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Offener Brief der eBay-Belegschaft gegen Ver.di-Kampagne

Neue Foren im Freiraum! Raumfahrt und freie Software haben jetzt einen Platz, die Games tummeln sich jetzt alle in einem Forum.
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  1. Re: Ebay-poster

    Autor: noch ein betriebsrat 03.05.04 - 14:55

    naja, solange es die richtige meinung ist...

    oder glaubst du, du würdest dich trauen irgendetwas anderes zu posten, wenn du vermuten müsstest, du würdest überwacht...? hallo?

    fakt ist, dass es bei ebay reichlich kriecherische "abteilungsleiter" gibt, die eigentlich nicht genügend qualifiziert sind (oder irgendwelche anderen qualifikationen haben als für den job den sie machen sollen). Solche leute können die firmenphilosofie im schlaf runterbeten und denen braucht man nicht mal was extra zu zahlen, um sich in der öffentlichkeit lächerlich zu machen. und dabei sind sie ja "sooo" wichtig! traurig, das...

  2. Re: Ebay-poster

    Autor: Daniel eBayböck 03.05.04 - 15:00

    Also ich leite hier keine Abteilung, aber vielleicht wird es ja was, wenn ich weiter hier poste.....

  3. Aber Verdi hat recht !!!

    Autor: Peter Knieps 03.05.04 - 15:38

    Ich finde es total gut, dass die Gewerkschaften solche Aktionen durchziehen !

    Wenn wir zunächst nicht durchblicken was die wollen, hat das bestimmt seinen grund.

    Später, wenn wir dann auf die Strasse gesetzt werden, ohne Gewerkschaftsschutz und über 40 Stunden arbeiten müssen, ohne Lohnauslgleich,dann schreiben alle nach Gewerkschaft.

    Denkt dran,dass die Gewerkschaften eine Gewähr für uns sind.
    Und ich glaube auch, dass an den Vorwürfen gegen ebay etwas dran ist!

    P.

  4. Re: Aber Verdi hat recht !!!

    Autor: Martin Schwarz 03.05.04 - 15:42

    Ich teile die Meinung zu 95 % auch, da ich weiß, dass wir ohne Hilfe der Gewerkschaften den Arbeitgebern ausgeliefert sind.

    Es ist nur so, daß ich mir wünschen würde, das Verdi etwas ruhiger gegen ebay vorgehen würde. Zum Ziel kommen die sowieso.

    Hauptsache die Meißten merken später, das der Beitritt auf Dauer etwaas bringt.

    Martin

  5. Re: Offener Brief der eBay-Belegschaft gegen Ver.di-Kampagne

    Autor: Marcus Hammerschmitt 03.05.04 - 15:45

    Wenn das Beten nicht mehr fruchtet

    eBay hat wie nur wenige Unternehmen den Hype um den E-Commerce vom Ende des letzten Jahrhunderts bis in unsere Tage gerettet. Dass die Resterampe des Kapitalismus nicht trotz, sondern wegen der Krise floriert - in Zeiten der Not wird Geiz halt immer geiler - wurde dabei gern übersehen. Aber in letzter Zeit trüben andere Schönheitsfehler das Bild.

    Nicht nur kratzen die Schlamperei und die Kriminalität mancher seiner Kunden am Lack des Unternehmens, nicht nur hat man Probleme mit Phising und Sicherheitslücken auf der eigenen Website jetzt zeigen sich auch noch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unzufrieden.

    Dabei könnte man auf die Idee kommen, dass es diese Mitarbeiter gar nicht gibt - getreu der Devise, dass eBay nichts anderes ist als eine große virtuelle Lagerhalle, in der Gäste gegen eine Gebühr ihre Flohmarktgeschäfte machen, sind die Lagerhallenverwalter nur schwer zu erreichen, die Adressen von Ansprechpartnern tief im Gestrüpp der Website versteckt; mit persönlichem Kontakt hält man sich zurück. Sehr liberal, sehr kostensparend: schlanker kann Management kaum sein.

    Aber natürlich ist es ein Mythos, dass diese Art von E-Commerce fast ohne Mitarbeiter auskommt, dass die Kunden und die Systeme gleichsam alles selber machen. Es gibt sie, diese Mitarbeiter, und seit neuestem schlagen sie Krach.

    Bekannt wurde das dem breiteren Publikum Ende März durch Presseveröffentlichungen, die nicht nur über konkrete Einzelfälle berichteten, sondern auch über eine Website namens epay.tv auf der sich Mitarbeiter anonym über ihre Situation austauschten und per Umfrage dokumentierten, dass die thematisierten Missständen wohl eher keine Ausnahmen waren.

