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iTunes = Knast

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  1. iTunes = Knast

    Autor: Jay Äm 30.06.08 - 21:32

    Tschuldigung für die etwas drastische Überschrift. Aber ich meine, was ich schreibe - wollte mal eine nette kleine Geschichte erzählen.

    Ein Kollege bekam neulich Besuch von der Polizei. Seine Rechner wurden forensisch untersucht. Er hatte sich ein Album auf einer Tauschbörse gezogen. Das Album hat er auf LP. Laut seinem Anwalt muss er deshalb nichts befürchten.

    Naja, aber er hat ja einen iPod. Befüllt per iTunes. Und im iTunes Verzeichnis fanden sich 22.000 Musikdateien. Alle gekauft bei iTunes.

    Die "Sachverständigen", die ja bekanntermaßen von der Musikindustrie gestellt werden, haben daraufhin festgestellt, das eine "schwere Mediensucht" vorliegen müsse, wenn jemand so viele Musikdateien gestohlen hätte.

    Das Ding geht jetzt vor Gericht. Die Klage lautet auf den Besitz von 22.000 Musikdateien. Klagewert pro Datei 150 Euro. Sind 3,3 Millionen Euro. Der Sachverständige vor Gericht wird auch von der MI gestellt. Mein Bekannter braucht also einen Anwalt.

    Anwälte aber lassen sich relativ zum Klagewert bezahlen. Ein paar Prozent. Holt mal euren Taschenrechner raus und rechnet aus, wieviel "ein paar Prozent" von 3,3 Millionen Euro (!) sind.

    Der Mann steht jetzt vor dem Ruin. Ich habe ihm gesagt, er solle mal Apple anschreiben. Naja, und ich kenne Anwälte, die die Verbrecher, die diesen Mist verursachen, verklagen wollen. An die habe ich ihn auch verwiesen.

    Hart, oder?

    Ungenauigkeiten in den Formulierungen bitte ich zu verzeihen - ich bin kein Anwalt.

  2. Re: iTunes = Knast

    Autor: DrAgOnTuX 30.06.08 - 22:13

    Jay Äm schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Tschuldigung für die etwas drastische Überschrift.
    > Aber ich meine, was ich schreibe - wollte mal eine
    > nette kleine Geschichte erzählen.
    >
    > Ein Kollege bekam neulich Besuch von der Polizei.
    > Seine Rechner wurden forensisch untersucht. Er
    > hatte sich ein Album auf einer Tauschbörse
    > gezogen. Das Album hat er auf LP. Laut seinem
    > Anwalt muss er deshalb nichts befürchten.
    >
    > Naja, aber er hat ja einen iPod. Befüllt per
    > iTunes. Und im iTunes Verzeichnis fanden sich
    > 22.000 Musikdateien. Alle gekauft bei iTunes.
    >
    > Die "Sachverständigen", die ja bekanntermaßen von
    > der Musikindustrie gestellt werden, haben
    > daraufhin festgestellt, das eine "schwere
    > Mediensucht" vorliegen müsse, wenn jemand so viele
    > Musikdateien gestohlen hätte.
    >
    > Das Ding geht jetzt vor Gericht. Die Klage lautet
    > auf den Besitz von 22.000 Musikdateien. Klagewert
    > pro Datei 150 Euro. Sind 3,3 Millionen Euro. Der
    > Sachverständige vor Gericht wird auch von der MI
    > gestellt. Mein Bekannter braucht also einen
    > Anwalt.
    >
    > Anwälte aber lassen sich relativ zum Klagewert
    > bezahlen. Ein paar Prozent. Holt mal euren
    > Taschenrechner raus und rechnet aus, wieviel "ein
    > paar Prozent" von 3,3 Millionen Euro (!) sind.
    >
    > Der Mann steht jetzt vor dem Ruin. Ich habe ihm
    > gesagt, er solle mal Apple anschreiben. Naja, und
    > ich kenne Anwälte, die die Verbrecher, die diesen
    > Mist verursachen, verklagen wollen. An die habe
    > ich ihn auch verwiesen.
    >
    > Hart, oder?
    >
    > Ungenauigkeiten in den Formulierungen bitte ich zu
    > verzeihen - ich bin kein Anwalt.

    Ist doch irgendwie/irgendwo ersichtlich woher die 22.000 gekauft wurden, oder?

  3. Re: iTunes = Knast

    Autor: Jura Student 01.07.08 - 00:09

    Die Polizei lässt die Rechner mitlerweile ja gar nicht mehr von einem IT-Forensiker untersuchen sondern schickt die Geräte an die Kanzlei die die content Industrie vertritt.

    Das heist die Beweisaufnahme wird nicht mehr von der unabhängigen Behörden durchgeführt sondern von einer der Beteiligten Streitparteien.

