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Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

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  1. Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

    Autor: aroddo 06.02.08 - 12:50

    Klar, sagen viele, eine Firma die nicht so reagiert wie Nokia handelt nicht marktwirtschaftlich.

    Und wie handelte Nokia ?

    Nokia eröffnete einen Standort in Bochum und strich dafür kräftig Subventionen ein und verplichtete sich im Gegenzug dafür, eine bestimmte Anzahl von Arbeitern einzustellen.
    Deutschland und Bochum profitieren von den Steuereinnahmen durch Nokia (falls überhaupt welche gezahlt wurden - Rumänien bietet immerhin 30 Jahre Steuerfreiheit an) und durch die Einkommenssteuern der Angestellten und der Mehrwertsteuer, da die Angestellten Geld haben um was zu kaufen. Ausserdem sind das ein paar tausend weniger ALG-Empfänger.

    Doch dann fand ein Controller heraus, man könne bei einem Umsatz von 51,1 Milliarden Euro den Gewinn von 7,1 Milliarden Euro auf 7,11 Milliarden Euro erhöhen, indem man einen profitablen Standort schließt und einen profitableren Standort eröffnet. Und das war das Ende vom Standort Bochum, da dort die Subventionen ausliefen und man die Mitarbeiter nicht noch weiter runterschrauben und unterbezahlen konnte.


    Und ist das ein Fehler von Subventionspolitik ?

    Sollte man als Politiker, der bemüht ist Arbeitsplätze zum Vorteil aller Beteiligten zu schaffen damit rechnen, dass selbst hochprofitable Unternehmen abwandern sobald die Subventionen, die eine Ansiedlung erleichtern sollten, wie vereinbart eingestellt werden ?


    Anscheinend ja.

    Denn wie sich immer wieder herausstellt, handeln Konzerne grundsätzlich amoralisch und unsozial, ganz einfach aus dem Grund, dass keiner von Konzernen verlangt anders zu handeln !

    Menschen müssen mit anderen Menschen anständig umgehen, sonst erfahren sie meist soziale Nachteile.
    Bei Konzernen gilt das nicht: Sie können die größten Verbrechen begehen, aber das Geschäft wird weiterhin laufen.

    Andersherum erwarten diese, dass sie von anderen "fair" behandelt werden, monieren Boykottaufrufe als ungerechtfertigten Aktionismus, beklagen ungünstige Bedingungen und werben für 'Verständnis' für den schrecklichen wirtschaftlichen Druck unter dem Sie erleiden.

    Es ist fast, als ob ein Millionär einen Spendenaufruf startet, damit er seine vom Feuer verwüstete unter Denkmalschutz stehene Zweitvilla renovieren kann, die nur deshalb abgefackelt ist weil er versäumt hat, eine Löschanlage zu installieren.


    Sind die Poliker nun schuld ?

    Ich meine ja, denn asoziales Verhalten - selbst wenn es von einem Konzern kommt - muss vergolten werden und nicht belohnt !
    Eine Klage wegen Subventionsbetrug ist ein netter Anfang, aber das wird nicht reichen, Konzerne davon zu überzeugen, sozial zu handeln.

    Dafür sind viele Maßnahmen nötig, unter anderem auch die, endlich mal das als 'Raubtierkapitalismus' bekannte Thema nicht nur zu diskutieren, sondern auch nach Lösungen zu suchen und diese umzusetzen - und sich nicht auf halbem Wege stillbestechen zu lassen !!

  2. Re: Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

    Autor: dingdong 06.02.08 - 13:04

    aroddo schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Sind die Poliker nun schuld ?
    > Ich meine ja, denn asoziales Verhalten - selbst
    > wenn es von einem Konzern kommt - muss vergolten
    > werden und nicht belohnt !

    mom, asoziales verhalten kann nur vergolten werden, wenn es gesetze verletzt. das ist in einem rechtsstaat so und ist auch gut so. gut, in dem kann es ja so sein das gesetze verletzt wurden.

