Abo
  1. Foren
  2. Kommentare
  3. Politik/Recht
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › IMHO zum Jugendmedienschutz…

Richtigstellung von Fakten

  1. Beitrag
  1. Thema

Richtigstellung von Fakten

Autor: Schellenberg 19.11.14 - 16:24

Man mag inhaltlich zu den neuen JMStV-Eckpunken verschiedene Meinungen haben, aber die Fakten sollten bitte stimmen:

- Es ist falsch, dass ein Website-Betreiber (auch Blogger etc.) für das Labeling seiner Website Mitglied einer Selbstkontrolle sein muss. Das Labeling mit age-de.xml ist kostenfrei und (via kostenfreie Labelgeneratoren) simpel auch für technische Laien innerhalb weniger Minuten zu erledigen. Infos dazu und Links zu den Generatoren auf age-label.de

- Schon heutige Gesetze verlangen von jemandem, der in Deutschland Inhalte veröffentlichen möchte (egal ob als Zeitschrift, Flugblatt, TV, Radio, Computerspiele, Filme, Internet oder auf der Straße), dass er vorher prüft, ob diese Inhalte möglicherweise gegen Gesetze verstoßen, beispielsweise Minderjährigen schaden. Für das Internet ist diese Prüfung auch für kleine Anbieter (Blogger etc.) kostenfrei und recht einfach online durchzuführen auf www.altersklassifizierung.de. Neben der zugehörigen Altersstufe gibt das System auch gleich eine passende age-de.xml-Datei aus. Einfacher geht es kaum.

- Wenn jemand Inhalte veröffentlicht, die potentiell Kindern schaden können, dann sollte ihm das schon der gesunde Menschenverstand sagen. Es weiß doch auch jeder, dass er nicht prügelnd durch die Straßen oder nackt durch Schulgebäude laufen darf. Wer allerdings potentiell entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte veröffentlicht, der muss schon nach heutiger Gesetzeslage einen Jugendschutzbeauftragten haben, so ähnlich wie Leute, die mit Daten umgehen, einen Datenschutzbeauftragten brauchen. JSB muss man nicht teuer einstellen, sondern kann man für relativ kleines Geld engagieren, einfach mal googlen. Aber es ist bei Bloggern & Co. ohnehin ein absoluter Ausnahmefall, dass ein JSB notwendig ist. Doch wer z.B. Porno-Blogs betreibt oder solche mit Videos von 18er-Spielen, der sollte schon wissen was er tut.

- Der Zensur-Vorwurf zieht nicht, da jeder Content-Anbieter simpel und kostenfrei seine eigene Website via age-de.xml-Label auch für Kinder freigeben kann (siehe oben). Wenn sich aber nicht mal der Inhalte-Anbieter selbst sicher ist, ob sein Inhalt für Kinder tauglich ist, dann ist es doch nur verständlich, wenn Eltern von Kindern unter 12 Jahren ihre Kinder lieber erst nach eigener Prüfung (= Eintrag auf die Whitelist des Jugendschutzprogramms) mit diesen Inhalten konfrontieren möchten. Für Kinder/Jugendliche über 12 Jahre sind unbekannte Inhalte hingegen standardmäßig frei zugänglich, ob mit oder ohne age-de.xml-Label.

- Der Zensur-Vorwurf zieht aber ohnehin nicht, da Eltern nicht gezwungen werden, Jugendschutzprogramme für ihre Kinder zu nutzen. Und wer bitteschön will es Eltern verbieten, selbst darüber zu entscheiden, ob sie ihre Kinder mit Hilfe von Technik oder auf welche Weise auch immer schützen möchten oder eben frei ohne Schranken ins Internet lassen? Wer gegen Jugendschutzprogramme wettert, redet faktisch einer üblen Bevormundung von Eltern in ihrer Erziehungsentscheidung das Wort.

- Es ist schlicht juristisch falsch, dass die angedachte neue JMStV-Novelle Anbietern von Erotik-Inhalten (gilt analog für alle Branchen) die Veröffentlichung irgendwelcher Inhalte erlauben würde, die sie heute noch nicht veröffentlichen dürfen. Wer das schreibt, hat die vorgeschlagenen JMStV-Eckpunkte offenbar nicht gelesen oder kennt zum Vergleich die aktuelle Gesetzeslage nicht.

Abgesehen davon: Es gibt in Deutschland fast keine Anbieter von Erotik-Inhalten mehr, also können sie auch nicht im großen Stil profitieren. Die allermeisten Anbieter haben nach Inkrafttreten des ersten JMStV im Jahr 2003 ihre Sitze ins Ausland verlegt oder sind pleite gegangen, denn schon mit den Vorgaben des aktuellen JMStV ("Geschlossene Benutzergruppe" lt. § 4.2.) ist wirtschaftlich ein Erotik-Angebot in Deutschland fast nicht zu betreiben. Das mögen manche gut finden - wenn nicht der Haken wäre, dass es aus dem Ausland mehr Pornoangebote denn je gibt, dazu ohne Schranken und ohne Limits z.B. in Bezug auf Gewaltpornografie. Der neben Medienpädagogik einzig wirksame Schutz in diesen Fällen sind übrigens Jugendschutzprogramme.

- Ob Jugendschutzprogramme wirklich auf "sehr einfache Art und Weise" zu umgehen sind, möge jeder selbst entscheiden. Es gibt jedenfalls nicht so sehr viele Kinder, schon gar nicht jüngere, die über Alvar Freudes Minimal-Zutaten zur Umgehung verfügen: "Man braucht nur einen Apache-Webserver und drei Zeilen Konfiguration". Wer eigene Webserver finanzieren und konfigurieren kann, darf getrost ohnehin nicht mehr als zu schützende Zielgruppe von Jugendschutzprogrammen verstanden werden.