    Ich kann mich an einen Fall erinnern in dem der Richter die vorgelegten "Beweise" für nichtig erklärt hat da man nicht sichergehen konnte das sie vom Sachverständigen des Klägers wärend der Beweisaufnahme manipuliert wurden.
    Der entsprechende Filesharer wurde daraufhin freigesprochen.

    Sollte also dieser "Sachverständige" von der MI den Rechner durchsucht haben dann wäre das eine gute Möglichkeit die Rechtmäßigkeit der Anklage anzufechten.
    Auf jeden Fall würde ich beantragen das der rechner ein zweites mal von einem wirklich unabhängigen Experten untersucht wird.
    Vor allem sollte man prüfen ob es nach der Beweisaufnahme noch irgendwelche Veränderungen am Dateisystem gegeben hat denn wenn auch nur eine einzelne Systemdatei minimal verändert wurde ist das Beweismittel juristisch gesehen ungültig und darf nicht mehr verwendet werden.

    Zudem würde ich an die Presse gehen und z.B. einen Artikel auf Indymedia veröffentlichen und die redaktion von Gulli.com informieren.
    Denn dann kann er die Content Industrie unter Druck setzen, denn je größer der Öffentliche Druck ist desto eher wird sich das Gericht veranlasst fühlen gründlich zu arbeiten anstatt nur schnell abzuurteilen.

    Dann würde ich noch Kontakt mit der EFF und der Free Software Foundation aufnehmen die haben auch schon in früheren Verfahren Anwälte zur Verfügung gestellt bzw deren Anwälte haben in solchen Sachen Erfahrung und können es mit den MI Anwälten aufnehmen.

  4. Re: iTunes = Knast

    Autor: :-) 01.07.08 - 00:23

    Für jedes gekaufte Lied bekommt man von Apple einen Beleg. Ferner gibt es eine Liste von gekauften Liedern, die man nicht verändern kann. Er braucht also keine Angst zu haben.


  5. Re: iTunes = Knast

    Autor: Jay Äm 01.07.08 - 01:31

    :-) schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Für jedes gekaufte Lied bekommt man von Apple
    > einen Beleg. Ferner gibt es eine Liste von
    > gekauften Liedern, die man nicht verändern kann.
    > Er braucht also keine Angst zu haben.

    In der Theorie klingt das hervorragend. Ich hoffe, das es in der Praxis so einfach sein wird. Die haben ihm noch viel mehr vorgeworfen, und der Kram ist wesentlich bizarrer gewesen. Der Teil mit iTunes war beinahe das vernünfigste :/

  6. Re: iTunes = Knast

    Autor: Jay Äm 01.07.08 - 01:35

    DrAgOnTuX schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Ist doch irgendwie/irgendwo ersichtlich woher die
    > 22.000 gekauft wurden, oder?

    Ja, natürlich. Einer der Gründe, warum ich empfahl, Apple anzuschreiben. Mithilfe des Rechners kann er es schwerlich nachweisen, auf den hat er ja keinen Zugriff. Aber das man bei solchen Größenwahn seitens des Klägers nervös wird ist verständlich.


  7. Re: iTunes = Knast

    Autor: DrAgOnTuX 01.07.08 - 01:43

    Jay Äm schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > :-) schrieb:
    > --------------------------------------------------
    > -----
    > > Für jedes gekaufte Lied bekommt man von
    > Apple
    > einen Beleg. Ferner gibt es eine Liste
    > von
    > gekauften Liedern, die man nicht
    > verändern kann.
    > Er braucht also keine Angst
    > zu haben.
    >
    > In der Theorie klingt das hervorragend. Ich hoffe,
    > das es in der Praxis so einfach sein wird. Die
    > haben ihm noch viel mehr vorgeworfen, und der Kram
    > ist wesentlich bizarrer gewesen. Der Teil mit
    > iTunes war beinahe das vernünfigste :/
    >
    >

    Ich wünsche viel Glück, auf in den Krieg (kommt mir schon langsam so vor wie damals zu Ogame zeiten, als Kollegen erfuhren, dass sie gleich vom #1 Player gebasht werden =D )

  8. Re: iTunes = Knast

    Autor: Jay Äm 01.07.08 - 01:44

    Alles sehr gute Vorschläge. Ich warte jetzt mal Apple und den von mir erwähnten Anwalt ab. Und wenn das nichts bringt werde ich ihm mal vorschlagen, die von Dir erwähnten Schritte zu unternehmen. Er hat sich natürlich auch überlegt, irgendwie an die Öffentlichkeit zu gehen, aber er scheut vor diesem Schritt. Ich kann es nachvollziehen; ich wollte auch nicht, das meine Name und mein Foto durch die Presse geistern, ganz egal, weshalb. Aber die Alternative ist noch wesentlich heftiger.

    Naja, das ganze geht jedenfalls seinen Weg. Ich werde auf jeden Fall wieder berichten, wenn es da was neues zu gibt.

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