    > Eine Klage wegen Subventionsbetrug ist ein netter
    > Anfang, aber das wird nicht reichen, Konzerne
    > davon zu überzeugen, sozial zu handeln.
    >
    > Dafür sind viele Maßnahmen nötig, unter anderem
    > auch die, endlich mal das als
    > 'Raubtierkapitalismus' bekannte Thema nicht nur zu
    > diskutieren, sondern auch nach Lösungen zu suchen
    > und diese umzusetzen - und sich nicht auf halbem
    > Wege stillbestechen zu lassen !!

    firmen die standorte wechseln und tausende mitarbeiter entlassen machen nichts verbotenes. der staat muss die rahmenbedingungen vorgeben.
    was mich aufregt ist immer, dass alle unternehmen die arbeitsplätze wegrationalisieren oder standortwechsel betreiben, immer direkt als verbrecher bezeichnet werden. im kapitalismus ist es halt nunmal so das der gewinn an erster stelle steht. es sind also mehr zwingende rahmenbedingungen nötig und zwar theoretisch weltweit, weil sonst wohl die meisten firmen abwandern würden.

  3. Re: Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

    Autor: Youssarian 06.02.08 - 13:05

    aroddo schrieb:

    > Sind die Poliker nun schuld ?
    >
    > Ich meine ja, denn asoziales Verhalten - selbst
    > wenn es von einem Konzern kommt - muss vergolten
    > werden und nicht belohnt !

    "Die Politiker" unterliegen Sachzwängen, die oft
    das eigentlich Richtige unumsetzbar machen. Da
    fängt einer mit diesen Subventionen an und alle
    anderen müssen mitziehen, sofern dem ersten
    sein Vorgehen nicht verboten werden kann.

    Btw: Wer Vergeltung will, müsste seine bürger-
    liche Existenz opfern und Taten statt Worte spre-
    chen lassen. Die Geschichte hat aber deutlich ge-
    zeigt, dass dieser Weg keinen Erfolg verspricht.

    Im Übrigen fand ich Deinen Artikel sehr lesenswert!

  4. Re: Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

    Autor: MaX 06.02.08 - 13:23

    aroddo schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > ...
    > Deutschland und Bochum profitieren von den
    > Steuereinnahmen durch Nokia (falls überhaupt
    > welche gezahlt wurden ...

    Alleine Bochum hatte durch Nokia laut dem Bürgermeister Jährlich um die 30 Millionen Gewerbesteuereinnahmen. Die Subventionen hatten sich also nach 3 Jahren schon gerechnet.

  5. Re: Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

    Autor: Subventionskritiker 06.02.08 - 13:42

    Vielleicht sollte man auch die Politiker bestrafen, die überhaupt Subventionen zahlen. Politiker sollen Rahmenbedingungen schaffen, daß Unternehmen hier investieren. Subventionen sind keine ansprechenden Rahmenbedingungen, eher ein Ausgleich für Standortnachteile.

    Politiker schaffen keine Arbeitsplätze, Unternehmen tun das!

    Vielmehr finde ich es frech, wenn Politiker (die selbst keine Steuern zahlen) mit dem Geld der Steuerzahler Unternehmen *bestechen* hier zu investieren und sich dafür auch noch feiern lassen.

  6. Nokia demonstriert systemische Fehler marktwirschaflichen Handelns

    Autor: aroddo 06.02.08 - 13:44

    dingdong schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > aroddo schrieb:
    > --------------------------------------------------
    > -----
    > > Sind die Poliker nun schuld ?
    > Ich meine
    > ja, denn asoziales Verhalten - selbst
    > wenn es
    > von einem Konzern kommt - muss vergolten
    >
    > werden und nicht belohnt !
    >
    > mom, asoziales verhalten kann nur vergolten
    > werden, wenn es gesetze verletzt. das ist in einem
    > rechtsstaat so und ist auch gut so. gut, in dem
    > kann es ja so sein das gesetze verletzt wurden.

    Das war vieleicht etwas unklar ausgedrückt.

    Asoziales Verhalten kann natürlich auch vergolten werden wenn es keine Gesetze verletzen würde. Man betrachte z.B. die Boykottaufrufe.

    > firmen die standorte wechseln und tausende
    > mitarbeiter entlassen machen nichts verbotenes.
    > der staat muss die rahmenbedingungen vorgeben.
    > was mich aufregt ist immer, dass alle unternehmen
    > die arbeitsplätze wegrationalisieren oder
    > standortwechsel betreiben, immer direkt als
    > verbrecher bezeichnet werden. im kapitalismus ist
    > es halt nunmal so das der gewinn an erster stelle
    > steht. es sind also mehr zwingende
    > rahmenbedingungen nötig und zwar theoretisch
    > weltweit, weil sonst wohl die meisten firmen
    > abwandern würden.

