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Wo sind die Details - Schönes Märchen

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  1. Wo sind die Details - Schönes Märchen

    Autor: Neutrino 11.03.09 - 16:33

    Ich muss mal ein wenig provozierend anfangen. Für mich liest sich das so: "Ich hatte Krebs, Aids, kein Geld, keine Liebe und keine Wohnung. Dann nahm ich OpenSource ein und mein Leben ist wieder vollkommen in Ordnung."

    Ich hab mir den Originalbericht auf orsor.eu durchgelesen und vermute einfach mal, dass der Schreiber wichtige Details ausgelassen hat.

    "Up until 2004 the Gendarmerie acquired 12.000 to 15.000 licences annually. In 2005 it bought just 27." Ab 05 habe die also einfach mal so keinerlei Lizenzen mehr gekauft, aha. Plötzlich hat man keinen Bedarf mehr? Natürlich muss die IT der Gendarmerie auch nicht modernisiert werden.

    "Guimard estimates Gendarmerie since 2004 has saved 50 million euro on licences for standard office applications, hardware and maintenance." Wie kann man durch einen Einkaufsstop von Lizenzen (Welche Lizenzen bleibt unklar) Hardware und vor allem Unterhaltskosten sparen? Und wie spart man damit gleich 50 Millionen Euro? Das ist ein verdammt grosser Betrag.

    Dann geht's spannend weiter... die hatten ein altes und schwer wartbares IT-System, welches teuer war. Nachvollziehbar. Und weil sie das hatten, entwickelte SAP mal schnell einen Webclient. Und weil man nun einen Webclient hat spart man Kosten und kann jederzeit ganz leicht die Backendapplikation austauschen? Wie bitte??? Was haben die mit dem alten System gemacht? Und war das alte, ganz wichtige System nur ne HR Applikation? Kann mir das jemand erklären? Was ist mit den restlichen Applikationen, die auf dem Client laufen?

    "Microsoft was forcing us to buy new software licences. This annoyed our accountant, who tried OpenOffice." Ein mutiger Buchhalter hat den Stein ins Rollen gebracht. Wahnsinn. Das meint der Typ doch wohl nicht im Ernst. Dann kamen ein paar weitere Jungs dazu, haben OO installiert, es für gut befunden und verordnet, dass OO auf 90000 Desktops installiert wird. Yep, so laufen Grossprojekte. Da OO ja gratis ist hat ein IT-Mann es wohl mal schnell aus dem Internet geladen und es mit einem kostenlosen SW-Verteilungstool mal schnell installiert. Wartung, Consulting, Erweiterungen, Anpassungen nicht nötig oder gratis.

    Interessantes zum Thema "Unterschiede zwischen XP und Ubuntu": Moving from XP to Ubuntu, however, proved very easy. The two biggest differences are the icons and the games. Games are not our priority." Na klar, beide Systeme sind gleich aufgebaut und sehen auch gleich aus. Und wenn dann noch OO drauf ist, dann hat der User mit der Umstellung auch gar keine Probleme. Schon mal an die vielen tausen älteren Polizisten gedacht, die immer noch lieber Rapporte mit der Schreibmaschine ausfüllen würden, weil sie nur das können(wollen)?

    Und zu guter letzt noch das Thema Softwareverteilung: "Previously, one of us would be travelling all year just to install a new version of some anti virus application on the desktops in the Gendarmerie's outposts on the islands in French Polynesia. A similar operation now is finished within two weeks and does not require travelling." Im Artikel kommt es so rüber als wäre das durch die Umstellung auf OpenSource erreicht worden. Jeder, der in der IT arbeitet weiss, das da viel mehr dahinter steckt. Und man kann nur erahnen, was eine Unstellung der bisherigen Vorgehensweise kostet - OpenSource oder nicht. Für mich ist der Satz ein Schuss ins eigene Knie. Wie bitte haben die denn vor der Umstellung gearbeitet? Was Linux Client und Server out of the box diesbezüglich drauf haben weiss ich nicht aber ich nehme mal nicht an, dass man damit mal einfach so 90k Clients bewirtschaftet.

