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Markfragmentierung -> Filesharing

Neue Foren im Freiraum! Raumfahrt und freie Software haben jetzt einen Platz, die Games tummeln sich jetzt alle in einem Forum.
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  1. Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: spyro2000 23.06.21 - 08:50

    Ganz simpel. War vor iTunes damals bei Audio auch so. Die Musik-Labels meinten allen Ernstes, ihren Kram jeweils exklusiv vermarkten zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Gelernt hat die Filmindustrie darauf nichts.

  2. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: HoffiKnoffu 23.06.21 - 11:41

    Nur weil es deinen Lieblingsfilm nicht im Kino um die Ecke gibt und du statt dessen sonstwohin fahren müsstest, setzt Du Dich dann ohne zu bezahlen ins Kino?

    Was für eine kranke Denke….

  3. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: px 23.06.21 - 11:44

    Macht er ja nicht, er lädt sich nen Film, guckt ihn, löscht ihn. Dafür zahlt er durch Werbung ein bisschen an einen Uploader und evtl. noch an einen Sharehoster. Fertig ist die Kiste. Er setzt sich in kein Kino, das gebaut, unterhalten und mit Strom versorgt werden muss. Er sitzt in seinem eigenen WZ, spart Co2 und zahlt alles andere.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 23.06.21 11:45 durch px.

  4. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: Oktavian 23.06.21 - 11:46

    > Macht er ja nicht, er lädt sich nen Film, guckt ihn, löscht ihn. Dafür
    > zahlt er durch Werbung ein bisschen an einen Uploader und evtl. noch an
    > einen Sharehoster. Fertig ist die Kiste.

    Und ist das "richtig", so im Sinne des kategorischen Imperativs?

    Es geht nicht um "sie sind ja selbst schuld". Das schiebt die Schuld dem Opfer zu, das machen wir auch nicht, wenn eine Frau nen kurzen Rock anhatte.

  5. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: px 23.06.21 - 11:50

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Macht er ja nicht, er lädt sich nen Film, guckt ihn, löscht ihn. Dafür
    > > zahlt er durch Werbung ein bisschen an einen Uploader und evtl. noch an
    > > einen Sharehoster. Fertig ist die Kiste.
    >
    > Und ist das "richtig", so im Sinne des kategorischen Imperativs?
    >
    > Es geht nicht um "sie sind ja selbst schuld". Das schiebt die Schuld dem
    > Opfer zu, das machen wir auch nicht, wenn eine Frau nen kurzen Rock
    > anhatte.

    Richtig ist ja schon Interpretationssache. Sagen wir, es funktioniert, denn das tut es offensichtlich. Das ist alles kein neues Thema, weder ist die Musikindustrie zu Grunde gegangen, noch die Filmindustrie, eher im Gegenteil. Es schießen immer neue Plattformen auf dem Boden, die um die 10¤ monatlich kassieren und reichlich Kunden einsammeln. Kein Wunder, dass es nach wie vor keinen so richtig kratzt, dass Filesharing nach wie vor einfach möglich ist.

    Hier von Opfer zu sprechen, finde ich schon arg gewagt. Wer genau soll das Opfer sein? Und worin besteht dann genau der Schaden? Weil sich alle, die einen Film streamen oder runterladen alternativ eine Kinokarte gelöst hätten?

  6. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: Oktavian 23.06.21 - 12:09

    > > > Macht er ja nicht, er lädt sich nen Film, guckt ihn, löscht ihn. Dafür
    > > > zahlt er durch Werbung ein bisschen an einen Uploader und evtl. noch
    > an
    > > > einen Sharehoster. Fertig ist die Kiste.
    > >
    > > Und ist das "richtig", so im Sinne des kategorischen Imperativs?
    > >
    > > Es geht nicht um "sie sind ja selbst schuld". Das schiebt die Schuld dem
    > > Opfer zu, das machen wir auch nicht, wenn eine Frau nen kurzen Rock
    > > anhatte.
    >
    > Richtig ist ja schon Interpretationssache.

    Nein, genau das ist es nicht, das hat uns bereits Kant gelehrt.

    > Sagen wir, es funktioniert, denn
    > das tut es offensichtlich.

    Es funktioniert trotzdem, weil wenige sich falsch verhalten und die meisten sich richtig verhalten. Die Frage nach Kant ist ja, wenn wir die von Dir dargestellt Verhaltensweise zu einem allgemeinen Prinzip erheben, an das sich jeder hält, funktioniert es dann auch?