    Natürlich ist es nicht verboten. Und es gibt sehr viele Firmenpraktiken die als verbrecherisch betrachtet werden, jedoch die Firma nicht zu einem Verbrecher macht. Beispielsweise das Beschäftigen von Kinderarbeitern in einem Land, wo Kinderarbeit erlaubt ist. Zwischen verbrecherischen Handeln und Verbrechen besteht leider ein Unterschied.

    Und ich stimme dir zu wenn du sagst, dass die Rahmenbedingungen für einen anständigen Kapitalismus fehlen.
    Deshalb ist es auch so wichtig, diese zu schaffen und Firmen - 'juristische Personen' - in ein soziales Gefüge einzubinden und nicht wie einen Parasiten zu ertragen.

    Nokia muss man eigentlich dankbar sein, weil sie ohne die geringste Notwendigkeit - und das steht unanfechtbar fest - aus reiner Profitgier das getan haben 'was alle tun', nämlich marktwirtschaftlich zu handeln.

    Nokia handelt unübersehbar asozial und damit marktwirtschaftlich korrekt.

    Marktwirtschaft = Asozial

    So deutlich hätte es ausser Nokia keiner uns deutschen zeigen können.

    Die Frage ist nun, welche Rahmenbedingungen auch lokal unternommen werden können um der Marktwirtschaft dieses Stigma wieder zu nehmen.

  7. Re: Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

    Autor: Knux 06.02.08 - 13:59

    Subventionskritiker schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Vielmehr finde ich es frech, wenn Politiker (die
    > selbst keine Steuern zahlen)

    Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Politiker zahlen vielleicht keine direkten Steuern (Lohnsteuer), von indirekten Steuern (Mehrwertsteuer, Ökosteuer...) sind sie ebenso betroffen, wie jeder andere Bürger auch.

  8. Politiker sind mediengeil

    Autor: Du 06.02.08 - 14:06

    Klar wäre es sinnvoller gewesen 10 mittelständige Familienunternehmen, die schon seit 50 Jahren ansäßig (und nicht an der Börse gelistet) sind mit jeweils 4 Mios zu subventionieren, aber dann wären die Schlagzeilen ja nicht so groß gewesen. Und dass der Großkonzern nach ein paar Jahren wieder weg ist, stört ihn auch nicht, denn damit kann sich dann ja der Nachfolger (am Besten von ner anderen Partei) rumärgern...

  9. Re: Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

    Autor: Thomas Pönisch 06.02.08 - 15:05

    Knux schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Subventionskritiker schrieb:
    > --------------------------------------------------
    > -----
    > > Vielmehr finde ich es frech, wenn Politiker
    > (die
    > selbst keine Steuern zahlen)
    >
    > Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Politiker
    > zahlen vielleicht keine direkten Steuern
    > (Lohnsteuer), von indirekten Steuern
    > (Mehrwertsteuer, Ökosteuer...) sind sie ebenso
    > betroffen, wie jeder andere Bürger auch.

    Auch das ist (halb)falsch, Politiker sind Beamte und auch Beamte zahlen Steuern, nämlich Lohnsteuer.

  10. Re: Politiker Schuld an Nokias Verhalten ?

    Autor: Besserwisserman 06.02.08 - 15:32

    In Summe betrachtet erbringen sie aber keine Steuerleistung, da sie ja selbst ein Teil der Steuerausgaben sind, und eben quasi *zeremoniell* dann wieder Steuern zurückzahlen.

    Aber es gibt auch explizit steuerfreie PAUSCHALEN, die dann als Aufwandsentschädigungen zählen. Jeder Mitarbeiter in einer Firma muss seine Aufwendungen im Sinne des Unternehmens dieser Firma penibel nachweisen, um die Kosten erstattet zu bekommen ...

    Zusätzlich sind auch Tagungs- und Sitzungsgelder steuerfrei, was aber eigentlich keine Rolle spielt, aus oben genannten Gründen.

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