Wände aus lockerem Marsgestein und habe dadurch theoretisch einen deutlich besseren Strahlungsschutz.

  4. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: dbettac 27.07.20 - 15:11

    Auch hier: Beton aus Marsgestein ist leichter herzustellen, leichter zu verarbeiten und erfordert weniger Pflege. Auch die Dicke der benötigten Schicht ist die gleiche.

    Die Studie ist reiner Clickbait.

  5. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: M.P. 27.07.20 - 15:36

    Einen gewissen Mehr-Nutzen könnte man ggfs generieren. Wenn die durch Strahlungsenergie und mineralischen Nährstoffen entstandene Biomasse zu Nahrung verarbeiten könnte, hätte man einen Doppelnutzen, ähnlich wie bei einem Obstbaum.

  6. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: Eheran 27.07.20 - 16:03

    >Blei muss ich von der Erde mitbringen und Bäume wachsen auf dem Mars auch eher schlecht.
    Und woraus besteht der Schimmel, dass man diese Zutat nicht mitnehmen muss? Aus Marsgestein jedenfalls mal nicht, da wird die Wahl schnell eng. Bleibt höchstens noch Wasser, das kann man aber auch gleich selbst als Schutz und Wärmepuffer nehmen...

  7. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: n0x30n 27.07.20 - 17:01

    Er spricht von "ein paar Gramm" und du von "nicht mitnehmen".
    Der Vorteil von den Pilzen soll ja sein, dass sie durch Radiosynthese wachsen und man kann durch eine geschickte Struktur der Außenwand sicherlich auch eine recht dicke Schimmelschicht auf so ein Habitat aufbringen.
    All das für quasi nichts ist doch schon mal eine gute Sache.

    Und zu deinen anderen Argumenten.
    OK. Der Schimmel mag nicht so perfekt sein, wie eine 2m dicke Betonwand, aber das muss er auch nicht.
    Auf dem Mars muss keine Jahresdosis von 20 mSv eingehalten werden. Da geht es hauptsächlich darum eine akute Strahlenkrankheit zu verhindern. DNA und Erbgutsschädigungen nimmt man da sicherlich in Kauf. Das ist halt das Risiko was die Mission mit sich bringt.
    Zudem ist es ja nicht die einzige Maßnahme mit der man die Strahlung absorbieren könnte. Habitate sind ja auch noch aus zusätzlichen Materialien gebaut, die auch noch absorbieren.

    Das gute am Schimmel ist halt, dass er kaum etwas kostet.

  8. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: Eheran 27.07.20 - 18:22

    >All das für quasi nichts ist doch schon mal eine gute Sache.
    Nochmal meine Frage:
    Und woraus besteht der Schimmel, dass man diese Zutat nicht mitnehmen muss?
    Wenn all die Nährstoffe + Wasser für den Pilz "quasi nichts" sind, dann kann ich auch Mörtel mitnehmen und mit 90% Marsboden vermischt als Baumaterial nutzen. Der fungiert dann auch gleich als tragende Wand.

    Und durch Radiosynthese wachsen die da ganz sicher nicht in relevanten Mengen bei den kleinen Strahlendosen. Sonst wäre da ein Leben für Menschen ohnehin ausgeschlossen, weil in Stunden tödlich. Da schirmt auch ein bisschen Schimmel nicht gegen ab, da wären wir schon bei Meter-dicken Betonwände.

    >Da geht es hauptsächlich darum eine akute Strahlenkrankheit zu verhindern.
    Die bekommt auf dem Mars niemand. Oder auf dem Mond. Oder ISS oder sonstwo. Woher soll so viel Radioaktivität kommen?
    >DNA und Erbgutsschädigungen nimmt man da sicherlich in Kauf.
    Genau dagegen soll der helfen.

