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Vectoring = Zementierung Kupfermonopol & Verhinderung von Glasfaser

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Vectoring = Zementierung Kupfermonopol & Verhinderung von Glasfaser

Autor: pointX 10.04.16 - 18:27

Vectoring in der aktuellen Form schadet dem langfristigen Ausbau von Glasfaer und ist kein brauchbares FTTC.
Es wird viel zu wenig Glasfaser zum Kvz gelegt, und keine Anschlüsse (nicht mal Leerrohre oder Steckverbinder) vorgehalten, um darauf aufbauend Glasfaser zum Kunden anzuschließen. D.h. selbst wenn ein Kunde (z.B. bei einem Neubau oder Straßensanierung) auf eigene Kosten oder durch einen Mitbewerber von seinem Keller zum Kvz ein Glasfaserkabel zieht, kann das am Kvz nicht angeschlossen werden. Dafür muss der Kunde dann tief in die Tasche greifen (MBfm) und der Telekom den Ausbau der für FTTH nötigen (passiven) Komponenten bezahlen, während die Telekom stattdessen in aktive Geräte für Kupfer investiert (und damit den Kvz exklusiv belegt), welche das seit Jahrzehnten liegende Kupfer ausquetschen, aber selbst im Optimalfall (G.Fast) auf weniger als 1Gbit/s begrenzt sind.

Die Telekom baut damit Kästen (KvZ) aus, welche nicht einmal theoretisch zukunftssicher sind.
Die Anbindung der Vectoring-Kvzs ist so unterdimensioniert, dass ein späterer dedizierter FTTH-Ausbau für alle daran angeschlossen Kunden gar nicht möglich ist, weil viel zu wenig Fasern vom Kvz zum Hvt gelegt werden. Bei einem richtigen FTTH-Ausbau für einen Glasfaseranschluss vom Backbone-Netz zum Kunden muss die gesamte Anbindung Hvt->Kvz->Kunde später nochmals gemacht werden, die Straßen alle nochmals aufgerissen werden.

Vectoring & VDSL ist also KEIN Zwischenschritt hin zu FTTH.
Vectoring ist kurzfristig gesehen (für die nächsten 15 Jahre) ein "brauchbares" Netz, das aber absehbar in 15-20 Jahren wieder mit Fördergelder für FTTH komplett neu ausgebaut werden muss. Vectoring ist das zementieren des Kupfermonopols der Telekom und das aussperren von Konkurenten aus der physikalischen letzten Meile.

Für die nächsten zwei Jahrzehne bleiben also Firmen auf der Strecke, die mit den marginalen Uploads nichts anfangen können, oder Tarife für mehrere hundert ¤ buchen müssen, um eine kleine symetrische Leitung zu bekommen. Das sind wirtschaftliche Schäden und Standortnachteile, die für unseren Industriestandort nicht tragbar sind. Dem Bürger wird die Möglichkeit genommen, eigene Dienste (z.B. auf einem NAS) zu betreiben, weil nicht genug Upload zur Verfügung steht. Anbindungen bis 10Gbit ans Backbone-Netz sind nicht mal theoretisch möglich.

Selbst das FTTH, was die Telekom bisher macht, ist gammelig.
Dort wird auf GPON als Shared Medium gesetzt, bei dem sich die 2,5Gbit down/1,25Gbit up Verbindung vom Kvz zum Hvt auf 32 bis 64 Kunden aufteilen. Das fällt nur zur Zeit noch nicht auf, weil noch keiner die Bandbreiten voll ausnutzt. Das, worüber sich Kabelkunden also jetzt schon beschweren (dort mit einer stärkeren Überbuchung von 1:200), wird bei der Telekom in neuen FTTH-Netzen mit Fördergeldern wieder falsch aufgebaut.

Wie es richtig geht zeigen kommunale Projekte und Stadtwerke.
Z.B. der FTTH-Ausbau in Brigachtal, wo man auf mehrere dedizierte Fasern vom Hausanschluss bis zum Backbone setzt.
Damit ist das Netz heute schon mit theoretischen 100Gbit vom Backbone zum Kunden durchgehend zukunftssicher. Natürlich wird das heute noch niemand ausnutzen, und das Backbone-Netz wäre dann der Flaschenhals, das Backbone-Netz kann man aber relativ gesehen günstig und nach Bedarf aufrüsten. Die "letzte Meile" jedoch (ab dem Hvt) ist es, die den Ausbau so teuer macht, und dort muss man beim Telekom-Vectoring Ausbau heute schon absehbar in 20 Jahren vom Hvt zum Kvz wieder alles aufreisen und neu machen.

