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"unspezifischen Symptomem"

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  1. "unspezifischen Symptomem"

    Autor: /mecki78 26.07.21 - 14:41

    Was daran liegt, des gar keine direkten Symptome sind.

    Burnout ist einfach nur ein bescheuertes Hipster Kunstwort für "Überarbeitung". Und gemeint ist hier nicht körperliche Überarbeitung, die sich direkt körperlich bemerkbar macht (Muskelkater, Gelenkschmerzen, Sehnenschneideentzündung, usw.), sondern geistige Überarbeitung, die sich gar nicht direkt körperlich bemerkbar macht, denn wenn unser Gehirn überarbeitet ist, wirkt sich das erst einmal nicht auf dem Körper aus.

    Körperliche Auswirkungen entstehen hier höchstens langfristig und indirekt, da die betroffenen Personen nicht länger entspannen bzw. abschalten können, weil deren Gehirn im Dauerarbeitsmodus gefangen ist. Wer aber nicht entspannen oder auch mal komplett abschalten kann, der hat dauerhaft einen erhöhten Stresslevel oder kann oft auch nicht einschlafen und erst das führt dann zu körperlichen Problemen, die komplett unterschiedlich ausfallen, weil bei jedem Menschen andere Organe unterschiedliche sensibel auf Stresshormone oder Schlafmangel reagieren.

    Die eigentlichen Symptome geistiger Überarbeitung sind nicht körperlicher Natur, sondern resultieren in Antriebslosigkeit (man kann sich einfach nicht für wichtige Arbeiten motivieren, weil der Körper mit der Dopaminproduktion nicht nachkommt), Konzentrationsschwäche (es fällt schwer den Fokus länger als 5 Minuten auf eine Sache zu richten, man schweift ständig geistig ab, weil das Gehirn hyperaktiv ist) und eine massive Abnahme der Gehirnleistung (einfaches Kopfrechnen oder einfache Logikaufgaben scheinen einen auf einmal zu überfordern, da Nervenverbindungen überreizt sind).

    Ein Gehirn ist wie ein Muskel: Es braucht auch Ruhephasen, vor allem durch ausreichend Schlaf, und wenn es überanstrengt wurde, auch mal Regenerationsphasen, wo es auch tagsüber mal über einen längeren Zeitraum "geschont" wird und eben keine große Leistung erbringen muss. Jedes Körperteil im Dauereinsatz verschleißt und erleidet irgendwann mal Schaden, da ist ein Gehirn keine Ausnahme.

    /Mecki

  2. Re: "unspezifischen Symptomem"

    Autor: BlindSeer 26.07.21 - 14:45

    Naja, es ist kein Hipsterwort für Überarbeitung, sondern eine Unterform der Depression AFAIK. Aber sonst hast du recht.

  3. Re: "unspezifischen Symptomem"

    Autor: Tuxraxer007 26.07.21 - 15:49

    BlindSeer schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Naja, es ist kein Hipsterwort für Überarbeitung, sondern eine Unterform der
    > Depression AFAIK. Aber sonst hast du recht.
    Jepp, so ist es, Burn-Out ist eine Art der Depression und gehört in ärtzliche Behandlung. Unser Betriebsarzt hat dazu mal einen sehr guten Vortrag gehalten, so wegen Früherkennung und so.

  4. Re: "unspezifischen Symptomem"

    Autor: /mecki78 26.07.21 - 16:08

    BlindSeer schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Naja, es ist kein Hipsterwort für Überarbeitung, sondern eine Unterform der
    > Depression AFAIK.

    Niemand bekommt Burnout davon, dass er den ganzen Tag lang nichts tut. Die Ursache dafür ist immer Überarbeitung.

    Depression hingegen kann man auch bekommen, wenn man nichts tut, bzw. genau deswegen bekommen sogar viele Depressionen, denn den ganzen Tag nutzlos herum zu hängen empfinden viele als deprimierend und wenn das zum Dauerzustand wird, dann ist die Depression nicht weit.

    Daher halt ich nicht viel von dieser Einstufung. Zu sagen das ist beides das Gleiche, nur weil beides mit einem Dopaminmangel einhergeht, ist wie zu sagen "Alle Krankheiten sind gleich, wenn sie Fieber auslösen".

    Der Unterschied ist, dass Menschen mit Burnout einfach zu viel Dopamin verbrauchen und somit der Dopaminmangel entsteht, denn Dopamin ist eine begrenzte Ressource. Menschen mit Depression hingegen haben unter anderem auch einen zu geringen Dopaminspiegel, was aber nicht am zu hohen Verbrauch liegt, sondern daran, dass der Körper zu wenig davon herstellt, das ist eine komplett andere Ursache (und die kann sowohl physisch wie auch psychisch sein; also er kann grundsätzlich nicht mehr davon herstellen oder er könnte schon, aber es gibt psychische Gründe, die ihn aktuell davon abhalten).

