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Wir wären doch alle längst pleite....

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  1. Wir wären doch alle längst pleite....

    Autor: TIler 22.06.07 - 09:03

    Als ich 1986 im Alter von 6 Jahren das erste Mal mit einem C64 in Berührung kam, ging meine schwerkriminelle Karriere los.

    Mangels eigenen Einkommens, war es mir nicht möglich, die mich damals besonders fesselnden Spiele zu kaufen, aber glücklicherweise gab es im Bekanntenkreis immer jemanden, der über einen anderen Bekannten eine Kopie eines Spiels erhalten hatte, welches dann auch gleich in die heimische Diskettenbox wanderte.

    Damals wurden Spiele noch getauscht, was aufgrund des erhöhten Aufwandes im Vergleich zum heutigen Herunterladen der Spiele (Musik / Filme) über das Internet definitiv einen höhere kriminelle Energie vermuten läßt.
    Aber egal, damals hatte ich noch ganze 8 Jahre bis zur Strafmündigkeit.

    Ich ich habe mich nicht gebessert. Nein. Es wurde schlimmer. Mit dem Umstieg auf einen IBM PC 1991 wurde die Verlockung immer größer, konnte ich ja nun gigantische 40 MB an Software auf meine Festplatte stopfen.
    Die Disketten wurden kleiner, es passte mehr rauf, eine Quelle ewiger Freude für einen kleinen Jungen mit großem Spieltrieb.

    Die Ausflüge ins nahegelegene Kaufhaus wurden allerdings zur Qual. Warum sollte ich für ein Spiel 90 DM auf den Tisch legen? 90 DM... das hätte bedeutet, daß ich mir wohl ein Spiel pro Jahr hätte kaufen können. Aber wie lange fesselt einen so ein Spiel?

    Also verfestigte sich das kopieren von Software ohne sie erworben zu haben zu einem moralisch für mich unbedenklichen Vorgang, da der Softwareindustrie durch mich kein Geld entging, hätte ich mir den ganzen Mist doch eh nie leisten können. 3 bis 4 Spiele pro Monat wäre mit bummelig 4000 € pro Jahr zu Buche geschlagen, was ein kleiner Kiddie niemals berappen könnte.

    Aber es kam noch schlimmer. Mit den ganzen Weiterentwicklungen der Hardware kamen auch neue Bedürfnisse hinzu. Zur Pflege und Funktionalitätserhaltung wurden immer mehr Tools nötig, schließlich müssen die neuesten Kopien ja auch stabil laufen.

    Und dann die neue hardware... wie zum Teufel sollte das funktionieren ? Ich kauf mir eine grandiose VesaLocalBus Grafikkarte und muß bis zum PCIe Zeitalater sparen, um mir neue Software leisten zu können ? Soll ich den PC endgültig einmotten ?

    Nunja, mittlerweile ist es einfach eingebrannt. Ich bin ein Softwarenichtbezahler. Ohne schlechtes Gewissen. Ich sehe mich nicht als Raubkopierer...

    >Der Raub (§ 249 StGB) setzt sich aus den Delikten Diebstahl und >Nötigung zusammen.
    >Tatobjekt des Raubes ist (wie bei Diebstahl und Unterschlagung) eine >fremde bewegliche Sache. Tathandlung des Raubes ist die Wegnahme der >Sache unter Anwendung bestimmter Zwangsmittel.

    nein, beim besten Willen nicht. Ich habe meinen kleinen Fundus an Programmen, welche ich für den Alltag und die Arbeit benötige, habe immer noch keinen Laptop, auch ein Handy kann ich mir nicht leisten.
    Ich studiere Informatik, erarbeite mir nebenher 200€/Monat um langsamer zu verrecken, empfange keine Sozialleistungen und subventioniere den Staat durch meinen Kaffee- und Tabakkonsum.

    Wenn ich jetzt einmal aufaddiere, was ich in meinem Leben für Software hätte ausgeben müssen, hätte ich jegliche beim mir jemals installierte Softwareversion gekauft, dann wöre ich heute hochverschuldet, müßte gar nicht erst zu arbeiten anfangen (nur um MS-Rechnungen zu bezahlen ?), würde dem Staat ohne ein aus Arbeit am PC geniertes Minimaleinkommen auf der Tasche liegen müssen, hätte die deutsche Justiz mit diversen Pfändungs- und Insolvenzverfahren belastet und könnte mir immer noch nicht ein einziges Programm im Original leisten.

