1. Foren
  2. Kommentare
  3. OpenSource
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Thomas Gleixner: Echtzeit-Linux…

Gleixner hat völlig recht, Lügen und Bullshit haben in der Industrie ein krankhaftes Ausmass

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Gleixner hat völlig recht, Lügen und Bullshit haben in der Industrie ein krankhaftes Ausmass

    Autor: Iceborg 26.10.14 - 10:18

    Ich habe den Maschinen- und Anlagenbau als Systementwickler aus eigener Erfahrung kennen gelernt und kann Gleixner völlig recht geben.

    Man kann buchstäblich nichts für bare Münze nehmen, was gesagt wird, Politik bestimmt weitgehend was gemacht und je nachdem auch gleich wieder eingestampft wird und es ist ein ständiges Hauen und Stechen. Wenn man jemand die Hand gibt, sollte man anschließend besser seine Finger nachzählen. Das ist die reine Mafia und entsprechend muss man die "Partner" auch behandeln. Leider. Das ist überhaupt nicht zu vergleichen zur übrigen IT Branche, die von guter Kommunikation lebt.

    Eigentlich braucht die Industrie Linux dringend. Die Anforderungen an eingebettete Systeme werden viel zu komplex, als dass auch größere Unternehmen sowas im Selbstbau hin bekommen. Steigende Datenmengen, die Notwendigkeit vernetzte Systeme reibungslos zu updaten und wachsende Anforderungen an die Netzwerksicherheit lassen da kaum noch Alternativen. Dazu kommt die Entwicklung zu Big Data, welche die Anforderungen an Vernetzung, Standardisierung, Modularität nur noch erhöhen wird und selbstgebackene Echtzeitsysteme zur puren Bastelei werden läßt. Ein Anlagenbau-Unternehmen bekommt nun mal sowas wie eine breite Hardwareunterstützung, Ext3 oder Btrfs nicht zustande und auch keinen eigenen Hadoop-Stack.

    Aber anstatt klare und solide Sachen zu machen wird gefrickelt was das Zeug hält. Da wird mal eben an einem Wochenende eine rudimentäre dynamische Speicherveraltung in das Echtzeit-Laufzeitsystem geflanscht obwohl eigentlich klar ist, dass das nicht gut gehen kann. Da wird mMn die Grenze zu grober Fahrlässigkeit auch durchaus mal deutlich überschritten, nämlich Systeme die auf die Dauer gar nicht zuverlässig laufen /können/. Wenn es dann kracht ist die Strategie noch mehr Lügen und noch mehr Bullshit. Die haben teils eine richtiggehend soziopathische Kultur.

    Die letzte Iteration dieser Entwicklung ist dieses oberblödsinnige "Industrie 4.0". Der Maschinen- und Anlagenbau bekommt allmählich mit, dass er - nicht zuletzt als Konsequenz der archaischen Entscheidungs- und Führungsstrukturen - zunehmend den Anschluss an die Entwicklung der IT verliert und Gefahr droht, von Google & Co komplett aufgerollt zu werden und als reiner Hardwarelieferant zu enden. Dagegen schwimmt man an, indem man sich an die zunehmend von Schieflage bedrohte Windows-Welt und alte Standards wie OPC klammert und NOCH MEHR Bullshit Geschwätz produziert.

    Nun kann man zu Googles Big Data-Staubsauger stehen, wie man will - ich selbst sehe Google durchaus kritisch - aber auf die Art hat die Branche keine Chance gegen Google & Co. Das ist wie Kavallerie gegen Schußwaffen. Wenn Google EINES verstanden hat, dann ist das Open Source zu nutzen.

    Dieser ganze krankhafte Stil wirkt sich auch massiv auf die Arbeit in Unternehmen aus. Anstatt qualifizierte Leute einzustellen, die machen zu lassen UND Strukturen zu schaffen in denen sie effizient und kooperativ arbeiten können, überläßt man die schwierigen Sachen den Praktikanten - weil die sind billiger, widersprechen nicht wenn wieder Bullshit geliefert werden soll, und man kann deren mangelnde Kompetenz verantwortlich machen wenn's in die Hose geht.

    Abgesehen von hirnlosen, rein politisch begründeten Standards und unsinnigen Prozessen ist grassierendes Micromanagement eher Regel als Ausnahme. Ein wirklicher Informationsaustausch wird soweit wie möglich vermieden weil er den Machstrukturen zuwider läuft. Das ganze übergossen mit einer dicken Sosse aus Politik und einem merkwürdigem Verständnis von Hierarchie wo niemand wirklich Entscheidungen trifft oder Verantwortung trägt.

    Und dann wundert man sich über den "Fachkräftemangel" und dass es schwierig ist gute Leute für so eine Umgebung zu interessieren.

    In der Konsequenz kann man intelligenten Entwicklern und Programmierern, gerade solchen die Open Source können, nur raten, die Industrie auf absehbare Zeit wie die Pest zu meiden. Derartige Strukturen machen krank und ich kenne keine andere Branche wo so viele gute Kollegen ganz offensichtlich an Burnout und Depressionen leiden. Meiner Meinung nach kann das auch keine vergleichsweise gute Bezahlung ausgleichen. Es sei denn man ist eine psychisch überaus robuste Natur und fühlt sich wohl in einer Umgebung wohl in der Hauen und Stechen die Regel sind und es ist einem egal von soziopathischen Vorgesetzten buchstäblich belogen zu werden sobald das deren Karriere fördert.

    Diese Unternehmen - und wahrscheinlich die ganze Branche - müssen wohl erst mal richtig hart auf die Fresse fallen, bevor sie sehen dass sie SO NICHT konkurrenzfähig bleiben.

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. aluplast GmbH, Karlsruhe
  2. Stolz & Laufenberg Projektmanagement, Düsseldorf
  3. Allianz Private Krankenversicherungs-AG, München-Unterföhring
  4. Hays AG, Ansbach

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Ancestors Legacy - Complete Edition für 9,99€, Tom Clancy's EndWar für 2,99€, Maneater...
  2. 58,19€ (PC), 67,89€ (PS4 inkl. PS5-Upgrade), 67,89€ (Xbox One inkl. Series-X-Upgrade...
  3. (u. a. PNY GeForce RTX 3060 Ti 8GB UPRISING Dual Fan für 549€)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de