    Was vielen nicht klar ist: Dopamin ist der Stoff, der uns antreibt. Entziehst du Mäusen weitgehend das Dopamin, werden sie immer mehr antriebslos herum liegen, bis sie irgendwann nicht einmal mehr essen wollen. Du kannst ihnen das Essen in den Mund schieben, sie machen sich nicht mal mehr die Mühe es zu kauen, selbst wenn sie kurz vor dem verhungern sind. Jeder Mensch kennt Dopaminmangel, das ist dieses "Null Bock auf irgendwas" Gefühl, dieses "Am liebsten nicht mal aus dem Bett aufstehen" Gefühl, sich für einfach rein gar nichts motivieren zu können.

    Dopamin macht BTW nicht direkt glücklich, wie viele Leute glauben. Aber die gesteigerte Aktivität, ggf. mit weiteren Einflussfaktoren um einen herum, werden vom Körper als etwas positives angesehen und positives Verhalten wird belohnt, z.B. mit Endorphinen. Daher bringen viele auch Dopamin mit Glücksempfinden in Verbindung, aber diese Beziehung ist nur indirekter Natur.

    Und auch die Wirkung vieler Drogen basiert darauf, dass sie den Körper dazu bringen verstärkt Dopamin auszuschütten. Das trifft auf die meisten Drogen zu, die "aktiver" machen. Umgekehrt erklärt das auch den "Kater" am nächsten Tag. Denn diesen massiven Überverbrauch kann der Körper nicht so schnell kompensieren und am nächsten Tag macht sich dann der Mangel bemerkbar. Andere Drogen hingegen wirken direkt wie Dopamin, setzen sich also direkt an die Dopaminrezeptoren. Hier ist es dann so, dass der Körper die Dopaminproduktion zurück fährt. Nimmt man solche Drogen zu oft und zu lange und setzt sie dann irgendwann ab, dann verfällt man in eine Depression, weil bis der Körper die Produktion wieder hochfährt, das dauert.

    /Mecki

  5. Re: "unspezifischen Symptomem"

    Autor: Lapje 26.07.21 - 16:51

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Niemand bekommt Burnout davon, dass er den ganzen Tag lang nichts tut. Die
    > Ursache dafür ist immer Überarbeitung.

    Falsch! Überforderung ist das Stichwort. Das kann auch jemand haben, der kaum etwas den ganzen Tag macht. Ich empfehle an dieser Stelle, dass Du Dich mal mit Fachleuten und Betroffenen in Verbindung setzt, statt mit gefährlichem Halbwissen zu glänzen.

  6. Re: "unspezifischen Symptomem"

    Autor: BlindSeer 27.07.21 - 07:05

    Das Gegenstück was du meinst nennt sich "Bore Out" und beschreibt die Depression durch stetige Unterforderung oder nichts zu tun. Gibt sogar Leute die zwischen Burn Out und Bore Out schwanken, weil sie die Arbeit immer en gro bekommen, also Wochen sich zu Tode langweilen und dann in einer Welle untergehen.

    Depression ist ebenso vielschichtich. Kann körperliche Symptome haben bis hin zu psychischem Druck, oder falsch antrainierten Sichtweisen. Zu sagen A) ist aber keine Depression macht es den Betroffenen nicht leichter.

  7. Re: "unspezifischen Symptomem"

    Autor: Killerkeks 27.07.21 - 09:17

    Hast du irgendwelche Quellen dafür? Spielt Serotonin in deinem Konzept eigentlich auch ne Rolle, weil SSRI durchaus helfen.