    Von Überwachung, Manipulation, Unterbezahlung, erzwungenen Überstunden und anderem war die Rede. Mitarbeiter würden genötigt, die Grundsätze der Firma auf einer Plakette immer bei sich zu tragen. Da der erste Grundsatz lautet: "Wir glauben, dass die Menschen gut sind", heißt der Text bei den Mitarbeitern das "Morgengebet".

    Mehr unter:

    http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/17320/1.html

    Grüße,

    M. Hammerschmitt

    http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/high.html
    http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/low_linkskurve.html

  6. Re: von oben verordnet?

    Autor: Fred Feuerstein 03.05.04 - 16:25

    ALLER?

  7. Re: Ebay-poster

    Autor: VSP 03.05.04 - 17:38

    Na Du scheinst ja ein ganz schlauer Alleswisser zu sein...
    Warum siehst Du Dir nicht mal die "sklavenhaften" Arbeitsbedingungen an, bevor Du schlaue Sprüche ablässt?

    Und glaubst Du wirklich, man kann mehrere Hundert Mitarbeiter dazu zwingen einen offenen Brief "freiwillig" zu unterschreiben, wenn sie nicht selber wollten? Wach auf!

  8. Re: Ebay-poster

    Autor: VSP 03.05.04 - 17:42

    Na Du scheinst ja ein ganz schlauer Alleswisser zu sein...
    Warum siehst Du Dir nicht mal die "sklavenhaften" Arbeitsbedingungen an, bevor Du schlaue Sprüche ablässt?

    Und glaubst Du wirklich, man kann mehrere Hundert Mitarbeiter dazu zwingen einen offenen Brief "freiwillig" zu unterschreiben, wenn sie nicht selber wollten? Wach auf!

  9. Re: Offener Brief der eBay-Belegschaft gegen Ver.di-Kampagne

    Autor: Sternschnuppe 03.05.04 - 17:50


    Marcus,

    ich glaube du hast es immer noch nicht begriffen oder stehst nur auf Eigenwerbung:



    Hier mal der Brief im Original:

    http://www.presseportal.de/story.htx?nr=552897
    eBay-Mitarbeiter-Initiative gegen Gewerkschaftskampagne

    03.05.2004 - 15:57 Uhr, ebay Mitarbeiter-Initiative [Pressemappe]

    Europarc-Dreilinden (ots) -

    Auch die Mitarbeiter von eBay sind über die Gewerkschaftskampagne
    von connexx.av entsetzt. Daher wurde eine Initiative gestartet und
    heute ein "Offener Brief" sowie ein Foto (mit Unterschriften) von
    allen beteiligten Mitarbeitern an die Verantwortlichen von connexx.av
    gesendet:


    An alle Mitarbeiter der connexx.av!

    Wir Mitarbeiter von eBay haben beschlossen, uns zu der von
    connexx.av geführten, untragbaren Kampagne gegen unser Unternehmen zu
    äußern.

    Wir sind entsetzt über diese unangemessene Vorgehensweise.

    Der angestrebte 5-Phasen-Plan der Gewerkschaft, richtet sich nicht
    nur gegen unseren Arbeitgeber selbst, sondern auch gegen alle
    Mitarbeiter und vor allem gegen die Mitglieder unseres Marktplatzes.

    Offensichtlich wurden nicht alle Konsequenzen der Handlungen
    bedacht und es wurde ein gänzlich falscher Weg eingeschlagen.

    Auch nach Aufdecken der Kampagne werden weiterhin Unwahrheiten
    verbreitet, die wir als Arbeitnehmer in keiner Weise akzeptieren
    wollen.

    Betriebsinterne Probleme - egal, welcher Art - können beim
    Management oder beim Betriebsrat jederzeit angesprochen werden. So
    wird gemeinsam nach Lösungen gesucht, die für alle Beteiligten
    zufrieden stellend sind.

    Es wird uns weder der Mund verboten, noch werden Drohungen gegen
    die Mitarbeiter ausgesprochen.

    Mit dieser Aktion haben ver.di und connexx ihre Glaubwürdigkeit
    vollkommen verloren! Wir sind sehr enttäuscht, dass es Menschen gibt,
    die solche Aktionen durchführen!