    >Das gute am Schimmel ist halt, dass er kaum etwas kostet.
    Woher kommt die Annahme? Jedes kg, dass man mitnimmt, kostet viel Geld. Egal ob das 1kg Mörtel oder 1g Schimmel+999g Wasser sind. Ersteres brauche ich für die Struktur, auf die der Schimmel soll, ohnehin. Die kann man nicht einsparen. Muss man also sinnvoller weise dort produzieren. Und dann braucht man auch keinen aufwändig zu erhaltenden Schimmel züchten, dann reicht auch einfach die Wand.

  9. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: countzero 27.07.20 - 20:06

    Eheran schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Egal ob das 1kg Mörtel oder 1g Schimmel+999g Wasser sind. Ersteres brauche
    > ich für die Struktur, auf die der Schimmel soll, ohnehin. Die kann man
    > nicht einsparen. Muss man also sinnvoller weise dort produzieren. Und dann
    > braucht man auch keinen aufwändig zu erhaltenden Schimmel züchten, dann
    > reicht auch einfach die Wand.

    Ich habe leider nicht wirklich gefunden, was bei der Radiosynthese für Stoffe verstoffwechselt werden, aber Wasser wird sicher nötig sein. Das sollte man aber am besten vor Ort finden, es mitzubringen wäre wahrscheinlich nicht wirtschaftlich.

    Dasselbe gilt für die meisten Baumaterialien. Die Idee ist wohl, dass ich statt einer zwei Meter dicken Mauer nur eine einen Meter dicke + Schimmel brauche.

  10. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: Eheran 27.07.20 - 20:21

    >Die Idee ist wohl, dass ich statt einer zwei Meter dicken Mauer nur eine einen Meter dicke + Schimmel brauche.
    Dann bräuchte man zum einen >2m Schimmel, da der schlechter (seltener) die Strahlung schluckt. Zum anderen wäre eine 1m Mauer schon viel zu viel, da sind keine derartigen Strahlungsdosen. Bei solch heftigen Strahlungsleveln wäre es schlicht nicht möglich, dort zu leben. Das Baumaterial wäre ja dann auch radioaktiv, daraus baut man alles und holt sich so die Strahlung rein. Da würde es auch keine Mars-Rover geben, die würden alle sofort komplett versagen.
    Aber wenn man da 10 Jahre lebt, dann wären eben auch erhöhte Strahlendosen unerwünscht und dagegen will man sich und die Elektronik schützen.

    >es mitzubringen wäre wahrscheinlich nicht wirtschaftlich.
    Eben. Daher einfach direkt aus Beton (bzw. das Mars-Equivalent) und gut ist.

  11. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: LadyDie 27.07.20 - 20:38

    Was sich hier an Antworten lesen lässt ist hanebüchend.

    Schön, das 30cm Schimmelschicht hochgerechnet ausreichend vor Strahlung schützt. Schön auch, das man nur wenige Gramm Schimmel mitnehmen muss, denn der wächst ja durch die Strahlung.
    Der Schimmel nutzt offenbar nur die ionisierende Energie um chemische Prozesse anzuwerfen. Die Chemie bringt dem Strahlenschutz aber nichts, da geht es um die Eigenschaften der Atomkerne und ihrer Dichte. Der Schimmel praktiziert sicherlich keine Kerntechnik.

    Ob jetzt 1 Gramm Schimmel und 1000kg organische Masse mitgenommen wird (die der Schimmel sich einverleiben darf), oder 1000kg effektiverem Strahlenschutz, da darf man ruhig mal warten was effektiver ist.

    Im besten Fall ist es ein lebendes Bindemittel für organische Abfälle aller Art.

  12. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: dbettac 28.07.20 - 10:13

    Ohne jemals Biologie studiert zu haben, kann ich Dir mit absoluter Zuverlässigkeit sagen, dass Kohlenstoff benötigt wird, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Stickstoff... und zwar in Konzentrationen, die dem Schimmel bekömmlich sind. Und ganz sicher auch noch mehr. Dazu kommt dann die Technik: Gewächshaus mit Heizung, Beleuchtung (nein, die Strahlung alleine wird nicht reichen, damit der Schimmel wächst), Bewässerung, Belüftung...