    Nun habe ich mir noch die Präsentation angeschaut. Bin nicht so der Französischen Sprache mächtig. Die Erkenntnisse für mich:
    - Deren IT war in einem desolaten Zustand
    - Das ganze Projekt wurde initialisiert um die komplette IT zu modernisieren, mit dem Buchhalter hat das gar nix zu tun
    - Es werden gerne Einsparungen der Lizenzkosten angegeben (Exchange, Word(?) Manchmal zeigt man auch direkte Einsparungen auf. Aber wie sich diese zusammensetzen oder was der Nutzen ist bleibt leider offen.
    - Ueber die Anpassungs, Integrations und Schulungskosten wird gänzlich geschwiegen
    - Details über Verbesserungen der IT-Services bleiben aus. Schade, wäre interessant zu erfahren, was sie alles umgebaut haben. Dann könnte man sich ein besseres Bild der Situation machen.

    Bilanzierend für mich ein sehr schwacher Bericht. Hier wird ein grosser Sieg gefeiert - Doch was man dafür geopfert hat bleibt im Dunkeln. Schade.

    Die halbe Woche ist fast geschafft!

  2. Re: Wo sind die Details - Schönes Märchen

    Autor: XP verglichen mit Ubuntu 11.03.09 - 17:23

    > Interessantes zum Thema "Unterschiede zwischen XP und Ubuntu": Moving from XP to Ubuntu, however, proved very easy. The two biggest differences are the icons and the games. Games are not our priority." Na klar, beide Systeme sind gleich aufgebaut und sehen auch gleich aus. Und wenn dann noch OO drauf ist, dann hat der User mit der Umstellung auch gar keine Probleme.

    Der Abschnitt war zwar ironisch gemeint, aber ich würde ihn (mit Einschränkungen) ohne Ironie bringen. Wenn man fähige Admins hat kommen die genau so gut mit Ubuntu Clients und Servern wie mit den Windows Pendanten zurecht und für den Büroalltag besteht der größte Unterschied wirklich nur in anderen Icons.
    Die große Ähnlichkeit zwischen OO und MS Office 2003 kann ja wirklich niemand abstreiten und Firefox läuft auch auf Ubuntu, lediglich das Startmenü ist oben anstatt unten und die Buttons sehen leicht anders aus.
    Aber mir kann niemand erzählen, dass selbst ältere Semester diese Umstellung nicht auf die Reihe kriegen, vor allen Dingen da sie ja nichts am System schrauben müssen, Software installieren, o.ä.

    Auf deine anderen Fragen und Spekulierungen kann ich aber leider auch keine Antwort geben.

  3. Re: Wo sind die Details - Schönes Märchen

    Autor: kikimi 11.03.09 - 23:59

    Neutrino schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Ich muss mal ein wenig provozierend anfangen. Für
    > mich liest sich das so: "Ich hatte Krebs, Aids,
    > kein Geld, keine Liebe und keine Wohnung. Dann
    > nahm ich OpenSource ein und mein Leben ist wieder
    > vollkommen in Ordnung."

    Nö.

    > Ich hab mir den Originalbericht auf orsor.eu
    > durchgelesen und vermute einfach mal, dass der
    > Schreiber wichtige Details ausgelassen hat.
    >
    > "Up until 2004 the Gendarmerie acquired 12.000 to
    > 15.000 licences annually. In 2005 it bought just
    > 27." Ab 05 habe die also einfach mal so keinerlei
    > Lizenzen mehr gekauft, aha. Plötzlich hat man
    > keinen Bedarf mehr? Natürlich muss die IT der
    > Gendarmerie auch nicht modernisiert werden.

    Es heißt *Lizenzen* für Software.

    Es ist gut möglich, dass die für Hardware einen eigenes Budget haben, insofern versteh ich dein Problem nicht.

  4. Re: Wo sind die Details - Schönes Märchen

    Autor: Neutrino 12.03.09 - 00:34

    > Es heißt *Lizenzen* für Software.
    >
    > Es ist gut möglich, dass die für Hardware einen
    > eigenes Budget haben, insofern versteh ich dein
    > Problem nicht.

