Wer ist Schuld an so viel Raubkopiererei?
Autor: iggy 05.04.05 - 17:01
Wir schauen zurück in eine Zeit um die 1990er Jahre:
Ein neues Medium im Internet war geschaffen worden - DSL-Leitungen
Ein paar Jahre später kurbelten die Provider den Markt an.
Diejenigen, die sich immer schon mehr Bandbreite wünschten, wussten ohnehin wozu DSL gut war: "Die neue Linux-Distri in weniger als 24 Stunden saugen" oder "Fernwartungssysteme die die grafische Oberfläche in Echtzeit übertragen"
Die Frage der Provider war: "Wie überzeugen wir den Otto-Normaluser von der Notwendigkeit für ihn, sich so eine Leitung anzuschaffen und uns damit mehr Umsatz einzubringen?"
Eine 56k-Leitung war bisher ausreichend für "ihn".
Promt kamen neue Marketing-Strategien ans Tageslicht.
Wir hören und sehen immer noch in Werbespots: "Filme und Musik downloaden soviel man möchte".
Blos sagt uns keiner dieser Spots: "mit diesem Programm ist es legal"
In Computermagazinen und auf IRC-Channels finden wir die nötigen Informationen um auch in den Genuss von Internet-Kinofilmen und -Musik zu kommen.
"Das muss es sein, was die Provider meinten - Emule, Kazaa, Bittorrent & Co"
Keiner hat irgendwelche Schuldgefühle, bei der Nutzung dieser Programme.
Wieso auch?
Wir sehen keinen offensichtlichen Schaden, den wir damit anrichten könnten.
Alle Welt hat mit den Downloadmöglichkeiten geworben.
Es ist möglich.
"Alle machen es!"
Zugleich wurden P2P-Systeme von der produzierenden Industrie für Musik und Film erstmals etwas misstrauisch angeschaut.
Die ersten Bedenken, angesichts der sinkenden Umsätze machten sich breit.
Die Ursache musste festgestellt werden.
Für sie stand fest "es sind die Nutzer der P2P-Systeme, welche die Raubkopien im Internet verteilen".
Klagen wurden eingereicht und neue Gesetze erlassen.
Anti-Raubkopie Werbespots sind heute neben Anti-Rassismus und Anti-Massentiertransport Spots gang und gebe.
2004 wurden vermutlich mehr Raubkopierer verklagt und verhaftet, als es in dieser Zeit "normale Diebe" und Raubüberfälle gab.
Die Besserung schafften legale Alternativen zu den bisherigen P2P-Systemen.
Der Markt flourierte.
Apple holte sich vermutlich die meisten Endkunden und schaffte es auch, bisher illegale "Sauger" zu bekehren.
Selbst der "Otto-Normaluser No. 2" welcher bisher noch nichts von dem P2P-Andrang im "Untergrund" gehört hat, wusste nun mit welchem Programm er LEGAL herunterladen konnte.
Die Situation schien sich allmählich zu beruhigen.
Ein paar Monate später die Schlagzeile bei Golem.de:
"Mobile-P2P - der Esel kommt aufs Handy"
Darunter las man von Unternehmen wie Siemens Communications oder die "Universität Würzburg".
Auf der dritten Seite, die Zeile auf die man angespannt gewartet hat:
"Der rechtliche Aspekt bleibt dabei zunächst außen vor, mobiles File-Sharing ist schließlich auch ohne die Technik der Forscher machbar ..."
Und nun frage ich euch erneut: Wer ist eigentlich Schuld, an so viel Raubkopiererei?
Sind es wirklich nur die User?
Hat auch die Musikindustrie die Anpassung der Marketingstrategie etwas verschlafen?
Oder sollten sich gar die Provider und Entwickler selbst einen großen Batzen Schuldgefühle zusprechen? Wobei mit den Entwicklern vorzugsweise die Industriellen Entwickler gemeint sind. Diese geben den OpenSource Entwicklern erst die Plattform die Systeme überhaupt zu entwickeln.
Ausser Frage steht, dass P2P-Systeme auch auf legale Art und Weise genutzt werden können. Aber wenn schon mit MP3s geworben wird, kann man eigentlich nur erwarten, dass es auch hier weitergeht wie bisher.
Ist die Industrie eigentlich lernfähig?
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Die Gegenwart und die Zukunft kann man erst aufbauen,
wenn die Vergangenheit abgeschlossen ist.
(Baltasar Garzon)
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iggy | 05.04.05 - 17:01 |
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:-) | 05.04.05 - 17:12 |
Re: Wer ist Schuld an so viel... |
Slotty | 05.04.05 - 22:02 |
Re: Wer ist Schuld an so viel... |
Jens Oberender | 18.02.06 - 09:03 |