    > Hier von Opfer zu sprechen, finde ich schon arg gewagt. Wer genau soll das
    > Opfer sein?

    Der, dessen Werk man unentgeltlich konsumiert, dem man den gerechten Lohn dafür vorenthält und trotzdem die Leistung in Anspruch nimmt.

    > Und worin besteht dann genau der Schaden? Weil sich alle, die
    > einen Film streamen oder runterladen alternativ eine Kinokarte gelöst
    > hätten?

    Nein, nicht alle, aber einige.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 23.06.21 12:25 durch Oktavian.

  7. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: px 23.06.21 - 12:32

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Sagen wir, es funktioniert, denn
    > > das tut es offensichtlich.
    >
    > Es funktioniert trotzdem, weil wenige ist falsch verhalten und die meisten
    > sich richtig verhalten. Die Frage nach Kant ist ja, wenn wir die von Dir
    > dargestellt Verhaltensweise zu einem allgemeinen Prinzip erheben, an das
    > sich jeder hält, funktioniert es dann auch?

    Gute Frage. Nach den derzeitigen Regeln nicht. Keiner behauptet, dass es die Lösung wäre, jegliche geistige oder kreative Leistung einfach gratis bereitzustellen. Es gibt viele Ansätze, ein gerechtes System zu etablieren, dass beiden Seiten gerecht werden könnte. Dass es eine nicht unerhebliche Zahl "Schwarzseher" gibt, spricht doch weniger für den Verfall der Moral als für ein schlechtes System. Wir sprechen doch hier nicht von Schwerverbrechern, die um jeden Preis das Gesetz brechen wollen, aus schlichter Bosheit heraus.

    > > Hier von Opfer zu sprechen, finde ich schon arg gewagt. Wer genau soll
    > das
    > > Opfer sein?
    >
    > Der, dessen Werk man unentgeltlich konsumiert, dem man den gerechten Lohn
    > dafür vorenthält und trotzdem die Leistung in Anspruch nimmt.

    Wir sprechen hier in den meisten Fällen von Hollywood-Studios. Meinst du, Raubkopien stellen für einzelne Mitarbeiter dieser Studios einen konkreten Schaden dar? Ist das überhaupt denkbar, wenn weiterhin aberwitzig teure Produktionen gefahren werden?

    > > Und worin besteht dann genau der Schaden? Weil sich alle, die
    > > einen Film streamen oder runterladen alternativ eine Kinokarte gelöst
    > > hätten?
    >
    > Nein, nicht alle, aber einige.

    Kann man so kaum diskutieren, weil es eine reine Annahme ist. Lt. der Studios ist ja erstmal jeder, der einen Film "gratis" schaut ein verlorener Kartenkäufer. Ich halte den tatsächlichen, aber kaum zu ermittelnden Schaden, für äußerst gering. Und ich sehe diese Annahme darin bestätigt, dass keine Industrie bisher auch nur annähernd zu Grunde gegangen ist. Im Gegenteil, sie wurden zu neuen, besseren Geschäftsmodellen gezwungen statt auf alten, unpraktischen, aber für die Vertreiber bequemen Modellen zu beharren.

  8. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: leonardo-nav 23.06.21 - 12:42

    Oktavian schrieb:
    > Nein, genau das ist es nicht, das hat uns bereits Kant gelehrt.

    Du willst hier nicht wirklich das Wort des Herren als Wahrheit verkaufen, der glaubte, einen Gottesbeweis gefunden zu haben.

    > Es funktioniert trotzdem, weil wenige sich falsch verhalten und die meisten
    > sich richtig verhalten. Die Frage nach Kant ist ja, wenn wir die von Dir
    > dargestellt Verhaltensweise zu einem allgemeinen Prinzip erheben, an das
    > sich jeder hält, funktioniert es dann auch?

    Ein allgemeines Prinzip inwiefern? Dass dann jeder nur noch "illegal" streamt? Hier stößt halt der kategorische Imperativ - wie immer, versucht man ihn, in der Realität anzuwenden - an seine Grenzen, weil die Situation, die wir uns vorstellen müssten, komplett hanebüchen und nicht realistisch ist.

    Denk doch lieber mal darüber nach, dass "illegales" Streaming und P2P den Filmstudios auch hilft, da darüber größere Verbreitung stattfindet. Game of Thrones wäre doch ohne "illegale" Zuschauer niemals so groß geworden. Nie.

