1. Foren
  2. Kommentare
  3. Politik/Recht
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › SPD-Netzpolitiker…

Furchbare Idee

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Furchbare Idee

    Autor: lisa1980 23.02.12 - 17:02

    Ich bin strikt gegen eine sogenannte Kulturflatrate. Denn, wer legt dann eigentlich fest was Kultur ist?
    Der Staat oder eine neu geschaffene Organisation sackt das Geld ein. Dann haben die ein bestimmtes Budget. Nun können sich die Künstler an diese Behörde oder Organisation wenden und betteln. Aber wer legt eigentlich fest was Kultur ist?

    Beispiel:
    Techno wäre sicherlich niemals in den 80er als Musik anerkannt worden. Nur Krach.

    Kunst lebt von Freiheit. Eine zentrale Geschmacksbehörde ist genau das Gegenteil.

    Objektive Kriterien wie Downloadzahlen helfen auch nicht weiter. Erstens dürfte es nur ein einem totalen Überwachungsstaat möglich sein, dies überhaupt zu erfassen.

    Und wer sagt denn, dass eine komplette Symphonie den gleichen Preis haben muss wie ein kurzes Lied. Also müsste die Behörde jedem Download wieder einen Preis zuordnen und dann sind wir wieder beim gleichen Problem wie oben.

  2. Re: Furchbare Idee

    Autor: Trockenobst 23.02.12 - 17:07

    lisa1980 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und wer sagt denn, dass eine komplette Symphonie den gleichen Preis haben
    > muss wie ein kurzes Lied. Also müsste die Behörde jedem Download wieder
    > einen Preis zuordnen und dann sind wir wieder beim gleichen Problem wie
    > oben.

    Der Witz der Flatrate Jünger, ist ja nicht dass es ein Konzept ist oder irgendein
    Plan. Es geht einfach nur um die moralische-Pseudolegalisierung.

    Das wie? Egal. Ob Künstler bei dem Modell mehr kriegen: egal. Eigentlich ist
    alles egal. Irgendwie will man einen Ablasshandel politisch durchsetzen, und
    dann kann man ja behaupten: ich habe zwar Content für >100.000¤ daheim
    rumfliegen - aber mit der Contentflat haben ich den jetzt "rückwirkend"
    legalisiert.

    Was natürlich Bullshit ist. Und genau aus dem Grund sollte die Flat nicht
    kommen. Und wenn sie kommt bringt sie nichts, weil die US-Ware nicht
    drin enthalten sein wird. Die machen **nie** mit.

  3. Re: Furchbare Idee

    Autor: Fabian Schölzel 23.02.12 - 23:39

    lisa1980 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich bin strikt gegen eine sogenannte Kulturflatrate. Denn, wer legt dann
    > eigentlich fest was Kultur ist?

    Das muss niemand festlegen. Jedes Medium, das konsumiert wird, ist Kultur.

    > Der Staat oder eine neu geschaffene Organisation sackt das Geld ein. Dann
    > haben die ein bestimmtes Budget. Nun können sich die Künstler an diese
    > Behörde oder Organisation wenden und betteln. Aber wer legt eigentlich fest
    > was Kultur ist?

    Es gibt Methoden (oder es werden passende entwickelt) herauszufinden und zu belegen, welcher "Artikel" besonders oft nachgefragt und/oder konsumiert wird. Anteilig wird ausgeschüttet. Mit Musikdiensten (die dann natürlich wesentlich weniger kosten würden, bzw. kostenlos wären) oder Internetradios kann man das bequem herausfinden.

    > Objektive Kriterien wie Downloadzahlen helfen auch nicht weiter. Erstens
    > dürfte es nur ein einem totalen Überwachungsstaat möglich sein, dies
    > überhaupt zu erfassen.

    Wenn heutzutage Milliarden von Euro aufgrund von wenigen tausend Einschaltquoten-Messgeräten verteilt werden, sollte das Verteilen von Kosten für digitale Medien kein Problem darstellen.

    > Techno wäre sicherlich niemals in den 80er als Musik anerkannt worden. Nur
    > Krach.

    Es ist unwichtig, wer und wieviele Menschen etwas als "keine Musik" betrachten. Die Nachfrage und Nutzung ist entscheidend.

