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Hohe gerechtfertigte Kosten?

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  1. Hohe gerechtfertigte Kosten?

    Autor: LostInWeb 25.09.21 - 12:15

    Moin,

    die Kosten wirken sehr hoch und sind möglicherweise auch überzogen. Die technischen Aspekte wurden bereits ausgiebig diskutiert, in denen es vor allem um die Zuverlässigkeit und Sublimation von Bauteilen geht.
    Ein Aspekt der noch nicht besprochen wurde, sind die Wartungskosten. Da schlägt jeder Anbieter einen hohen Risiko- & Sicherbeitsaufschlag auf, da die Verträge sicherlich über 20+ Jahre abgeschlossen werden. So lange muss die Firma das Knowhow bereitstellen, Ersatzteile liefern (kann man meist nicht mal eben gegen neue Teile tauschen), Wartung der Geräte durchführen und vor allem auch bei Verkauf/Pleite/Insolvenz/Umstrukturierung muss dies alles sichergestellt werden.

  2. Re: Hohe gerechtfertigte Kosten?

    Autor: Prinzenrolle 25.09.21 - 12:28

    Jedesmal mal, wenn wir im Dienst waren (Schweizer Militär muss man einmal im Jahr gehen) mussten wir unsere Panzer neu fassen. Bei der Materialkontrolle mussten wir teilweise über die Preise lachen. Da gab es ein Holzbrett, welches irgendwie 1000Chf kostet. Die vom Verteillager haben uns dann mal erklärt, dass die Preise so hoch sind, weil sich die Hersteller auf eine gewisse Dauer verpflichten, solche Objekte herzustellen und zu warten. Das bedeutet dann halt teilweise, dass ein Hersteller Hallen nicht anders verwenden kann, weil er die alten Maschinen usw. braucht um das Militär damit zu beliefern. Ein Panzer ist halt nicht nur fünf Jahre im Einsatz. Eher 30 und wir teilweise mal erneuert usw.

  3. Re: Hohe gerechtfertigte Kosten?

    Autor: manudrescher 25.09.21 - 15:35

    Unter anderem vollkommen richtig.

    Aus diversen Gründen hat sich nun wohl das Nachfolgeprojekt verzögert.

    Jetzt hat der Dienstherr 2 Möglichkeiten:
    Entweder er schafft eine Übergangslösung an...die muss aber bei den erwarteten Kosten zumindest Europaweit ausgeschrieben werden...das kostet Zeit. Die Ausschreibungen sind ahS auch richtig, da jeder zivilen Firma die Möglichkeit gegeben werden muss, sich hierfür anzubieten (keine Bevorzugung).
    Hat man sich nun für eine Übergangslösung entschieden (was entsprechend geprüft und ggf. zertifiziert werden muss und Zeit kostet), hat man jetzt ein Folgeproblem:
    Alle Rüstsätze in allen entsprechenden Fahrzeugen der Bundeswehr müssen erneuert werden, das Ding muss da ja sicher und fest verbaut werden können. Auch die müssen entsprechenden Anforderungen gerecht werden, wir sprechen hier nicht von einem einfachen Spanngurt zur Sicherung.
    Des weiteren ist so ein Funkgerät keine Komponente "nur für sich". Die Dinger werden in einem Fahrzeug über eine Anschlussverbindung (die übergreifend auch bei anderen Geräte teils genormt ist) an eine bspw. Außenantenne verbunden....das muss dann auch alles "neu"....und dann könnte ich ggf. ein anderes Gerät nicht mehr einrüsten, weil der Stecker jetzt nicht mehr passt.
    Das ist ein riesen Rattenschwanz.

    Ebenso muss das Material (das Gerät selbst, Ersatzteile, Komponenten) in den Logistikprozess der Bundeswehr integriert werden (auch zugehörige Anlagenblätter, Satzlisten,..)
    Zu guter letzt muss ich die Soldaten auch auf das neue Funkgerät ausbilden -> Ausbildung, bindet Personalkapazitäten und Ressourcen.

    Parallel dazu muss sich der Hersteller vertraglich verpflichten (wie oben genannt) Ersatzteile,etc. über lange Zeit vorzuhalten.
    Und da Militärkomponenten in vielen Fällen alleine schon vom Bau-/Formfaktor (auch wenn es nur 2 AA-Batterien in einem Plastikgehäuse sind) meistens vom "marktüblichen" abweichen...muss der Hersteller das trotzdem vorhalten und bei Bedarf produzieren können (und das normalerweise über Jahrzehnte).
    Im dümmsten Fall muss ein Hersteller sein Fließband anhalten und für 20x Bundeswehrartikel vom Typ X die Druckplatten austauschen. Aber das muss logischerweise gewährleistet werden können.