  9. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: Oktavian 23.06.21 - 12:48

    > Gute Frage. Nach den derzeitigen Regeln nicht.

    Okay,

    > Dass es eine nicht unerhebliche
    > Zahl "Schwarzseher" gibt, spricht doch weniger für den Verfall der Moral
    > als für ein schlechtes System.

    Übertragen wir das mal in einen anderen Lebensbereich. Es gibt ziemlich viele Leute, die in Tempo 30 Zonen zu schnell fahren. Spricht das für ein schlechtes System?

    Es gibt ziemlich viele Ladendiebe. Spricht das für ein schlechtes System?

    Aus dem Bruch einer Regel die Notwendigkeit ableiten zu wollen, diese Regel ändern zu müssen, ist gewagt. Viele Regeln sind ziemlich gut, auch wenn dagegen verstoßen wird.

    > Wir sprechen doch hier nicht von
    > Schwerverbrechern, die um jeden Preis das Gesetz brechen wollen, aus
    > schlichter Bosheit heraus.

    Nein, wir sprechen hier von kleinen Geizhälsen, die genau wissen, dass ihr Tun Unrecht ist, die sich das "Recht" auch leisten könnten, die den Konsumverzicht problemlos aushalten könnten, sie sich aber einfach sicher genug fühlen, schon nicht erwischt zu werden.

    Denn denk auch dran, wir reden hier nicht vom Bedürfnis nach Kleidung, Wasser, Nahrung und Wärme. Wir reden von nem Film, nem Programm, nem Musikstück. Nichts essentiellen, für das man es rechtfertigen kann, zum Regelbrecher zu werden.

    > Ist das überhaupt denkbar, wenn weiterhin aberwitzig teure
    > Produktionen gefahren werden?

    Ist das relevant? Wir reden doch gerade über Moral, ob es richtig ist.

    Ist ein Diebstahl oder Betrug deswegen moralisch vertretbar, weil man einen Reichen bestiehlt oder betrügt?

  10. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: Oktavian 23.06.21 - 12:56

    > > Nein, genau das ist es nicht, das hat uns bereits Kant gelehrt.
    >
    > Du willst hier nicht wirklich das Wort des Herren als Wahrheit verkaufen,
    > der glaubte, einen Gottesbeweis gefunden zu haben.

    Ich empfinde Newtons Beschreibung der Gravitation auch als sehr nützlich und in weiten Teilen richtig, und wenn Du wüsstest, womit sich der Kerle in weiten Teilen seiner Zeit so alles beschäftigt hat...

    Und da Kant ja eine Anstellung als Professor für Logik und Metaphysik hatte, wurden solche Versuche auch einfach von ihm erwartet. Das war sein Job. Gottes Existenz war zu der Zeit weitgehend unstrittig.

    > Ein allgemeines Prinzip inwiefern? Dass dann jeder nur noch "illegal"
    > streamt?

    Es geht um die Maxime der Handlung, nicht um die Handlung selbst. Die Maxime der Handlung ist, dass es okay ist, sich Leistungen anderer unentgeltlich zu verschaffen, solange die Leistung immateriell ist.

    > Denk doch lieber mal darüber nach, dass "illegales" Streaming und P2P den
    > Filmstudios auch hilft, da darüber größere Verbreitung stattfindet. Game of
    > Thrones wäre doch ohne "illegale" Zuschauer niemals so groß geworden. Nie.

    Sollten wir die Entscheidung darüber, wer welchen Verbreitungsweg bevorzugt, nicht denen überlassen, die die eigentliche Leistung erbracht haben, deren Werk es ist?

  11. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: Teeklee 23.06.21 - 13:11

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Übertragen wir das mal in einen anderen Lebensbereich. Es gibt ziemlich
    > viele Leute, die in Tempo 30 Zonen zu schnell fahren. Spricht das für ein
    > schlechtes System?

    Klar, wenn eine Straße sicher erscheint und eine Beschränkung als Grundlos erscheint, dann wird es mehr Leute geben, die dann einfach schneller Fahren. Leute wollen keine Grundlosen Beschränkungen.

    > Es gibt ziemlich viele Ladendiebe. Spricht das für ein schlechtes System?

    Kann es schon. Vielleicht ist die Kluft zwischen Arm und Reich zu groß? Vielleicht kann man von Hartz 4 nicht leben? Vielleicht herrscht eine soziale Ungerechtigkeit?