    Für uns ist klar, dass wir eBay-Mitarbeiter nunmehr noch stärker
    zusammenhalten.

    ots Originaltext: eBay Mitarbeiter-Initiative
    Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

  10. Re: von oben verordnet?

    Autor: Cryptkeeper 03.05.04 - 19:16

    Von oben verordnet....so ein Quatsch. Read this ;-)

    http://www.presseportal.de/story.htx?nr=552897&action=bigpic&att=28811&keygroup=

  11. Re: von oben verordnet?

    Autor: Elfi 03.05.04 - 20:27

    Ver.di braucht Mitglieder, anders kann ich mir sowas nicht erklären. Manchmal kann es schon gut sein, in der Gewerkschaft zu sein. DAS aber ist jawohl Populismus vom Feinsten! Damit machen sich die Verantwortlichen unglaubwürdig!
    Statt starren Regeln wäre mehr Flexibilität angesagt!

  12. Re: wer weiss was hier los ist

    Autor: Lollo 03.05.04 - 20:56

    Klar, habe eine paar Hundert dieser ach so unzufriedenen Leute mal eben so bestochen und alles ganz heimlich, so dass es keiner merkt.

    Mensch, denkt doch mal nach...

    lollo

  13. Re: Offener Brief der eBay-Belegschaft gegen Ver.di-Kampagne

    Autor: Lollo 03.05.04 - 21:03

    Oh man, das schon wieder, das hat der Mann doch schon mal in dem anderen Golem Forum gepostet.

    Haaaallo, ist nicht wirklich von Interesse, uns beschaeftigt grad was anderes.

    Einfach ein anderes Thema zu Schreiben suchen würde ich empfehlen.

  14. Re: Sinn verkommen

    Autor: Lollo 03.05.04 - 22:26

    dem kann ich nur beipflichten, stimmt total...LEIDER

  15. Re: ver di braucht, kann sich einsargen lassen.

    Autor: Lollo 03.05.04 - 22:50

    Danke!!

    Lollo
    (ebay Mitarbeiter)

  16. Verdi plant und führt kriminelles aus, und der Rechtsstaat sieht zu.

    Autor: Ver.di(enst) 04.05.04 - 09:29

    Warum sieht ein Rechtsstaat zu, wie eine Organisation wie Verdi plant ein Unternehmen auf illegale Weise kaputt zu machen, nur damit sie die Medienbranche aus Kunde gewinnt?

  17. Re: photoshop?

    Autor: noch ein betriebsrat 04.05.04 - 15:46

    weisst du, wie lange ich brauche um in ein altes photo ein poster reinzumontieren?

    aber selbst wenn das echt wäre: weisst du, wie einfach es ist, mitarbeiter, die um ihren job angst haben, vor den eigenen karren zu spannen?

    eine pressemitteilung im presseportal? von einer mitarbeiterinitiative?

    sorry leute, aber wer benutzt hier wen?

  18. Re: Narrenfreiheit für Gewerkschaften

    Autor: Majik 04.05.04 - 23:40

    >>- man hat den Beweis, dass Gewerkschaften aktiv an der Schädigung von Arbeitgebern mitwirken
    <<

    In der Tat. Mein Lieblingsfreund Bsirske hat sich in der Vergangenheit ja auf außerordentlich dünnes Eis begeben, als er mit Hilfe eines Streiks die Lufthansa um 15 Mio Euro schädigte. Dummerweise sitzt Bsirske nämlich im Aufsichtsrat der LH und ist von daher verpflichtet, Schaden von der Firma abzuwenden. Merkwürdig ist allein schon, daß niemand auf die Idee gekommen ist, den reichen Herrn (23.000,- Euro Grundgehalt plus Pfründe bis zum Abwinken) persönlich zu verklagen. Er muß sich nach einer Weile äußerst sicher gefühlt haben.
    So sicher, in der Tat, daß er bald darauf fröhlich dafür stimmte, daß die Aufsichtsratsbezüge (also auch seine) um flotte 60 % erhöht wurden.
    Weg mit diesen Verbrechern, sage ich. Gewerkschaftspolitik ist ökonomischer Landesverrat.

  19. Re: Verdi plant und führt kriminelles aus, und der Rechtsstaat sieht zu.

    Autor: sternschnuppe 05.05.04 - 10:03

    Ich möchte Euch mal einen ARtikel aus dem JAnuar zeigen, der die Fakten um Verdi gut zusammenfast:

    Der Fall verdeutlicht die Doppelmoral der Verdi-Führer. Sie prangern Unternehmen an, wenn diese soziale Leistungen kürzen. So ereiferte sich Verdi-Vize Franz Treml über die Deutsche Telekom, die ihren T-Com-Mitarbeitern eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich aufzwingen will. Es sei "der Gipfel der Zumutung", schimpfte Treml, die Beschäftigten die Zeche für Managementfehler zahlen zu lassen.