    Und bis das alles durch ist und das eigentliche Nachfolgeprojekt in den Startlöchern steht...geht der Kladderadatsch wieder von vorne los.

    Da ist es dann ggf. doch besser, das bereits vorhandene einfach weiterzubauen und dann rückt auch der Preis in ein anderes Licht.

    Ich bin voll dabei, dass in vielen Bereichen durch den Staat unnötig viel Geld verballert wird...aber das mit dem SEM 80 gehört da ahS nicht so wirklich dazu.

    EDIT:
    In den Kommentaren wird auch mehrmals auf "Das hätte ich mit 2¤ ausm Media-Markt repariert" argumentiert.
    Eine Armee basiert auf Gleichheit und das betrifft nicht nur den Anzug.
    Jeder Puma-Panzer hat im Prinzip das gleiche Material, jeder ausgebildete Soldat kann damit an jedem(!) Puma-Panzer aufgrund seiner Ausbildung handlungssicher arbeiten.
    Jeder Soldat hat im Grundsatz alles mit dem gleichen Inhalt in den gleichen Taschen seiner Uniform. Das dient nicht der "Nötigung", sondern hat einen Zweck. Im Einsatz bspw. ist das "MediPack" bei jedem (oder sollte) an der selben Stelle sein und es ist das gleiche drin...damit jeder ausgebildetete überall an jedem Soldaten handlungssicher ist.
    Das zieht sich durch alle Bereich der Bundeswehr in Bezug auf Ausbildung und Anwendung.
    Und wenn es auch nur 2 AA-Batterien in einem Plastikgehäuse mit nem Steckanschluss ist...er ist überall an diesem Gerät X gleich...
    Mit "Ich geh mal kurz zu Media-Markt" habe ich mittelfristig zwar unglaublich viele funktionale, aber nicht mehr handlungssichere(!) Komponenten.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 25.09.21 15:43 durch manudrescher.

  4. Re: Hohe gerechtfertigte Kosten?

    Autor: windbeutel 25.09.21 - 16:10

    manudrescher schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Eine Armee basiert auf Gleichheit und das betrifft nicht nur den Anzug.
    > Jeder Puma-Panzer hat im Prinzip das gleiche Material, jeder ausgebildete
    > Soldat kann damit an jedem(!) Puma-Panzer aufgrund seiner Ausbildung
    > handlungssicher arbeiten.
    > Jeder Soldat hat im Grundsatz alles mit dem gleichen Inhalt in den gleichen
    > Taschen seiner Uniform. Das dient nicht der "Nötigung", sondern hat einen
    > Zweck. Im Einsatz bspw. ist das "MediPack" bei jedem (oder sollte) an der
    > selben Stelle sein und es ist das gleiche drin...damit jeder ausgebildetete
    > überall an jedem Soldaten handlungssicher ist.
    > Das zieht sich durch alle Bereich der Bundeswehr in Bezug auf Ausbildung
    > und Anwendung.
    > Und wenn es auch nur 2 AA-Batterien in einem Plastikgehäuse mit nem
    > Steckanschluss ist...er ist überall an diesem Gerät X gleich...
    > Mit "Ich geh mal kurz zu Media-Markt" habe ich mittelfristig zwar
    > unglaublich viele funktionale, aber nicht mehr handlungssichere(!)
    > Komponenten.

    Ja, wie toll das in der Praxis funktioniert, sieht man dann in Afghanistan, wo die westlich ausgebildete, standardisierte Armee zwar ihren Panzerkeks immer in der selben Tasche hat, aber trotzdem einem Gegner unterliegt, bei dem jeder Einzelne sein zusammengeklautes Material wahlweise auf einem japanischen SUV der mit Panzertape geflickt wurde oder auch einem Maultier in Stellung bringt. Was nutzt mir das handlungssichere Gewehr, das nicht mehr schießt, wenn die Außentemperatur höher als 22° C ist oder das prinzipiell durchgenormte Transportflugzeug, das nicht abheben kann, weil die handlungssicheren Teile auseinanderfallen und keiner mehr mitdenkt, wie man sowas schnell und unbürokratisch instandsetzt?

    Eventuell ist die Phalanx-Idee des römischen Reiches mittlerweile überholt. Nur braucht wahrscheinlich die Bundeswehr nochmal ein paar hundert Jahre, bis sie das begreift.

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