Deshalb sollte man zumindest bei jedem Ausbau eines Kvz die Vorhaltungen (Leerrohre, Anschlüsse) bereitstellen, damit man später sukzessive (z.B. wenn eh wieder das Wasser neu gemacht und die Straße aufgebaggert wird) die Häuser anschließen kann. Aber nein, nicht einmal das wird gemacht. Und da geht es nicht einmal um aktive Komponenten, sondern z.B. um passive Spleissmodule, für die man einfach nur Platz in den Kvz-Kästen vorhalten müsste.

Ganz abgesehen davon, dass dort, wo Vectoring ausgebaut wird, es auf absehbare Zeit keinerlei Förderung mehr für FTTH-Projekte von Mitbewerbern geben wird. Der Kvz wird exklusiv durch die Telekom belegt, Glasfaser-Anschluss wird nicht vorgesehen, und Mitbewerbern die Glasfaser zum Kunden legen wollen die Geschäftsgrundlage durch das Wegfallen der Förderung entzogen. Damit wird für die nächsten Jahrzehne das Kupfermonopol der Telekom mit Anschlüssen mit mießem Upload ohne alternative zementiert und Glasfaser beerdigt. Dass dieses Modell jetzt auch noch von der BNetzA abgenickt und bei der EU durchgedrückt wird halte ich für skandalös.

Natürlich braucht auch in 10 Jahren nicht jeder eine 1Gbit FTTH-Leitung, und der schnelle Ausbau dafür kostet zu viel Geld.
Deshalb würde ich einen Vectoring-Ausbau als Übergangslösung für begrüßenswert halten, wenn er tatsächlich ein Zwischenschritt hin zu FTTH wäre.
Dafür müssen sich die Bedingungen aber Grundlegend ändern:
1) keine Fördergelder für Vectoring-Technik und unbrauchbaren FTTC-Ausbau
2) verpflichtende Vorhaltung von Leerrohren vom Hvt zum Kvz, um den Anschluss aller Kunden des Kvz mit einer dedizierten Glasfaser später zu ermöglichen. Die Leerrohre werden durch kleine Fördergelder finanziert
3) verpflichtende Anschlussmöglichkeit für Glasfaser am Kvz, wenn ein Kunde oder Mitbewerber die Leitung dahin legt
4) für jeden Kunden, der am für Vectoring ausgebauten Kvz mit Glas angeschlossen wird, bekommt die Telekom Fördergelder zur verpflichtenden Verbindung der dedizierten Glasfaser vom Kvz zum Hvt durch die in 2) finanzierten Leerrohre

Damit wäre der kurzfristige Ausbau mit hohen Bandbreiten durch Vectoring für einen hohen Anteil der Bevölkerung weiterhin möglich, aber vor allem gleichzeitig auch die Möglichkeit für Hauseigentümer und Mitbewerber sukzessive auf zukunftssichere Glasfaser-Anschlüsse umzusteigen gewährleistet.

Die Realität sieht leider genau umgekehrt aus:
1) Fördergelder für unbrauchbares FTTC für alte Kupfer-Technik
2) keine Möglichkeit zum späteren dedizierten FTTH-Ausbau
3) exklusiver Zugang der Telekom am Kvz, Aussperren von Mitbewerbern die Glasfaser legen wollen
4) keine Möglichkeit eines Glasfaser-Anschlusses zum Backbone-Netz (Hvt)

Vectoring als eine Übergangslösung hin zu FTTH/FTTB wäre zu begrüßen.
Die derzeitige Ausbaupraxis der Telekom führt aber leider genau zum Gegenteil.


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Vectoring = Zementierung Kupfermonopol & Verhinderung von Glasfaser

pointX | 10.04.16 - 18:27
 

Re: Vectoring = Zementierung...

Dwalinn | 11.04.16 - 09:47
 

Re: Vectoring = Zementierung...

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