    > Und wer sagt denn, dass eine komplette Symphonie den gleichen Preis haben
    > muss wie ein kurzes Lied. Also müsste die Behörde jedem Download wieder
    > einen Preis zuordnen und dann sind wir wieder beim gleichen Problem wie
    > oben.

    Dazu könnte man vielleicht sagen: Wenn eine ganze Symphonie, perfekt gespielt von 50 Profimusikern und in hoher Qualität aufgezeichnet, weniger nachgefragt wird als der neue 3-Minuten Smash-Hit-Knaller... dann ist das in den Augen mancher vielleicht ungerecht und unpassend. Aber wenn es so ist, dann ist es eben so.

    Wie Du ja sagst: Eine Geschmacksbehörde kommt nicht in Frage.

    Gruß
    Fabian

  4. Re: Furchbare Idee

    Autor: L_Starkiller 24.02.12 - 09:42

    "Jedes Medium, das konsumiert wird, ist Kultur." - Dann vertrittst du aber einen sehr weit gefassten Kulturbegriff. Wenn ich eine eMail lese, dann wird sie mir durch das (Meta)-Medium Computer vermittelt. Wäre das schon Kultur? Wahrscheinlich würde eine simple Mail nicht einmal Urheberrechtsschutz erlangen, weil die Werkhöhe fehlt (natürlich wäre sie durch das Persönlichkeitsrecht geschützt).

    Wie sieht es mit dem "Medium" aus? Ist der Mund des Menschen, wenn er Töne von sich gibt, auch ein Medium? Wenn ja, wäre es ja auch Kultur, wenn ich Anweisungen bekomme. Wenn nein, wäre eine Gesangsaufführung keine Kultur.

    Später schreibst du: "Die Nachfrage und Nutzung ist entscheidend." Das finde ich im Prinzip nicht falsch. Ich befürchte jedoch, du kannst nur die Nachfrage, nicht aber die Nutzung ermitteln. Du erwähnst die Einschaltquoten-Messgeräte. Diese können auch nur messen, welches Programm gerade läuft. Ob auch zugeschaut wird und in welcher Intensität (nebenher beim Kochen oder konzentriert auf der Couch) kann nicht überprüft werden, so dass durchaus ein Unterschied zwischen der Symphonie und dem 3-Minuten-Knaller bestehen kann.

    Bei mir jedenfalls dudelt das Radio mit den Hits eher mal im Hintergrund als eine hochwertige Doku im Fernsehen. Wie willst du das messen, einfach nur gehörte/ gesehene Minuten entspräche dem Punkt "Nachfrage" aber nicht der "Nutzung".

  5. Re: Furchbare Idee

    Autor: Fabian Schölzel 24.02.12 - 12:15

    Ich glaube ich muss nicht darauf eingehen, ob eine Mail oder Geräusche von Körperöffnungen ein "Medium" wären. Ich denke Du weißt, was gemeint ist. :) Wenn ein Chor auftritt, dann bekommt er natürlich keine anteiligen Zahlungen - er kann aber Eintrittsgeld verlangen.

    Und die Nutzung muss wohl kaum in einem derartigen Ausmaß erfasst werden. Heute sagt auch niemand an der Kinokasse: "Wir knutschen sowieso die ganze Zeit, bitte 80% Rabatt." Das ein Künstler natürlich nicht 50 Dauerstreams seines eigenen Liedes anwerfen darf ist natürlich klar.

    Gruß
    Fabian

  6. Re: Furchbare Idee

    Autor: L_Starkiller 24.02.12 - 13:17

    Hallo :-)

    Ich weiß leider nur ungefähr, was gemeint ist. Ich denke, du meinst Audio- und Videoformate. Da wäre dann die Frage, ob der Gesang des Chores, wenn er aufgenommen würde, auch dazu zählt? Ich finde die von dir vorgestellte Definition halt zu weitgegriffen und würde mich freuen, wenn du sie ein wenig einschränken könntest.

    Zur Nutzung: in welchem Ausmaß würdest du sie erfassen und wie würdest du das anstellen wollen? Mal abgesehen davon, dass ich behaupte, in einer amerikanischen Komödie knutschen mehr Zuschauer als in einem Film von Lars von Trier (das Beispiel ist überzogen, um mein Anliegen deutlich zu machen).

