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Was soll das denn werden?

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  1. Was soll das denn werden?

    Autor: monettenom 20.11.07 - 13:18

    Wenn die Regierung noch nichtmal in der Lage ist, ein Dokument zu verfassen, das den Gesetzbüchern entspricht und sich selbst ein zweiter Anlauf als schwierig erweist, wie soll das dann ein normalsterblicher Händler hinkriegen?

    Solange keine wasserdichter Mustervorlage existiert, muss man doch auf diese Widerrufsbelehrung völlig verzichten, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit ganz oder teilweiso sowieso ungültig wäre und höchsten dem Abmahnwahn dient.

    Aber das ist natürlich eine feine Sache: Man erlässt ein Gesetz, das unmöglich zu erfüllen ist und hält dann schön die Händchen auf.

    Einfach nur absurd.

  2. Re: Was soll das denn werden?

    Autor: britschi 20.11.07 - 13:57

    monettenom schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Wenn die Regierung noch nichtmal in der Lage ist,
    > ein Dokument zu verfassen, das den Gesetzbüchern
    > entspricht und sich selbst ein zweiter Anlauf als
    > schwierig erweist, wie soll das dann ein
    > normalsterblicher Händler hinkriegen?
    >
    > Solange keine wasserdichter Mustervorlage
    > existiert, muss man doch auf diese
    > Widerrufsbelehrung völlig verzichten, weil sie mit
    > großer Wahrscheinlichkeit ganz oder teilweiso
    > sowieso ungültig wäre und höchsten dem Abmahnwahn
    > dient.
    >
    > Aber das ist natürlich eine feine Sache: Man
    > erlässt ein Gesetz, das unmöglich zu erfüllen ist
    > und hält dann schön die Händchen auf.
    >
    > Einfach nur absurd.

    Da kann ich als einer dieser hinterhältigen "Online-Händler" nur nickend zustimmen.

    Bei allen seriösen Geschäften erübrigt sich eine solche Widerrufsbelehrung, da sie per se alles daran setzen werden Ihre Kundschaft zufriedenzustellen. Unseriöse werden auch von den gesetzlichen Bestimmungen nicht am Betrug gehindert, zumal diese offenbar nur schwierig umzusetzen sind. Denn hält man sich im Moment an die Vorgaben riskiert man die Abmahnung. Und nebenbei ist man vor Denunziation der Konurrenz vollkommen ungeschützt.

    Apropos: In dem Zusammenhang ergibt sich eine weitere Frage, die sich mir als "Online-Händler" stellt: Inwiefern wird der seriöse Geschäftsmann vor unseriösen Kunden geschützt? Ein 14-tägiges Rückgaberecht ohne Angabe jeglicher Gründe öffnet dem Missbrauch des selbigen Tür und Tor. Es gibt auch Online-geschäfte, die nicht die Umsätze von Amazon, Quelle oder Weltbild machen und bei denen sind solche gesetzlichen Bestimmungen schnell geschäftsschädigend. (Kleines Beispiel, damit's klar wird: Kunde kauft gesamten Lagerbestand von Ware A auf. Händler ersetzt Lagerbestand. Kunde schickt Warte wieder zurück. Setzt entsprechend hohe Zahlen ein und schwupps wird es sehr schnell sehr unangenehm)

    Und als letztes frage ich mich, wieso der Gesetzgeber eigentlich grundsätzlich davon ausgeht, daß Geschäftsleute Ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit dem Betrug Ihrer Kundschaft verdienen? Ein solches Gesetz wie das Widerrufsrecht gibt es B2B ("Unternehmen zu Unternehmen") nicht. Auch bei privaten Geschäften bestehen solche Bestimmungen nicht. ("gekauft wie geshen")

    Ist es nicht irre, daß eine Firma, die sich nie etwas zuschulden hat kommen lassen aufgrund der im Moment bestehenden Sachlage mit kostenpflichtigen Abmahnungen rechnen muss ?

  3. Es gibt Wichtigeres...

    Autor: Pepex 20.11.07 - 14:57

    z.B. die Speicherung aller Verbindungsdaten, das Abhören von VoIP-Telefonaten, die Installation von Abhörprogrammen auf den PCs
    ahnungsloser Bürger - wen interessieren denn Online-Händler? Das
    ist doch Alltagsgeschäft.... (Achtung Ironie)

  4. Re: Was soll das denn werden?

    Autor: Händler und Kunde 20.11.07 - 15:01

    britschi schrieb:
    -------------------------------------------------------

    > Und als letztes frage ich mich, wieso der
    > Gesetzgeber eigentlich grundsätzlich davon
    > ausgeht, daß Geschäftsleute Ihren Lebensunterhalt
    > ausschließlich mit dem Betrug Ihrer Kundschaft
    > verdienen? Ein solches Gesetz wie das
    > Widerrufsrecht gibt es B2B ("Unternehmen zu
    > Unternehmen") nicht. Auch bei privaten Geschäften
    > bestehen solche Bestimmungen nicht. ("gekauft wie
    > geshen")