    Und das alles soll einfacher sein, als irgendeine Art Beton aus Marsgestein herzustellen?

  13. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: mnementh 28.07.20 - 11:56

    Eheran schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > >Blei muss ich von der Erde mitbringen und Bäume wachsen auf dem Mars auch
    > eher schlecht.
    > Und woraus besteht der Schimmel, dass man diese Zutat nicht mitnehmen muss?
    > Aus Marsgestein jedenfalls mal nicht, da wird die Wahl schnell eng. Bleibt
    > höchstens noch Wasser, das kann man aber auch gleich selbst als Schutz und
    > Wärmepuffer nehmen...

    Wenn diese Radiosynthese wirklich ähnlich zur Photosynthese abläuft, wird Biomasse aus CO₂ und H₂O generiert. Es wäre also die Frage, ob man das auf dem Mars aus dortigen Rohstoffen (Regolith) generieren kann. Wenn das der Fall ist, dann spart man sich tatsächlich Masse mitzubringen.

    Sind aber einige Wenn's auf dem Weg. Also mehr Forschung notwendig.

  14. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: maxule 28.07.20 - 13:51

    Eheran schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > [...] Das Baumaterial wäre ja dann
    > auch radioaktiv, daraus baut man alles und holt sich so die Strahlung rein.
    > Da würde es auch keine Mars-Rover geben, die würden alle sofort komplett
    > [...]
    > Eben. Daher einfach direkt aus Beton (bzw. das Mars-Equivalent) und gut
    > ist.
    Was ist nun böse, kosmische Strahlung oder radioaktiver Zerfall des Baumaterials?

  15. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: Eheran 28.07.20 - 19:17

    >Wenn diese Radiosynthese wirklich ähnlich zur Photosynthese abläuft
    Funktioniert sie zwar auf dem Papier, aber sinnvoll eben nur bei extremen, quasi sofort tödlichen Strahlungsleistungen.

  16. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: M.P. 31.07.20 - 12:03

    Ich bin in Biologie nicht so bewandert - gibt es keine Pilze, die sich rein von anorganischen Substanzen ernähren?
    Rein mineralisches "Pilzfutter" könnte man ja ggfs. vor Ort vorfinden ...

  17. Re: Wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann?

    Autor: Eheran 31.07.20 - 20:13

    Doch, das gibt es. Statt Kohlenstoff (er gibt Elektronen ab) mit Sauerstoff (nimmt Elektronen auf) zu oxidieren können auch andere Stoffe die Elektronen austauschen. Statt Sauerstoff können beispielsweise Nitrate (Nitratatmung), Eisen (Boden wird ab hier grau, kennt man vom Schlick bei Flüssen usw.), Sulfate (Sulfatatmung, das erzeugt den stinkenden Geruch wenn ein Gewässer o.ä. nach faulen Eiern stinkt) oder gar Essigsäure oder CO2 die Elektronen aufnehmen.
    Und statt Kohlenstoff halt auch eine beliebige Anzahl anderer Verbindungen, inkl. der Vorgenannten - aber nur von rechts nach links. Nitrat kann Eisen(II) zu (III) oxidieren, Eisen(III) kann Sulfid zu Sulfat oxidieren, Sulfate können Essigsäure oxidieren.

    Bis man auf dem Mars direkt Resourcen abgesehen von CO2 und Wasser gewinnt wird aber noch viiiel Zeit vergehen, da lohnt sich kein komplexer, am Leben zu erhaltenden Pilz, der ohnehin noch nach außen geschützt werden muss...

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Energieversorgung Mittelrhein AG, Koblenz
  2. AKDB Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern, Regensburg
  3. Netze BW GmbH, Karlsruhe
  4. Regierung von Oberbayern, München

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Top-Angebote
  1. ab 84,90€ auf Geizhals
  2. 86,51€ (Vergleichspreis 98,62€ + Lieferzeit, 103,78€ sofort verfügbar)
  3. 418,15€


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de