  8. Re: "unspezifischen Symptomem"

    Autor: Penelope Pommes 27.07.21 - 10:04

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > BlindSeer schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Naja, es ist kein Hipsterwort für Überarbeitung, sondern eine Unterform
    > der
    > > Depression AFAIK.
    >
    > Niemand bekommt Burnout davon, dass er den ganzen Tag lang nichts tut. Die
    > Ursache dafür ist immer Überarbeitung.
    >
    > Depression hingegen kann man auch bekommen, wenn man nichts tut, bzw. genau
    > deswegen bekommen sogar viele Depressionen, denn den ganzen Tag nutzlos
    > herum zu hängen empfinden viele als deprimierend und wenn das zum
    > Dauerzustand wird, dann ist die Depression nicht weit.
    >
    > Daher halt ich nicht viel von dieser Einstufung. Zu sagen das ist beides
    > das Gleiche, nur weil beides mit einem Dopaminmangel einhergeht, ist wie zu
    > sagen "Alle Krankheiten sind gleich, wenn sie Fieber auslösen".
    >
    > Der Unterschied ist, dass Menschen mit Burnout einfach zu viel Dopamin
    > verbrauchen und somit der Dopaminmangel entsteht, denn Dopamin ist eine
    > begrenzte Ressource. Menschen mit Depression hingegen haben unter anderem
    > auch einen zu geringen Dopaminspiegel, was aber nicht am zu hohen Verbrauch
    > liegt, sondern daran, dass der Körper zu wenig davon herstellt, das ist
    > eine komplett andere Ursache (und die kann sowohl physisch wie auch
    > psychisch sein; also er kann grundsätzlich nicht mehr davon herstellen oder
    > er könnte schon, aber es gibt psychische Gründe, die ihn aktuell davon
    > abhalten).
    >
    > Was vielen nicht klar ist: Dopamin ist der Stoff, der uns antreibt.
    > Entziehst du Mäusen weitgehend das Dopamin, werden sie immer mehr
    > antriebslos herum liegen, bis sie irgendwann nicht einmal mehr essen
    > wollen. Du kannst ihnen das Essen in den Mund schieben, sie machen sich
    > nicht mal mehr die Mühe es zu kauen, selbst wenn sie kurz vor dem
    > verhungern sind. Jeder Mensch kennt Dopaminmangel, das ist dieses "Null
    > Bock auf irgendwas" Gefühl, dieses "Am liebsten nicht mal aus dem Bett
    > aufstehen" Gefühl, sich für einfach rein gar nichts motivieren zu können.
    >
    > Dopamin macht BTW nicht direkt glücklich, wie viele Leute glauben. Aber die
    > gesteigerte Aktivität, ggf. mit weiteren Einflussfaktoren um einen herum,
    > werden vom Körper als etwas positives angesehen und positives Verhalten
    > wird belohnt, z.B. mit Endorphinen. Daher bringen viele auch Dopamin mit
    > Glücksempfinden in Verbindung, aber diese Beziehung ist nur indirekter
    > Natur.
    >
    > Und auch die Wirkung vieler Drogen basiert darauf, dass sie den Körper dazu
    > bringen verstärkt Dopamin auszuschütten. Das trifft auf die meisten Drogen
    > zu, die "aktiver" machen. Umgekehrt erklärt das auch den "Kater" am
    > nächsten Tag. Denn diesen massiven Überverbrauch kann der Körper nicht so
    > schnell kompensieren und am nächsten Tag macht sich dann der Mangel
    > bemerkbar. Andere Drogen hingegen wirken direkt wie Dopamin, setzen sich
    > also direkt an die Dopaminrezeptoren. Hier ist es dann so, dass der Körper
    > die Dopaminproduktion zurück fährt. Nimmt man solche Drogen zu oft und zu
    > lange und setzt sie dann irgendwann ab, dann verfällt man in eine
    > Depression, weil bis der Körper die Produktion wieder hochfährt, das
    > dauert.

    Das ist weitestgehend falsch. Ich habe lange Jahre als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie gearbeitet. Ein Dopaminmangel kann eine Depression begünstigen. In der Regel handelt es sich bei dem Dopamin allerdings um den aller aller letzten Botenstoff, dessen Mangel oder Überschuss zu einer Depression führen kann. Serotonin, Oxytocin, Adrenalin und Noradrenalin spielen bei der Entstehung psychischer Krankheiten eine bedeutend höhere Rolle.

  9. Re: "unspezifischen Symptomem"

    Autor: hevilp 27.07.21 - 13:32

    +1 korrekt.

    Ich hab es mal so gelernt:
    Burn- und Boreout sind Symptome einer Depression
    Man flüchtet sich in Arbeit, weil man nicht nach Hause will, weil dort etwas ist, wovor man Angst hat (Beziehung zu Freundin/Frau).
    Daraus wird dann, "niemand kann was, ich MUSS alles alleine in der Firma/Abteilung/Aufgabe machen, weil sonst geht es schief".
    Meine Erfahrung: Das Burnout gefährdete Menschen oder darin befindlich, verdammt viel auf Arbeit sind, aber praktisch nicht mehr Leisten, als ein "gesunder".

    Seit ein paar Jahren ist Depression ja im Krankenregister anerkannt, mit eigenem Code.
    Das empfinde ich als Falsch, aber ich bin auch nur Laie (mit Eigenerfahrung)

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