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Der Mythos von den 50 MBit...

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  1. Der Mythos von den 50 MBit...

    Autor: Sammie 24.04.15 - 12:13

    > In Deutschland haben nach Angaben des Verkehrsministeriums mittlerweile zwei Drittel aller Haushalte Zugang zu besonders schnellem Internet mit mehr als 50 MBit pro Sekunde.

    Aber auch nur auf dem Papier. Als "an 50 MBit angeschlossen" gilt ja jede Stadt, die sowas im Stadtkern vorweisen kann. Nur nimmt dieser Speed in der Regel meist ab, je weiter man vom Stadtkern entfernt wohnt, so dass bei 2/3 der Bürger im mittleren und äußeren Ring teilweise nur noch 16, 6 oder gar 2 MBit ankommen.

    Auf der Breitband-Liste für Deutschland wird die Stadt dann trotzdem mit 50 Mbit+ abgehakt und ein weiterer Ausbau findet in der Regel nicht mehr statt, sofern die Stadt nicht deutlich wächst, was bei den meisten mittelgroßen Städten unterhalb von 150.000 Einwohnern kaum der Fall ist. Aber im Schönreden von Statistiken ist die Politik ja immer schon klasse gewesen.

    In Wirklichkeit haben weniger als 10% eine Leitung von 50 MBit oder mehr zur Verfügung. Statista.com hat auch erst letzten Monat verkündet, dass Deutschlands Durchschnittsgeschwindigkeit gerade mal 8,8 MBit beträgt - Platz 29 im internationalen Ländervergleich. Wenn 2/3 angeblich 50 MBit haben und der Rest zB nur 2 MBit würden wir das Ranking mit weiterem Abstand anführen - die Realität sieht aber nachweislich anders aus.

  2. Re: Der Mythos von den 50 MBit...

    Autor: Replay 24.04.15 - 12:50

    Wir haben privat 50 Mbit und diese werden auch erreicht. Sofern die Gegenstelle entsprechend schnell liefern kann. Und nein, nicht mitten in der Großstadt.

    Ich habe es schon angedeutet - selten ist die Gegenstelle in der Lage, mit 50 Mbit auszuliefern. Und/oder das Peering ist miserabel, daran krankt es in Deutschland auch.

    Grundsätzlich stimmt es aber, daß der Breitbandausbau hierzulande schlecht und die Geschwindigkeiten lahm sind.

    Kleiner Trost - in den USA hat man nur in großen Städten (dort definiert sich große Stadt ja anders als in Europa) schnelles Internet, der Rest geht über uralte Leitungen per Modem. Als Alternative gibt es dort drüben Internet per Kabel-TV, das aber zu deftigen Preisen.

    Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke. Das Ministerium für Wahrheit.

  3. Re: Der Mythos von den 50 MBit...

    Autor: tezmanian 24.04.15 - 12:59

    Was meinte der Techniker gestern zu mir, Ihre Leitung ist knapp 2,4 km lang, mehr als die 13 MBit bekommen wir da nicht durch, wenn weiter Störungen auftreten müssen wir wohl auf 8 Mbit reduzieren. Ich wohne Luftlinie keine 8km vom Telekom Hauptsitz weg. Im Grunde bekommen in meiner Stadt von der Telekom ca 2-3 Straßen und dort meist auch nur die Hälfte VDSL. Naja, aber zum Glück hat sich meine Stadt jetzt mit einem anderen Carrier zusammen entscheiden Glasfaser auszubauen.

  4. Re: Der Mythos von den 50 MBit...

    Autor: Paule 24.04.15 - 15:35

    Sammie schrieb:
    --------------------------------------------------------------
    > In Deutschland haben nach Angaben des Verkehrsministeriums
    > mittlerweile zwei Drittel aller Haushalte Zugang zu besonders
    > schnellem Internet mit mehr als 50 MBit pro Sekunde.

    ...mehr als...
    Also bis auf wenige FTTH Ausnahmen entweder VDSL Vectoring Outdoor Ausbau oder TVKabel.

    >
    > Aber auch nur auf dem Papier. Als "an 50 MBit angeschlossen"
    > gilt ja jede Stadt, die sowas im Stadtkern vorweisen kann.

    Die zählt dann aber nicht zu den "mehr als 50 Mbit/s" Orten.