    Wer macht den mal eine Mitarbeiterumfrage bei verdi/ Connexx!

    Liebe Verdi Kollegen, wert Euch gegen so viel Scheinheiligkeit!

    Wer 200.000 € im Jahr einsackt, sich 60% Gehaltserhöhung genehmigt 8 Mio € Miete zahlt, 78 Mio € in einen PROTZBAU versenkt dann Zwangsdarlehn von seiner Belegschaft verlangt ist schlimmer als alles was Deutschland bisher gesehen hat!


    Hier der Artikel aus dem Manager Magazin Nr. 2 vom 23.01.2004 Seite 24

    Rote Karte

    Verdi: Flüchtende Mitglieder, sinkende Einnahmen, hohe Verluste - fast drei Jahre nach der Fusion steckt die größte Gewerkschaft der Welt in einer schweren Krise. Nun will sie sich auf Kosten ihrer Mitarbeiter sanieren.

    Berlin, Potsdamer Platz. Rundherum Hochhäuser mit glitzernden Fassaden. Hier setzen sich Milliardäre Denkmäler (Beisheim-Center) und residieren Konzerne - und in Haus Nummer 10 hat eine Organisation aus einer anderen Welt Quartier bezogen: die Gewerkschaft Verdi.

    Eine breite Treppe führt hinauf zum Foyer. Wachleute vergeben an Besucher eine vierstellige Codenummer, die sie am Aufzug in einen Minicomputer eintippen müssen.

    Willkommen im Hochsicherheitstrakt Verdi. Auf den grauen Fluren herrscht Stille. "Nur im Knast gibt es so viele verschlossene Türen", witzelt einer, der bei Verdi häufig ein- und ausgeht. Einige wenige Funktionäre huschen vorbei. Ihre Mienen wirken frostig. Es herrscht ein eisiges Klima hinter der Glitzerfassade am Potsdamer Platz. In den Toiletten-Waschräumen fließt nur noch kaltes Wasser, in den Teeküchen müssen die Beschäftigten neuerdings die Geschirrspüler selbst ein- und ausräumen, in den Konferenzen gibt es keine Getränke und Brötchen mehr.

    Wie schlecht muss es der größten Gewerkschaft der Welt gehen, wenn sie bereits solche "Peanuts"-Sparmaßnahmen verordnet?

    Schlecht. Sehr schlecht sogar. Die Einnahmen brechen weg, weil die Mitglieder in Scharen aus der Organisation flüchten. Um die auflaufenden Verluste auszugleichen, muss Verdi das Vermögen angreifen.

    Statt mit gutem Beispiel voranzugehen und sich einzuschränken, düpiert das Missmanagement die Mitarbeiter am laufenden Band. Der Vorstand unter Frank Bsirske (51) ließ sich selbst eine satte Gehaltserhöhung genehmigen, fordert aber von seiner Belegschaft ein Zwangsdarlehen ein.

    Bsirske entpuppt sich als sozialer Kahlschläger im eigenen Hause, die Gewerkschaft Verdi als einer der schlechtest gemanagten Arbeitgeber der Republik. Die übereilte Megafusion vor drei Jahren birgt derart viele Konstruktionsfehler, dass sie das Unternehmen Verdi binnen kürzester Zeit in eine existenzbedrohende Krise gestürzt hat.

    Dabei sollte durch den Zusammenschluss alles besser werden. Euphorie schwebte über dem Berliner Gründungskongress im März 2001, als sich ÖTV (Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr), HBV (Handel, Banken und Versicherungen), IG Medien, DPG (Deutsche Postgewerkschaft) und DAG (Deutsche Angestellten-Gewerkschaft) zur Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verbrüderten.

    Der neue Vorsitzende Frank Bsirske war der strahlende Sieger. Beweglicher und flexibler wollte er die Gewerkschaft machen. Doch er blieb standhaft - vor allem gegen die Berliner Regierung. Als Blockierer aller Sparpläne profilierte sich Bsirske - sehr zum Ärger von Kanzler Gerhard Schröder.

    Bsirske überall - bei Sabine Christiansen, auf Demos, in Kanzlerrunden und in den Medien. Nicht DGB-Chef Michael Sommer, nicht Ex-IG-Metall-Boss Klaus Zwickel, sondern der Mann, der zwei Jahre zuvor noch Personaldezernent in Hannover gewesen war, war die neue Galionsfigur der deutschen Gewerkschaftsbewegung.