  12. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: px 23.06.21 - 13:37

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Dass es eine nicht unerhebliche
    > > Zahl "Schwarzseher" gibt, spricht doch weniger für den Verfall der Moral
    > > als für ein schlechtes System.
    >
    > Übertragen wir das mal in einen anderen Lebensbereich. Es gibt ziemlich
    > viele Leute, die in Tempo 30 Zonen zu schnell fahren. Spricht das für ein
    > schlechtes System?
    >
    > Es gibt ziemlich viele Ladendiebe. Spricht das für ein schlechtes System?

    Wenn wir tatsächlich nur über die moralische Frage in erster Instanz sprechen, sind Filesharer sicher schuldig. Daran schließt sich aber auch die Frage über die Höhe der Schuld an. Wenn jemand in deinem Bespiel 32 fährt, macht er sich eines Verstoßes schuldig. Strafe? Fehlanzeige, zur geringe Schuld könnte man sagen. Wie hoch mag die Schuld sein, wenn man einen Film gratis streamt, für den man schon vorab keine Kinokarte gekauft hätte?

    Und dann stellt sich bei der Schuld doch auch die Frage, wem genau man etwas schuldet. Du sagst, dem kreativ schaffenden. Ich behaupte, diese schwer greifbare Person erleidet keinen feststellbaren Schaden. Moralisch also wenig signifikant.

    > Aus dem Bruch einer Regel die Notwendigkeit ableiten zu wollen, diese Regel
    > ändern zu müssen, ist gewagt. Viele Regeln sind ziemlich gut, auch wenn
    > dagegen verstoßen wird.

    Regeln sind nie perfekt, waren sie nie, werden sie nie sein. Nicht jede Regel, die nicht perfekt ist, muss zwingend geändert werden, auch weil niemand garantieren kann, dass sie danach objektiv perfekter wäre. Ausnahmen bestätigen die Regel. Dass Mord nicht duldbar ist, kann man schwer perfektionieren. Die Verwertung von Rechten dagegen könnte man problemlos besser gestalten. Will nur keiner, weil es Arbeit und Aufwand bedeutet um am Ende sehr wahrscheinlich den Gewinn schmälert, für eine Industrie, die nur zu diesem Zweck existiert und die es gewohnt ist, abzukassieren, was immer sie sich vorstellt. Soweit zur Moral. Du gehst davon aus, Preise für kreative Werke wären angemessen. Darüber könnte man im Einzelnen auch diskutieren.

    > > Wir sprechen doch hier nicht von
    > > Schwerverbrechern, die um jeden Preis das Gesetz brechen wollen, aus
    > > schlichter Bosheit heraus.
    >
    > Nein, wir sprechen hier von kleinen Geizhälsen, die genau wissen, dass ihr
    > Tun Unrecht ist, die sich das "Recht" auch leisten könnten, die den
    > Konsumverzicht problemlos aushalten könnten, sie sich aber einfach sicher
    > genug fühlen, schon nicht erwischt zu werden.

    Ist Geizhals in Deutschland eine Beleidigung oder eine Anerkennung? Manche Landstriche rühmen sich damit, insofern schwierig einzustufen. Gibt sogar eine gleichbenannte Website ;-) Die Leute machen ja nicht auf Dagobert Duck, sie konsumieren auch sonst reichlich. Und du hast absolut recht, sie fühlen sich sicher genug, nicht erwischt zu werden. Ungefähr so, als wenn man in der 30er-Zone 32 km/h fährt. Die meisten Menschen sind psychisch stabil genug, damit klar zu kommen, schätze ich :-) Wobei ich das Beispiel lieber zum 110 km/h bei 100 wechseln würde, weil ich überhöhte Geschwindigkeit in verkehrsberuhigten Zonen ungleich kritischer sehe als Filesharing. Bei einem geht es um das leibliche Wohl von Menschen, beim anderen bestenfalls um wenige Euros Profit.

    > Denn denk auch dran, wir reden hier nicht vom Bedürfnis nach Kleidung,
    > Wasser, Nahrung und Wärme. Wir reden von nem Film, nem Programm, nem
    > Musikstück. Nichts essentiellen, für das man es rechtfertigen kann, zum
    > Regelbrecher zu werden.

    Das ist wie du schon sagtest eine Frage der Hürde. Wenn es so einfach ist, wie es ist, braucht es keine essentielle Begründung. Als Badass fühlt man sich da wohl eher auch nicht...