    ---

    Ohne Raubkopien hätten Computer nicht die Verbreitung in der Gesellschft erfahren, die wir heute vorfinden. Nicht umsonst ist es offizielle Microsoft-Ideologie, Raubkopierern nicht unbedingt mit Strafe zu drohen, sondern "sie eher zum Kauf von Originalsoftware zu animieren".
    Ohne Raubkopien wären viele Spiele den Zahlungswilligen gar nicht bekannt geworden, die Entwicklung der Hardware, welche ja bekanntlich eng mit der Weiterentwicklung der Spiele verknüpft ist, wäre nicht derartig extrem fokussiert worden, daß heute ein Kühlschrank mehr Rechenkraft hat als mein alter C64.

    ---

    Wenn die Musikindustrie rumjammert, P2P-Netzwerke würden ihnen die Erträge vermiesen, dann fragt man sich: Wo sind denn die ganzen "Großen" des Musikgeschäfts? Was ist in den letzten Jahrem am Musik auf den Markt gekommen, das die Erwartung rechtfertigt, damit so guten Umsatz machen zu können wie mit Elvis & Co.?

    ---

    Die ganze abgewichste content-Industrie kann mich mal kreuzweise!
    Wenn ich das Geld hätte, mir irgendwelche Inhalte legal zu erwerben, würde ich spätestens in dem Moment auf kostenfreie Produkte (software / Musik) uzrückgreifen! Für Schund leg ich doch kein Geld auf den Tisch!
    Solange ich allerdings nicht die überzogenen Preise berappen muß, benutze ich auch manche Mistsoftware bzw gucke mir manchen nur halbherzig produzierten Film an bzw. höre auh mal eine Single, die mir nur bedingt gefällt.
    Wenn man mich zwingen würde, dafür zu zahlen, würde ich auf den "Genuß" dieses "hochwertigen" Materials bewußt verzichten.

    FUCK RIAA!

  2. Re: Wir wären doch alle längst pleite....

    Autor: dunkelroot 22.06.07 - 09:21

    Sehr gut geschrieben den Beitrag Druck ich mir aus und häng ihn auf. Das einzige was mich stört, ist, das du in keinem Satz das überaus fruchtbare Vietnam (insbesondere das Mekong Delta) erwähnst.
    Auch wenn das rein gar niks mit dem Thema zu tun hat, ich fänds schön, nur ein einziger kleiner Satz.