Immerhin: Das Internet ist keine DVD und übrigens auch keine "bespielte Videokassette", da herrscht immerhin Einigkeit. Das heißt aber nicht, dass im Internet mal eben jeder alles Mögliche veröffentlichen kann und soll, ohne dabei eine Verantwortung für das zu tragen, was er da veröffentlicht - sowohl juristisch als auch moralisch.

Also müssen Lösungen her, wie derjenige, der etwas veröffentlicht, dafür auch tatsächlich die Verantwortung übernehmen kann und etwas dafür tun, dass nur diejenigen die Inhalte zu Gesicht bekommen, für die sie gedacht sind.

Jugendschutzprogramme mit dem age-de.xml-Label sind ein praktikabler Weg, wenn auch kein perfekter. Aber wer hat eine bessere Idee als jene angeblicher Medienpädagogik, dass Eltern ihren Kindern ständig hinterherlaufen und ihnen z.B. auf der Straße über die Schulter schauen, welche Websites sie gerade gezielt oder unabsichtlich im Smartphone aufrufen?

P.S. Und um Missverständnisse zu vermeiden: Jugendschutzprogramme sind ein Hilfsmittel elterlicher Medienpädagogik. Sie können und sie sollen diese nicht ersetzen.


Neues Thema Ansicht wechseln


Thema
 

Richtigstellung von Fakten

Schellenberg | 19.11.14 - 16:24
 

Re: Richtigstellung von Fakten

smaggma | 19.11.14 - 18:23
 

Re: Richtigstellung von Fakten

Anonymer Nutzer | 19.11.14 - 19:03

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Zum Login

Stellenmarkt
  1. BWI GmbH, Meckenheim
  2. operational services GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, Dresden, Berlin
  3. Neoskop GmbH, Hannover
  4. Vorwerk Services GmbH, Wuppertal

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. 204,90€


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


IT-Arbeit: Was fürs Auge
IT-Arbeit
Was fürs Auge

Notebook, Display und Smartphone sind für alle, die in der IT arbeiten, wichtige Werkzeuge. Damit man etwas mit ihnen anfangen kann, ist ein anderes Werkzeug mindestens genauso wichtig: die Augen. Wir geben Tipps, wie man auch als Freiberufler augenschonend arbeiten kann.
Von Björn König

  1. Sysadmin "Man kommt erst ins Spiel, wenn es brennt"
  2. Verdeckte Leiharbeit Wenn die Firma IT-Spezialisten als Fremdpersonal einsetzt
  3. IT-Standorte Wie kann Leipzig Hypezig bleiben?

Hyundai Kona Elektro: Der Ausdauerläufer
Hyundai Kona Elektro
Der Ausdauerläufer

Der Hyundai Kona Elektro begeistert mit Energieeffizienz, Genauigkeit bei der Reichweitenberechnung und umfangreicher technischer Ausstattung. Nur in Sachen Emotionalität und Temperament könnte er etwas nachlegen.
Ein Praxistest von Dirk Kunde

  1. Carver Elektro-Kabinenroller als Dreirad mit Neigetechnik
  2. Elektroauto Neuer Chevrolet Bolt fährt 34 km weiter
  3. Elektroauto Porsches Elektroauto Taycan im 24-Stunden-Dauertest

Google Maps: Karten brauchen Menschen statt Maschinen
Google Maps
Karten brauchen Menschen statt Maschinen

Wenn Karten nicht mehr von Menschen, sondern allein von Maschinen erstellt werden, erfinden diese U-Bahn-Linien, Hochhäuser im Nationalpark und unmögliche Routen. Ein kurze Liste zu den Grenzen der Automatisierung.
Von Sebastian Grüner

  1. Kartendienst Google bringt AR-Navigation und Reiseinformationen in Maps
  2. Maps Duckduckgo mit Kartendienst von Apple
  3. Google Maps zeigt Bikesharing in Berlin, Hamburg, Wien und Zürich

  1. Disney: 4K kostet bei Disney+ keinen Aufpreis
    Disney
    4K kostet bei Disney+ keinen Aufpreis

    Ohne Aufpreis für 4K-Streaming will sich Disney zum Start von Disney+ von Konkurrenten wie Netflix abheben. Außerdem wird auf der Plattform Binge-Watching weniger populär sein, denn neue Episoden sollen nacheinander wöchentlich erscheinen.

  2. Kickstarter: Retrostone 2 ist ein Game Boy mit LC-Display und Ethernet
    Kickstarter
    Retrostone 2 ist ein Game Boy mit LC-Display und Ethernet

    Er sieht aus wie eine Mischung aus SNES-Controller und Game Boy: Der Retrostone 2 ist eine mobile Spielekonsole, auf der Gamer ihre alten Spiele als Emulation spielen können. Ungewöhnlich: Mit USB, HDMI und Ethernet eignet sich das System auch als Standkonsole am Fernseher.

  3. Taleworlds: Mount and Blade 2 ist 2020 nach acht Jahren spielbar
    Taleworlds
    Mount and Blade 2 ist 2020 nach acht Jahren spielbar

    Mit dem Schwert und dem Pferd können Fans der Mittelaltersimulation Mount and Blade den langersehnten zweiten Teil spielen. Diese Version wird allerdings im Early Access erscheinen und von daher nicht fertig sein. Zumindest geht es voran.


  1. 13:13

  2. 12:34

  3. 11:35

  4. 10:51

  5. 10:27

  6. 18:00

  7. 18:00

  8. 17:41