    Danke, ich weiss was Lizenzen sind. Ich versteh nicht was du mir damit sagen willst. Im Bericht steht zur Hardware folgendes: "Guimard estimates Gendarmerie since 2004 has saved 50 million euro on licences for standard office applications, hardware and maintenance."

    Meine Frage ist also nach wie vor: Was haben die mit ihrer IT seit 2004 gemacht? Stillstand?

  5. Re: Wo sind die Details - Schönes Märchen

    Autor: Neutrino 12.03.09 - 00:42


    > Der Abschnitt war zwar ironisch gemeint, aber ich
    > würde ihn (mit Einschränkungen) ohne Ironie
    > bringen. Wenn man fähige Admins hat kommen die
    > genau so gut mit Ubuntu Clients und Servern wie
    > mit den Windows Pendanten zurecht und für den
    > Büroalltag besteht der größte Unterschied wirklich
    > nur in anderen Icons.
    Davon bin ich überzeugt. Für die Admins dürfte es nach kurzer Zeit keine Rolle mehr spielen.

    > Aber mir kann niemand erzählen, dass selbst ältere
    > Semester diese Umstellung nicht auf die Reihe
    > kriegen, vor allen Dingen da sie ja nichts am
    > System schrauben müssen, Software installieren,
    > o.ä.
    In Projekten wo Hauptapplikationen der User umgestellt werden unterschätz man oftmals die Macht der Gewohnheit und die Fähigkeit oder den nicht vorhandenen Willen zur Anpassung der Benutzer. Gerade ältere Semester fühlen sich manchmal überfordert. Schon manches Projekt ist an mangelnder Akzeptanz der User gescheitert.

  6. Re: Wo sind die Details - Schönes Märchen

    Autor: Dr.Sterni 13.03.09 - 16:21

    Ja, nee. Ich finde Neutrino hat schon recht.

    Also erstmal hat mir Dein Beitrag gefallen, Neutrino, weil er schon ganz lustig zu lesen ist und ein bisschen provoziert.

    Sicherlich wird die Macht der Gewohnheit von Usern oft unterschätzt und all dies. Aber wenn ich mir die Software-Landschaft anschaue, die mich hier so im Büro umgibt, dann sind das zig Applikationen für verschiedenste Servicebereiche mit komplett anderen Aufgaben, die alle irgendwelche Schnittstellen zu weiteren Applikationen haben. Bei uns ginge eine solche Umstellung auf OpenSource-basierten Produkten also gar nicht, ohne (und das ist ja das, was selten gesehen wird) erhebliche Kosten zu produzieren.

    In Büroumgebungen, wo man halt den Hauptteil der Arbeit mit Standardapplikationen hinbekommt, ist das ja alles schön und gut und ein Wechsel auf OS-Produkte vielleicht noch ganz gut handlebar, aber wenn man halt auf sehr viele verschiedene spezialisierte Produkte angewiesen ist, die auf die APIs der großen kommerziellen Softwareverfahren zurückgreifen, wird's echt schwierig.

    Ich glaub' auch gar nicht, dass diese Umstellung dort in Wirklichkeit bescheiden gelaufen ist. Wenn die Gendamerie damit zufrieden ist, bitte. Aber ich befürchte, dass wirklich viel bei den Originalberichten unter den Teppich gekehrt wurde, was eben nicht so schön ist im täglichen Gebrauch dieser Software.

    Wenn die dadurch natürlich lediglich alte Systeme gegen neue ausgetauscht haben, 'ne Menge Papier sparen, keine Karteikarten und keine Schreibmaschinen mehr benutzen müssen und das auch das gewollte Ziel war: super. Aber wenn man sich die Zahlen anschaut, mit denen dort hantiert wurde, dann scheint das ja genau eben nicht der Fall gewesen zu sein. Und dann dürfte es eine Menge geopferter Aspekte geben, über die nicht berichtet wurde.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 13.03.09 16:25 durch Dr.Sterni.

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