    TIler schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Als ich 1986 im Alter von 6 Jahren das erste Mal
    > mit einem C64 in Berührung kam, ging meine
    > schwerkriminelle Karriere los.
    >
    > Mangels eigenen Einkommens, war es mir nicht
    > möglich, die mich damals besonders fesselnden
    > Spiele zu kaufen, aber glücklicherweise gab es im
    > Bekanntenkreis immer jemanden, der über einen
    > anderen Bekannten eine Kopie eines Spiels erhalten
    > hatte, welches dann auch gleich in die heimische
    > Diskettenbox wanderte.
    >
    > Damals wurden Spiele noch getauscht, was aufgrund
    > des erhöhten Aufwandes im Vergleich zum heutigen
    > Herunterladen der Spiele (Musik / Filme) über das
    > Internet definitiv einen höhere kriminelle Energie
    > vermuten läßt.
    > Aber egal, damals hatte ich noch ganze 8 Jahre bis
    > zur Strafmündigkeit.
    >
    > Ich ich habe mich nicht gebessert. Nein. Es wurde
    > schlimmer. Mit dem Umstieg auf einen IBM PC 1991
    > wurde die Verlockung immer größer, konnte ich ja
    > nun gigantische 40 MB an Software auf meine
    > Festplatte stopfen.
    > Die Disketten wurden kleiner, es passte mehr rauf,
    > eine Quelle ewiger Freude für einen kleinen Jungen
    > mit großem Spieltrieb.
    >
    > Die Ausflüge ins nahegelegene Kaufhaus wurden
    > allerdings zur Qual. Warum sollte ich für ein
    > Spiel 90 DM auf den Tisch legen? 90 DM... das
    > hätte bedeutet, daß ich mir wohl ein Spiel pro
    > Jahr hätte kaufen können. Aber wie lange fesselt
    > einen so ein Spiel?
    >
    > Also verfestigte sich das kopieren von Software
    > ohne sie erworben zu haben zu einem moralisch für
    > mich unbedenklichen Vorgang, da der
    > Softwareindustrie durch mich kein Geld entging,
    > hätte ich mir den ganzen Mist doch eh nie leisten
    > können. 3 bis 4 Spiele pro Monat wäre mit bummelig
    > 4000 € pro Jahr zu Buche geschlagen, was ein
    > kleiner Kiddie niemals berappen könnte.
    >
    > Aber es kam noch schlimmer. Mit den ganzen
    > Weiterentwicklungen der Hardware kamen auch neue
    > Bedürfnisse hinzu. Zur Pflege und
    > Funktionalitätserhaltung wurden immer mehr Tools
    > nötig, schließlich müssen die neuesten Kopien ja
    > auch stabil laufen.
    >
    > Und dann die neue hardware... wie zum Teufel
    > sollte das funktionieren ? Ich kauf mir eine
    > grandiose VesaLocalBus Grafikkarte und muß bis zum
    > PCIe Zeitalater sparen, um mir neue Software
    > leisten zu können ? Soll ich den PC endgültig
    > einmotten ?
    >
    > Nunja, mittlerweile ist es einfach eingebrannt.
    > Ich bin ein Softwarenichtbezahler. Ohne schlechtes
    > Gewissen. Ich sehe mich nicht als Raubkopierer...
    >
    > >Der Raub (§ 249 StGB) setzt sich aus den
    > Delikten Diebstahl und >Nötigung
    > zusammen.
    >Tatobjekt des Raubes ist (wie bei
    > Diebstahl und Unterschlagung) eine >fremde
    > bewegliche Sache. Tathandlung des Raubes ist die
    > Wegnahme der >Sache unter Anwendung bestimmter
    > Zwangsmittel.
    >
    > nein, beim besten Willen nicht. Ich habe meinen
    > kleinen Fundus an Programmen, welche ich für den
    > Alltag und die Arbeit benötige, habe immer noch
    > keinen Laptop, auch ein Handy kann ich mir nicht
    > leisten.
    > Ich studiere Informatik, erarbeite mir nebenher
    > 200€/Monat um langsamer zu verrecken, empfange
    > keine Sozialleistungen und subventioniere den
    > Staat durch meinen Kaffee- und Tabakkonsum.
    >
    > Wenn ich jetzt einmal aufaddiere, was ich in
    > meinem Leben für Software hätte ausgeben müssen,
    > hätte ich jegliche beim mir jemals installierte
    > Softwareversion gekauft, dann wöre ich heute
    > hochverschuldet, müßte gar nicht erst zu arbeiten
    > anfangen (nur um MS-Rechnungen zu bezahlen ?),
    > würde dem Staat ohne ein aus Arbeit am PC
    > geniertes Minimaleinkommen auf der Tasche liegen
    > müssen, hätte die deutsche Justiz mit diversen
    > Pfändungs- und Insolvenzverfahren belastet und
    > könnte mir immer noch nicht ein einziges Programm
    > im Original leisten.
    >
    > ---
    >
    > Ohne Raubkopien hätten Computer nicht die
    > Verbreitung in der Gesellschft erfahren, die wir
    > heute vorfinden. Nicht umsonst ist es offizielle
    > Microsoft-Ideologie, Raubkopierern nicht unbedingt
    > mit Strafe zu drohen, sondern "sie eher zum Kauf
    > von Originalsoftware zu animieren".
    > Ohne Raubkopien wären viele Spiele den
    > Zahlungswilligen gar nicht bekannt geworden, die
    > Entwicklung der Hardware, welche ja bekanntlich
    > eng mit der Weiterentwicklung der Spiele verknüpft
    > ist, wäre nicht derartig extrem fokussiert worden,
    > daß heute ein Kühlschrank mehr Rechenkraft hat als
    > mein alter C64.
    >
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    >
    > Wenn die Musikindustrie rumjammert, P2P-Netzwerke
    > würden ihnen die Erträge vermiesen, dann fragt man
    > sich: Wo sind denn die ganzen "Großen" des
    > Musikgeschäfts? Was ist in den letzten Jahrem am
    > Musik auf den Markt gekommen, das die Erwartung
    > rechtfertigt, damit so guten Umsatz machen zu
    > können wie mit Elvis & Co.?
    >
    > ---
    >
    > Die ganze abgewichste content-Industrie kann mich
    > mal kreuzweise!
    > Wenn ich das Geld hätte, mir irgendwelche Inhalte
    > legal zu erwerben, würde ich spätestens in dem
    > Moment auf kostenfreie Produkte (software / Musik)
    > uzrückgreifen! Für Schund leg ich doch kein Geld
    > auf den Tisch!
    > Solange ich allerdings nicht die überzogenen
    > Preise berappen muß, benutze ich auch manche
    > Mistsoftware bzw gucke mir manchen nur halbherzig
    > produzierten Film an bzw. höre auh mal eine
    > Single, die mir nur bedingt gefällt.
    > Wenn man mich zwingen würde, dafür zu zahlen,
    > würde ich auf den "Genuß" dieses "hochwertigen"
    > Materials bewußt verzichten.
    >
    > FUCK RIAA!


  3. Re: Wir wären doch alle längst pleite....

    Autor: tut nix zur sachen 22.06.07 - 09:24

    Recht hat er


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