    > Auf der Breitband-Liste für Deutschland wird die Stadt dann trotzdem mit 50
    > Mbit+ abgehakt und ein weiterer Ausbau findet in der Regel nicht mehr
    > statt, sofern die Stadt nicht deutlich wächst, was bei den meisten
    > mittelgroßen Städten unterhalb von 150.000 Einwohnern kaum der Fall ist.

    Bei uns nur eine 40.000er Stadt.
    Stadtwerke bauen in Randgemeinden FTTH, im Hauptort liegt fast überall TVKabel, VDSL50 bisher nur im Zentrum aber Outdoor Vectoring wird nun auch ausgebaut.

    OK, geschrumpft wird wo anders.

    > In Wirklichkeit haben weniger als 10% eine Leitung von 50 MBit oder
    > mehr zur Verfügung.

    ... "zur Verfügung" ...
    Weil es nicht mehr gibt, oder weil sie nicht mehr als zB 16 MBit/s bestellen, da mehr nicht benötigt wird, wenn es teurer ist?

    Ich kenne viele denen 16 Mbit/s voll ausreichen obwohl es auch Kabel mit 100 oder VDSL mit 50 Mbit/s gäbe. Aber wenn man Internet nicht gerade als Hobby betrachtet, dann sitzt der Geldbeutel nicht so locker, um für Mehrleistung zu bezahlen die nicht wirklich benötigt wird.

    Ich habe 100 Mbit/s weil ich es bekommen und den Luxus leisten kann, obwohl mir in Wirklichkeit auch 16 Mbit/s noch ausreichen würden, wenn das Geld knapp wäre.
    Der Aufpreis ist halt für den extra Spassfaktor, wenn Downloads in Minuten statt Stunden durchlaufen.

    > Statista.com hat auch erst letzten Monat verkündet, dass Deutschlands
    > Durchschnittsgeschwindigkeit gerade mal 8,8 MBit beträgt -
    > Platz 29 im internationalen Ländervergleich.

    Durchschnittsgeschwindigkeit wenn alle das bei ihnen maximal mögliche buchen, oder reale Durchschnittsgeschwindigkeit der tatsächlich gebuchten Anschlüsse? Ich tippe aus letzteres.

    > Wenn 2/3 angeblich 50 MBit haben und der Rest zB nur 2 MBit
    > würden wir das Ranking mit weiterem Abstand anführen
    > - die Realität sieht aber nachweislich anders aus.

    Die Realität sieht so aus, dass sehr viele Kunden nicht das maximal mögliche buchen, da das teurer wäre als ein kleinerer Anschluss der die eigenen Bedürfnisse an Internet voll erfüllt.

    2/3 könnten 50 Mbit/s erhalten, aber von denen will der Großteil das überhaupt nicht.
    d.h. diejenigen die nicht das maximal mögliche bestellen sind somit Schuld daran, dass bei uns der Durchschnitt nicht bei mindestens 34 Mbit/s liegt.
    ;-)

  5. Re: Der Mythos von den 50 MBit...

    Autor: spezi 24.04.15 - 16:00

    Sammie schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > In Deutschland haben nach Angaben des Verkehrsministeriums mittlerweile
    > zwei Drittel aller Haushalte Zugang zu besonders schnellem Internet mit
    > mehr als 50 MBit pro Sekunde.
    >
    > Aber auch nur auf dem Papier. Als "an 50 MBit angeschlossen" gilt ja jede
    > Stadt, die sowas im Stadtkern vorweisen kann. Nur nimmt dieser Speed in der
    > Regel meist ab, je weiter man vom Stadtkern entfernt wohnt, so dass bei 2/3
    > der Bürger im mittleren und äußeren Ring teilweise nur noch 16, 6 oder gar
    > 2 MBit ankommen.

    Ich bezweifle, dass alle Haushalte der Stadt alleine deswegen als mit 50 Mbit/s versorgt gelten, weil die Telekom 50 Mbit/s um den Hauptverteiler anbietet.

    Was ich allerdings für wahrscheinlich halte ist, dass alle Haushalte mit VDSL-Verfügbarkeit als mit 50 Mbit/s versorgt gelten, auch wenn in diesen Fällen durchaus auch nur 30 Mbit/s real ankommen können. Aber bei mir gibt's per DSL z.B. nur 12 Mbit/s, und VDSL ist damit nicht verfügbar ("offiziell" eben DSL16000).

