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Freelancer und kein Weg zurück

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  1. Freelancer und kein Weg zurück

    Autor: bitproject 05.01.22 - 11:36

    Seit Mai letzen Jahres arbeite ich als Freelancer im Bereich IT-Infrastruktur und Implementiere private, custom, hybrid und BareMetal-Cloud Lösungen im Finanz- und Medizinbereich.

    Zuvor war ich angestellt bei einem großen Konzern als Senior DevOps-Enigneer und Site Reliability-Engineer. Mein fachlicher Aufgabenbereich war in der Theorie der gleiche. Nur dass ich jetzt als Freelancer meine Projekte beim Kunden oft selbst managen muss mit allem was dazu gehört.

    Während ich zuvor gefühlt 70% meiner Zeit unfreiwillig mit New Work Era Meetings, Agile Work Gedöns und Planungen mit dem höheren Management im Bereich Office-IT verbracht habe, kam ich kaum dazu, in meinem eigentlichen Fachbereich konstant Fortschritte zu machen und meine eigenen Ziele für den Betrieb umzusetzen. Es gab so viele Dinge, die ich in meinem Fachbereich gern verbessert hätte. Aber frustrierenderweise kam immer Konzern-Zeug dazwischen und die Realität ist: Wenn man irgendwas kann, erbt man die Verantwortung. Und wenn man zuviel kann, macht man auch zuviel und wird gnadenlos verheizt. So durfte ich parallel den Verkauf unseres Standortes samt Due Dilligence Prozess für unsere IT Steuern. Nebenbei noch die Leichen im Keller verschwinden lassen für die ISO-Zertifizierung. Dann nebenbei zuschauen, dass man die bestehende Plattform am Leben hält, auch wenn gefühlt jede Woche ein Kollege mit zuviel Berechtigungen und Lust mal was mit Kubernetes zu machen das Prod-System halb lahmlegt.

    Das war alles dermassen frustrierend. Und einzige Aussicht war, ins Management aufzusteigen. Das ist für mich aber nie eine Option gewesen. Ich wäre nebenbei ein fürchterlicher Chef. Ich stelle zu hohe Anforderungen an Kollegen und stecke soviel Herzblut in meine Arbeit, dass ich mich mit Kollegen auch prügeln könnte bei Meinungsverschiedenheiten.

    Der Wechsel in die Freiberuflichkeit war für mich eine Offenbarung. Ich arbeite nun zu 120% in meinem Fachbereich. Die restlichen 30% sind Zeiterfassung, Projektplanung, Arbeitsorganisation, Finanzamt. Ja richtig, ich arbeite nun 150%. Denn die 50% habe ich vorher einfach auf der Autobahn gelassen. Das ist kein Witz: Ich sitze teilweise 12 Stunden am Rechner, fühle mich danach wesentlich entspannter als nach 4 Stunden im Büro.

    Ich hatte seit Mai letzen Jahres vielleicht 10 wirklich relevante Meetings. Denn wenn man 100¤ die Stunde kostet, wird man nur zu wirklich dringenden Terminen geladen ;-). Zuvor hatte ich locker 10 Meetings die Woche, sicher auch schonmal an einem Tag. Kein Witz.

    Ein netter Nebeneffekt: Das Gehalt hat sich verdoppelt und das war vorher schon gut. Und es profitieren alle davon. Der Kunde bekommt Arbeitsleistung mit höchster Effizienz. Einen Mitarbeiter der zu 100% spezialisiert ist in seinem Fachgebiet, weil er nicht die hälfte seiner Arbeitszeit in irgendwelchen Meetings sitzt, wo man seine Meinung zum geeigneten Klingelton für die neue Telefonanlage benötigt. Jemanden, der fundierte Entscheidungen treffen kann und dabei Risiken ehrlich kalkuliert, weil es seine eigenen sind. Jemanden, der niemals für ein bisschen Provision oder eine Fan-Tasse einen externen Dienstleister anheuert, weil er weiss, dass SLA's in der Theorie ne tolle Sache sind, in der Praxis sind ein hochverfügbares System und ein SLA von 99,99% aber 2 verschiedene paar Schuhe. Denn meine Servermiete für einen Monat erstattet zu bekommen rettet weder mein Geschäft noch macht es meine Kunden und deren Kunden glücklich.

    Ich bekomme ich Gegenzug die Möglichkeit mich frei zu spezialisieren und zu forschen. Ein besseres Gehalt und eine unglaubliche Work-Life Balance.

    Nach meiner Erfahrung der letzten Zeit und mit dem Wissen, wie es vorher war, kann ich - auch wenn das bescheuert klingen mag - mit Sicherheit sagen, dass der Weg zurück als angestellter im Büro mit Sicherheit im Burnout enden würde. Ich war vorher schon kurz davor und jetzt, wo ich weiss, wie es eigentlich laufen kann, gibt es einfach keinen Weg mehr zurück.

  2. Re: Freelancer und kein Weg zurück

    Autor: gadthrawn 10.01.22 - 12:25

    bitproject schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich hatte seit Mai letzen Jahres vielleicht 10 wirklich relevante Meetings.
    > Denn wenn man 100¤ die Stunde kostet, wird man nur zu wirklich dringenden
    > Terminen geladen ;-). Zuvor hatte ich locker 10 Meetings die Woche, sicher
    > auch schonmal an einem Tag. Kein Witz.

    Auch wenn man mehr kostet wird man normalerweise zu mehr Meetings eingeladen.

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