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Völlig richtig!

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Völlig richtig!

Autor: Gigadoc 2 31.03.12 - 04:47

Die Titelaussage "Jugendschutzfilter so wichtig wie Virenscanner" trifft es eigentlich voll auf den Punkt.
Beides ist kurzfristige Symptombekämpfung, und sollte gar nicht nötig sein.

Die starke Verbreitung von Schadsoftware und Sicherheitslücken sind Symptome der Monokultur und Undurchsichtigkeit in der Softwareindustrie, und der fehlenden Aufklärung großer Teile der Endbenutzer.
Positivbeispiel sind z.B. die Linuxdistributionen, denn obwohl sie alle auf der gleichen Basis aufbauen, machen es die Variationen untereinander sehr schwer, universal funktionierende Schadsoftware zu konstruieren. Die Einfallstore für Linuxdistris waren bisher meist Browserplugins von Flash oder Java, und damit wären wir wieder bei Monokultur und proprietärer Software.

Nur vor Trojanern, die die interaktion des Benutzers benötigen, ist Windows und vielleicht auch Mac OSX besser geschützt, da es den Nutzer tendenziell öfter um Bestätigung fragt. Das fällt dann aber bereits unter das menschliche Problem des fehlenden technischen Verständnisses:
Natürlich darf kein tiefgehendes Verständnis von Interprozesskommunikation oder Dateisystemen Voraussetzung für die Computerbenutzung sein, aber wer dem Computer eine Intelligenz und ein Wesen zuschreibt, und dann erwartet dass dieses Wesen die eigenen Bedürfnisse automatisch erkennt, fragt sich natürlich auch nicht, warum er mitten beim Schreiben eines Textdokumentes auf einmal ein Passwort eingeben soll. Wer die Grundzüge seines Computers nicht versteht, dem bleibt gar nichts anderes übrig als sich auf die magische Wirkung einer glänzend verpackten Software zu verlassen, damit diese ihn vor den eigenen Fehlern warnt.

Genau die gleiche Situation findet man auch bei dem Thema "Jugendschutz" wieder, nur dass der menschliche Aspekt hier noch viel wichtiger ist, als schon beim Virenschutz.
Technisch gesehen steht man vor der unlösbaren Aufgabe, Algorithmen zu entwerfen, welche quasi zwischen einem "Gut" und einem "Böse" unterscheiden sollen. Aber wie soll so eine Erkennung umgesetzt werden? Filerlisten, ob für Black- oder Whitelisting, hinken den Veränderungen viel zu weit hinterher, um effektiv zu sein; und Content-Filtering basiert im Grunde genommen auch nur auf Listen mit zu filternden Wörtern.
Um ein weitgehend perfektes Filterprogramm zu erstellen müsste dieses den Kontext und das Thema einer Website selbständig herausfinden können, und Bilder auf gewalltätige oder pornographische Szenen untersuchen können.
Man müsste schon eine künstliche Intelligenz erschaffen, die dann die Aufgaben eines Elternteils übernehmen kann, denn genau dabei geht es doch beim "Jugendschutz".
Eltern (oder andere Vormunde) sehen im Internet oft eine geeignete Teil- oder gar Vollzeitbetreuung für ihren Nachwuchs. Dass sich Kinder bei einem solch direkten und ungefiltertem Informationsfluss vielleicht nicht in die von den Eltern gewünschte und von der Gesellschaft vorausgesetzte Richtung bewegen, ist nur logisch. Und der Wunsch der Eltern, ihre Kinder nach ihrem Vorbild zu formen, und ihnen ihre Werte zu vermitteln, ist zutiefst menschlich, und keinesfalls verwerflich.
Nur, wenn sie dies nicht bereit sind selbst zu tun, dürfen sie sich auch nicht beschweren, wenn der Nachwuchs sich in eine andere Richtung entwickelt.

"Jugendschutz", egal von welchem Ausmaß und in welcher Domäne, ist kein Ersatz für Erziehung, eigentlich noch nicht mal ein Hilfsmittel. Es installiert ja auch niemand ein Filtermodul im eigenen Telefon, um nur noch Anrufe von ausgewählten Freunden für die Kinder zuzulassen. Ich habe auch noch kein Kind gesehen, welches mit Scheuklappen durch die Stadt läuft, dafür dann aber ohne Elternteil.

Der "Jugendschutz" ist ein Symptom von der missverstandenen Bedeutung des Internets, denn letzteres ist lediglich ein Kommunikationsmittel, und kann für absolut niemanden "schädlich" sein. Lediglich können die übermittelten Informationen die Entwicklung eines Menschen beeinflussen, aber das kann auch jeder Straßenprediger, jede Radiosendung oder jeder Kinofilm. Und dass man nicht jeden Aspekt seiner Kinder kontrollieren und überwachen kann, sollte spätestens nach dem ersten Schuljahr derselbigen jedem Elternteil klar sein.

Jugendschutzfilter haben also tatsächlich viele Gemeinsamkeiten mit Virenscannern:
Beide sind weit von Perfektion entfernt; bekämpfen nur Symptome eines viel tieferliegenden Problems; und werden absolut überflüssig, sobald die Anwender endlich aufhören, die Informationstechnik misszuverstehen, und ihren Computer für etwas halten, was er - zumindest momentan - noch gar nicht ist.


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Völlig richtig!

Gigadoc 2 | 31.03.12 - 04:47
 

Lesenswert! (kwT.)

Der Kaiser! | 31.03.12 - 06:05
 

Re: Lesenswert! (kwT.)

Gigadoc 2 | 31.03.12 - 20:12
 

Re: Lesenswert! (kwT.)

Der Kaiser! | 02.04.12 - 01:34
 

+1 (kt)

benji83 | 02.04.12 - 13:38

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