    Tut er ja nicht, es geht nicht um die Ehrlichen, sondern um den Versuch des Schutzes von Verbrauchern vor den Betrügern, den schwarzen Schafen. Ob das greift, sei dahin gestellt. Der Internet-Handel ist Fernabsatz wie der Katalog-Versandhandel. Da kann man oft die Ware nicht "wie gesehen" kaufen. Außerdem hat der Endkunde Otto Normalverbraucher - vorsichtig gesprochen - nicht immer die passende Info zur gehandelten Ware oder zur rechtlichen Beurteilung eines sich anbahnenden Kaufvertrages im Kopf. Er könnte sich also mal vertun, der dümmste anzunehmende User. Es geht darum, den Wissensvorteil des Händlers gegenüber dem Endkunden abzufedern. Natürlich bemüht sich jeder "ehrbare Kaufmann" den Kunden zufrieden zu stellen, etc..
    Was aber passiert, wenn z.B. ein Händler selber finanziell unter Druck steht? Kommt nicht dann beim einen oder anderern erst das Fressen und dann die Moral?
    Für solche Szenarios wurden Rechtsvorschriften zum Verbraucherschutz erlassen, noch einmal: die Wirksamkeit sei dahin gestellt!!! ;-)

    Beim B2B-Vertrag geht man davon aus, dass sich die Händler auf Augenhöhe bewegen, deshalb die relative Vertragsfreiheit.
    Und noch etwas: Rechtsvorschriften dienen der Herstellung einer für alle verbindlichen Rechtsordnung als Bezugsystem für Zweifels- und Streitfälle, NICHT aber zur Herstellung von Gerechtigkeit!

    Sie mögen ja selbst ein ehrlicher Händler sein, aber gehen Sie doch einfach mal zu einer Verbraucher-Zentrale und fragen Sie doch mal nach, ob die Ihren Standpunkt bezüglich Händlerehrlichkeit oder -unehrlichkeit teilen oder nicht, und wenn nicht, warum. http://www.vzbv.de/go/
    Interessant wäre sicher auch mal ein Besuch bei einem Polizei-Kommissariat für Wirtschaftskriminalität...
    oder der Steuerfahndung. ;-)

    Ich teile übrigens im Großen und Ganzen Ihre Ansicht, dass es eine Menge unsinniger bürokratischer Regelungen gibt, und diese Posse des Justizministeriums ist der blanke Hohn, aber das Widerrufsrecht für Endkunden ist m.E. schon gut.
    Und vielleicht tröstet es Sie, dass angeblich schon die alten Ägypter sich erfolglos am Bürokratieabbau versucht haben? Manch einen mag das aber noch eher NOCH mehr erzürnen... ;-)

    > Ist es nicht irre, daß eine Firma, die sich nie
    > etwas zuschulden hat kommen lassen aufgrund der im
    > Moment bestehenden Sachlage mit kostenpflichtigen
    > Abmahnungen rechnen muss ?

    Unwissenheit schützt in keinem Rechtsgebiet vor Strafe.
    Die Abmahnregelungen sollten aber wirklich überarbeitet werden.
    Gut wäre für die erste - berechtigte - Abmahnung ein geringes Kostenmaximum von 10 bis 30 EUR, damit den geldgierigen Abmahnwinkeladvokaten, mit der Ahnungslosigkeit von Anbietern nur Kasse machen wollen, das Geschäftsmodell zertrümmert wird.
    Erst weitere berechtigte Abmahnungen wegen Nichtreaktion oder für "Wiederholungstäter" dürfen ruhig kosten...

    Die IHKs http://www.ihk.de/ und die Berufsverbände bieten übrigens Online-Anbietern oft gute Hilfestellung in solchen Rechtsfragen.
    Ich wünsche Ihnen viele gute Geschäftsabschlüsse und viel zufriedene Kunden.
    Freundliche Grüße

    "Könich Kunde"

  5. Re: Was soll das denn werden?

    Autor: aef443 20.11.07 - 15:58

    britschi schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Und als letztes frage ich mich, wieso der
    > Gesetzgeber eigentlich grundsätzlich davon
    > ausgeht, daß Geschäftsleute Ihren Lebensunterhalt
    > ausschließlich mit dem Betrug Ihrer Kundschaft
    > verdienen?
    Ich hoffe, ich kann die Aussage eines Professors für bürgerliches Rechts halbwegs wiedergeben :)
    Die Väter des BGB dachten vor mehr als 100 Jahren ursprünglich mal, dass sich eine Art Kräftegleichgewicht zwischen Händlern und Privatleuten von selbst einstellt. Das ist leider so nicht eingetreten (kann ich als Kunde voll bestätigen), so dass man als Kunde kaum noch etwas zu sagen hatte.

    Deshalb hat es schließlich Änderungen gegeben, die den Verbraucher wieder besser stellen sollen. Das würde ich also nicht als grundsätzliches Misstrauen Händlern gegenüber werten. Dass Gesetze heute nicht mehr mit der notwendigen Sorgfalt entworfen werden, ist ja nichts neues...

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