    > > Ist das überhaupt denkbar, wenn weiterhin aberwitzig teure
    > > Produktionen gefahren werden?
    >
    > Ist das relevant? Wir reden doch gerade über Moral, ob es richtig ist.

    Man neigt doch dazu, Moral zu rechtfertigen. Offensichtlich gibt es keine allgemeingültige Moral in Sachen Filesharing. Für viele ist es völlig ok, andere setzen es mit beliebigen Arten von Unrecht gleich. Insofern versuchte ich damit darzulegen, dass dieser Standpunkt auch durch reale Beobachtungen gedeckt werden könnte.

    > Ist ein Diebstahl oder Betrug deswegen moralisch vertretbar, weil man einen
    > Reichen bestiehlt oder betrügt?

    Ist Robin Hood ein Schwerkrimineller oder Held der Armen und Bedürftigen? Eine Frage des Standpunktes, nehme ich an. Und nein, ich setze Filesharer nicht mit Robin Hood gleich :D Es geht nur um das Prinzip, dass des einen Leid für den anderen durchaus moralisch zu rechtfertigen sein kann, ja sogar meistens ist.

  13. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: Oktavian 23.06.21 - 14:01

    > Wenn wir tatsächlich nur über die moralische Frage in erster Instanz
    > sprechen, sind Filesharer sicher schuldig.

    > Daran schließt sich aber auch
    > die Frage über die Höhe der Schuld an. Wenn jemand in deinem Bespiel 32
    > fährt, macht er sich eines Verstoßes schuldig. Strafe? Fehlanzeige,

    Doch doch, wenn jemand beweisbar 32 gefahren ist, wo 30 erlaubt ist, wird er verwarnt, mit 10 bis 15 EUR. Die Messgeräte haben aber eine gewisse Messtoleranz, so dass man bis zu einer gemessenen Geschwindigkeit von 33 meist Glück hat, denn die Toleranz muss natürlich immer zugunsten des Beschuldigten ausgelegt werden.

    > Und dann stellt sich bei der Schuld doch auch die Frage, wem genau man
    > etwas schuldet.

    Nein, damit schmeißt Du zwei Schuldbegriffe durcheinander. Das eine ist die moralische und die juristische Schuld. Die entsteht dadurch, dass man sich an einem Wert (moralisch) oder an einem Gesetz (juristisch) vergriffen hat. Dazu muss man nicht mal eine konkrete Person oder Institution geschädigt haben.

    Das andere ist der Schaden. Den kann man beziffern oder schätzen, und dafür braucht man ein Opfer.

    > Ist Geizhals in Deutschland eine Beleidigung oder eine Anerkennung?

    Ich halte es da mit den Stoikern, die Mäßigung gepredigt haben. Geiz ist zu vermeiden, Verschwendung ebenso.

    > Das ist wie du schon sagtest eine Frage der Hürde. Wenn es so einfach ist,
    > wie es ist, braucht es keine essentielle Begründung. Als Badass fühlt man
    > sich da wohl eher auch nicht...

    Ist ein Diebstahl deshalb moralisch weniger schlecht, wenn die Türe nicht abgeschlossen war?

    > Man neigt doch dazu, Moral zu rechtfertigen. Offensichtlich gibt es keine
    > allgemeingültige Moral in Sachen Filesharing.

    Ach doch, wenn man mal ganz tief im eigenen Bewusstsein gräbt, moralisch ist die Sache einfach. Man schüttet das nur gerne zu und schürzt ziemlich viele Punkt vor, um sich da selbst zu beruhigen. Wenn man das so von außen sieht, ist das schon ein wenig ekelig.

    > Ist Robin Hood ein Schwerkrimineller oder Held der Armen und Bedürftigen?

    Er lebte in einem Umfeld von Unrecht und hat gestohlen, um Nahrung für Witwen und Waisen zu kaufen, so die Geschichte. In vielen Kulturen ist der Diebstahl zum Zweck des reinen Überlebens moralisch gerechtfertigt.

    Er hat das nicht getan, um sich und seiner Gang vergnügliche Stunden zu bereiten.

  14. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: RuDeGoD 23.06.21 - 16:51

    Filesharing ist moralisch nicht durch die Struktur des Marktes gerechtfertigt, da hast du recht.

    Aber wo wir gerade beim Thema Moral sind ... die Höhe der von den Unternehmen angesetzten und von den Anwälten eingeforderten Beträge entspricht nicht ansatzweise dem tatsächlich entstandenen Schaden.