    Bsirske rief zu Warnstreiks bei der Lufthansa auf, und er zog eine knallharte Tarifrunde im Öffentlichen Dienst durch. Verdi gewann dank Bsirskes forschem Auftreten schnell an Profil. Es war zwar ein zweifelhaftes, aber immerhin: Verdi war omnipräsent.

    Außen hui, doch innen pfui.

    Verdi wollte durch die Fusion Synergien heben und schlagkräftiger werden. Das Gegenteil trat ein: Über 250 000 Mitglieder - und damit Beitragszahler - verließen nach dem Zusammenschluss die Gewerkschaft. Statt der erhofften Ersparnis uferten die Kosten regelrecht aus.

    Ein Teil des Mehraufwands wäre vermeidbar gewesen, hätten die Verdi-Oberen nicht ebenso zugelangt wie jene Konzernlenker, die ihre gewachsene Bedeutung durch hohe Gehälter und pompöse Residenzen unter Beweis stellen müssen.

    So genehmigte sich der damals 19-köpfige Vorstand im September 2001 eine happige Gehaltserhöhung von bis zu 60 Prozent. Die Begründung für den Lohnsprung: "Um mit Arbeitgebern auf Augenhöhe verhandeln zu können, müssen wir auch wie diese verdienen."

    Bsirske bekommt seitdem monatlich rund 13 500 Euro überwiesen. Das ist nicht ganz so viel, wie er sich gewünscht hatte; er war in seine persönlichen Gehaltsverhandlungen mit einer 30 000-Mark-Forderung gegangen.

    Neben einem angemessenen Gehalt legten die Funktionäre zudem Wert auf eine entsprechende Repräsentanz. Und so zog es den Bundesvorstand mit seinem rund 800-köpfigen Apparat sogleich nach Berlin, ins Machtzentrum der Republik. Zunächst quartierte sich die Verdi-Spitze in einem modernen Bau am Potsdamer Platz ein - den Reichstag in Sichtweite. Jährliche Miete: acht Millionen Euro.

    Doch diese Adresse ist nur als Interimsbleibe vorgesehen. Im Sommer ziehen die Gewerkschafter in die neue Verdi-Zentrale in der Nähe des Ostbahnhofs um. Kosten des Neubaus: 74 Millionen Euro.

    Derweil stehen die alte ÖTV-Zentrale in Stuttgart und das ehemalige DAG-Hauptquartier in Hamburg leer. Ein Käufer oder Mieter für diese Großimmobilien fand sich bislang nicht.

    Der Berlin-Umzug würfelte die gesamte Organisation durcheinander. Für viele Beschäftigte war der neue Arbeitsplatz in der Hauptstadt nicht attraktiv. Sie blieben lieber an ihren Standorten und wechselten in die Verdi-Landesbezirksstellen. Im Zuge der Fusion wurden dort die Apparate aufgebläht. In Berlin hingegen konnten etliche Planstellen nicht besetzt werden.

    Heute beschäftigt der Landesbezirk Hamburg etwa 50 Mitarbeiter mehr als geplant, denn er musste umzugsunwillige DAGler aus deren Zentrale aufnehmen. In Berlin stellte der Bundesvorstand stattdessen neue Mitarbeiter ein - zumeist befristet. Damit verstieß er zigfach gegen den Interessenausgleich vom Sommer 2001, der einen Einstellungsstopp vorsah.

    Zwangsversetzungen kamen damals noch nicht in Betracht. Die Gewerkschaftsoberen fürchteten Unruhe in der Belegschaft.

    Der Aufbau neuer Wasserköpfe in der Provinz war nur einer von zahlreichen faulen Kompromissen, die im Interessenausgleich, Sozialplan und Fusionsvertrag niedergeschrieben worden waren. Auch bei der Organisationsstruktur und der Verteilung der Gelder nahmen die Verdi-Architekten auf zu viele Interessen Rücksicht, um die Fusion überhaupt durchziehen zu können. Hauptsache, sie würde zustande kommen. Ob das neue Gebilde auch funktionieren kann, interessierte offenbar die wenigsten.

    Weil keine der Einzelgewerkschaften nachgeben wollte und jede auf ihren Pfründen beharrte, kam bei dem Funktionärsgefeilsche am Ende eine Matrix-Struktur heraus. Die verknüpft drei Ebenen (Bund, Länder, Bezirke) mit 13 verschiedenen Fachbereichen, zum Beispiel Finanzdienstleistungen, Verkehr oder Handel (siehe Grafik Seite 26).