    > Auf der Breitband-Liste für Deutschland wird die Stadt dann trotzdem mit 50
    > Mbit+ abgehakt und ein weiterer Ausbau findet in der Regel nicht mehr
    > statt, sofern die Stadt nicht deutlich wächst, was bei den meisten
    > mittelgroßen Städten unterhalb von 150.000 Einwohnern kaum der Fall ist.

    Die derzeitige Situation ist ganz anders. Zum einen gibt es in etlichen Städten Projekte lokaler Anbieter (z.B. der Stadtwerke). Aber auch die Telekom weitet seit 2013 im Rahmen der Vectoring-Einführung die VDSL-Verfügbarkeit stark aus, und ein Hauptziel dieses Ausbaus sind die vielen Städte, in denen es bisher noch keinen VDSL-Ausbau gab. Auch in meiner Stadt soll es bis kommenden September VDSL und Vectoring geben - die ersten Multifunktionsgehäuse stehen schon in den Strassen.

    > In Wirklichkeit haben weniger als 10% eine Leitung von 50 MBit oder mehr
    > zur Verfügung. Statista.com hat auch erst letzten Monat verkündet, dass
    > Deutschlands Durchschnittsgeschwindigkeit gerade mal 8,8 MBit beträgt -
    > Platz 29 im internationalen Ländervergleich.

    Statista bezog sich dabei auf den "State of the Internet"-Report von Akamai:
    http://www.akamai.com/stateoftheinternet/soti-visualizations.html

    Akamai wertet dabei als Content Delivery Network die durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit der über Akamai heruntergeladenen Inhalte aus. Das sind natürlich keine expliziten Leitungstests. Überlastete WLANs, parallele Internetnutzung (IPTV, Youtube, andere Downloads...) etc. wirken sich natürlich auf die Statistik aus.

    Japan (Platz 3) kommt da auch nur auf 15,2 Mbit/s. Für ein Land, bei dem angeblich jede Pommesbude FTTH hat, ein erstaunlich niedriger Wert.

    Akamai bietet auch neben dem einfachen Durchschnittswert die "Average Peak Connection Speed". Da kommt Japan auf 69 Mbit/s - und Deutschland auf 41 Mbit/s.

    Alternativ kannst Du Dir auch die gesammelten Ergebnisse von speedtest.net anschauen:
    http://explorer.netindex.com/maps

    Da liegt der Durchschnittswert für Deutschland derzeit bei 30,85 Mbit/s.

    > Wenn 2/3 angeblich 50 MBit
    > haben und der Rest zB nur 2 MBit würden wir das Ranking mit weiterem
    > Abstand anführen - die Realität sieht aber nachweislich anders aus.

    Es ist nachweislich schwierig, Statistiken zu interpretieren. Man sollte sich immer Gedanken machen, ob sie wirklich genau das messen, was man da hinein interpretieren will, und welche anderen Faktoren das Ergebnis beeinflussen...

  6. Re: Der Mythos von den 50 MBit...

    Autor: M. 24.04.15 - 20:47

    > Ich habe es schon angedeutet - selten ist die Gegenstelle in der Lage, mit
    > 50 Mbit auszuliefern. Und/oder das Peering ist miserabel, daran krankt es
    > in Deutschland auch.
    Das ist aber eher ein Peering-Problem und insbesondere von der Telekom hausgemacht. Ich wohne in der Schweiz und habe Zugang zu diversen Internetanschlüssen >> 50 MBit/s (DOCSIS mit 100 MBit/s privat, aber auch Uni oder CERN mit 1 GBit/s und mehr). Von da, wo ich grössere Datenmengen brauche, kriege ich selten unter 100 MBit/s effektiv, also ca. 10-15 MB/s Downloadrate. Gegebenenfalls halt mit mehreren gleichzeitigen Verbindungen.

    Das Problem der deutschen Telekom a.k.a. DTAG ist halt, dass sie gerne ein Tier-1-Provider wäre und deshalb mit fast keinem Anbieter kostenlos peeren will. Es sollen doch bitte alle dafür bezahlen. Bis vor kurzem war z.B. die DTAG auch nicht am DE-CIX vertreten. Grosse Contentprovider und CDNs wie Google, Amazon, Akamai etc. sind meist sehr offen was Peering angeht (gerade nahe bei den Benutzern, also bei ISPs), wollen aber natürlich nicht noch was draufzahlen.

    There's no sense crying over every mistake,
    you just keep on trying 'till you run out of cake.

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