    Es gibt meiner Ansicht nach sehr viele Hürden und man ist bei weitem noch nicht in der Lage, alle zu überspringen und die Sortierung von Kulturprodukten nach verschiedenen Kategorien ist eine davon. Andernfalls wäre ein Bild-Beitrag (gleiche Wortzahl vorausgesetzt) ebensoviel Wert wie ein Gedicht, oder?

  7. Re: Furchbare Idee

    Autor: Fabian Schölzel 24.02.12 - 14:07

    L_Starkiller schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hallo :-)
    >
    > Ich weiß leider nur ungefähr, was gemeint ist. Ich denke, du meinst Audio-
    > und Videoformate. Da wäre dann die Frage, ob der Gesang des Chores, wenn er
    > aufgenommen würde, auch dazu zählt? Ich finde die von dir vorgestellte
    > Definition halt zu weitgegriffen und würde mich freuen, wenn du sie ein
    > wenig einschränken könntest.

    Der aufgenommene Gesang eines Chores ist ein Audio-Medium, ja. Auch ein Gedicht, was nur von 2 Personen gelesen wird, ist im Grunde Kultur - nur der Kreis der Konsumierer ist kleiner. Dazu zählt auch, das ein Furz im 4/4-Takt Kultur sein kann, wenn z.B. eine ganze Generation dazu in der Disko tanzt.

    Natürlich ist der Aufwand verschieden. Da bin ich mir nicht ganz sicher, ob man die Ausschüttung zufriedenstellend über die Nachfrage regeln kann.

    > Zur Nutzung: in welchem Ausmaß würdest du sie erfassen und wie würdest du
    > das anstellen wollen? Mal abgesehen davon, dass ich behaupte, in einer
    > amerikanischen Komödie knutschen mehr Zuschauer als in einem Film von Lars
    > von Trier (das Beispiel ist überzogen, um mein Anliegen deutlich zu
    > machen).

    Über ähnliche Verfahren wie heute. Ich kenne mich da nicht wirklich aus, aber es werden Milliarden von Euro (Werbung) aufgrund von Hochrechnungs-Systemen verteilt. Wenn man das Lied/den Film natürlich lokal runterlädt und dann tausendmal schaut, dann ist das kaum nachvollziehbar. Es wäre aber möglich, das ein Download anders gewichtet wird als ein Stream. (Nur eine Idee)

    Filme auf DVD in einer Hülle sind da natürlich was anderes. Sowas kann nicht über eine Medien-Flatrate gemacht werden. Für mich zählen reell vorhandene Objekte nicht dazu, da sie nicht kostenlos vervielfacht werden können. Dennoch könnte ein Kauf wie ein Download gewertet und ausgeschüttet werden. (Zusätzlich zu dem Preis an der Kasse für das Produkt mit Beilagen)

    > Es gibt meiner Ansicht nach sehr viele Hürden und man ist bei weitem noch
    > nicht in der Lage, alle zu überspringen und die Sortierung von
    > Kulturprodukten nach verschiedenen Kategorien ist eine davon. Andernfalls
    > wäre ein Bild-Beitrag (gleiche Wortzahl vorausgesetzt) ebensoviel Wert wie
    > ein Gedicht, oder?

    Ich denke Tages-Nachrichten sollten anders behandelt werden. Obwohl ein Bild-Beitrag ja schon eine gewisse "Schöpfungs-Höhe" erreicht. ;) Wobei es da vielleicht haarig werden könnte, zwischen einer Recherche für einen Bericht und reinen Nachrichten zu unterscheiden.

    Die Frage, die sich mir aber zwischendurch stellt, ist folgende: Wie wird das Gesamtbudget festgelegt? Oder reicht es, das jeder Steuerzahler/Leistungsempfänger mitgerechnet wird?

    Gruß
    Fabian

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. betzemeier automotive software GmbH & Co. KG, Minden
  2. IHK Reutlingen, Reutlingen
  3. DÖRKENGroup, Herdecke
  4. ERGO Group AG, Düsseldorf

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 8,99€


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de