    Dieser Wirrwarr zieht einen extrem hohen Abstimmungsbedarf nach sich: Ständige Doppelarbeit sowie Sitzungen ohne Sinn und Ende (und neuerdings ohne Brötchen) sind die Folge. Funktionäre wie der bayerische Verdi-Vizechef Michael Wendl sind von der "Unmenge interner Sitzungen" bereits schwer genervt. Für die eigentlichen Aufgaben, die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen, bleibt kaum Zeit.

    Mindestens ebenso ineffizient ist die Budgetierung. "Ein irrsinniges System", lästert ein Verdi-Bezirkssekretär. Die Hälfte der Ausgaben sind für das Personal reserviert, die anderen 50 Prozent für den Rest - Mieten, Reisen, Computer und Papier.

    Verteilt wird das Geld gemäß der Mitgliederzahl. Starke Bezirke und Fachbereiche erhalten eine große Finanzspritze, schwache lediglich eine kleine. Gerade letztere bräuchten aber dringend mehr Geld, um zusätzliche Mitglieder zu gewinnen.

    Das Austüfteln dieses bürokratischen Korsetts absorbierte in der Gründungsphase derart viel Zeit und Ressourcen, dass für manche heiklen Fragen keine Antworten gefunden wurden. "Wir haben einige Probleme hinterlassen", gibt der ehemalige Chef einer der fünf Gründungsgewerkschaften zu.

    Und diese Probleme sind bis heute nicht gelöst.

    Nach wie vor hat Verdi die Gehälter seiner Beschäftigten nicht angeglichen. Eine Sekretärin, die früher bei der ÖTV arbeitete, bekommt für die gleiche Tätigkeit mehr Gehalt als ihre Kollegin, die zuvor bei der DAG unter Vertrag stand. Das erzeugt Frust unter den Geringerverdienenden.

    Gleiches gilt für die betriebliche Altersversorgung der Beschäftigten. Auch hier fehlt eine gemeinsame Regelung, vor allem mangelt es an den nötigen Rückstellungen. Lediglich DAG und DPG haben Kapital zurückgelegt. Die anderen - insbesondere die große ÖTV - finanzieren die Betriebsrenten aus ihrem Vermögen. Für künftige Rentner muss die Streikkasse herhalten.

    Das kann sehr teuer werden. Gewerkschaftsexperte Horst-Udo Niedenhoff vom Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass "da Belastungen im mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbereich auf Verdi zukommen".

    Dabei ist die Gewerkschaft bereits jetzt finanziell arg angeschlagen. Über die Höhe des Vermögens schweigt sich die Führung aus. "Das bleibt unser Geheimnis", wiegelt Finanzvorstand Gerd Herzberg ab. Der Klassenfeind soll nicht erfahren, wie streik(un)fähig die größte Gewerkschaft der Welt gegenwärtig ist.

    Experten taxieren das Verdi-Vermögen auf rund 1,7 Milliarden Euro. Das klingt nach viel, ist tatsächlich aber viel zu wenig. Zum Vergleich: Die etwas kleinere IG Metall soll es auf rund 3,5 Milliarden Euro bringen.

    Streng genommen, stammt das Verdi-Vermögen von zwei Gewerkschaften: der DAG (zwei Drittel) und der DPG (ein Drittel). ÖTV und HBV - bei der Fusion eher Sanierungsfälle - müssen ihre gesamten Besitztümer in die Pensionsrückstellungen stecken, die Kassen der nahezu bankrotten IG Medien waren leer gestreikt.

    Die Milliarden sind überwiegend konservativ angelegt, in Immobilien und Rentenpapieren. Außerdem hält Verdi noch eine Minibeteiligung an der BGAG, der Finanzholding der Gewerkschaften. Die Erträge, die dieses Engagement einbringt, sind allerdings vernachlässigbar.

    So bleiben allein die Mitgliedsbeiträge, um den Koloss Verdi durchzufüttern. Rund 435 Millionen Euro flossen 2002 in die Kasse. Doch mit dem Austritt von immer mehr Mitgliedern fließen die Einnahmen immer spärlicher.

    Vor allem junge Leute und Angestellte fühlen sich von der Gewerkschaft nicht mehr ausreichend vertreten. Sie flüchten zunehmend in berufsständische Organisationen (siehe Kasten Seite 30).