    Wenn man also schon jemanden mit dem Hinweis auf den Kategorischen Imperativ an die beste moralische Leitlinie erinnern will, die es gibt ... dann versuch es mal in Diskussionen mit den Unternehmen, die sich an der sehr ausbeuterischen Rechtedurchsetzung eine goldene Nase verdienen. :)

    Denn verglichen mit dem "potentiellen möglichen aber oft nicht existierenden Schaden" bei Filesharing ist der Schaden den diese Unternehmen zur eigenen Bereicherung anrichten sehr real und messbar.

    Dazu kommt ... wenn man bereits für das nachgewiesene Teilen von 0,01% eines Films zu so einer Strafe genötigt wird, da klingeln bei mir sämtliche Alarmglocken in Sachen Beweisführung und Verhältnismäßigkeit.

  15. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: Teeklee 23.06.21 - 16:59

    Bei den Leuten gilt halt: Was in Gesetzt steht = moralisch Gut, gegen das Gesetz zu verstoßen ist moralisch schlecht.

    Das aber Gesetze oder Richtlinien selbst moralisch schlecht, oder moralisch schlechtes Verhalten fördern ist denen egal.

    Das Moral Argument empfinde ich hier als heuchlerisch, wenn man sich die Forderungen und Drohungen, die gestellt werden, anschaut.

  16. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: interlingueX 24.06.21 - 01:50

    leonardo-nav schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Oktavian schrieb:
    > > Nein, genau das ist es nicht, das hat uns bereits Kant gelehrt.
    >
    > Du willst hier nicht wirklich das Wort des Herren als Wahrheit verkaufen,
    > der glaubte, einen Gottesbeweis gefunden zu haben.

    Kant hat sich eher mit der Thematik auseinandergesetzt als einen Beweis gefunden:
    „Insofern erbringt Kant keinen Gottesbeweis im logisch-philosophischen Sinne.“
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gottesbeweis

    Kurt Gödel und G. W. Leibniz haben sich übrigens auch mit Gottesbeweisen auseinandergesetzt. Giftest du jetzt konsequenterweise auch gegen die moderne Mathematik? Argumentativ gesehen hast du dich ja bereits beim Aufwärmen bereits stark verhoben (-> Krampf).

    (etwas einfacher ausgedrückt: „Wenn du nicht willst, dass man dich disst, schreib' über'n Kant net so 'nen Mist.“)

    ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
    Also, ich bin Generation A. Trends muss man setzen, bevor es zu spät ist.

  17. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: WhatTheHack 24.06.21 - 06:05

    > Es geht nicht um "sie sind ja selbst schuld". Das schiebt die Schuld dem
    > Opfer zu, das machen wir auch nicht, wenn eine Frau nen kurzen Rock
    > anhatte.

    Es gibt aber auch Länder da wird ne vergewaltigte Frau verhaftet weil sie Sex vor der Ehe hatte.

  18. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: px 24.06.21 - 11:53

    Teeklee schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei den Leuten gilt halt: Was in Gesetzt steht = moralisch Gut, gegen das
    > Gesetz zu verstoßen ist moralisch schlecht.
    >
    > Das aber Gesetze oder Richtlinien selbst moralisch schlecht, oder moralisch
    > schlechtes Verhalten fördern ist denen egal.
    >
    > Das Moral Argument empfinde ich hier als heuchlerisch, wenn man sich die
    > Forderungen und Drohungen, die gestellt werden, anschaut.

    Sehe ich auch so, aber da kann man endlose Diskussionen führen... das wird am Ende noch philosophisch, wegen einer paar Raubkopien... Ist doch noch nicht Freitag.

  19. Re: Markfragmentierung -> Filesharing

    Autor: ufo70 24.06.21 - 13:43

    Es wurde doch genau. so. prophezeit. Eine Fragmentierung wird die Leute wieder zu den Tauschbörsen treiben und so ist es gekommen.
    Abmahnwellen haben das in der Vergangenheit nicht unterbunden und werden es auch jetzt nicht tun.

    Die Musikindustrie hat es sehr spät mit blutiger Nase kapiert und irgendwann endlich einzelne MP3 ohne DRM angeboten und Streaming geht mittlerweile auch rel. problemlos.
    Die Filmindustrie will sich wohl erst selber eine blutige Nase holen bevor sie kapiert, dass zu viel Gier am Ende weniger bringt. Dabei war sie zwischenzeitlich auf einem guten Kurs.

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