    Verdi versucht verzweifelt, den Negativtrend zu stoppen. Die Gewerkschaft startete ein Projekt zur Rückgewinnung von Mitgliedern, mit dem sie - wie die Kirchen - Abtrünnige durch Anrufe und Hausbesuche wieder einfangen wollte.

    Aktionismus, mehr nicht. Der Schwund geht weiter. Internen Prognosen zufolge rechnet der Bundesvorstand mit einem jährlichen Rückgang der Mitgliederzahl von 2 Prozent. Das bedeutet: Verdi kommt auch in den nächsten Jahren nicht aus den roten Zahlen heraus. 66 Millionen Euro Miese machte Verdi im vergangenen Jahr, 2002 waren es 71 Millionen.

    Um am Ende nicht mit leerer Streikkasse dazustehen, profilieren sich Bsirske & Kollegen nun als brachiale Cost Cutter. Eine mühsam ausgehandelte Betriebsvereinbarung von Anfang Dezember 2003 listet die Einschnitte auf, mit denen die Sachkosten gedrückt werden sollen: Weniger Dienstwagen und Tiefgaragenplätze, billigeres Papier, bei Bahnfahrten Zweite-Klasse-Tickets (siehe Kasten Seite 24). Und der Vorstand darf nur noch Economy Class fliegen.

    Ein viel größeres Notopfer müssen freilich die Beschäftigten leisten. Um exakt 105 Millionen Euro will der Bundesvorstand die Personalkosten bis 2007 reduzieren.

    Nach internen Berechnungen stehen knapp 1000 Mitarbeiter zu viel auf der Gehaltsliste. Über 4000 sind es derzeit, rund 3000 wären finanzierbar. Zum Vergleich: Die nahezu gleich große IG Metall kommt mit 2800 Beschäftigten aus.

    Die Betriebsvereinbarung sah zunächst die vergleichsweise sanfte Variante des Personalabbaus vor: Auflösungsverträge, Teilzeitregelungen.

    Weil das nicht ausreicht, fahren die Verdi-Bosse ab 1. April die harte Tour. Sie behalten für ein halbes Jahr 5 Prozent der Gehälter ein - ein Zwangsdarlehen, das mit gerade einmal einem Prozent verzinst wird. Wann eine Auszahlung erfolgt, ist offen. Es ist nicht einmal sicher, dass die Rückzahlung erfolgt.

    Und es kommt noch mehr. Ab 1. Oktober dürfen die Mitarbeiter dann bis Ende 2007 5 Prozent weniger arbeiten - allerdings ohne Lohnausgleich. Der Verdi-Vorstand setzt damit eine alte Arbeitgeberforderung um, sehr zum Unwillen der Beschäftigten.

    Bei der betrieblichen Altersversorgung wird es ebenfalls Veränderungen geben. Gespräche mit dem Betriebsrat stehen an.

    In der Belegschaft rumort es wegen der Kürzungen gewaltig. "Die Stimmung ist schlecht", sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzender Andreas Bahn. Die erste Klage gegen das Zwangsdarlehen wurde bereits eingereicht.

    Der Verdi-Vorstand verhält sich schlimmer als viele andere Arbeitgeber, die unter Druck stehen. Er geht sogar einen Schritt weiter. Am liebsten würde er einige Mitarbeiter hinauswerfen, obwohl ein Kündigungsverbot im Sozialplan Entlassungen bis 2007 verbietet.

    Also suchte die Gewerkschaft juristischen Rat, um den Sozialplan auszuhebeln. Im Frühjahr 2003 beauftragte der Vorstand zwei Juristen, um diskret zu prüfen, "welche rechtlichen Möglichkeiten es derzeit für Verdi als Arbeitgeberin gibt, sich aus dem Interessenausgleich und Sozialplan zu lösen".

    Es blieb beim Versuch. Die beiden Arbeitsrechtler Friedrich Heither und Gerrick von Hoyningen-Huene teilten dem Verdi-Vorstand in zwei getrennten Gutachten auf insgesamt 112 Seiten mit, dass der Sozialplan leider bindend sei. Die Schriftstücke verschwanden in der Schublade.

    Ein starkes Stück: Ausgerechnet eine Gewerkschaft hintertreibt vereinbarte Sozialpläne. "Das erlauben sich nicht mal die schlimmsten Kapitalisten", kommentiert ein renommierter Arbeitsrechtler.

    Der Fall verdeutlicht die Doppelmoral der Verdi-Führer. Sie prangern Unternehmen an, wenn diese soziale Leistungen kürzen. So ereiferte sich Verdi-Vize Franz Treml über die Deutsche Telekom, die ihren T-Com-Mitarbeitern eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich aufzwingen will. Es sei "der Gipfel der Zumutung", schimpfte Treml, die Beschäftigten die Zeche für Managementfehler zahlen zu lassen.

    Doch genau das und noch viel mehr mutet Verdi seinen Beschäftigten zu.

    Scheinheiliger geht's nimmer.

    Wolfgang Hirn/Frank Scholtys/

    Jörn Sucher

    -

    Bsirskes Liste

    Verdi muss an allen Ecken und Enden sparen. Mit dem Betriebsrat hat der Vorstand folgende Maßnahmen vereinbart:

    l Reduzierung des Werbeetats und der Ausgaben für Mitgliederwerbung um 20 Prozent (erhoffte Einsparung: 160 000 Euro jährlich).

    l Umstellung aller Veröffentlichungen und Broschüren auf Einfachdruckweise und schwarz-weiß (100 000 Euro).

    l Weniger Geld für Bildungsarbeit (300 000 Euro).

    l Niedrigerer Etat für externe Dienstleistungen (eine Million Euro).

    l Dienstfahrten mit der Bahn nur noch zweiter Klasse (100 000 Euro).

    l Weniger Gremiensitzungen (440 000 Euro).

    l Abbau der Dienstfahrzeug-Flotte (40 000 bis 180 000 Euro).

    l Geringere Anzahl von Tiefgaragenplätzen (100 000 Euro).

    l Seltenere Erscheinungsweise der Mitgliederzeitschrift "Publik" (1,3 Millionen Euro).

    l Billigeres Papier für "Publik" (600 000 Euro).

    Bildunterschriften:Verdi-Chef Frank Bsirske Streik des Berliner Krankenhauspersonals: Durch kämpferisches Auftreten auf der Straße gewann Verdi schnell an Profil - nicht aber an Mitgliedern Neubau im Berliner Spreeport (hier ein Computermodell): Für 74 Millionen Euro lässt der Bundesvorstand ein neues Domizil errichten Verdi-Finanzvorstand Herzberg: Griff in die Vermögenskasse Arbeitskampf bei der Lufthansa: Piloten und andere Berufsgruppen wollen nichts von Verdi wissen

    Autor: Hirn, Wolfgang
    Scholtys, Frank
    Sucher, Jörn

  20. Re: Offener Brief der eBay-Belegschaft gegen Ver.di-Kampagne

    Autor: felix 09.05.04 - 06:25

    Also, ich war jahrelang Betriebsrat - also im Gegensatz zu den meisten hier kein Theoretiker - und sogar mal (kurz) Mirglied der IG Medien. Was ich da an Klassenkämpferischem erlebt habe, war Mitte voriges Jahrhundert. Und die Leute findet man hier wieder, ob aus eigenem Antrieb oder von ver.di initiiert, wage ich nicht zu beurteilen.

    Als Beispiel eine typische Geschichte, wie eine dem Gestern verhaftete Gewerkschaft Arbeitsplätze kaputt macht.

    1984 war der letzte große Streik in der Druckindustrie. Da ich die Entwicklung des Computers ziemlich von Anfang an verfolgt hatte, sagte ich damals den Kollegen: "Ihr streikt Euch um Euren Arbeitsplatz". Was sie mit Pfiffen und Johlen beantworteten und "Kapitalistenknecht".

    Ich sah dem Verleger schon während des Streiks an, wie seine grauen Zellen arbeiteten. Wenn 20 Leute, wenn auch mit unglaublichen Einsatz, eine Tageszeitung machen können, die sogar umfangreichert ist als zu normalen Zeiten, warum brauche ich dann 200?

    Nur wenige Jahre später hatte keiner der Setzer und Drucker noch einen (einst) hochbezahlten Arbeitsplatz. Der der das Licht ausmachte, heulte wie ein Schloßhund.

    Die Moral der Geschichte: Gewerkschaften sind notwendig, aber es müssen moderne sein, die nicht nur den momentanen Vorteil herausholen, sondern Chancen und Risiken abwägen können. Sie dürfen nicht Gegner der Arbeitgeber sein, sondern Partner, auch wenn sich das unlogisch anhört. Denn in der Regel haben die Arbeitgeber durchaus die gleichen Interessen wie ihre Arbeitnehmer: Den Erhalt der Firma, und dazu gehört eben auch Gewinn.

    Felix

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